Die Bürokraft Linda Liddle (Rachel McAdams) hat in ihrer Abteilung die Zahlen für die Chefetage jederzeit im Griff, im Umgang mit anderen Menschen ist sie aber eher unbeholfen, ein Hindernis auf ihrem erhofften Karrieresprung. Auch über ihren größten Wunsch, bei einem Survival-Format mitzumachen, wird hinter ihrem Rücken gelacht, aber dann landet sie nach einem Flugzeugabsturz auf dem Weg nach Thailand ausgerechnet mit dem Juniorchef Bradley Preston (Dylan O’Brian) als einzige Überlebende auf einer kleinen Insel, und beim Kampf ums Überleben zeigt Linda, was diesbezüglich in ihr steckt…
Ein Schiffbruch auf einer einsamen Insel fördert bei dem oder den Überlebenden deren eigentlichen Charakter zutage und hilft außerdem dabei, Machtstrukturen in Frage zu stellen und gegebenenfalls umzukehren. Dies war zuletzt schon bei Werken wie „Eden“ oder „Triangle of Sadness“ zu beobachten, hieran knüpft auch dieser Film an.
Hier wie da sind manche der Charaktere bereits zu Anfang nicht sonderlich sympathisch, so ist Lindas Chef im Kreis seiner Jungs-Clique ein ziemliches Arschloch, und wer nun angesichts seiner existentiell lebensbedrohlichen Situation auf seine Wandlung wartet, wird enttäuscht, wirklich liebenswerte Züge hat er einfach nicht, wenn ihm auch in einer speziellen Szene das Mitgefühl zumindest der männlichen Zuschauer sicher sein wird, er bleibt, was er immer war.
Schwieriger ist die Sache bei Linda Liddle, die sich wegen ihrer Unbeholfenheit zu Anfang bei der unfairen Behandlung in ihrem Job sich durchaus Sympathien erarbeitet, was jedoch immer wieder durch Fremdscham-Elemente relativiert wird. Dann erlebt man sie als zupackende und clevere Überlebensmanagerin, als Kümmerin und Versorgerin, bis sich mehr und mehr jedoch auch gewisse sadistische Momente einschleichen, bis sie etwas absolut Unverzeihliches tut – und damit meine ich nicht die gewisse Szene…
Dies alles wird, eingebettet in die faszinierende Szenerie einer Tropenkulisse zwischen Meer, Sand und Palmen, mit drastischem schwarzen, teilweise richtig fiesem Humor und eingestreuten Sam-Raimi-Jump-Scare-Horror-Momenten zelebriert, und während man mit den beiden Protagonisten, großartig verkörpert von Rachel McAdams und Dylan O’Brian, mitleidet und sich dabei immer wieder auch durchaus köstlich amüsiert, wird zweierlei immer klarer: mit keinem der beiden möchte man auch nur einen Tag auf einer einsamen Insel verbringen, aber vielleicht sollte man sich einige der Überlebenstipps aneignen, die einem während des Abspanns in anschaulichen Zeichnungen präsentiert werden.
Regie: Sam Raimi
Drehbuch: Damian Shannon, Mark Swift
Kamera: Bill Pope
Schnitt: Bob Murawski
Musik: Danny Elfman
Besetzung:
Rachel McAdams, Dylan O’Brian, Brad Flett, Edyll Ismail, Chris Pang, Xavier Samuel
20th Century Fox/ Walt Disney Studios
2026
113 min.
FSK 16
Deutscher Kinostart: 29. Januar 2026
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=R4wiXj9NmEE (Deutsch)
https://www.youtube.com/watch?v=NwR6J0W4XN0 (Englisch)

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