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Montag, 12. November 2018

Film-Rezensionen: Assassination Nation

Lily ist Schülerin und lebt mit ihrer Clique von Freundinnen in Salem, USA. Ihr Leben besteht, wie das aller Teenager auf der ganzen Welt, aus Handynachrichten, Postings und Selfies, jeder lagert sein privatestes Leben auf diese kleinen Geräte aus und gewährt seinen engsten „Freunden“ Einblicke darin. 

Unangenehm wird es, als diese Geheimnisse durch einen anonymen Hacker publik gemacht werden und jeder plötzlich entblößt für alle dasteht. Auf der Suche nach dem Schuldigen geraten Lily und ihre Freundinnen unter Verdacht und auf einmal bricht die für bürgerlich gehaltene Fassade auf. Unter den so entstandenen Rissen kommt all das Hässliche, Gemeine und Brutale zum Vorschein, das offenbar überall im Verborgenen schlummert und es ist wieder Hexenjagt in Salem…

Sam Levinson ist ein kompromissloser Film über die Abgründe in den scheinbar so bürgerlichen Gesellschaften gelungen, wobei die USA nur exemplarisch für alle anderen auf der Welt stehen. Überall scheint es zu brodeln und der kleinste Funke genügt, um in einer furchtbaren Detonation alles hinwegzufegen, was an zivilisatorischem Verhalten scheinbar so selbstverständlich Bestand hatte. Diese Idee ist nicht neu, aber gerade zur Zeit gibt es überall auf der Welt Anzeichen für unheimliche Kräfte, die an der Fassade kratzen, bis die Masken abgerissen werden und die darunter liegende Fratze von Gewalt, Rassismus, Faschismus auch bei den biedersten Nachbarn zum Vorschein kommt, der Schoß ist nach wie vor fruchtbar... Die Opfer sind mal Frauen, mal Schwarze, mal Ausländer, je nachdem welche Gruppe gerade in den Fokus rückt, und die Wutbürger übernehmen das Regiment.


Der Film verwendet drastische Bilder für seine Parabel, die sicher nicht jedem gefallen werden und das Ende ist mit ein wenig Gespür vielleicht vorhersehbar, die Spannung bleibt jedoch bis zum bitteren Ende hoch. Es ist eine Abrechnung mit gesellschaftlichen Tendenzen, wie dem maßlosen Gebrauch von Handy und Social Media, aber auch mit der Politik der USA, die die Gesellschaft spaltet und aufwiegelt und hinterlässt keinerlei Trost auf Erlösung, jedenfalls nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Fraglich ist, ob die Schlussszene endgültiger Abgesang oder doch eher Aufbruch zu mehr ist, der Titel des Films ist jedenfalls Programm.





Regie: Sam Levinson
Drehbuch: Sam Levinson
Kamera: Marcell Rév
Musik: Ian Hultquist
 
Darsteller:
 Odessa Young, Hari Nef, Suki Waterhouse, Bella Thorne, Abra, Bill Skarsgård, Colman Domingo
Universum Film
108 min.
FSK 16
Deutscher Kinostart: 15. November 2018