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Donnerstag, 16. April 2026

Im Kino: Lee Cronin's The Mummy (The Mummy)

Charlie Cannon (Jack Reynor) lebt mit zwei kleinen Kindern und seiner schwangeren Frau Larissa (Laia Costa) für einige Zeit in Kairo, als eines Tages das Fürchterliche geschieht: Tochter Katie (Emily Mitchell/ Natalie Grace) verschwindet spurlos und auch alle Anstrengungen einer engagierten örtlichen Polizistin (May Calamwy) führen bei der Suche zu keinem Erfolg. Erst acht Jahre später – die Familie lebt längst wieder in den USA – scheint Katie gefunden, aber das heimgeholte katatonische Kind verbreitet nur Angst und Schrecken – was mag ihm nur widerfahren sein?

Für alle Eltern dürfte ein verschwundenes Kind bereits Horror genug sein, vielleicht sollten diese für einen entspannten Kinoabend lieber einen anderen Film wählen. Ägypten-Begeisterte werden aus anderem Grund mit ihrem Filmabend nicht zufrieden sein, bekommt man doch weniger eine Mumien-Geschichte als eine Abwandlung des Exorzisten-Themas zu sehen, gespickt mit jeder Menge unappetitlicher Szenen, die eine FSK-18-Einstufung auf jeden Fall rechtfertigen und unter Umständen zur Absage des nächsten Fußpflegetermins führen.

Das Ganze bleibt leider einigermaßen unausgegoren, viele Elemente passen nicht ganz zusammen und wie soll man eines Dämons aus einem anderen religiösen Kontext zu Leibe rücken, dem mit bewährten Mitteln wie Kruzifixen und Weihwasser nicht beizukommen ist? Herhalten muss dann ein altes Ritual, das am Ende vielleicht tatsächlich für ein paar Schauer sorgt, aber bis dahin zieht sich der Schrecken, immer wieder in Ekelsequenzen schwelgend, ziemlich hin. 

Lang ist, man kann es nur immer wiederholen, nicht automatisch besser und vielleicht sollten manche Dinge vielleicht wirklich besser begraben bleiben...

 

 

Regie: Lee Cronin

Drehbuch: Lee Cronin

Kamera: David Garbett

Schnitt: Bryan Shaw

Musik: Stephen McKeon

 Besetzung:

Jack Reynor, Laia Costa, May Calamawy, Natalie Grace, Shylo Molina, Billie Roy, Veronica Falcón, Hayat Kaille, May Elghety, Tim Seyfi, Emily Mitchell

  

New Line Cinema/ Warner Bros. Pictures Germany

2026

133 min.

FSK 18

Deutscher Kinostart: 16. April 2026

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=aRej4ZMs57A (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=XJ0uv-phsDk (Englisch)

Donnerstag, 9. April 2026

Im Kino: The Historie of Sound

Die beiden jungen Männer Lionel (Paul Mescal) und David (Josh O’Connor) lernen sich Anfang der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts über ein Musikprojekt in Boston kennen (und lieben), aber sie verlieren sich im Laufe der folgenden Jahre aus den Augen. Lionel erkennt erst fast am Ende seines Lebens, was ihm die Zeit mit David bedeutet hat und dass sich versäumtes Glück nicht nachholen lässt…

In ruhigen Bildern und sehr langen Szenen entwickelt sich die Geschichte zweier verwandter Seelen, die über ihr Interesse an Musik und dabei speziell an alten Folksongs zueinander finden. Dabei mäandert die Geschichte durch ein paar Jahre, in denen David als Soldat in den ersten Weltkrieg geschickt wird und Lionel wieder auf die abgelegene Farm in Kentucky zurückkehrt, von wo er einst kam, ohne dass sich diese Elemente miteinander verbinden.

Mehr als ausführlich kommt man in Kontakt mit den fremd klingenden Volksweisen, die Lionel und David während einer mehrmonatigen Tour durch Neuengland quasi einsammeln, indem sie diese, immer wieder von verschiedenen Personen, aber auch von den Protagonisten selbst, a capella gesungen auf altertümlichen Wachswalzen konservieren. Vordergründig soll das Projekt einen Kulturschatz bewahren helfen, es dient aber in erster Linie dazu, die Beziehung der beiden jungen Männer zu beleuchten, denen es aufgrund der Umstände der damaligen Zeit nicht vergönnt ist, ihre Beziehung im Alltag auszuleben.

So weit, so tragisch, leider vermag der Film aber zu keinem Zeitpunkt über eine gepflegte Langeweile hinaus diese Tragik greifbar zu machen, da helfen auch die beiden zurzeit so überaus angesagten Schauspieler O’Connor und Mescal nicht. Nichts fügt sich zu einem homogenen Ganzen zusammen, und der einzige Aspekt, der wirklich interessant klingt und in den ersten Szenen des Films durch die Off-Stimme des Kindes Lionel beschrieben wird, dass er nämlich Töne als Farben wahrnimmt, spielt im Folgenden überhaupt keine Rolle mehr und wird nicht wieder erwähnt, obwohl dies etwas gewesen, worüber man tatsächlich gerne mehr erfahren hätte.

 

 Regie: Oliver Hermanus

Drehbuch: Ben Shattuck, b/a seiner gleichnamigen Short Story

Kamera: Alexander Dynan

Schnitt: Chris Wyatt

Musik: Oliver Coates

 Besetzung:

Josh O’Connor, Paul Mescal, Chris Cooper, Molly Price, Tom Nelis

 

Film4/ MUBI/ UPI

2025

128 min.

FSK 6

Deutscher Kinostart: 09. April 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=v_8aa29jIOw (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=YfEYUoefwb8 (Englisch)

 

Mittwoch, 8. April 2026

Im Kino: Das Drama - Noch einmal auf Anfang (The Drama)

Emma (Zendaya) und Charlie (Robert Pattinson) stecken mitten in den Hochzeitsvorbereitungen, als ein unbedacht geäußertes Geheimnis aus der Vergangenheit alles zu erschüttern droht…

Wann kennt man seinen Partner wirklich und gäbe es möglicherweise etwas, das, wenn man es denn wüsste, die Liebe zueinander in Frage stellen könnte? Das junge Paar hier steht noch ganz am Anfang seiner Beziehung und noch gäbe es die Chance, alles noch einmal zu überdenken, bevor man sich mit der Hochzeit aneinanderbindet und mit dieser Option spielt der Film mit geradezu diebischem Vergnügen.

Um was für ein Geheimnis es sich handelt, soll natürlich nicht verraten werden, auch wenn dieses schon relativ früh ins Spiel kommt und die Geschichte sich ab da nur noch um die Auswirkungen auf die Gefühlswelt der Beteiligten dreht, zu denen neben den Verlobten auch deren Trauzeugen gehören, die, ohne es zu wollen, das Chaos heraufbeschworen haben, und an dieser Stelle sei ein für alle Mal vor irgendwelchen dummen Spielen gewarnt, bei denen man nur so aus Spaß in die Verlegenheit kommt, ein möglichst peinliches Geheimnis zu offenbaren!

Der Film lebt von seinen Darstellern und Zendaya und Robert Pattinson liefern eine gute Vorstellung ab, wobei sie so wunderbar in sich ruht, während er von einem hysterischen Anfall in den nächsten gerät, ohne dass sie es überhaupt so richtig mitbekommt, was zu einiger grotesker Situationskomik führt. Ansonsten ist es solide Unterhaltung mit einer interessanten Prämisse, die vielleicht den oder die ein oder anderen Zuschauer oder Zuschauerin zum Nachdenken anregen könnte, und ein anschauliches Beispiel für die zerstörerische Kraft eines bösen Gedankens, sobald dieser sich einmal im Hirn eingenistet hat.

Was es aber wieder einmal nicht ist: die vielleicht von vielen – vor allem aufgrund des Filmplakats – erhoffte RomCom mit zwei zur Zeit sehr angesagten Darstellern, soviel sei verraten…

 


 Regie: Kristoffer Borgli

Drehbuch: Kristoffer Borgli

Kamera: Arseni Khachaturan

Schnitt: Kristoffer Borgli, Joshua Raymond Lee

Musik: Daniel Pemberton

 Besetzung:

Zendaya, Robert Pattinson, Alana Haim, Mamoudou Athie, Hailey Gates, Sydney Lemmon, Anna Baryshnikov

 A24/ Leonine

2026

105 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 02. April 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=9vywWpuI61E (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=6zmKcUa4Xxk (Englisch)