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Donnerstag, 30. April 2026

Im Kino: Der Teufel trägt Prada 2

Miranda Priestly (Meryl Streep) ist immer noch Chefredakteurin des renommierten Modemagazins „Runway“, aber die Abkehr der Leserschaft von Print-Produkten macht ihr zu schaffen. Aus denselben Gründen verliert die mittlerweile erfolgreich als Journalistin tätige Andy Sachs (Anne Hathaway) ihren Job, bekommt dann überraschend eine Stelle bei „Runway“, wo ausgerechnet sie Miranda im Kampf ums Überleben unterstützen soll. Als dann die alte Rivalin Emily Charlton (Emily Blunt), mittlerweile Chefin eines bekannten Modelabels, auftaucht, sind die Karten gemischt für ein Intrigenspiel, bei dem Art Director Nigel (Stanley Tucci), wie immer stets stilvoll, versucht, die Fäden in der Hand zu behalten…

Zwanzig Jahre nach dem Erfolg des ersten Teils, der inzwischen Kult-Status genießt, finden sich die Akteurinnen und Akteure von damals noch einmal zusammen, um scheinbar unverwüstlich ihr altes Spiel von damals wieder aufzunehmen. Mag auch die Welt eine andere geworden sein, der Modezirkus fasziniert sein Publikum noch immer und wenn auch die strahlenden Marken dabei sind, ihre einstige Exklusivität mehr und mehr einem breiteren Massenpublikum zu opfern, noch wirkt die Magie bestimmter Namen so anziehend wie immer und darauf baut auch dieser Film.

Dabei werden unschöne Businesspraktiken, wie sie in jeder anderen Branche auch herrschen, beleuchtet, ebenso der Schmerz, den der Verlust liebgewordener Werte und nostalgischer Erinnerungen an eine sich ständige verändernde Welt bereitet, aber am Ende tröstet dann doch immer wieder das nächste Paar Schuhe oder das Designerkleid mit langer Schleppe auf dem nächsten roten Teppich und das Universum der Reichen und Schönen ist sofort wieder in Ordnung.

Alles in allem bietet der Film solide Unterhaltung, ob er an den alten Erfolg anknüpfen kann, bleibt abzuwarten, die Schauspiel-Crew, allen voran die unvergleichliche Meryl Streep und der bestens aufgelegte Stanley Tucci, hat sich jedenfalls in die entsprechende Schale geworfen, diese Erwartungen dürften daher nicht enttäuscht werden, die Welt hätte sich aber auch ohne diese Fortsetzung einfach weitergedreht...

 

 Regie: David Frankel

Drehbuch: Aline Brosh McKenna, b/a Roman von Lauren Weisberger

Kamera: Florian Ballhaus

Schnitt: Andrew Marcus

Musik: Lady Gaga, Theodore Shapiro

 Besetzung:

Meryl Streep, Anne Hathaway, Emily Blunt, Stanley Tucci, Justin Theroux, Kenneth Branagh, Lucy Liu, Lady Gaga

 

20th Century Studios, Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

2026

119 min.

FSK 0

Deutscher Kinostart: 30. April 2026

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=rtAKeJQSrwM (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=e9HXmMnUEdE (Englisch)

 

Mittwoch, 18. Juli 2018

Film-Rezensionen: Mamma Mia! Here We Go Again


Es war nur eine Frage der Zeit, aber zehn Jahre hat es immerhin gedauert, bis nun eine Neuauflage des Sommerhits "Mamma Mia" in die Kinos kommt.

Für Freunde der kompromisslosen Seichtigkeit gepaart mit dem schmissigen ABBA-Sound sollte dies eine gute Nachricht sein.

Genau wie der erste Teil kommt auch „Mamma Mia – Here We Go Again" völlig ohne Handlung aus. Sophie (Amanda Seyfried), die seinerzeit den kompletten Film über ihre Hochzeit vorbereitet, die dann doch nicht stattfindet, zu der sie ihre drei möglichen Väter Sam, Harry und Bill (Pierce Brosnan, Colin Firth und Stellan Skarsgard) einlädt, bereitet nun eine Feier zur Wiedereröffnung des Hotels auf der fiktiven Insel Kalokairi vor und stellt irgendwann fest, dass sie schwanger ist. Grund genug, wieder jeden einzuladen, der greifbar ist, allen voran ihre drei Väter, ihren Beinahe-Ehemann Sky (Dominic Cooper), der zur Zeit in New York weilt, sowie die beiden Freundinnen ihrer Mutter Tanya (Christine Baranski) und Rosie (Julie Walters), die die Rollen der komischen Alten immer noch glänzend ausfüllen.

Ein Wermutstropfen fällt in den nach wie vor übersüßen Cocktail aus bonbonbunten Bildern und fröhlicher Urlaubsstimmung, als sich herausstellt, dass Mutter Donna inzwischen leider verstorben ist – für Zuschauer, die sich darauf gefreut haben, Meryl Streep wiederzusehen, eine schlechte Nachricht, sie müssen sich bis fast zur letzten Szene gedulden, bis sie tatsächlich doch noch auftaucht.

Neu sind die Rückblenden in die Zeit, in der alles begann. Wir erleben die junge Donna (Lily James) wie sie den drei jungen Männern (Jeremy Irvine, Hugh Skinner, Josh Dylan) begegnet, mit denen sie sich in ihrem ersten Sommer nach ihrem Schulabschluss amüsiert hat, als sie voller Elan und Vorfreude auf das Leben eine Reise durch Europa unternahm, die sie schließlich auf die Insel Kalokairi geführt hat, wo sie ihre kleine Tochter Sophie dann zur Welt brachte. Wir begegnen ebenfalls den jüngeren Ausgaben von Tanya (Jessica Keenan Wynn) und Rosie (Alexa Davies) und der Film springt zwischen diesen beiden Zeitebenen munter hin und her, bis es am Schluss zu einem herzergreifenden Aufeinandertreffen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft (in Gestalt von Sophies kleinem Sohn) kommt.

Insgesamt ist der Film nicht mehr ganz so unbeschwert und es gibt ein paar der nicht so bekannten ABBA-Songs zu hören, möglicherweise wird dies nicht mehr jedem gefallen, der auf den brutalen Feelgood-Vibe des ersten Teils hofft. Dafür ist die Fortsetzung in ihren Musik- und Tanzszenen besser choreographiert, die Lieder passen textlich besser zu den jeweiligen Szenen, und wer sich fragt, wie zum Teufel man es schafft, die spanisch angehauchte Lagerfeuer-Ballade „Fernando“ auf einer griechischen Insel unterzubringen, auf den wartet ein wirklich origineller Höhepunkt, in dem die überraschend aufgetauchte Großmutter Ruby (Cher) und der geheimnisvolle Señor Cienfuegos (Andy Garcia) einen grandiosen Auftritt haben. Und keine Angst: einige der bekannten Schmetter-Arien sind wieder zu hören, für Freunde von Wimmelbildern: Augen auf, vielleicht entdeckt Ihr Benny und Björn irgendwo! 


Regie und Drehbuch: Ol Parker 
Nach einer Idee von: Richard Curtis, Ol Parker und Catherine Johnson
b/a dem Original-Musical von: Catherine Johnson 
Ausführende Produzenten: Benny Andersson, Björn Ulvaeus, Rita Wilson, Tom Hanks 
Kamera: Robert D. Yeoman 
Musik: Benny Andersson, Björn Ulvaeus, Anne Dudley 
Schnitt: Peter Lambert
 
Darsteller:
Christine Baranski, Pierce Brosnan, Dominic Cooper, Colin Firth, Andy Garcia, Lily James, Amanda Seyfried, Stellan Skarsgard, Julie Walters, Alexa Davies, Josh Dylan, Jeremy Irvine, Hugh Skinner, Jessica Keenan Wynn, sowie Cher und Meryl Streep

Im Verleih von Universal Pictures International Germany
USA 2018
114 min
Kinostart: 19. Juli 2018


Donnerstag, 10. November 2016

Film-Rezensionen: Florence Foster Jenkins


Florence Foster Jenkins



Der Film erzählt die (wahre) Geschichte der reichen Erbin Florence Foster Jenkins (hinreißend dargestellt von Meryl Streep), die es sich Im New York der 40ger Jahre zur Aufgabe gemacht hat, unter Einsatz ihres nicht unbeträchtlichen Vermögens und einer überwältigenden Leidenschaft ihren Mitbürgern klassische Musik näher zu bringen. Unterstützt wird sie dabei von ihrem britischen Ehemann, St. Clair Bayfield (tadellos: Hugh Grant), einem alternden Schauspieler, dem der entscheidende Erfolg auf der Theaterbühne verwehrt geblieben ist. Zusammen tritt das Paar im von beiden gegründeten Verdi-Club vor einem ausgewählten Publikum der New Yorker Society auf. In legendären Tableaux vivants deklamiert St. Clair unsterbliche Verse, während Florence in schrillen Kostümen für deren Untermalung sorgt.



Florences eigentliche Leidenschaft gilt jedoch der Oper, und ein Konzert in der Carnegie Hall weckt in ihr das Verlangen, Gesangsunterricht zu nehmen, ein Wunsch, den ihr St. Clair sogleich erfüllt. Die Aufgabe übernimmt – gegen ein üppiges Honorar – ein renommierter Musiker. Außerdem bekommt der mittellose junge Pianist Cosmé McMoon (herrlich verhuscht: Simon Helberg) die Chance auf ein fürstliches Gehalt, um Madame Florence musikalisch zu begleiten. McMoon kann sein Glück kaum fassen und sieht aufgeregt seiner ersten Stunde mit ihr entgegen. Die Spannung weicht jedoch einem ungläubigen Entsetzen, als Florence ihre Stimme erhebt, denn die Gute ist leider völlig unmusikalisch. Ohne Gefühl für Intonation und Rhythmus verfehlt sie haarscharf jeden Ton, was aber weder Gesangslehrer noch Gatte zu bemerken scheinen, vielmehr wird sie von beiden freundlich ermutigt.



Florence wagt sich an die schwierigsten Arien und nichts kann sie davon abhalten, diese auch in öffentlichen Auftritten zu Gehör zu bringen. St. Clair sorgt allerdings stets peinlich genau dafür, dass wirklich nur ein ausgewähltes Publikum zugelassen ist, so dass Florence nie erfährt, wie untalentiert sie in Wirklichkeit ist. Als sie sich eines Tages in den Kopf setzt, in der Carnegie Hall aufzutreten, wird die Sache brenzlig, denn alles andere als eine unglaubliche Blamage wäre eine Überraschung. Alle Versuche McMoons, sich aus dieser auch für ihn peinlichen Situation herauszuwinden scheitern, letztlich auch daran, dass sein Engagement einfach zu lukrativ ist und er auf andere Art wahrscheinlich nie die Chance erhalten wird, einmal in der Carnegie Hall zu spielen.



Auch St. Clair gelingt es nicht, Florences Auftritt zu verhindern, und diesmal liegt es nicht in seiner Macht, auf die Zusammensetzung des Publikums Einfluss zu nehmen, insbesondere einen besonders kritischen Journalisten fernzuhalten, der die Gelegenheit nutzt, endlich einmal die Wahrheit über Florences Sangeskunst zu schreiben. St. Clair und McMoon setzen alles daran, zumindest zu verhindern, dass Florence seine Rezension zu lesen bekommt, aber auch das misslingt…



Einen weiteren tragischen Aspekt erhält die Geschichte, wenn der Zuschauer erfährt, dass Florence schwer krank ist. Seit jungen Jahren leidet sie an Syphilis, die damalige Behandlung dieser Krankheit mit Quecksilber hat zwar ihr Leben gerettet, aber ihre Gesundheit dauerhaft ruiniert, wovon außer ihrem Mann nur wenige Menschen wissen.



Aufgrund der Krankheit lebt das Paar absolut enthaltsam, weswegen St. Clair eine Beziehung zu einer anderen Frau unterhält, was auch von Florence toleriert wird. Mit seiner „Zweitfrau“ lebt er zusammen, wann immer er das Gefühl hat, dass es Florence gut geht und sie aufs Beste versorgt ist, dafür tut St. Clair alles, aufopfernd, unerschütterlich und mit einer rührenden Zärtlichkeit. Es ist ein Arrangement der besonderen Art, alle Beteiligten scheinen damit glücklich zu sein, wer wollte ihnen dieses Glück streitig machen? Muss man in einem solchen Fall nicht von wahrer Liebe sprechen?



Der Film orientiert sich am Leben der echten Florence Foster Jenkins, und es gelingt Stephen Frears wie gewohnt meisterhaft, die anrührende Geschichte ohne Pathos und Kitsch in Szene zu setzen. Er lässt das New York der 40ger Jahre des vorigen Jahrhunderts lebendig werden, Kulisse und Kostüme schwelgen in nostalgischen Bildern, aufgeschreckt nur durch die schrillen Töne der Hauptperson.



Der Zuschauer ist zunächst hin- und hergerissen, kann es richtig sein, eine offensichtliche Wahrheit nicht auszusprechen und jemanden in einer Fantasiewelt leben zu lassen, auch wenn stets die Gefahr besteht, dass es zu einem bösen Erwachen kommt? Ist die Lüge ein legitimes Mittel um einen Zweck zu erreichen, sei er noch so ehrenvoll? Aber dem von Hugh Grant mit überzeugender Hingabe dargestellten St. Clair stellen sich diese Frage nicht, er handelt aus Liebe, und durch ihn bekommt das Leben seiner Frau eine besondere Würde, ein Leben, das angesichts ihres Schicksals so anders hätte verlaufen können, verhärmt und verbittert, in Schwermut und Melancholie. Stattdessen erlebt Florence viele wunderschöne Momente, die wahrscheinlich nur Meryl Streep mit einer gleichermaßen kindlichen wie überschwänglichen Freude vermitteln kann.



Florence Foster Jenkins lebt ihren Traum und als ihr Ende bevorsteht, zieht sie ihr Fazit: „Die Leute können vielleicht behaupten, dass ich nicht singen kann, aber niemand kann behaupten, dass ich nicht gesungen hätte.“



Besser kann man nicht von der Bühne abgehen…





Regie: Stephen Frears

Drehbuch: Nicholas Martin

Kamera: Danny Cohen

Musik: Alexandre Desplat

Darsteller: Meryl Streep, Hugh Grant, Simon Helberg, Rebecca Ferguson, Agnes Stark



Dauer: 110 Minuten

Start: 24. November 2016