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Donnerstag, 6. August 2026

Im Kino: Eli Roth’s Ice Cream Man

Durch eine beschauliche Kleinstadt in den USA kurvt eines Tages ein Eiswagen mit einem freundlichen Eisverkäufer, der großzügig an alle Kinder seine Köstlichkeiten verteilt, woraufhin sich das Städtchen in einen wahren Ort des Horrors verwandelt…

Die Grundidee ist gar nicht so schlecht und erinnert vage an die Geschichte des Rattenfängers von Hameln, also die Rache eines zuvor von den Einwohnern einer Stadt Gedemütigten. Hier hätte also durchaus Potential für einen interessanten Film gesteckt, wer allerdings schon einmal einen Film von Eli Roth gesehen hat, ahnt, dass diese Rache nicht subtil, sondern mit dem Schlachtermesser oder ähnlichen Instrumenten zelebriert wird, woran sich nur Fans dieser Art von Filmen delektieren dürften, und daran ändern auch nicht die ebenso wenig subtilen Anspielungen auf einen Hitchcock-Klassiker.

Wer auf Splatter-Filme steht und sich gerne an blutigen, ekligen und geschmacklosen Schockeffekten delektiert, bei denen sich den meisten Zuschauenden der Magen umdreht, kommt hier voll auf seine Kosten, viel Vergnügen!

 Regie: Eli Roth

Drehbuch: Noah Belson, Eli Roth

Kamera: Simon Shohet

Schnitt: Matt Lyon

Musik: Brandon Roberts

 Besetzung:

Charli Zeltzer, Eli Roth, Darrin Baker, Ari Mille, Luke Dietz, Benjamin Byron Davis, Carina Battrick, Charlie Storey,

 StudioCanal

2026

86 min.

FSK 18

Deutscher Kinostart: 06. August 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=Yggt24Zmxgk (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=ppOnbtMhDWM (Englisch)

Donnerstag, 30. Juli 2026

Im Kino: Bitteres Fest (Amarga Navidad)

Filmemacher Raúl (Leonardo Sbaraglia) steckt in einer Schaffenskrise und verarbeitet schließlich eine Episode aus dem Leben seiner Freundin Elsa (Bárbara Lennie), die, als sie es herausfindet, darüber nicht begeistert ist, woraufhin es zu einer heftigen Auseinandersetzung kommt…

Dass ein Künstler sich ungeniert am Leben seines Umfelds bedient, dürfte nicht neu sein, aber wie weit darf man dabei gehen, wenn man auch vor sehr persönlichen Details nicht Halt macht? Sollte sich Regisseur Almodóvar diese Frage selbst immer wieder gestellt haben, hier setzt er sich quasi im Dialog mit sich selbst damit auseinander, denn beide Hauptfiguren, sowohl Raúl als auch Elsa, tragen erkennbar seine Züge.

Der Film ist eine verschachtelte Nabelschau, in der immer wieder Fiktion und Realität miteinander verschmelzen, gleichzeitig ist man als Zuschauer sozusagen hautnah bei dem Schaffensprozess und den schwierigen Geburtswehen eines neuen Werkes dabei, das sich ein Künstler immer wieder abringt, bis am Ende das Ergebnis vorliegt, das wir dann auf der Leinwand oder auch in einem Buch erleben.

Ist es anfangs schwierig, den jeweiligen Erzählebenen zu folgen, zumal immer wieder Personen auf- und wieder abtreten, die die eigentliche Story nicht weiterbringen, so fügt sich das kunstvoll gewobene Konstrukt schließlich zu einem harmonischen Ganzen, von Almodóvar wie stets in den für ihn typischen Farben gestylt, so dass am Ende nicht so sehr die eitle Selbstreflexion im Vordergrund steht, sondern der mit dem Alter immer schwierigere Schaffensprozess fühlbar wird, mit dem ein Künstler bei jedem neuen Werk zu kämpfen hat.

Wer bei der meisterhaft konstruierten Geschichte den Überblick behält, erlebt am Ende kein bitteres, sondern ein durchaus sehenswertes Fest des Autorenkinos.

 

  Regie: Pedro Almodóvar

Drehbuch: Pedro Almodóvar

Kamera: Paul Esteve Birba

Schnitt: Teresa Font

Musik: Alberto Iglesias

 Besetzung:

Bárbara Lennie, Leonardo Sbaraglia, Aitana Sánchez-Gijón, Victoria Luengo, Patrick Criado, Milena Smit, Quim Gutiérrez

 StudioCanal Film

2026

111 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 30. Juli 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=B1hY8AUSD0E (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=0S9DKxvJUgE (Spanisch)

Mittwoch, 29. Juli 2026

Im Kino: Spider-Man 4: Brand New Day

Im vorangegangenen Teil der Reihe musste Peter Parker (Tom Holland) zum Schutz des Multiversums akzeptieren, dass seine Freunde, und damit auch seine große Liebe MJ (Zendaya), ihn vergessen. Seitdem ist er wieder die anonyme freundliche Spinne von nebenan und macht sich um die Verbrechensbekämpfung in New York verdient. Seine Einsamkeit und die Einsätze rund um die Uhr zehren jedoch an seinen Kräften und die braucht er, als plötzlich eine mächtige Präsenz die Stadt in Angst und Schrecken versetzt, vor allem mit ihren Attacken gegen das Department of Damage Control. Eigentlich auf sich allein gestellt, bekommt er überraschend Unterstützung aus dem Marvel-Universum, einschließlich eines alten Widersachers. Können sie gemeinsam die Gefahr bannen? Und kann er seine alte Liebe vielleicht doch wieder zurückgewinnen?

Nach drei Abenteuern mit dem jungen Peter Parker ist dieser mittlerweile erwachsener geworden, seine jugendliche Unbekümmertheit blitzt zwar noch hin und wieder auf, aber er ist sichtlich reifer. Humorige Einlagen sind seltener geworden, auch weil ihm seine alten Weggefährten abhandengekommen sind, die ihr Leben ohne ihn weiterführen, wunderbar anzuschauen sind nach wie vor die Spinnenfaden-Schwünge durch die Häuserschluchten von New York. Es gibt ein paar der üblichen Kämpfe, die dankenswerterweise aber nicht so endlos wie in manch anderen Superheldenwerken zelebriert werden, und es gibt einige Überraschungen, was das auftretende Superhelden-Personal betrifft, über das hier aber nicht mehr verraten werden soll.

Der Film ist eine gute Mischung aus Bekanntem und neuen Elementen, möglich wird dies durch den bewährten Trick, die Geschichte an einem bestimmten Punkt quasi wieder zurückzusetzen, so dass man unbelastet von vorherigen Handlungssträngen neu ansetzten kann, was den Einstieg für neue Zuschauer erleichtert, ohne die Vorgeschichte gänzlich zu ignorieren, was den Fans der bisherigen Reihe gefallen dürfte.

Ein besonderes Highlight ist die Anbahnung einer neuen Freundschaft, die wie eine Vater-Sohn-Beziehung beginnt, dann aber auf die Buddy-Ebene wechselt und viel Spaß für einen nächsten Film verspricht, der, wenn man wie üblich den vollen Abspann aussitzt, bereits in Aussicht gestellt wird, Spidey will be back!

 

  Regie: Destin Daniel Cretton

Drehbuch: Chris McKenna, Erik Sommers, b/a den Originalvorlagen von

Stan Lee und Steve Ditko

Kamera: Brett Pawlak

Schnitt: Nat Sanders, Gina Sansom, Harry Yoon

Musik: Michael Giacchino

 Besetzung:

Tom Holland, Zendaya, Jacob Batalon, Jon Bernthal, Sadie Sink, Liza Colón-Zayas, Tramell Tillman, Mark Ruffalo, Florence Pugh, Marisa Tomei, Naomi Watts,

 Columbia Pictures/ Marvel Studios/ Sony Pictures Releasing

2026

145 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 29. Juli 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=vxddKZL3CGQ (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=8TZMtslA3UY (Englisch)

Mittwoch, 22. Juli 2026

Im Kino: Toy Story 5

Nachdem Andy sich aufs College verabschiedet, seine Lieblingsspielsachen der kleinen Bonnie vererbt und Woody sich den Lost Toys unter ihrer Anführerin Bo angeschlossen hat, hält Cowgirl Jessie die Stellung im Kinderzimmer. Alles scheint wunderbar weiterzugehen, aber dann taucht plötzlich eine ungeahnte neue Gefahr auf, die die heile Spielewelt für immer verändern könnte: Lilypad, ein Tablet in Form eines Frosches, mit dem alle kleinen Mädchen in Bonnies Alter jetzt ihre ganze Zeit verbringen. Haben Jessie, Buzz und all die anderen altmodischen Spielzeuge noch eine Chance gegen die neue Zeit?

Auch der nunmehr fünfte Teil um Cowboy Woody und Astronaut Buzz Lightyear hat nichts von seinem Witz und Charme eingebüßt, nach wie vor gelingt die bittersüße Melange zwischen albernem Spaß und wehmütigen Abschieden, sei es von liebgewordenen Figuren, sei es von Lebensabschnitten, wenn aus Kindern plötzlich Teenager mit ganz anderen Interessen werden.

Hier nun stemmen sich die Spielzeuge mit aller ihnen zur Verfügung stehenden Gewalt gegen die neue Zeit, die ihnen ihre Kinder in eine neue Welt entführt, in der haptische Figuren keinen Platz mehr zu haben scheinen. Dies geschieht ohne erhobenen Zeigefinger, es bahnt sich einfach so an, aber Woody & Co haben ein feines Gespür für den Preis, den die Kinder dafür zahlen, nämlich den Verlust echter Freunde, die mit ihnen durch Dick und Dünn gehen.

Dabei ist der Zahn der Zeit auch an Woody nicht vorbeigegangen, er führt zwar jetzt ein ungebundenes Leben außerhalb des Kinderzimmers, aber bei seiner Rückkehr dorthin bemerken die alten Kumpel schon die ihm am Hinterkopf ein wenig fehlende Farbe, sprich eine beginnende Glatze, und eine sich über den Jeans und dem flotten Cowboygürtel wölbende kleine Wampe.

Es sind diese vielen kleinen Dinge und Details, der Einfallsreichtum aber auch die verschworene Gemeinschaft der so unterschiedlichen Spielzeuge, die gemeinsam jede Aufgabe lösen oder es zumindest versuchen und der unerschütterliche Glaube an die Magie der kindlichen Phantasie, die all diese Figuren zum Leben erwecken kann, an denen man sich auch diesmal erfreuen kann.

Wer Spaß an dieser Reihe hatte, wird auch diesmal nicht enttäuscht und wer zum ersten Mal dabei ist, bekommt vielleicht Lust auf mehr bei diesem Film für Jung und Alt, dessen Geschichte auch diesmal frisch und munter in bester Qualität präsentiert wird: To Infinity and Beyond!

 


 Regie: Andrew Stanton, McKenna Harris

Drehbuch: Andrew Stanton, McKenna Harris

Kamera: Matt Aspbury, Jean-Claude Kalache

Schnitt:Jennifer Neysa Jew

Musik: Randy Newman

Original-Song: "I Knew it, I Knew You" Taylor Swift

 Besetzung:

Stimmen Original: Tom Hanks, Tim Allen, Joan Cusack, Greta Lee,

Stimmen Deutsch: Michael "Bully" Herbig, Walter von Hauff, Carolin Hartmann, Tobias Lelle, Rick Kavanian

 Pixar Animation Studios/ Walt Disney Pictures

2026

102 min.

FSK 0

Deutscher Kinostart: 23. Juli 2026

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=GlHL_3smXSE (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=c51ND9Hdbw0 (Englisch)

Mittwoch, 15. Juli 2026

Im Kino: Die Odyssee (The Odyssey)

Odysseus (Matt Damon), König von Ithaka, ist einer der Helden des Trojanischen Kriegs um die Befreiung Helenas (Lupita Nyong’o), der Gattin des Menelaos (Jon Bernthal). Nach ihrem Sieg kehren die meisten Griechen heim, nur Odysseus irrt mit seinen Männern noch lange Jahre auf den Meeren und muss etliche gefährliche Abenteuer bestehen. Währenddessen warten seine Gattin Penelope (Anne Hathaway) und der inzwischen erwachsene Sohn Telemachos (Tom Holland) noch immer auf seine Rückkehr, während eine immer drängendere Schar von heiratswilligen Freiern es nicht erwarten kann, dass Penelope sich für einen von ihnen entscheidet, aber sie haben die Rechnung ohne Odysseus gemacht…

Christopher Nolan hat sich für sein aktuelles Werk eines der bekanntesten Epen der Weltgeschichte ausgesucht, denn wer hätte nicht schon einmal von Odysseus und seiner – sprichwörtlich gewordenen – Odyssee gehört, oder vom Trojanischen Pferd, das es sogar als Trojaner in die moderne Computerwelt geschafft hat. Auch wer sich nicht näher mit der griechischen Mythologie beschäftigt hat, kennt viele der bekannten Figuren und hat sicherlich – auch aus den bisherigen Verfilmungen – seine Erinnerungen an den einäugigen Riesen Polyphem, die Zauberin Circe und die Schrecken von Skylla und Charybdis, deren Namen und Charakter Eingang in die Alltagssprache gefunden haben, jemanden zu bezirzen oder die Beschreibung einer ausweglosen Situation, das alles hat seinen Ursprung in ebendieser Mythologie.

Dennoch muss man sich die Frage stellen, ob es einer erneuten Verfilmung bedurft hätte, zumal es erst vor zwei Jahren die „Rückkehr nach Ithaka“ mit Ralph Fiennes und Juliette Binoche gab, dessen Regisseur Uberto Pasolini, trotz seiner weitläufigen Verwandtschaft mit Lucchino Visconti, einer Ikone des italienischen Kinos, nicht mit dem klingenden Namen und Ruf eines Christopher Nolan gesegnet ist. Kann also Nolan nun dem altbekannten Thema wirklich etwas Neues hinzufügen?

Ja, wenn es um Aufmachung und die aufwändige IMAX®-Technologie geht, die in entsprechenden Kinos für ein besonderes optisches Erlebnis sorgt, dazu kommt, zumindest in der Originalfassung, auch die besonders darauf abgestimmte Tonspur, wobei die Akustik manchmal sogar etwas allzu aufdringlich die Ohren beschallt. Vor allem die Kampfszenen, jeweils durch einen immer intensiver werdenden dumpfen Trommelsound untermalt, geraten so zu einem über die Schmerzgrenze hinaus in die Länge gezogenen Akt, beeindruckend, aber manchmal auch etwas zu viel des Guten.

Nein, wenn es um inhaltliche Aspekte geht, denn alles, was Nolan aufbietet, haben andere vor ihm, gerade auch der bereits oben zitierte Pasolini, bereits abgearbeitet. Der vordergründigen Abenteuergeschichte des Odysseus steht dabei dessen gebrochener Charakter gegenüber, ein Mann, der kriegsmüde und desillusioniert einfach nicht wieder in sein altes Leben zurückzufinden scheint, von Gewissensbissen gequält, wegen der auch durch seine Entscheidungen geopferten Kameraden und des aufgrund seiner List ermöglichten Gemetzels in der belagerten Stadt Troja. Dass Krieg ein scheußliches Geschäft ist, auch wenn es vielleicht zu Anfang einen gerechtfertigten Anlass gab, ist keine wirklich neue Erkenntnis, und dass Männer im Grunde Schweine sind, wird durch den bösen Zauber der Circe sehr plakativ in den Raum gestellt.

Die Grauen, denen Odysseus und seine Mannen begegnen, sind wahrhaft abscheulich, aber für einen reinen Abenteuerfilm zieht sich die Rahmengeschichte um den mit sich selbst hadernden Helden hin, vor allem aber die Geschehnisse rund um den Hof in Ithaka haben eindeutige Längen, so dass am Ende stolze 172 Minuten abzusitzen sind, die nicht alle gleichermaßen spannend sind.

Der Cast ist solide, wobei die Namensliste zunächst beeindruckend zu lesen ist, aber hier fehlt der eine Akteur, der aufgrund seines Charismas den gesamten Film zu tragen und ihn aus dem gehobenen Durchschnitt herauszuheben vermag, Matt Damon ist es jedenfalls nicht. Die von mancher Seite geäußerte Kritik an Lupita Nyong’o als Helena oder Zendaya als Göttin Athene kann ich nicht teilen, eher stört, dass die gesamte Crew ganz und gar nicht griechisch wirkt und manche sprachlichen Ausdrücke befremden, etwa wenn Telemachos immer wieder von seinem „Dad“ spricht und irgendwann das durch und durch amerikanische „f.ck off“ fällt.

So bleibt am Ende ein Kinoerlebnis, das aufgrund der beschriebenen Technik die Leinwand optisch grandios ausfüllt, inhaltlich aber, auch angesichts der geweckten Erwartungen an den Film, ein bisschen enttäuscht.

 


  Regie: Christopher Nolan

Drehbuch: Christopher Nolan, b/a dem epischen Gedicht von Homer

Kamera: Hoyte van Hoytema

Schnitt: Jennifer Lame

Musik: Ludwig Göransson

 Besetzung:

Matt Damon, Tom Holland, Anne Hathaway, Robert Pattinson, Lupita Nyong’o, Zendaya, Charlize Theron, Elliot Page, Jon Bernthal, Mia Goth, Benny Safdie, John Leguizamo, Will Yun Lee u.v.m

 Syncopy/ Universal Pictures

2026

172 min.

FSK (wahrscheinlich) 16

Deutscher Kinostart: 16. Juli 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=v8yWPRdNJNs (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=f_bKjZeJBBI (Englisch)

 

Mittwoch, 1. Juli 2026

Im Kino: The Piano Tuner (Tuner)

Niki White (Leo Woodall) arbeitet mit seinem väterlichen Freund Harry Horowitz (Dustin Hoffman) als Klavierstimmer, dabei hilft ihm sein absolutes Gehör. Allerdings muss er dieses auch ständig schützen, da er unter einer extremen Geräuschempfindlichkeit leidet, die ihn schon als Kind dazu zwang, eine Karriere als Pianist aufzugeben. Eines Tages entdeckt er, dass ihm durch sein perfektes Hören noch ein anderes Talent in die Wiege gelegt wurde, das ihn, als er Geld für Harrys Krankenhausrechnung braucht, auf die schiefe Bahn und beinahe in die Katastrophe befördert…

Der Film erzählt die Geschichte eines Hochbegabten mit viel Sensibilität für Zwischentöne (no pun intended…), und er erzählt sie wohltuend altmodisch, nämlich linear. Kein Hin- und Herspringen zwischen Zeitebenen, kein Beginn mit dem Ende, nein, alles folgt aufeinander, fast wie im richtigen Leben, und wie das Leben so spielt, wechseln Komödie mit Tragödie, Krimi und Liebesgeschichte, bis das Ganze eine perfekte Harmonie ergibt, die einfach großartig klingt.

Dank der hervorragenden und anrührenden Leistung des jungen Leo Wodall, der seinen Job so hervorragend erledigt und dabei immer so traurig in die Welt schaut, nimmt man der Story jede Wendung ab und fiebert bis zum Ende mit, ob sich alle losen Enden auch wirklich verknüpfen, und siehe da: sie tun es.

Auch die anderen Charaktere sind bestens besetzt, angefangen vom kauzigen Dustin Hoffman über Havana Rose Liu bis zum zwielichtigen Lior Raz, der von liebenswert bis verabscheuungswürdig alle Register zieht, alles fügt sich virtuos zu einem stimmigen Gesamtakkord, der noch länger nachhallt, definitiv der Überraschungsfilm des Sommers!

 

Regie: Daniel Roher

Drehbuch: Daniel Roher, Robert Ramsey

Kamera: Lowell A. Meyer

Schnitt: Greg O‘Bryant

Musik: Will Bates, Marius De Vries

 Besetzung:

Leo Woodall, Dustin Hoffman, Tovah Feldshuh, Havana Rose Liu, Lior Raz, Jean Yoon, Gil Cohen and Jean Reno + Herbie Hancock

 Black Bear/ DCM Film Distribution

2025

107 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 02. Juli 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=q7lYuJzeigI (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=rdlOZhl-nSA (Englisch)

 

Donnerstag, 25. Juni 2026

Im Kino: Minions & Monster

Immer noch auf der Suche nach dem Oberschurken, dem sie ihre Dienste anbieten können, geraten die Minions nach Hollywood, wo sie überraschend Karriere in einer Reihe von frühen Filmen machen, bis der Tonfilm auch ihnen zum Verhängnis wird. Danach beschließen die beiden Begabtesten, James und Henry, den größten Monsterfilm aller Zeiten zu machen, doch die mittels eines Zauberbuchs heraufbeschworenen Monster haben ihre eignen Pläne, und es droht bald eine große Katastrophe für die gesamte Menschheit, aber die Chaostruppe hält dagegen…

Im ersten Teil des Films gibt es, zur Freude aller Cineasten, einen buchstäblich wilden Ritt durch die Frühgeschichte des Films, beispielsweise Eadweard Muybridges „The Horse in Motion“, Georges Méliès‘ ersten Science-Fiction-Film „Die Reise zum Mond", dazu Szenen aus Hollywoods Kindertagen, von Max Fleischers frühen Comics über Buster Keaton, Harold Lloyd bis Orson Welles, Massenszenen aus Monumentalschinken, Casablanca darf nicht fehlen, aber auch die Exzesse, wie sie kürzlich der Film „Babylon“ noch einmal zelebrierte, und vieles mehr: überall waren, wenn man genau hinschaut, bereits Minions im Bild zu sehen. Dann das tragische Scheitern mit Einführung des Tonfilms, wenn man zum Beispiel das Wort „Rosebud“ nicht unfallfrei über die Lippen bekommt, das alles ist wirklich ein wahres Vergnügen und es lohnt mit Sicherheit eine zweite Sichtung, um alle versteckten Anspielungen aufzuspüren, für Kinder dürfte allerdings nichts davon wirklich verständlich sein.

Der zweite Teil, der sich mit der Entwicklung des Monsterfilms beschäftigt, ist nicht mehr ganz so unterhaltsam, die Monster sind eher Nervensägen, als zum Fürchten, die Rahmenhandlung mit Roboter Dort und seiner Frauenrechtlerin Debbie können auch nicht recht überzeugen, aber immer wenn die Chaostruppe wieder das Ruder übernimmt, kommt der Spaß zurück.

Für die Synchronisation die Kaulitz-Brüder einzuspannen gehört zur aktuellen Unsitte, gestandenen Sprechern den Job wegzunehmen. Christoph Waltz spricht sowohl im Original als auch in der deutschen Fassung, die übrigen deutschen Sprecher konnte ich außer im Abspann trotz intensiver Suche nirgendwo finden, so wenig Wertschätzung ist schon beschämend.

Aber alles in allem ist der Film ein gelungenes Vergnügen für Minion-Freunde und, zumindest zu Beginn, ein Fest für Cineasten und alle, die es werden wollen.

 

 

Regie: Pierre Coffin, Patrick Delage

Drehbuch: Pierre Coffin, Brian Lynch

Storyboard Head: Nima Azarba

Schnitt: Claire Dodgson, Gregory Perler

Musik: John Powell

 Besetzung:

Originalstimmen: Pierre Coffin, Zoey Deutsch, Allison Janney, Jesse Eisenberg, Jeff Bridges, Christoph Waltz, George Lucas

Deutsche Stimmen: Christoph Waltz, Bill und Tom Kaulitz und

 Universal Pictures

2026

90 min.

FSK 6

Deutscher Kinostart: 01. Juli 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=EabfVeaKpoA (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=drr0on3W0K8 (Englisch)

Mittwoch, 17. Juni 2026

Im Kino: The Death of Robin Hood

Nach einem Leben als Outlaw und einem finalen blutigen Gemetzel gelangt der gezeichnete Robin Hood (Hugh Jackman) unter die Fürsorge der Nonne Brigid (Jodie Comer), die sich auf einer kleinen Insel um Leprakranke und andere Hilflose kümmert. Er ist nie der edle Rächer der Witwen und Waisen gewesen, als der er in allen kursierenden Geschichten dargestellt wurde, vielmehr war er es, der sie alle zu Witwen und Waisen gemacht hat, und das auf seinen Raubzügen Erbeutete hat er lieber selbst verprasst, als es den Armen zu geben. Nun sieht er sich immer mehr den auf Rache sinnenden Nachkommen seiner Opfer gegenüber, doch keinem von ihnen scheint es vergönnt, ihm die selbst ersehnte Erlösung zu verschaffen, vielleicht findet er diese bei der guten Frau Brigid, die ihn aufgenommen hat…

Man muss sich rigoros vom Bild verabschieden, das wahrscheinlich jeder bisher von Robin Hood hatte, dem im Grunde gutherzigen Hallodri, der den Reichen nahm, um es den Armen zu geben, denn hier wird eine Legende so unnachgiebig demontiert wie selten und das, zumindest zu Beginn, mit unbeschreiblicher Brutalität und Härte. Einige der heftigen Szenen hätten durchaus eine FSK-Freigabe ab 18 gerechtfertigt.

Aber dann geht es für den Rest des Films eher ruhig weiter, wenn der von einer schweren Verletzung Genesende seine innere Abkehr sucht und findet und in Gesprächen mit Brigid oder einem Leprakranken sein bisheriges Leben reflektiert. Er, der sich auch nie gescheut hat, Kinder zu meucheln, kümmert sich um die Ziehtochter seines alten Gefährten Little John (Bill Skarsgård) und bringt einen jugendlichen Rächer von seinen Plänen ab, ein eindrucksvolles Plädoyer dafür, irgendwann den Teufelskreis von Schuld und Rache und neuer Schuld zu durchbrechen, weil es sonst immer weitergeht mit dem sinnlosen Morden.

Die ganze Bandbreite dieses widersprüchlichen Charakters namens Robin Hood wird von einem großartigen Hugh Jackman eindrucksvoll verkörpert, der wieder einmal beweist, welch hervorragender und vielseitiger Darsteller er seit Jahren ist, es bleibt zu hoffen, dass ihm dieser Film auch einmal die lang verdienten Auszeichnungen beschert. Jodie Comer und der übrige Cast können ebenfalls überzeugen, vielleicht gelingt es dem Film nicht, über seine ganze Länge hin, die Spannung hochzuhalten, aber sehenswert ist er dennoch, allein wegen seiner Akteure und der Dekonstruktion einer Legende sowie dem Versuch, zu erklären, wie Mythen entstehen.

 

  Regie: Michael Sarnoski

Drehbuch: Michael Sarnoski

Kamera: Pat Scola

Schnitt: Andrew Mondsheim

Musik: Jim Ghedi

 Besetzung:

Hugh Jackman, Jodie Comer, Bill Skarsgård, Katie Breen, Noah Jupe,

 

A24/ DCM Film

2026

123 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 18. Juni 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=vcfOZhYvwKg (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=tlSDDuWxO_0 (Englisch)

Im Kino: Backrooms

Clark (Chiwetel Ejiofor) verbringt nach seiner Scheidung und Verbannung aus seinem Haus neben ereignislosen Tagen auch so manche Nacht in dem etwas heruntergekommenen Möbelhaus, in dem er arbeitet. Eines Tages macht er eine merkwürdige Entdeckung, hinter den Wänden seiner Möbelhalle scheinen sich weitere Räume zu befinden, die sich bei seinen Erkundungsgängen mehr und mehr als ein endloses Labyrinth von Gängen und leeren bis halbleeren Räumen erweisen…

Basierend auf einer seit 2019 auf YouTube veröffentlichen Kurzfilmreihe mit einer großen Fangemeinde, wagt sich Regisseur Kane Parsons nun an die Langfassung seines Sujets. Das Erschreckende und Bedrohliche liegt gerade in der scheinbar unendlichen Weite der Räumlichkeiten und nicht in den immer wieder eingestreuten unerklärlichen Phänomenen, die kurz aufblitzen, um dann wieder zu verschwinden. 

Am Ende bleiben diese leider ohne befriedigende Erklärung, für das Gesamtbild wäre es besser gewesen, darauf zu verzichten und sich ganz auf die bizarren Räume zu konzentrieren, dann wäre immer noch genug Stoff für Interpretationen geblieben und allein das Kunststück, der zunächst beengt wirkenden Örtlichkeiten eine Dimension des Unendlichen zu geben, wäre effektvoll genug gewesen. So bleibt man im Hinblick auf die Horrorelemente mit einem Gefühl der Ratlosigkeit zurück, was sich schließlich dann auf den ganzen Film überträgt.

 

 Regie: Kane Parsons

Drehbuch: Will Soodik, Kane Parsons

Kamera: Jeremy Cox

Schnitt: Greg Ng

Musik: Kane Parsons, Edo Van Breemen

 Besetzung:

Chiwetel Ejiofor, Renate Reinsve, Mark Duplass, Finn Bennett, Lukita Maxwell

 

A24/ Atomic Monster/ Constantin Film

2026

110 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 18. Juni 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=3Q0v8vyN3Z4 (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=0HjdiohVOik (Englisch)

 

 

Im Kino: The Furious

Als Rainy (Enyou Yang), die Tochter von Wang Wie (Xie Miao) von Mitgliedern eines skrupellosen Kinderhändlerrings entführt wird, mutiert dieser zunächst harmlos scheinende Handwerker auf dem Weg, sie zu befreien, zum Berserker. Während die korrupte Polizei keine Hilfe ist, findet Wang einen Verbündeten in dem Journalisten Navin (Joe Taslim), der seine ebenfalls verschwundene Frau sucht, dabei offenbaren beide Männer ihre aus ihrer jeweiligen Vergangenheit rührenden überraschenden Kampfkünste und die Verbrecher müssen sich warm anziehen…

Die Handlung ist zwar überschaubar, dennoch bietet sie einen mehr als nachvollziehbaren Grund für die eigentliche Triebfeder des Films, nämlich eine Aneinanderreihung von sich immer weiter steigernder Kampfszenen, die ihren absoluten Höhepunkt in einer gefühlt halbstündigen finalen Kampforgie finden, bei der sich alle bis dahin noch verbliebenen Akteure mit ihren unterschiedlichen Techniken einen ultimativen Fight liefern, der ebenso hervorragend inszeniert wie choreographiert abläuft, dabei aber auch immer blutiger und brutaler wird und damit weit über die erwartbaren reinen Martial-Arts-Künste hinausgeht.

Eine besondere Erwähnung verdient Rainy bzw. ihre Darstellerin Enyou Yang, die das Ganze mit ihrer Entführung quasi in Gang gebracht hat und sich dann nicht als hilfloses Opfer, sondern im Rahmen ihrer Möglichkeiten als taffes Mädchen erweist, das sich seiner Haut zu wehren weiß, also ganz die Tochter ihres Vaters...

Für Liebhaber des Martial-Arts-Genres ist „The Furious“ ein absolutes Muss, man kann sich sogar als Nicht-Kenner der Materie der Faszination nicht entziehen, die diese absoluten Könner sowohl vor als auch hinter der Kamera auf die Leinwand zaubern, am Ende wird es dann aber, zumindest für den letzteren Teil des Publikums, irgendwann ziemlich ermüdend, wenn das Kampf-Gemetzel so gar kein Ende finden will. 

 

Regie: Kenji Tanigaki

Drehbuch: Tin Shu Mak, Zhilong Lei, Kwan-Sin Shum, Frank Hui

Kamera: Meteor Cheung

Schnitt: Chris Tonick

Musik: Olivia Xiaolin

 Besetzung:

Miao Xie, Joe Taslim, Enjou Yang, Brian Le, Yahan Ruhian, JeeJa Yanin

  

Capelight Pictures/ Central Film/ Lionsgate Movies

2025

113 min.

FSK 18

Deutscher Kinostart: 18. Juni 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=ovH8Vrn8Bz8 (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=Avky8dVaqAI (Englisch)

 

Mittwoch, 10. Juni 2026

Im Kino: Disclosure Day

Die nicht der Regierung der USA unterstellte Organisation WARDEX sammelt unter Leitung von Noah Scanlon (Colin Firth) seit Jahren Daten und Informationen über mögliche außerirdische Kontakte und UFOs und versucht, diese vor der Öffentlichkeit geheim zu halten. Der Cyperexperte Dr. Daniel Keller (Josh O‘Connor) ist in den Besitz dieses Materials gekommen und will es unbedingt veröffentlichen, wovon man ihn mit allen Mitteln abzuhalten versucht. Gleichzeitig entwickelt die Fernsehmoderatorin Margaret Fairchild (Emily Blunt) merkwürdige Verhaltensweisen und scheint plötzlich zu wissen, was jeder um sie herum denkt und fühlt. Als sie mit Keller in Kontakt kommt, steuern beide, ohne es zu wissen, unaufhaltsam auf den Tag der Wahrheit für die Menschheit zu…

Mit diesem Film kehrt Steven Spielberg noch einmal zu dem Thema zurück das ihn, wie er selbst immer wieder betont, am meisten beschäftigt: Wir sind nicht allein in den Weiten des Universums. Warum hätte sich ein Schöpfer die Mühe machen sollen, das Weltall und alles, was darin herumtreibt, nur für uns ganz allein zu erschaffen? Dieser Logik folgend steht es außer Frage, dass es neben uns Erdenbewohnern irgendwo noch anderes Leben geben muss, und genau hier setzt Spielbergs aktuelles Werk an, das sich damit auseinandersetzt, ob es diesbezügliche Kontaktaufnahmen gab und wer darüber Bescheid weiß.

In einer Welt, in der, wie man mehr am Rande erfährt, die Weltmächte kurz vor einer bewaffneten, möglicherweise atomaren, Auseinandersetzung stehen, arbeitet im Geheimen eine Organisation, die sich mit allen jemals registrierten Phänomenen von Ufo-Sichtungen oder Begegnungen mit Außerirdischen beschäftigt, dies ist sozusagen die Klammer, die den Film zusammenhält, und nach allem, was man weiß, gibt es solche Stellen in den USA sogar auf Regierungsebene. Darin eingebettet wird man langsam hineingeführt in eine zunächst etwas undurchschaubar wirkende Handlung, die wie eine Spionagegeschichten beginnt, mit spannenden Flucht- und Verfolgungssequenzen, bis sich langsam der eigentliche Kern des Ganzen herausschält.

Dies geschieht in der Spielberg eigenen unnachahmlichen Weise, die uns immer tiefer in eine Zwischenwelt hineinzieht, wobei es manches gibt, was an der nach oben offenen Kitschskala kratzt (ich sage nur, die Tiere des Waldes…), aber dahinter steckt ein tief empfundener Humanismus. Es geht um die Liebe zu unserer Erde, zu den Menschen, die endlich aufhören sollten, sich gegenseitig zu bekriegen und sich auf die Suche nach neuen Erkenntnissen und dem Wesen des Universums begeben und auf die Frage nach außerirdischem Leben endlich die richtigen Antworten finden sollten. Damit hätte die Menschheit auch die Chance sich zu einen, denn wenn es darum ginge, uns gegen mögliche Invasoren von außen zu verteidigen, solange nicht feststeht, dass die Außerirdischen tatsächlich in Frieden kommen, wären alle irdischen Konflikte mit einem Schlag obsolet.

Hier wird in gewisser Weise ein Bogen geschlagen, vom frühen Werk „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ über „ET“ bis zu diesem finalen Tag der Entscheidung für die Menschheit, wer diesen Weg mit Spielberg gehen möchte, sollte sich auf ein furioses Abenteuer mit vielen verschiedenen Elementen und Ebenen einstellen, die vielleicht nicht alle gelungen sind, aber am Ende doch ein bewegendes Gesamterlebnis auf die Kinoleinwand zaubern.

 

  Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: David Koepp, b/a Story von Steven Spielberg

Kamera: Patrick Capone, Janusz Kaminski

Schnitt: Sarah Broshar

Musik: John Williams

 Besetzung:

Emily Blunt, Josh O’Connor, Colin Firth, Colman Domingo, Wyatt Russell, Eve Hewson

 

Universal Pictures

2026

145 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 10. Juni 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=Wy6hQnNqXBk (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=icDuEHSxE-w (Englisch)

Donnerstag, 4. Juni 2026

Im Kino: Masters of the Universe

Im Alter von zehn Jahren muss Prinz Adam (zunächst Artie Wilkinson-Hunt, später Nicholas Galitzine) seinen wunderschönen Planeten Eternia verlassen, um vor dem bösen Skeletor (Jared Leto) in Sicherheit gebracht zu werden, der dort seine Schreckensherrschaft aufbaut. Ausgestattet mit einem machtvollen Schwert (By the Power of Greyskull, I have the Power!) soll Adam seinen Planeten später wieder befreien, aber das Utensil geht auf der Flucht verloren und Adam verbringt die nächsten Jahre als Büroangestellter auf der Erde, hat aber die Suche nach dem Schwert sowie den Traum, nach Eternia zurückzukehren und zusammen mit den Helden seiner Kindheit den bösen Skeletor zu bekämpfen, nie aufgegeben…

Ferne Planeten, machtvolle Schwerter, Superhelden mit putzigen Namen und ein kraftstrotzender blonder Held namens He-Man,  das alles sind die Elemente mit denen die Firma Mattel in Gestalt ihrer Action-Figuren und der darauf beruhenden Cartoons für reichlich Spaß in vielen Kinderzimmern gesorgt hat. Nach einem eher misslungenen Versuch aus dem Jahr 1987, diese Abenteuer auf die große Leinwand zu bringen, gibt es nun einen neuen Ansatz, und der macht seine Sache richtig gut.  

Man darf eintauchen in die bunte und zunächst heile Welt von Eternia, wird Zeuge, wie der kleine Adam immer wieder bei seiner Kampfausbildung scheitert, weil er viel zu weich und sanftmütig ist und begleitet ihn schließlich auf seiner schweren Mission, der er sich dann natürlich doch irgendwann stellen muss. Optisch großartig aufbereitet und akustisch mit einem immer wieder mitreißenden Soundtrack unterlegt, sind auch die Figuren, einschließlich des bösen Skeletor, liebevoll gestaltet. Der Held ist nicht eindimensional strahlend, vor allem hat er sich seine gutherzige kindliche Seite bewahrt, und sein Widersacher, mit seiner Bösartigkeit konfrontiert, entscheidet sich dafür, genau das zu sein, nämlich böse, ein treffendes Porträt aller Schurken dieser Welt, der lebenden wie der toten.

Der immer wieder aufblitzende Humor nimmt dem Ganzen die Verbissenheit und lässt den Film zu einem großen Spaß werden, ob dies auch im Sinne der Hardcore-Fans ist, kann ich allerdings nicht beurteilen, aber am Ende gehen wir sogar mit einer Erkenntnis nach Hause, die auch in unserer Welt zutrifft: Der Böse hält Monologe, der Gute führt Dialoge (nimm das, Donald T., stellvertretend für all die anderen aktuellen Diktatoren!)

 

   Regie: Travis Knight

Drehbuch: Chris Butler, Aaron Nee, Adam Nee, Dave Callaham, b/a diversen Geschichten von Adam + Aaron Nee, Alex Litvak, Michal Finch

Kamera: Fabian Wagner

Schnitt: Paul Rubell

Musik: Daniel Pemberton

 Besetzung:

Nicholas Galitzine, Artie Wilkinson-Hunt, Camila Mendes, Idris Elba, Jared Leto, Jóhannes Haukur Jóhannesson, Jon Xue Zhang, Alison Brie, Sam C. Wilson, James Purefoy, Morena Baccarin, Kristen Wiig und Dolph Lundgren

 

Amazon MGM Studios, Mattel Studios/ Sony Pictures Entertainment Germany

2026

140 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 04. Juni 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=U7pen5FRxXs (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=X21JsHLHnY8 (Englisch)

Im Kino: Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes (Heel)

Der neunzehnjährige Tommy (Anson Boon) lebt ein Leben zwischen Drogen- und Gewaltexzessen, die er gerne auf Social Media teilt, bis er eines Tages entführt wird und sich angekettet im Keller eines abgelegenen Landhauses wiederfindet. Hier leben Familienvater Chris (Stephen Graham) mit Frau Kathryn (Andrea Riseborugh) und Sohn Jonathan (Kit Rakusen), und bei ihnen soll Tommy „gerettet“ und zu einem guten Menschen gemacht werden…

Der Film bewegt sich eher uneindeutig zwischen Horror-, Entführungs- und Resozialisierungsdrama, aber genau hieraus bezieht er auch seine Spannung, zumal bis zum Schluss nicht wirklich klar wird, wes Geistes Kind die seltsame Familie ist – sind es einfach nur Spinner, die ein Experiment wagen, von dessen Ausgang sie sich Erlösung versprechen, und zwar sowohl für sich, als auch für ihr Versuchskaninchen, oder sind sie auf ihre Art genauso Täter, wie Tommy, denen es eher um Bestrafung als um Läuterung geht.

Vater Chris zeigt immer wieder sowohl harte und grausame Züge, kann aber auch ausgesprochen gütig und liebevoll sein, auch Kathryn oder Jonathan scheinen keine Sadisten zu sein, denen es Spaß macht, ihr Opfer im Keller zu quälen, insofern bleibt die Geschichte, bei der sich sicherlich gewollte Bezüge zum Klassiker „A Clockwork Orange“ ergeben, spannend bis zum Schluss, wenn sich Tommys missliche Lage durch äußere Umstände plötzlich verändert. Hier liegt allerdings auch die Schwachstelle des Films, denn die Figur einer Haushälterin, die die Veränderung unfreiwillig heraufbeschwört, wirkt eher wie ein Fremdkörper, letztlich einzig zur Auflösung der Lage eingebaut, was am Ende aber nicht ganz befriedigen kann.

Trotzdem ein ungewöhnlicher Thriller, der mit den oben genannten Elementen auf seine ganz eigene Weise fasziniert und sich, auch dank der hervorragenden Darstellerriege, wohltuend vom Einheitsbrei vieler aktueller Werke abhebt.

 


 Regie: Jan Komasa

Drehbuch: Bartek Bartosik, Naqqash Khalid

Kamera: Michael Dymek

Schnitt: Agnieska Glinska

Musik: Abel Korzeniowski

 Besetzung:

Stephen Graham, Andrea Riseborough, Anson Boon, Kit Rakusen, Monika Frajczyk, Savannah Steyn

 

RPC/ X Verleih AG

2025

110 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 04. Juni 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=ddwD_pJ-C_Q (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=e7KWBSfZmOE (Englisch)

Donnerstag, 28. Mai 2026

Im Kino: I swear - Verflucht Normal

John Davidson (Robert Aramayo) wächst in einer schottischen Kleinstadt auf, ist ein guter Schüler und Fußballer, als er plötzlich mit 12 Jahren Symptome entwickelt, bei denen er unkontrollierte Zuckungen und obszöne Ausrufe ausstößt, was später als Tourette-Syndrom diagnostiziert wird. Er wird zum Außenseiter, nur Dottie, die Mutter eines Mitschülers (Maxine Peake) sowie der Hausmeister des Gemeindezentrums Tommy (Peter Mullan) nehmen ihn vorbehaltlos, wie er nun mal ist und unterstützen ihn dabei, seinen Weg zu finden. Für seine Verdienste, Tourette in Großbritannien bekannter zu machen und anderen Betroffenen zu helfen, akzeptiert zu werden, erhält John im Jahr 2019 von der Queen persönlich, einen hohen britischen Orden verliehen, aber auch bei dieser Zeremonie lassen sich seine Tics nicht einfach abstellen und spielen ihm einen weiteren Streich…

Basierend auf der wahren Lebensgeschichte des echten John Davidson schafft es dieser Film in bester Manier ein schwieriges Thema mit Witz und Warmherzigkeit aufzubereiten, ohne dabei die innere Tragik des von einer so lebensverändernden Krankheit Betroffenen aus den Augen zu verlieren. Johns Sehnsucht nach Anerkennung und ja, auch Liebe, wird einfühlsam und ohne Voyeurismus vor Augen geführt, man leidet mit, während man gleichzeitig ohne schlechtes Gewissen über seine unfreiwillig komischen oder peinlichen Erlebnisse lachen darf.

Auch wenn man bereits von dem Tourette-Syndrom gehört hat, für das es bis heute keine Heilung gibt, fehlt vielleicht eine genaue Vorstellung über die Auswirkungen auf das tägliche Leben, insofern kann dieser Film, der stets die Balance zwischen Schmerz und Freude im Blick behält, dazu beitragen, ganz im Sinne von John Davidson, aufzuklären. Dass er dabei auch noch verflucht gut zu unterhalten weiß, hebt ihn wohltuend von der Masse an durchschnittlichen Filmen ab und lohnt einen Kinobesuch unbedingt.

 


Regie: Kirk Jones

Drehbuch: Kirk Jones

Kamera: James Blann

Schnitt: Sam Sneade

Musik: Stephen Rennicks

 Besetzung:

Robert Aramayo, Scott Ellis Watson, Maxine Peake, David Carlyle, Peter Mullan, Shirley Henderson

 StudioCanal Films/ Wild Bunch Germany

2025

121 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 28. Mai 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=WwxS_xnKF1g (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=oeWqQN3snCU (Englisch)

Im Kino: Passenger

Maddie (Lou Llobell) und ihr Verlobter Tyler (Jacob Scipio) sind mit einem Camper unterwegs, als sie auf einer einsamen Landstraße an einem schrecklichen Unfall vorbeifahren. Danach scheint sie irgendetwas – oder irgendwer – zu verfolgen und ein wahrer Alptraum beginnt…

Dieser Horrorfilm über einen entsprechenden Horrortrip wartet mit einigen hübschen Grusel-Effekten auf, er gibt sogar eine nachvollziehbare Erklärung, weshalb das junge Paar im Gegensatz zu anderen Opfern der gefährlichen Wesenheit, die zur Nachtzeit auf einer einsamen Landstraße durch einen unwegsamen Wald ihr Unwesen treibt, so lange überlebt. Ansonsten ist nicht alles ganz stimmig und der Film braucht nach einem furiosen Auftakt eine Weile, um wieder richtig in Gang zu kommen. Auch wird nicht genügend über den aktuellen Urheber der geheimen Zeichen, die das Paar begleiten, aufgeklärt, aber alles in allem wird solide Horror-Unterhaltung geboten, mit einer beeindruckend taffen jungen Frau, die am Ende überzeugend ihren Mann steht.

Eine (von mir nicht näher geprüfte) Statistik besagt, dass von jährlich 130 Millionen Menschen, die sich auf einen Road Trip begeben, etwa 15.400 für immer verschwinden, und gerade in den Weiten der USA soll es einige durch einsame Gegenden führende Überland-Routen geben, die dafür berüchtigt sind – vielleicht sollte man dies für die nächste Camper-Urlaubs-Planung im Hinterkopf behalten…

 

  Regie: André Øvredal

Drehbuch: Zachary Donohue, T.W. Burgess

Kamera: Federico Verardi

Schnitt: Martin Bernfeld

Musik: Christopher Young

 Besetzung:

Lou Llobell, Jacob Scipio, Melissa Leo, Joseph Lopez

  Paramount Pictures /Sony Pictures

2026

94 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 28. Mai 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=VT2tt-x5Hvk (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=eNIn8kW1kyE (Englisch)