Nach einem Leben als Outlaw und einem finalen blutigen Gemetzel gelangt der gezeichnete Robin Hood (Hugh Jackman) unter die Fürsorge der Nonne Brigid (Jodie Comer), die sich auf einer kleinen Insel um Leprakranke und andere Hilflose kümmert. Er ist nie der edle Rächer der Witwen und Waisen gewesen, als der er in allen kursierenden Geschichten dargestellt wurde, vielmehr war er es, der sie alle zu Witwen und Waisen gemacht hat, und das auf seinen Raubzügen Erbeutete hat er lieber selbst verprasst, als es den Armen zu geben. Nun sieht er sich immer mehr den auf Rache sinnenden Nachkommen seiner Opfer gegenüber, doch keinem von ihnen scheint es vergönnt, ihm die selbst ersehnte Erlösung zu verschaffen, vielleicht findet er diese bei der guten Frau Brigid, die ihn aufgenommen hat…
Man muss sich rigoros vom Bild verabschieden, das wahrscheinlich jeder bisher von Robin Hood hatte, dem im Grunde gutherzigen Hallodri, der den Reichen nahm, um es den Armen zu geben, denn hier wird eine Legende so unnachgiebig demontiert wie selten und das, zumindest zu Beginn, mit unbeschreiblicher Brutalität und Härte. Einige der heftigen Szenen hätten durchaus eine FSK-Freigabe ab 18 gerechtfertigt.
Aber dann geht es für den Rest des Films eher ruhig weiter, wenn der von einer schweren Verletzung Genesende seine innere Abkehr sucht und findet und in Gesprächen mit Brigid oder einem Leprakranken sein bisheriges Leben reflektiert. Er, der sich auch nie gescheut hat, Kinder zu meucheln, kümmert sich um die Ziehtochter seines alten Gefährten Little John (Bill Skarsgård) und bringt einen jugendlichen Rächer von seinen Plänen ab, ein eindrucksvolles Plädoyer dafür, irgendwann den Teufelskreis von Schuld und Rache und neuer Schuld zu durchbrechen, weil es sonst immer weitergeht mit dem sinnlosen Morden.
Die ganze Bandbreite dieses widersprüchlichen Charakters namens Robin Hood wird von einem großartigen Hugh Jackman eindrucksvoll verkörpert, der wieder einmal beweist, welch hervorragender und vielseitiger Darsteller er seit Jahren ist, es bleibt zu hoffen, dass ihm dieser Film auch einmal die lang verdienten Auszeichnungen beschert. Jodie Comer und der übrige Cast können ebenfalls überzeugen, vielleicht gelingt es dem Film nicht, über seine ganze Länge hin, die Spannung hochzuhalten, aber sehenswert ist er dennoch, allein wegen seiner Akteure und der Dekonstruktion einer Legende sowie dem Versuch, zu erklären, wie Mythen entstehen.
Regie: Michael Sarnoski
Drehbuch: Michael Sarnoski
Kamera: Pat Scola
Schnitt: Andrew Mondsheim
Musik: Jim Ghedi
Besetzung:
Hugh Jackman, Jodie Comer, Bill Skarsgård, Katie Breen, Noah Jupe,
A24/ DCM Film
2026
123 min.
FSK 16
Deutscher Kinostart: 18. Juni 2026
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=vcfOZhYvwKg (Deutsch)
https://www.youtube.com/watch?v=tlSDDuWxO_0 (Englisch)

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