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Mittwoch, 17. Juni 2026

Im Kino: The Death of Robin Hood

Nach einem Leben als Outlaw und einem finalen blutigen Gemetzel gelangt der gezeichnete Robin Hood (Hugh Jackman) unter die Fürsorge der Nonne Brigid (Jodie Comer), die sich auf einer kleinen Insel um Leprakranke und andere Hilflose kümmert. Er ist nie der edle Rächer der Witwen und Waisen gewesen, als der er in allen kursierenden Geschichten dargestellt wurde, vielmehr war er es, der sie alle zu Witwen und Waisen gemacht hat, und das auf seinen Raubzügen Erbeutete hat er lieber selbst verprasst, als es den Armen zu geben. Nun sieht er sich immer mehr den auf Rache sinnenden Nachkommen seiner Opfer gegenüber, doch keinem von ihnen scheint es vergönnt, ihm die selbst ersehnte Erlösung zu verschaffen, vielleicht findet er diese bei der guten Frau Brigid, die ihn aufgenommen hat…

Man muss sich rigoros vom Bild verabschieden, das wahrscheinlich jeder bisher von Robin Hood hatte, dem im Grunde gutherzigen Hallodri, der den Reichen nahm, um es den Armen zu geben, denn hier wird eine Legende so unnachgiebig demontiert wie selten und das, zumindest zu Beginn, mit unbeschreiblicher Brutalität und Härte. Einige der heftigen Szenen hätten durchaus eine FSK-Freigabe ab 18 gerechtfertigt.

Aber dann geht es für den Rest des Films eher ruhig weiter, wenn der von einer schweren Verletzung Genesende seine innere Abkehr sucht und findet und in Gesprächen mit Brigid oder einem Leprakranken sein bisheriges Leben reflektiert. Er, der sich auch nie gescheut hat, Kinder zu meucheln, kümmert sich um die Ziehtochter seines alten Gefährten Little John (Bill Skarsgård) und bringt einen jugendlichen Rächer von seinen Plänen ab, ein eindrucksvolles Plädoyer dafür, irgendwann den Teufelskreis von Schuld und Rache und neuer Schuld zu durchbrechen, weil es sonst immer weitergeht mit dem sinnlosen Morden.

Die ganze Bandbreite dieses widersprüchlichen Charakters namens Robin Hood wird von einem großartigen Hugh Jackman eindrucksvoll verkörpert, der wieder einmal beweist, welch hervorragender und vielseitiger Darsteller er seit Jahren ist, es bleibt zu hoffen, dass ihm dieser Film auch einmal die lang verdienten Auszeichnungen beschert. Jodie Comer und der übrige Cast können ebenfalls überzeugen, vielleicht gelingt es dem Film nicht, über seine ganze Länge hin, die Spannung hochzuhalten, aber sehenswert ist er dennoch, allein wegen seiner Akteure und der Dekonstruktion einer Legende sowie dem Versuch, zu erklären, wie Mythen entstehen.

 

  Regie: Michael Sarnoski

Drehbuch: Michael Sarnoski

Kamera: Pat Scola

Schnitt: Andrew Mondsheim

Musik: Jim Ghedi

 Besetzung:

Hugh Jackman, Jodie Comer, Bill Skarsgård, Katie Breen, Noah Jupe,

 

A24/ DCM Film

2026

123 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 18. Juni 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=vcfOZhYvwKg (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=tlSDDuWxO_0 (Englisch)

Dienstag, 18. Juni 2024

Im Kino: The Bikeriders

Kathy (Jodie Comer), eine junge Frau verliebt sich in Benny (Austin Butler) und gerät so in das Umfeld des von einem Motorrad-Liebhaber namens Johnny (Tom Hardy) gegründeten Biker-Clubs namens „Vandals“. Mitte der 1960 ist dieser Club in den USA ein Vorreiter einer Szene, die sich von diesen Anfängen, bei denen es zunächst nur um Motorradfahren, Spaß haben und Feiern mit Gleichgesinnten geht, allmählich zu den heute bekannten, mehr oder weniger kriminellen Vereinigungen entwickelt, wodurch die Liebe von Kathy und Benny auf eine harte Probe gestellt wird…

Basierend auf dem Fotoband „The Bikeriders“ des Journalisten Danny Lyon, der darin einen verklärenden Blick auf die Anfänge der amerikanischen Biker-Kultur wirft, in der er sich selbst eine Zeit lang bewegt hat, laviert der Film „The Bikeriders“ irgendwo zwischen Dokumentation und Fiktion, wobei das dokumentarische Element, das hauptsächlich aus Interviews mit und den daraus resultierenden Erinnerungen von Biker-Gattin Kathy besteht, zu wenig für einen Dokumentarfilm und letztlich zu viel für einen fiktionalen Film ist, denn sowohl die agierenden Figuren als auch der Club selbst hat es nie gegeben.

Gespickt mit den Codes und Phrasen aufdringlicher Männlichkeitsrituale, wie sie zurzeit anscheinend wieder schwer angesagt sind – siehe die Miniserie „Masters oft he Air“ – wird hier der schweigsame, widerborstige Held glorifiziert, der sich zu nichts zwingen lässt, verkörpert einerseits durch den bereits in die Jahre gekommenen Johnny, der ein Ventil für einen Ausbruch aus seiner an sich bürgerlichen Welt mit Familie und Eigenheim braucht, und andererseits dem Jungen Wilden Benny, dargestellt von dem zum Jungen Wilden stilisierten Elvis-Darsteller Butler, in derer beider Figuren der einst von Marlon Brando und dessen viriler Präsenz geprägter Prototyp des unangepassten Außenseiters aufgehen soll.

Der nostalgische Blick zurück mag an sich reizvoll sein, dann sollte man sich aber lieber die alten Filme mit den Originalen gönnen, ein Wiederaufwärmen überholter und vergangener Zeiten und ein Transportieren in die Gegenwart funktioniert irgendwie nicht, es bleibt nur ein Blick zurück auf eine schmuddelige Motorrad-Gang, die irgendwie aus der Zeit gefallen zu sein scheint.

 


 Regie: Jeff Nichols

Drehbuch: Jeff Nichols

Kamera: Adam Stone

Schnitt: Julie Monroe

Musik: David Wingo

 

Besetzung:

Jodie Comer, Austin Butler, Tom Hardy, Michael Shannon, Mike Faist, Boyd Holbrook, Norman Reedus, Damon Harriman, Beau Knapp, Emoy Cohen

 

Universal Pictures International Germany

2023

116 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 20. Juni 2024

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=aaxw9H4VOBA (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=aWzJDS7h2Vc (Englisch)

 

 

Donnerstag, 30. Mai 2024

Im Kino: The End We Start From

Große Regenmassen überfluten das Land und eine junge Frau, die kurz vor der Geburt ihres Babys steht, muss ihr Haus in London und den Vater ihres Kindes fluchtartig verlassen. Eine Rückkehr ist auch nach der Geburt nicht möglich und da das gesamte Land in Flut und Chaos versinkt beginnt für Mutter und Kind eine Odyssee, immer auf der Suche nach einem sicheren Ort…

Was Wassermassen anrichten können, hat sich in letzter Zeit wiederholt auch in einigen Regionen Deutschlands auf schreckliche Weise gezeigt, dass allerdings ein ganzes Land anschließend mit den Auswirkungen einer apokalyptischen Krise konfrontiert wird, mit Hungersnot und einem endzeitlichen Kampf ums nackte Überleben, scheint zurzeit noch etwas weit hergeholt zu sein. Aber genau hierum geht es in diesem Film, der seine Protagonistin immer wieder an Grenzen treibt, die sich niemand vorstellen mag, schon gar nicht eine Mutter mit einem Neugeborenen.

Dass es dann aber trotz der Überflutungen möglich ist, irgendwie das ganze Land – bei dem es sich wohl um England handelt – weitestgehend zu Fuß zu durchqueren, um am Ende wieder in London und dem zu Anfang verlassenen Heim anzukommen, will sich nicht recht erschließen, was die innere Logik der Geschichte beeinträchtigt. Auch lassen sich viele der Entscheidungen, die die Frau trifft, nicht wirklich nachvollziehen, so dass Vieles eher aus rein dramaturgischen denn aus realistischen Gründen geschieht.  

Weil der Fokus fast gänzlich auf der Protagonistin liegt, lastet eine erhebliche Bürde des Films auf Jodie Comer, die der Anforderung auf jeden Fall gerecht wird. Aber für einen ganzen Film reicht die Substanz der Geschichte am Ende nicht, hier helfen auch die Rückblenden nicht wirklich weiter, in denen gezeigt wird, wie sich die Frau und ihr Partner sich einst kennenlernten. Diese Sequenzen werden ziemlich unverbunden eingeflochten und da sie im Grunde nichts zur Handlung beitragen, wirken sie beliebig und eher wie reines Füllmaterial für den Film.

Am Ende ist alles nur noch anstrengend und ohne tatsächlichen Bezug zu dem Geschehen der Naturkatastrophe insgesamt, über die viel zu wenig erzählt wird, und das Interesse am Schicksal der armen Frau und ihrem Baby erlahmt leider immer mehr. Hier hätte die Einbindung in ein Gesamtbild gut getan, dann wären vielleicht auch einige der Implausibilitäten, die das Geschehen durchziehen, nicht so aufgefallen.

 


 Regie: Mahalia Belo

Drehbuch: Alice Birch, Megan Hunter

Kamera: Suzie Lavelle

Schnitt: Arttu Salmi

Musik: Anna Meredith

 

Besetzung:

Jodie Comer, Joel Fry, Ramanique Ahluwalia, Nina Sosanya, Yves Rassou, Katherine Waterston, Mark Strong, Benedict Cumberbatch

 

Universal Studios/ Leonine

2023

102 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 30. Mai 2024

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=LMl5d0gX6n8 (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=MciSEbkTkXw (Englisch)

 

Donnerstag, 14. Oktober 2021

Im Kino: The Last Duel

Jean de Carrouges (Matt Damon) und Jacques Le Gris (Adam Driver) kämpfen im ausgehenden 14. Jahrhundert in so mancher Schlacht für König und Vaterland, dies macht sie – zumindest in Carrouges’ Augen – zu Freunden, die füreinander einstehen. Le Gris ist jedoch im weiteren Leben immer der Erfolgreichere, der mit Leichtigkeit vieles erreicht, was dem tumben Carrouges verwehrt bleibt, so erfreut er sich zum Beispiel der nicht zu unterschätzenden Gunst des Grafen Pierre d'Alençon (Ben Affleck). Zwar wird Carrouges im Gegensatz zu Le Gris schließlich zum Ritter geschlagen und darf die wunderschöne Lady Marguerite (Jodie Comer) ehelichen, aber als eben jene Marguerite eines Tages behauptet, Le Gris habe sie vergewaltigt, werden aus den beiden Männern  erbitterte Feinde, die schließlich in einem martialischen Duell auf Leben und Tod um die Wahrheit ringen…

In mittelalterlichen Zeiten war es üblich, in einem gerichtlichen Streit, bei dem Aussage gegen Aussage stand, die Wahrheit durch ein „Gottesurteil“ feststellen zu lassen, d.h. die Kontrahenten in einem Duell auf Leben und Tod gegeneinander antreten zu lassen, an dessen Ende der Überlebende das Recht auf seiner Seite hatte. Dem Film zugrunde liegt eines der letzten Duelle, die auf diese Weise ausgefochten wurden, insofern ein historischer Fall, der so oder so ähnlich tatsächlich stattgefunden hat.

Altmeister Ridley Scott hat daraus ein wuchtiges Drama geschaffen, das er, wie es Akira Kurosawa in seinem berühmten Werk „Rashomon“ vorexerziert hat, aus den verschiedenen Perspektiven der Beteiligten erzählen lässt. Auch wenn man auf diese Weise denselben Film scheinbar drei Mal sieht, unterscheiden sich die Versionen in vielen Details, auf die es auch ankommt, und es bleibt spannend, all die kleinen Abweichungen zu erkennen, wenn man am Ende die Wahrheit erfahren will. Nun mag man Scott hierbei vorwerfen, dass er selbst sich bereits auf eine Wahrheit festgelegt hat, der Zuschauer also nur vermeintlich die Wahl hat, aber da eine vierte, womöglich neutrale Perspektive fehlt, bleibt es eine höchst subjektive Darstellung der Beteiligten.

Neben all den Ritterspielen und Kampfszenen zu Anfang dauert es eine Weile, bis sich das eigentliche Thema des Films herausschält, es geht nämlich um nichts anderes als eine mittelalterliche #MeToo-Geschichte: eine Frau beschuldigt einen Mann der Vergewaltigung, dieser streitet die Gewalt ab und beruft sich auf Einvernehmlichkeit – sie wollte es doch auch. Damit betritt Scott natürlich vermintes Gelände und kann eigentlich nur verlieren, denn recht machen wird er es inmitten der aufgeheizten Diskussionen, die um dieses Thema in den letzten Jahren geführt werden, wahrscheinlich keiner Seite.

Dass der Film dennoch großartig funktioniert, liegt an den überzeugenden Darstellern – allen voran Jodie Comer, aber auch Ben Affleck in einer launigen Nebenrolle – und der kraftvollen, kompromisslosen Inszenierung. Er ist ein Sittengemälde seiner Zeit und der ihr innewohnenden Gewalt, sowohl der physischen in den klirrenden, dampfenden Kampfszenen, als auch der psychischen, der Frauen unterworfen waren, aber, wie die Ausnutzung von Macht- und Einflussstrukturen durch Männer wie den Filmmogul Harvey Weinstein gezeigt hat, auch heute noch unterworfen sind. Früher allerdings gehörten Frauen einfach zum Eigentum ihres Mannes und waren als solches zu verteidigen, und so wird Marguerites Stellung plakativ und gleichnishaft in einer Szene vorgeführt, in der eine wertvolle Stute Carrouges von einem unerwünschten, schwarzen und wilden Hengst besprungen wird, eine Schande, die Carrouges nicht einfach hinnehmen kann.

Marguerite aber, die nun darauf besteht, nicht die Ehre ihres Mannes sondern ihre eigene zu verteidigen und dabei ihr Leben in die Waagschale wirft, sorgt damit für einen unerhörten Vorgang. Sie muss sich von allen Seiten denselben hochnotpeinlichen Fragen unterwerfen, wie sie auch heute noch gestellt werden: Hat sie ihren Vergewaltiger nicht eigentlich ermutigt, musste er deswegen nicht glauben, sie wollte es in Wirklichkeit? Hat sie sich genug gewehrt? Hat sie sich überhaupt gewehrt? Als Marguerite auch noch schwanger wird, spricht dies, sollte das Kind von Le Gris sein, gegen eine Vergewaltigung, denn eine Frau kann nur schwanger werden, wenn sie Spaß am Geschlechtsverkehr hatte – so legen sich die Männer die Welt zurecht, wie sie ihnen gefällt und genau dies führt der Film eindrucksvoll vor Augen: Es geht nicht um die Wahrheit, solange Männer bestimmen, wo es lang geht – „The truth does not matter – there is only the power of men“.

Visuell erinnert der Film oft an alte Gemälde von Schlachtenszenen und düsteren Interieurs vergangener Epochen, klanglich untermalt von einem passend opulenten Soundtrack. Ein Vergleich mit aktuellen Ereignissen ist sicher beabsichtigt und auch legitim, aber nicht notwendig, denn der Film hat die Kraft, für sich alleine zu stehen. Er braucht für die Beurteilung seiner Qualität keine Einordnung in die heutigen Verhältnisse – diese Diskussion wird bereits an anderen Stellen geführt – sondern ist eindrucksvoll und bewegend und, trotz seiner Länge und Sperrigkeit an manchen Stellen, unbedingt sehenswert.

Zum Schluss sei allerdings die Frage erlaubt, ob dieser Film eine Art Wiedergutmachung und Unterstützung der Sache der Frauen bedeuten soll, denn die Beteiligten Damon und Affleck verdanken ihre Karriere maßgeblich dem bereits benannten Harvey Weinstein, der ihr erstes gemeinsames Projekt „Good Will Hunting“ auf den Weg brachte, und beide waren mit ihm auch später noch eng verbunden. Weder Damon noch Affleck konnten im Folgenden glaubhaft bestreiten, seinen Charakter nicht gekannt und von seinen miesen Methoden nichts gewusst zu haben, aber trotz ihres späteren Einflusses in Hollywood haben beide so lange geschwiegen, bis ein paar mutige Frauen endlich bereit waren, Weinsteins Treiben ein Ende zu bereiten. Warum habt ihr solange weggesehen und geschwiegen, Matt Damon und Ben Affleck? Nur eine Frage, nicht mehr…

 


 Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Nicole Holofcener, Ben Affleck, Matt Damon, b/a Bücher von Eric Jager

Kamera: Dariusz Wolski

Schnitt: Claire Simpson

Musik: Harry Gregson-Williams

 

Besetzung:

Matt Damon, Adam Driver, Jodie Comer, Ben Affleck, Harriet Walter, Alex Lawther, Adam Nagaitis

 

Walt Disney Studios/ 20th Century Studios

USA 2021

FSK 16

152 min

  

Deutscher Kinostart: 14. Oktober 2021

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=mgygUwPJvYk (Englisch)

https://www.youtube.com/watch?v=kswm63I3WhM (Deutsch)