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Mittwoch, 28. Januar 2026

Heimkino: 22 Bahnen

Tilda (Luna Wedler) studiert Mathematik und jobbt an der Supermarktkasse, vor allem aber kümmert sie sich um ihre kleine Schwester Ida (Zoë Baier), denn ihrer beider Mutter (Laura Tonke) hat immer wieder alkoholbedingte Ausfälle und bekommt ihr Leben nicht in den Griff. Als Tilda ein verlockendes Promotionsangebot erhält, für das sie jedoch nach Berlin umsiedeln müsste und außerdem noch Viktor (Jannis Niewöhner) auftaucht, mit dem sie einen traurigen Schicksalsschlag teilt, muss Tilda eine schwerwiegende Entscheidung treffen, während sie regelmäßig ihre 22 Bahnen im Schwimmbad zieht…

Der dem Film zugrundeliegende gleichnamige Roman der Jungautorin Caroline Wahl war auf Anhieb ein großer Erfolg, was zwangsläufig zu einer baldigen Verfilmung führen musste. Wer das Buch kennt, wird allerdings im Film nichts grundlegend Neues finden, und wer den Film schaut, braucht das Buch nicht mehr zu lesen, was nicht heißen soll, dass beides schlecht wäre. Hier soll es aber um den Film gehen, der das Leben in einer Co-Abhängigkeit zeigt, immer am Rand des Untergangs und auf den Schultern einer jungen Frau, die mit ihren verschiedenen Rollen völlig überfordert ist, von Luna Wedler in lakonischer Sachlichkeit interpretiert.

Die stärksten Szenen gehören allerdings der Mutter, von Laura Tonke grandios verkörpert, die in ihrem Scheitern immer wieder Momente vergeblich angestrebter Stärke und hoffnungsloser Zerbrechlichkeit zeigt, die ihre Kinder permanent im Stich lässt und dabei selbst vom Leben im Stich gelassen zurückbleibt.

 

Die doppelbödige Liebesgeschichte mit dem eher blass bleibenden Viktor und Tildas seltene Ausbrüche in ein normales Leben mit Gleichaltrigen, Partys und eigenen Drogenerfahrungen bleiben zu schwach, um daraus einen echten Kontrapunkt zum trüben Alltag zu bilden, und auch die Schwimmbadszenen werden ihrer Bedeutung für die Geschichte nicht immer gerecht.

 

Dass der Film es bewusst vermeidet, zu sehr als Sozialdrama daher zu kommen ist Stärke und Schwäche zugleich, wer sich von Ersterem eher abgeschreckt fühlen würde, wird dennoch eine Leichtigkeit vermissen, die dem Thema die Schwere nehmen könnte und ein befreiendes Lachen, was zu einem richtigen Drama immer unbedingt dazu gehört. 

 

 

Regie: Mia Maariel Meyer

Drehbuch: Elena Hell, b/a Roman von Caroline Wahl

Kamera: Emil Härdtlein

Schnitt: Jamin Benazzouz

Musik: Dascha Dauenhauer

 

Besetzung:

Luna Wedler, LauraTonke, Sabrina Schieder, Zoë Baier, Jannis Niewöhner

 

 Constantin Film

LEONINE Home Entertainment

102 min.

FSK 12

 © LEONINE Studios

 

Heimkinostart: 23. Januar 2026

  

 Trailer:  https://www.youtube.com/watch?v=vkj0AFB9WXM  (Deutsch)

Donnerstag, 28. Oktober 2021

Im Kino: Dear Evan Hansen

Der unter massiven Angststörungen leidende Evan Hansen (Ben Platt) bekommt von seinem Therapeuten die Aufgabe, einen Brief an sich selbst zu schreiben, in dem er sich selber Mut für sein letztes Schuljahr zuspricht. Ohne wirkliche Freunde und mit einer völlig überarbeiteten Mutter wird Evan beim Schreiben erst recht bewusst, was alles falsch läuft in seinem Leben und genauso formuliert er seinen Brief dann auch. Fatalerweise gerät dieser in die Hände eines anderen Problemschülers, Connor (Colton Ryan). Als dieser sich das Leben nimmt, findet man als dessen vermeintlichen Abschiedsbrief Evans an sich selbst adressierte Zeilen und schießt daraus, dass Evan und Connor befreundet waren. Evan ist zu verstört und möchte Connors Eltern nicht die Illusion rauben, dass ihr Sohn einen guten Freund hatte, außerdem ist Evan heimlich in Connors Schwester Zoe (Kaitlyn Dever) verliebt, der er nun auf diese Weise näher kommt. Das Lügengespinst, einmal begonnen, wird immer größer und Evan wird plötzlich zum Mittelpunkt an seiner Schule. Er entwickelt ein nie gekanntes Selbstbewusstsein, aber er weiß, dass alles in sich zusammenbrechen wird, wenn eines Tages die Wahrheit ans Licht kommen sollte...

Der Film basiert auf einem äußerst erfolgreichen Musical, das am Broadway mit vielen Preisen bedacht wurde und ist nun auch als Film-Musical mit den bekannten Bühnensongs und der Musik des Erfolgsduos Pasek & Paul inszeniert worden. Beide standen auch hinter dem Sound der Erfolge "La La Land" und " The Greatest Showman“ und haben offensichtlich ein Händchen für ins Ohr gehende Melodien und griffige Texte. Der Bühnen-Darsteller des Evan durfte auch die Filmrolle übernehmen und entgegen vielen kritischen Stimmen ist sein vermeintlich für einen Highschool-Schüler nicht mehr passendes Alter kein wirkliches Problem. Seine Darstellung ist anrührend und sein Gesang überzeugt ebenso, und er ist wahrhaftig nicht der erste, der in Wirklichkeit älter als die dargestellte Figur ist (Benjamin Braddock lässt grüßen...).

Das eigentliche Problem des Films dagegen ist ein anderes, und ein noch größeres verbirgt sich hinter dessen deutscher Fassung.

Es erstaunt, wie ein solch schwieriges Thema – psychische Probleme und Suizid – überhaupt den Stoff für die ansonsten so heile Broadway-Welt abgeben konnten, aber offensichtlich hat das Bühnenstück, gepaart mit den gefühlvollen und ansprechenden Songs, einen Nerv berührt. Kein Außenseiter sondern Teil einer Gemeinschaft zu sein, wenn sich die Zuschauer von diesem Motiv aufgrund einer starken Bühneninszenierung mitreißen ließen, so springt dieser Funke im Film nicht so ganz über, insbesondere stehen die Gesangseinlagen immer wieder wie ein Fremdkörper dem eigentlichen Drama im Weg. Die Figur des Connor wird ein paar Mal kurz in Rückblenden eingebunden, hier hätte für die filmische Umsetzung noch einiges mehr an Potenzial gesteckt, das leider verschenkt wurde, um daraus vielleicht sogar einen richtig guten Teenager-Film zu machen, so ist es leider nur die nicht ganz so gelungene Umsetzung eines Bühnen-Dramas.

Wenn dann allerdings in der synchronisierten Fassung die in die Handlung eingebundenen Songs auf deutsch eingesungen werden, entwickelt sich das Ganze zu einem Desaster, denn dann stimmt plötzlich nichts mehr. Die Kenner des Bühnenmusicals werden ihre Originalsongs vermissen und Fans des Hauptdarstellers Platt dürften ebenso wenig entzückt sein, ihn plötzlich mit einer fremden Stimme singen zu hören, warum nur erkennt niemand, dass man Gesang nicht einfach durch anderen Gesang ersetzen kann? Wenn man Ed Sheeran auf der Bühne erleben will, möchte man Ed Sheeran hören und nicht einen danebenstehenden Sänger, der seine Songs auf Deutsch vorträgt, auch wenn er dabei noch so schön singt. Wer die Texte nicht versteht: es gibt Untertitel oder die Möglichkeit, sich vor- oder nachher mit den Inhalten zu beschäftigen, aber bitte, verhunzt allen anderen nicht den Film!

 



Regie: Stephen Chbosky

Drehbuch: Steven Levenson, b/a dem Bühnen-Musical von Steven Levenson, Benj Pasek & Justin Paul

Kamera: Brandon Trost

Schnitt: Anne McCabe

Musik & Songtexte: Benj Pasek & Justin Paul

 

Besetzung:

Ben Platt, Amy Adams, Julianne Moore, Kaitlyn Dever, Amandla Stenberg, Nik Dodani, Danny Pino, Colton Ryan, DeMarius Copes

 

Universal Pictures

USA 2021

137 min.

FSK 6

Deutscher Kinostart: 28. Oktober 2021

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=R_DKb-TA4-g (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=dN7md7yl6mc (Englisch)

 

 

Donnerstag, 21. Oktober 2021

Im Kino: The French Dispatch

Der Verleger der amerikanischen Zeitung „Liberty Kansas Evening Star“, Arthur Howitzer Jr. (Bill Murray), leitete auch dessen französischen Ableger „The French Dispatch“ in dem (fiktiven) Städtchen Ennui-sur-Blasé (Was für ein hübsches Wortspiel!). Als er stirbt, erinnern sich seine Angestellten voller Wehmut an ihn und die große Zeit, für die er stand, und in vier ausgewählten Geschichten lassen sie diese noch einmal Revue passieren.

Wir begegnen dem im Gefängnis sitzende Maler Moses Rosenthaler (Benicio del Toro) und Simone (Lea Seydoux), gleichzeitig Wärterin und Modell für seine außergewöhnlichen Werke, die bald auf dem Kunstmarkt für Furore sorgen. Die Reporterin Lucinda Krementz (Frances McDormand) berichtet über Studentenunruhen und begegnet dem rebellischen jungen Zeffirelli (Timothée Chalamet), bei dem sie ihre Informationen aus erster Hand recherchiert. Wir folgen dem Reporter Herbsaint Sazerac (Owen Wilson) auf seinem Fahrrad, der seine Berichte über unerhörte Begebenheiten in der Stadt aus dem Sattel heraus recherchiert, und erfahren von Roebuck Wright (Jeffrey Wright), welche Rolle der Polizeikoch Nescaffier (Steve Park) bei einer Entführung des Sohns des Kommissars (Mathieu Amalric) spielte…

Wer die Filme von Wes Anderson kennt und liebt, wird auch an diesem seine Freude haben und wer Sinn hat für skurrilen Witz, originelle bis abstruse Ideen und eine liebevoll-verrückte Inszenierung zu schätzen weiß, der kommt hier wieder einmal auf seine Kosten. Nebenbei ist dieser Episodenfilm eine Liebeserklärung an die gute alte Zeit(ung) und den Magazinjournalismus, wobei Ähnlichkeiten mit dem berühmten „New Yorker“ sicher beabsichtigt und nicht zufällig sind.

Filmisch wechseln Stilmittel, Farb- und Schwarzweißbilder, Trick- und Realsequenzen, kurz, ein bunter Bilderbogen – wie eben in einem bunten Magazin –  wird vor unseren staunenden Augen aufgeblättert. Die Episoden orientieren sich am Aufbau und den Rubriken eines solchen Magazins, vom Kunst- und Kulturteil, über die Politik und Vermischtes bis zur Kochseite, das Ganze übersprühend vor Ideen und gespickt mit einer Riege von Schauspielern, von denen einige bereits seit längerem Teil des Anderson-Universums sind, wie Bill Murray und Owen Wilson, daneben jeder Menge anderer, die auch einmal dabei sein wollten.

Abseits vom gewohnten Einerlei ist „The French Dispatch“ eine erfrischende Abwechslung, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen, auch wenn Anderson selbst irgendwann Gefahr läuft, sich zu wiederholen und in seinen Manierismen zu verlieren. Aber noch kann man seinen Spaß haben an diesem nostalgisch anmutenden Episodenfilm. Erwartet das Ungewöhnliche! Und wer die meisten Schauspieler erkennt, gewinnt ein Essen bei Nescaffier…

 

 

Regie: Wes Anderson

Drehbuch: Wes Anderson, Jason Schwartzman, Roman Coppola, Hugo Guiness

Kamera: Robert D. Yeoman

Schnitt: Andrew Weisblum

Musik: Alexandre Desplat

 

Besetzung:

Bill Murray, Benicio Del Toro, Tilda Swinton, Léa Seydoux, Adrien Brody, Frances McDormand, Timothée Chalamet, Owen Wilson, Jeffrey Wright, Bob Balaban, Henry Winkler, Cristoph Waltz, Rupert Friend, Alex Lawther, Liev Schreiber, Willem Dafoe, Edward Norton, Saoirse Ronan, Elisabeth Moss, Griffin Dunne, Anjelica Huston

 

Searchlight Pictures

USA 2021

108 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 21. Oktober 2021

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=NCqxlUXblJ8 (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=TcPk2p0Zaw4 (Englisch)

 

 

Im Kino: Cry Macho

Der alte Haudegen Mike Milo (Clint Eastwood), ehemaliger Cowboy und Rodeoreiter, erhält von seinem Ex-Boss Howard Polk (Dwight Yoakam) den Auftrag, dessen unehelichen Sohn Rafo (Eduardo Minett) aus Mexiko nach Texas zu bringen. Mike macht sich in seinem klapprigen Truck auf den Weg, spürt den von dessen Mutter Leta (Fernanda Urrejola) als renitent und wild beschriebenen Jungen auf und nimmt ihn und dessen Kampf-Hahn „Macho“ mit. Rafo entpuppt sich als eher zahm und zwischen ihm und Mike entwickelt sich auf der Fahrt eine Beziehung, die dem Jungen nach und nach zeigt, was es mit dem von ihm so verehrten Machotum wirklich auf sich hat und was nicht. Verfolgt werden sie dabei von Letas Handlangern, außerdem machen sie die Bekanntschaft der ihnen zugetanen Witwe Marta (Natalia Traven), immer begleitet von einem gut aufgelegten „Macho“…

Clint Eastwood legt mit nunmehr 91 Jahren ein weiteres Alterswerk unter seiner Regie vor, in dem er auch die Hauptrolle übernommen hat. Das Roadmovie plätschert ruhig und bedächtig dahin und Eastwood hat sich ein paar nette lakonische Sprüche ins Drehbuch schreiben lassen, daneben werden kontrapunktisch Altersweisheiten gegen jugendliche Sprüche gesetzt, nicht immer originell, aber geprägt von einer berührenden Menschlichkeit, alles wunderbar transportiert durch den zerfurchten, gleichermaßen zerbrechlich wie zäh wirkenden Eastwood .

Der Film an sich tut niemandem weh, ergeht sich allerdings ein bisschen zu sehr in trivialen Erkenntnissen und einem allzu vorhersehbaren Gang der Handlung, die im Jahr 1979 angesiedelt ist. Mikes Vergangenheit weist die üblichen Eckpunkte auf: ehrlicher, rechtschaffener ganzer Kerl mit Erfolg als Rodeoreiter verliert Frau und Familie auf tragische Weise, stürzt ab in Alkohol und Selbstmitleid und berappelt sich am Ende wieder, weil er ein ehrlicher, rechtschaffener ganzer Kerl ist. Hier hätte ein wenig Abweichen vom üblichen Klischee gut getan, ebenso wie etwas originellere Dialoge, die man vor allem dem jungen Eduardo Minett hätte gönnen können. Seine Rolle bleibt leider farblos und fad, hier wäre mehr drin gewesen, wobei diese Schwäche von Hahn „Macho“ genial ausgebügelt wird, der eine grandiose Vorstellung abliefert!

Für Freunde des gepflegten Roadmovies, die sich einmal mehr an Clint Eastwoods Alterslakonie erfreuen möchten, ein Film ohne große Höhen und Tiefen, dabei aber berührend und menschlich. Eastwood, der den Film bereits vor 40 Jahren machen wollte, hat sich dieses Projekt nun doch noch gegönnt, Hut ab davor, in diesem Alter noch einen Film zu stemmen, das ist aller Ehren wert!

 


 

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Nick Schenk, N. Richard Nash, b/a Buch von N. Richard Nash

Kamera: Ben Davis

Schnitt: David S. Cox, Joel Cox

Musik: Mark Mancina

 

Besetzung:

Clint Eastwood, Eduardo Minett, Dwight Yoakam, Natalia Traven, Fernanda Urrejola

 

USA 2021

104 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 21. Oktober 2021

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=cjyEKSzWNWQ (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=JVc8SI5CAKw (Englisch)

 

Donnerstag, 14. Oktober 2021

Im Kino: The Last Duel

Jean de Carrouges (Matt Damon) und Jacques Le Gris (Adam Driver) kämpfen im ausgehenden 14. Jahrhundert in so mancher Schlacht für König und Vaterland, dies macht sie – zumindest in Carrouges’ Augen – zu Freunden, die füreinander einstehen. Le Gris ist jedoch im weiteren Leben immer der Erfolgreichere, der mit Leichtigkeit vieles erreicht, was dem tumben Carrouges verwehrt bleibt, so erfreut er sich zum Beispiel der nicht zu unterschätzenden Gunst des Grafen Pierre d'Alençon (Ben Affleck). Zwar wird Carrouges im Gegensatz zu Le Gris schließlich zum Ritter geschlagen und darf die wunderschöne Lady Marguerite (Jodie Comer) ehelichen, aber als eben jene Marguerite eines Tages behauptet, Le Gris habe sie vergewaltigt, werden aus den beiden Männern  erbitterte Feinde, die schließlich in einem martialischen Duell auf Leben und Tod um die Wahrheit ringen…

In mittelalterlichen Zeiten war es üblich, in einem gerichtlichen Streit, bei dem Aussage gegen Aussage stand, die Wahrheit durch ein „Gottesurteil“ feststellen zu lassen, d.h. die Kontrahenten in einem Duell auf Leben und Tod gegeneinander antreten zu lassen, an dessen Ende der Überlebende das Recht auf seiner Seite hatte. Dem Film zugrunde liegt eines der letzten Duelle, die auf diese Weise ausgefochten wurden, insofern ein historischer Fall, der so oder so ähnlich tatsächlich stattgefunden hat.

Altmeister Ridley Scott hat daraus ein wuchtiges Drama geschaffen, das er, wie es Akira Kurosawa in seinem berühmten Werk „Rashomon“ vorexerziert hat, aus den verschiedenen Perspektiven der Beteiligten erzählen lässt. Auch wenn man auf diese Weise denselben Film scheinbar drei Mal sieht, unterscheiden sich die Versionen in vielen Details, auf die es auch ankommt, und es bleibt spannend, all die kleinen Abweichungen zu erkennen, wenn man am Ende die Wahrheit erfahren will. Nun mag man Scott hierbei vorwerfen, dass er selbst sich bereits auf eine Wahrheit festgelegt hat, der Zuschauer also nur vermeintlich die Wahl hat, aber da eine vierte, womöglich neutrale Perspektive fehlt, bleibt es eine höchst subjektive Darstellung der Beteiligten.

Neben all den Ritterspielen und Kampfszenen zu Anfang dauert es eine Weile, bis sich das eigentliche Thema des Films herausschält, es geht nämlich um nichts anderes als eine mittelalterliche #MeToo-Geschichte: eine Frau beschuldigt einen Mann der Vergewaltigung, dieser streitet die Gewalt ab und beruft sich auf Einvernehmlichkeit – sie wollte es doch auch. Damit betritt Scott natürlich vermintes Gelände und kann eigentlich nur verlieren, denn recht machen wird er es inmitten der aufgeheizten Diskussionen, die um dieses Thema in den letzten Jahren geführt werden, wahrscheinlich keiner Seite.

Dass der Film dennoch großartig funktioniert, liegt an den überzeugenden Darstellern – allen voran Jodie Comer, aber auch Ben Affleck in einer launigen Nebenrolle – und der kraftvollen, kompromisslosen Inszenierung. Er ist ein Sittengemälde seiner Zeit und der ihr innewohnenden Gewalt, sowohl der physischen in den klirrenden, dampfenden Kampfszenen, als auch der psychischen, der Frauen unterworfen waren, aber, wie die Ausnutzung von Macht- und Einflussstrukturen durch Männer wie den Filmmogul Harvey Weinstein gezeigt hat, auch heute noch unterworfen sind. Früher allerdings gehörten Frauen einfach zum Eigentum ihres Mannes und waren als solches zu verteidigen, und so wird Marguerites Stellung plakativ und gleichnishaft in einer Szene vorgeführt, in der eine wertvolle Stute Carrouges von einem unerwünschten, schwarzen und wilden Hengst besprungen wird, eine Schande, die Carrouges nicht einfach hinnehmen kann.

Marguerite aber, die nun darauf besteht, nicht die Ehre ihres Mannes sondern ihre eigene zu verteidigen und dabei ihr Leben in die Waagschale wirft, sorgt damit für einen unerhörten Vorgang. Sie muss sich von allen Seiten denselben hochnotpeinlichen Fragen unterwerfen, wie sie auch heute noch gestellt werden: Hat sie ihren Vergewaltiger nicht eigentlich ermutigt, musste er deswegen nicht glauben, sie wollte es in Wirklichkeit? Hat sie sich genug gewehrt? Hat sie sich überhaupt gewehrt? Als Marguerite auch noch schwanger wird, spricht dies, sollte das Kind von Le Gris sein, gegen eine Vergewaltigung, denn eine Frau kann nur schwanger werden, wenn sie Spaß am Geschlechtsverkehr hatte – so legen sich die Männer die Welt zurecht, wie sie ihnen gefällt und genau dies führt der Film eindrucksvoll vor Augen: Es geht nicht um die Wahrheit, solange Männer bestimmen, wo es lang geht – „The truth does not matter – there is only the power of men“.

Visuell erinnert der Film oft an alte Gemälde von Schlachtenszenen und düsteren Interieurs vergangener Epochen, klanglich untermalt von einem passend opulenten Soundtrack. Ein Vergleich mit aktuellen Ereignissen ist sicher beabsichtigt und auch legitim, aber nicht notwendig, denn der Film hat die Kraft, für sich alleine zu stehen. Er braucht für die Beurteilung seiner Qualität keine Einordnung in die heutigen Verhältnisse – diese Diskussion wird bereits an anderen Stellen geführt – sondern ist eindrucksvoll und bewegend und, trotz seiner Länge und Sperrigkeit an manchen Stellen, unbedingt sehenswert.

Zum Schluss sei allerdings die Frage erlaubt, ob dieser Film eine Art Wiedergutmachung und Unterstützung der Sache der Frauen bedeuten soll, denn die Beteiligten Damon und Affleck verdanken ihre Karriere maßgeblich dem bereits benannten Harvey Weinstein, der ihr erstes gemeinsames Projekt „Good Will Hunting“ auf den Weg brachte, und beide waren mit ihm auch später noch eng verbunden. Weder Damon noch Affleck konnten im Folgenden glaubhaft bestreiten, seinen Charakter nicht gekannt und von seinen miesen Methoden nichts gewusst zu haben, aber trotz ihres späteren Einflusses in Hollywood haben beide so lange geschwiegen, bis ein paar mutige Frauen endlich bereit waren, Weinsteins Treiben ein Ende zu bereiten. Warum habt ihr solange weggesehen und geschwiegen, Matt Damon und Ben Affleck? Nur eine Frage, nicht mehr…

 


 Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Nicole Holofcener, Ben Affleck, Matt Damon, b/a Bücher von Eric Jager

Kamera: Dariusz Wolski

Schnitt: Claire Simpson

Musik: Harry Gregson-Williams

 

Besetzung:

Matt Damon, Adam Driver, Jodie Comer, Ben Affleck, Harriet Walter, Alex Lawther, Adam Nagaitis

 

Walt Disney Studios/ 20th Century Studios

USA 2021

FSK 16

152 min

  

Deutscher Kinostart: 14. Oktober 2021

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=mgygUwPJvYk (Englisch)

https://www.youtube.com/watch?v=kswm63I3WhM (Deutsch)

 

Mittwoch, 6. Oktober 2021

Im Kino: Hinterland

Nach Ende des ersten Weltkriegs, damals noch der Große Krieg genannt, und Jahren in russischer Kriegsgefangenschaft, kehrt der ehemalige Kriminalinspektor Peter Perg (Murathan Muslu) in das Wien der 1920ger Jahre zurück, wo nichts mehr ist, wie es einst war. Frau und Tochter leben ohne ihn auf dem Land, seine Heimatstadt ist geprägt vom Nachkriegselend und dann meuchelt auch noch ein Serienmörder Kriegsveteranen, ehemalige Kameraden von Perg, auf äußerst grausame Weise dahin. Gegen den anfänglichen Widerstand seines jungen Kollegen Paul Severin (Max von der Groeben) beginnt Perg zu ermitteln und kommt dabei dem Killer immer näher – zu nah?

Die ungewöhnliche visuelle Gestaltung der Films wirkt auf den ersten Blick befremdlich, wird aber schnell zum zweiten Star neben dem kraftvoll agierenden Murathan Muslu. Die Gebäude der Stadt, die Ausstattung der Innenräumen, alles ist so krumm und schief wie sich die Welt für den Heimkehrer Perg anfühlt, die Außenwelt wird zum Spiegelbild seines Innenlebens. Dabei entstehen Bilder voller expressionistischer Schönheit, ganz im Stil des Stummfilmkinos der 1920ger Jahre, die eine einzigartige Atmosphäre schaffen und aus einem eher konventionellen Krimi-Plot, der gar nicht so raffiniert gesponnen ist, wie es zunächst scheint, ein kleines Meisterwerk machen. Die bizarren Morde sorgen für schaurige Momente, werden jedoch nie voyeuristisch ausgeschlachtet, der historische Kontext ist reizvoll und die Düsternis der Welt nach einer Katastrophe, wie sie der Große Krieg für die Menschen darstellte, wird durchgehend spürbar. Die Charaktere sind gut besetzt, auch wenn Liv Lisa Fries in ihrer Charlotte-Ritter-Figur gefangen zu bleiben scheint, dafür darf Matthias Schweighöfer einmal mehr zeigen, dass er nicht nur den dummen August kann.

Alles in allem ein besonderer Krimi in bizarrer Kulisse, für experimentierfreudige Krimiliebhaber und alle, die einen Sinn für das Ungewöhnliche haben.

 


 

Regie: Stefan Ruzowitzky

Drehbuch: Robert Buchschwenter, Hanno Pinter, Stefan Ruzowitzky

Kamera: Benedict Neuenfels

Schnitt: Oliver Neumann

Musik: Kyan Bayani

 

Besetzung:

Murathan Muslu, Max von der Groeben, Liv Lisa Fries, Marc Limpach, Timo Wagner, Stipe Erceg, Trystan Pütter, Matthias Schweighöfer, Margarete Tiesel

 

SquareOne Entertainment

D 2021

FSK 16

98 min.

 

Deutscher Kinostart: 07. Oktober 2021

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=jnAS2eVaR7g

 

Im Kino: Titane

Das Mädchen Alexia hat einen Autounfall und bekommt danach die titelgebende Platte in ihren Kopf eingesetzt. Zur jungen Frau herangewachsen, führt sie ein Leben voller Extreme, tanzt erotisch in einer Autoshow und wird lästige Verehrer und Verehrerinnen los, indem sie sie tötet. Als Serienkillerin gesucht, nimmt sie den Platz eines als Kind verschwundenen Jungen ein, indem sie den Vater (Vincent Lindon) überzeugt, dass sein Sohn nunmehr als Erwachsener zu ihm zurückgekehrt ist. Wird er merken, dass sein vermeintlicher Sohn eine Frau ist, die darüber hinaus auch noch selbst ein Kind erwartet?

Wahnsinn oder Liebesgeschichte, wer liebt wen, und warum? Nach „Raw“ hat Julia Ducournau ihren zweiten Film vorgelegt, der beim diesjährigen Festival in Cannes 2021 mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde. „Titane“ ist radikal brutal und zärtlich zugleich, verstört durch kompromisslose Härte und versöhnt durch eine ebenso kompromisslose Suche nach Wärme und Geborgenheit. Dabei verweigert sich der Film jeglicher Einordnung in herkömmliche Schemata, reißt durch seine schonungslose und manchmal über die Schmerzgrenze hinausgehende Erzählweise mit und die Trennungslinien zwischen den Geschlechtern auf. 

Im Gesicht der Schmerzensfrau Alexia, von Agathe Rousselle gnadenlos gut dargestellt, spiegelt sich alles und nichts zugleich. Ihre Nacktheit hat, im Gegensatz zu ihrem Job, nichts Erotisches, hier wird ein Mensch – nicht ganz Frau, nicht ganz Mann, nicht ganz Maschine – in seiner Verletzlichkeit gezeigt, von allen Hüllen befreit, wie ein Neugeborenes, das den Weg in sein Leben erst noch finden muss. Spektakuläre Szenen erhöhen die Schauwerte – Sex im Auto ist wahrscheinlich manchem bekannt, aber Sex mit einem Auto? – dieses absolut ungewöhnlichen Films, der die Zuschauer auf einen rasanten Trip mitnimmt, um sie  hinterher etwas verstört wieder auszuspucken.

Kein Film für den Mainstream, aber in jedem Fall ein hochinteressantes Erlebnis, für alle, die bereit sind, sich darauf einzulassen!

 


 Regie: Julia Ducournau

Drehbuch: Julia Ducournau, Jacques Akchoti, Jean-Christophe Bouzy, Simonetta Greggio

Kamera: Ruben Impens

Schnitt: Jean-Christophe Bouzy

Musik: Séverin Favriau, Jim Williams

 Besetzung:

Agathe Rousselle, Vincent Lindon, Garance Marillier, Dominique Frot

 

 Koch Films

Frk. 2021

FSK 12

108 min.

 

Deutscher Kinostart: 07. Oktober 2021

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=htqcfPJd-oU

 

Im Kino: Töchter

Martha (Alexandra Maria Lara) und Betty (Birgit Minichmayr) sind langjährige Freundinnen und haben jeweils ein Vaterproblem. Während Marthas Vater Kurt (Josef Bierbichler) zum Sterben in die Schweiz gefahren werden möchte, trauert Betty ihrem verschollenen italienischen Stiefvater Ernesto nach. Da Martha sich die Fahrt in die Schweiz nicht ohne Hilfe zutraut, machen sie sich zu dritt in Kurts altem Wagen auf den Weg, aber schon bald kommt es zu einer überraschenden Planänderung: Papa hat gar nicht vor zu sterben, sondern möchte in Wirklichkeit seine verflossene große Liebe am Lago Maggiore wiedersehen, und als auch die beiden Frauen immer neue Ideen entwickeln, was oder wen sie gerne aufsuchen möchten, beginnt ein Roadtrip, der die drei quer durch die Schweiz, Italien und Griechenland führt…

Der Film lässt seine Protagonisten auf einen Selbstfindungstrip durch halb Europa mäandern, wobei die Reiseroute sich einigermaßen verwirrend entwickelt. Wie man, gerade noch in Italien, plötzlich auf einer griechischen Insel landet, sei’s drum, entscheidend sind natürlich die inneren Reisen der drei durch ihre Gefühlswelten, die jeweils von Dingen aus der Vergangenheit bestimmt werden, und dies entwickelt sich, wie es im Leben so ist, teilweise chaotisch. Das Ganze ist durchaus unterhaltsam inszeniert, die eigentlich Tiefe, die den Themen Liebe, Tod und Vergänglichkeit innewohnen, wird aber trotz des gefühligen Endes leider nicht erreicht. Trotz allem eine heiter-besinnliche, tragikomische Odyssee durch Zeit und Raum mit drei bestens aufgelegten Darstellern, von denen vor allem das grantelnde Urviech Josef Bierbichler glänzen kann.

 


Regie: Nana Neul

Drehbuch: Lucy Tanja Fricke, Nana Neul

Kamera: Bernhard Keller

Schnitt: Stefan Stabenow

 

Besetzung:

Alexandra Maria Lara, Birgit Minichmayr, Josef Bierbichler, Andreas Konstaninou, Giorgo Colangeli, Gundi Ellert, Hans-Jochen Wagner,

 

Warner Bros Pictures Germany

D 2021

FSK 12

122 min.

 

Deutscher Kinostart: 07. Oktober 2021

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=MS8fG4vDlnA

Mittwoch, 29. September 2021

Im Kino: Keine Zeit Zu Sterben (No Time To Die)

James Bond im Ruhestand auf Jamaica mit Madeleine Swann (Léa Seydouy), der Dame seines Herzens – kann dies das Ende seines Dienstes für sein Land und Ihre Majestät sein? Wohl kaum, und so gibt es natürlich einen wichtigen Grund, wieder aktiv zu werden. Sein alter Weggefährte Felix Leiter (Jeffrey Wright) benötigt Hilfe bei der Suche nach einem entführten Wissenschaftler, aber für Bond ist der Weg zurück nicht ganz so einfach. Zum einen wird sein Vertrauen in Madeleine erschüttert, zum anderen wird er an seiner alten Wirkungsstelle plötzlich nur noch mit einem „Besucher"-Schild am Revers von M (Ralph Fiennes) empfangen, dort gibt es eine neue Doppel-Null Agentin namens Nomi (Lashana Lynch), die anscheinend bereits seinen Platz eingenommen hat. Aber der Schurke Lyutsifer Safin (Rami Malek), der die Menschheit mit einer supermodernen Waffe in Gestalt von Nanobots bedroht, die es möglich machen nur bestimmte Menschen über deren DNA auszuschalten, erfordert die geballte Bond-Kraft, angewachsen in nunmehr fast 60 Jahren, um einmal mehr die Welt zu retten. Der Preis dafür ist allerdings für fast alle Beteiligten so hoch wie selten…

Bei dem mehrfach verschobenen, sehnsüchtig erwarteten Film, der nun endlich in die Kinos – und zunächst auch tatsächlich nur in die Kinos! - kommt, wurde diese Sehnsucht in immer höhere Erwartungssphären geschraubt, was die Dinge immer schwierig macht, denn nun muss er sich an diesem Anspruch messen lassen.

 „No Time to Die“ ist die erklärte letzte Vorstellung von Daniel Craig, dem nicht unumstrittenen sechsten Darsteller des ewigen Agenten mit der Lizenz zum Töten. Er hat neue Züge erkennen lassen, Selbstzweifel, Gefühle, Bindungen zu Frauen, wo es zuvor meistens lose Affären gab, nur zwei Dinge sind immer gleich geblieben: Die erfolgreiche Weltrettungsmission und die Martinis - shaken, not stirred. In seiner Ägide schienen Craig und damit sein Alter Ego immer kurz vor dem Abschied zu stehen, und nun wird es wohl tatsächlich keinen weiteren Auftritt von ihm – also Craig – geben. Alles übrige bleibt Spekulation und am Ende steht auf jeden Fall das Versprechen, dass es weitergeht. Nur wie – und mit wem?

Die Frage, ob diese Reihe unbedingt weitergeführt werden muss, mag jede oder jeder für sich selbst entscheiden, aktuell wird zwar noch einmal aus dem Vollen geschöpft, mit Action vom Feinsten, die allerdings inzwischen auch viele andere Franchise-Reihen bieten. Es gibt nostalgische Anklänge und für Kenner Zitate aus früheren Bond-Filmen, eine rührende Hommage an die verstorbene M (Judi Dench), und es gibt einen weiteren (Haupt-)Bösewicht, der von Rami Malek sehr zurück genommen aber gleichwohl intensiv dargestellt wird. Sein Lyutsifer Safin verfolgt perfide Ziele wie alle Bösewichter vor ihm, und wie viele dieser Figuren versucht er, sich mit Bond zu vergleichen. Beider Anspruch, die Welt ein wenig besser zu machen, rechtfertigt in seinen Augen ihre jeweiligen Methoden, aber dafür wird er von seinem vermeintlichen Bruder im Geiste als „angry little man“ abgekanzelt und ohne mit der Wimper zu zucken zu gegebener Zeit aus eben jener Welt entfernt.

Letztlich sind einige der immer wiederkehrenden Elemente aber doch ein wenig in die Jahre gekommen und hier steht sicher Reformbedarf an. Ansetzen könnte man, indem der augenzwinkernde, feine Humor wiederkehrt, wie er bereits in diesem Film anklingt. Ein diesbezüglicher Höhepunkt ist die leider recht kurze Episode mit der wunderbaren Ana de Armas, sexy und witzig zugleich, so viel frischer Wind war lange nicht! Und wenn darüber nachgedacht wird, aus der Bondfigur vielleicht eine Frauenrolle zu machen…

Ob der Film in diesen schwierigen Kino-Zeiten den erhofften Erfolg bringt, wird sich bald zeigen, aber verdient hätte er es allemal, denn schlecht ist er beileibe nicht, vielleicht kann er nur nicht alle in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen.

 


 Regie: Cary Joji Fukunaga

Drehbuch: Neil Purvis, Robert Wade, Cary Joji Fukunaga, Phoebe Waller-Bridge, b/s der Vorlage und den Charakteren von Ian Fleming

Kamera: Linus Sandgren

Schnitt: Tom Cross, Elliot Graham

Musik: Hans Zimmer

 

Besetzung:

Daniel Craig, Rami Malek, Léa Seydoux, Lashana Lynch, Ralph Fiennes, Christoph Waltz, Ben Wishaw, Naomi Harris, Jeffrey Wright, Ana de Armas, Rory Kinnear

 

MGM/ Universal Pictures

2021

FSK 12

163 min.

 

Deutscher Kinostart: 30. September 2021

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=TXp-oF5TCo0 (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=A9bAepYiDRI (Englisch)

 

 

Donnerstag, 23. September 2021

Heimkino: Mein Jahr in New York (My Salinger Year)

Die blutjunge Joanna (Margaret Qualley) kommt in den 1990ger Jahren nach New York, um Schriftstellerin zu werden. Über einen Assistentinnen-Job in einer Literaten-Agentur, deren berühmtester Autor der legendäre J.D. Salinger ("Der Fänger im Roggen") ist,  möchte sie Erfahrungen im Literaturbetrieb sammeln, aber ihre Hauptaufgabe besteht darin, Fanbriefe an Salinger zu schreddern. Als ihre Chefin Margaret (Sigourney Weaver) ihr schließlich das Angebot macht, selbst Autoren zu betreuen, muss sie sich entscheiden: Anderen Stimmen zum Durchbruch verhelfen, oder ihre eigene Stimme finden?

Der Film des kanadischen Regisseurs Falardeau war der Eröffnungsfilm der Berlinale 2020 und wurde ein weiteres Opfer von Corona. Vordergründig eine leidenschaftliche Hommage an die Literatur und den Literaturbetrieb hätte die autobiographische Geschichte der Autorin Joanna Rakoff es verdient gehabt, ihr Publikum im Kino zu bekommen. Nun besteht die Möglichkeit, sich dieses kleine aber feine Werk ins Heimkino zu holen.

Was den Film neben den Bezügen und Einsichten in den Literaturbetrieb sehenswert macht, ist das Porträt seiner Protagonistin, einer jungen Frau auf der Suche nach ihrem Platz im Leben. Mehrfach steht die unerfahrene Joanna sowohl privat als auch beruflich vor einem Scheideweg und sie wählt jeweils mit Bedacht, aber vor allem ihrer Leidenschaft folgend. So hätte sie zu Anfang eigentlich ihrem in Berkeley studierenden Freund folgen sollen, aber sie geht nach New York, weil sie sich da als zukünftige Schriftstellerin besser aufgehoben fühlt. Dort ist sie zunächst nicht auf Rosen gebettet, aber sie ist bereit, auch Umwege in Kauf zu nehmen, zu lernen, dann aber auch mit etwas abzuschließen, wenn es für die Verwirklichung ihrer Träume notwendig wird. Eine weitere Beziehung beendet sie, als ihr klar wird, dass sie darin nicht glücklich ist, ebenso verfährt sie mit ihrer möglichen Karriere in der Autorenbetreuung, die für sie nur einen Schritt auf ihrem eigenen Weg bedeutet.

So jung und unbedarft Joanna zunächst scheint, so kompromisslos und stark zeigt sie sich bei ihren Entscheidungen, niemals den einfachen Weg zu wählen, sondern das anzugehen, was sie sich vorgenommen hat, und zu sehen, wie weit sie damit kommt.

Das Ganze ist bedächtig und mit viel Wärme erzählt und lässt den beiden Hauptdarstellerinnen den Raum, den sie für ihre Charakterzeichnungen brauchen, dabei sind es manchmal kleine Gesten, die eine große Wirkung entfalten. Sigourney Weaver darf glänzen, aber auch die junge Margaret Qualley behauptet sich eindrucksvoll neben dieser Ikone des Kinos, alles in allem starkes Erzählkino ohne spektakuläre Höhepunkte, dafür mit der eindringlichen Dramaturgie, die nur das Leben so schreibt.


 Regie: Philippe Falardeau

Drehbuch: Philippe Falardeau, b/a Biographie von Joanna Smith Rakoff

Kamera: Sara Mishara

Schnitt: Frédérique Broos, Mary Finlay

Musik: Martin Léon

 

Besetzung:

Sigourney Weaver, Margaret Qualley, Brian F. O’Byrne, Colm Feore, Yanic Truesdale,

 

Koch Films

Can/ Irland 2020

101 min.

FSK 0

 

Ab 23. September 2021 auf Blu-ray und DVD (Digital ab 09. September 2021)

 

Details Blu-ray:

Sprachen: Englisch, Deutsch

Untertitel: Deutsch

Bild: 1,85:1 (1080p)

Ton: DTS-HD Master Audio 5.1

Bonusmaterial:

- Interviews mit Margaret Qualley, Philippe Falardeau  und Joanna Rakoff

- Mein Jahr in New York auf der Berlinale 2020

- Trailer deutsch/englisch

  Trailershow

EAN-Code 4020628719180

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=um1mwGnHjXg (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=05jdkAUwGPM (Englisch)