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Donnerstag, 21. Oktober 2021

Im Kino: The French Dispatch

Der Verleger der amerikanischen Zeitung „Liberty Kansas Evening Star“, Arthur Howitzer Jr. (Bill Murray), leitete auch dessen französischen Ableger „The French Dispatch“ in dem (fiktiven) Städtchen Ennui-sur-Blasé (Was für ein hübsches Wortspiel!). Als er stirbt, erinnern sich seine Angestellten voller Wehmut an ihn und die große Zeit, für die er stand, und in vier ausgewählten Geschichten lassen sie diese noch einmal Revue passieren.

Wir begegnen dem im Gefängnis sitzende Maler Moses Rosenthaler (Benicio del Toro) und Simone (Lea Seydoux), gleichzeitig Wärterin und Modell für seine außergewöhnlichen Werke, die bald auf dem Kunstmarkt für Furore sorgen. Die Reporterin Lucinda Krementz (Frances McDormand) berichtet über Studentenunruhen und begegnet dem rebellischen jungen Zeffirelli (Timothée Chalamet), bei dem sie ihre Informationen aus erster Hand recherchiert. Wir folgen dem Reporter Herbsaint Sazerac (Owen Wilson) auf seinem Fahrrad, der seine Berichte über unerhörte Begebenheiten in der Stadt aus dem Sattel heraus recherchiert, und erfahren von Roebuck Wright (Jeffrey Wright), welche Rolle der Polizeikoch Nescaffier (Steve Park) bei einer Entführung des Sohns des Kommissars (Mathieu Amalric) spielte…

Wer die Filme von Wes Anderson kennt und liebt, wird auch an diesem seine Freude haben und wer Sinn hat für skurrilen Witz, originelle bis abstruse Ideen und eine liebevoll-verrückte Inszenierung zu schätzen weiß, der kommt hier wieder einmal auf seine Kosten. Nebenbei ist dieser Episodenfilm eine Liebeserklärung an die gute alte Zeit(ung) und den Magazinjournalismus, wobei Ähnlichkeiten mit dem berühmten „New Yorker“ sicher beabsichtigt und nicht zufällig sind.

Filmisch wechseln Stilmittel, Farb- und Schwarzweißbilder, Trick- und Realsequenzen, kurz, ein bunter Bilderbogen – wie eben in einem bunten Magazin –  wird vor unseren staunenden Augen aufgeblättert. Die Episoden orientieren sich am Aufbau und den Rubriken eines solchen Magazins, vom Kunst- und Kulturteil, über die Politik und Vermischtes bis zur Kochseite, das Ganze übersprühend vor Ideen und gespickt mit einer Riege von Schauspielern, von denen einige bereits seit längerem Teil des Anderson-Universums sind, wie Bill Murray und Owen Wilson, daneben jeder Menge anderer, die auch einmal dabei sein wollten.

Abseits vom gewohnten Einerlei ist „The French Dispatch“ eine erfrischende Abwechslung, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen, auch wenn Anderson selbst irgendwann Gefahr läuft, sich zu wiederholen und in seinen Manierismen zu verlieren. Aber noch kann man seinen Spaß haben an diesem nostalgisch anmutenden Episodenfilm. Erwartet das Ungewöhnliche! Und wer die meisten Schauspieler erkennt, gewinnt ein Essen bei Nescaffier…

 

 

Regie: Wes Anderson

Drehbuch: Wes Anderson, Jason Schwartzman, Roman Coppola, Hugo Guiness

Kamera: Robert D. Yeoman

Schnitt: Andrew Weisblum

Musik: Alexandre Desplat

 

Besetzung:

Bill Murray, Benicio Del Toro, Tilda Swinton, Léa Seydoux, Adrien Brody, Frances McDormand, Timothée Chalamet, Owen Wilson, Jeffrey Wright, Bob Balaban, Henry Winkler, Cristoph Waltz, Rupert Friend, Alex Lawther, Liev Schreiber, Willem Dafoe, Edward Norton, Saoirse Ronan, Elisabeth Moss, Griffin Dunne, Anjelica Huston

 

Searchlight Pictures

USA 2021

108 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 21. Oktober 2021

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=NCqxlUXblJ8 (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=TcPk2p0Zaw4 (Englisch)

 

 

Dienstag, 23. Januar 2018

Film-Rezensionen: Wunder (Wonder)


August „Auggie“ Pullman (Jacob Tremblay) ist zehn Jahre alt. Er lebt mit seinen Eltern (Julia Roberts, Owen Wilson) und der großen Schwester Via (Izabela Vidovic) in einer Kleinstadt in den USA und möchte einmal Astronaut werden. Den passenden Helm hat er schon, allerdings trägt er ihn immer dann, wenn er einmal nicht angestarrt werden möchte, denn Auggie hat einen Gendefekt, der sein Gesicht verunstaltet, woran auch zahlreiche Operationen nichts haben ändern können. Trotzdem beschließen seine Eltern, nachdem sie Auggie bisher zu Hause unterricht haben, ihn nun auf eine normale öffentliche Schule zu schicken, damit er dort Freunde findet.

Die ganze Familie fürchtet den ersten Tag an der neuen Schule, alle hoffen inständig, dass es gut geht, auch Schwester Via, obwohl sie ihren eigenen Kampf auszufechten hat. Sie hat zwar akzeptiert, dass stets Auggies Probleme im Mittelpunkt stehen, aber manchmal vermisst sie ihren Teil an Aufmerksamkeit, der ihr wegen ihres Bruders oft vorenthalten wird.


Aufmerksamkeit bekommt Auggie in der Schule, wie zu erwarten, wieder einmal reichlich. Dabei stellt er – unerfahren im Umgang mit anderen Kindern – bereits bei der ersten Begegnung mit ihnen ein paar Weichen. So ist er in den Naturwissenschaften seinen Mitschülern weit voraus, was einige, die schon mit seinem Äußeren nicht zurecht kommen, endgültig überfordert und es kommt zu den von den Eltern befürchteten Kränkungen und Schikanen. Es bahnt sich aber auch eine vorsichtige Freundschaft zu dem gleichaltrigen Jack (Noah Jupe) an, die zwar einige Proben zu bestehen hat, sich aber am Ende gegen alle Widrigkeiten durchsetzt. Dabei hilft Auggie, dass er selbst nie seinen Humor und seine positive Sicht auf die Welt verliert, ein Verdienst seiner Eltern, die ihn mit ihrer Liebe und ihrer Stärke auf die Welt da draußen vorbereitet haben.


Es ist ein Film über Toleranz, Freundschaft, Selbstvertrauen und den Mut, mit Ausgrenzung und Engstirnigkeit umzugehen. Obwohl man die Mechanismen durchschaut, die in fast schon schamloser Weise die Gefühle des Zuschauers ansprechen, und trotz einer großen Portion Pathos am Ende, wird der Film seinem Titel absolut gerecht. Der Regisseur Stephen Chbosky inszeniert den hochgelobten und preisgekrönten Debütroman von R.J. Palacio niemals aufdringlich oder aufgesetzt und nimmt seine Figuren in jeder Situation ernst. Die großartigen Darsteller tragen ihren Teil dazu bei, ein positives Gefühl zu erzeugen, dem man sich nicht entziehen kann. Die Welt wird durch den Film sicherlich nicht plötzlich zu einer besseren, aber vielleicht kann er helfen, einen positiven Impuls für Toleranz und Mitgefühl zu erzeugen, für alle Auggies dieser Welt, und letztlich für jeden einzelnen von uns.















 






Regie: Stephen Chbosky 
Drehbucht: Stephen Chbosky, Steve Conrad, Jack Thorne, b/a Roman R.J. Palacio
Kamera: Don Burgess

Musik: Marcelo Zarvos

Darsteller: Jacob Tremblay, Julia Roberts, Owen Wilson, Izabela Vidovic, Mandy Patinkin, Noah Jupe




113 min 
Kinostart: 25. Januar 2018
Film- und Fotomaterial: 
presse.studiocanal.de