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Donnerstag, 28. Oktober 2021

Im Kino: Dear Evan Hansen

Der unter massiven Angststörungen leidende Evan Hansen (Ben Platt) bekommt von seinem Therapeuten die Aufgabe, einen Brief an sich selbst zu schreiben, in dem er sich selber Mut für sein letztes Schuljahr zuspricht. Ohne wirkliche Freunde und mit einer völlig überarbeiteten Mutter wird Evan beim Schreiben erst recht bewusst, was alles falsch läuft in seinem Leben und genauso formuliert er seinen Brief dann auch. Fatalerweise gerät dieser in die Hände eines anderen Problemschülers, Connor (Colton Ryan). Als dieser sich das Leben nimmt, findet man als dessen vermeintlichen Abschiedsbrief Evans an sich selbst adressierte Zeilen und schießt daraus, dass Evan und Connor befreundet waren. Evan ist zu verstört und möchte Connors Eltern nicht die Illusion rauben, dass ihr Sohn einen guten Freund hatte, außerdem ist Evan heimlich in Connors Schwester Zoe (Kaitlyn Dever) verliebt, der er nun auf diese Weise näher kommt. Das Lügengespinst, einmal begonnen, wird immer größer und Evan wird plötzlich zum Mittelpunkt an seiner Schule. Er entwickelt ein nie gekanntes Selbstbewusstsein, aber er weiß, dass alles in sich zusammenbrechen wird, wenn eines Tages die Wahrheit ans Licht kommen sollte...

Der Film basiert auf einem äußerst erfolgreichen Musical, das am Broadway mit vielen Preisen bedacht wurde und ist nun auch als Film-Musical mit den bekannten Bühnensongs und der Musik des Erfolgsduos Pasek & Paul inszeniert worden. Beide standen auch hinter dem Sound der Erfolge "La La Land" und " The Greatest Showman“ und haben offensichtlich ein Händchen für ins Ohr gehende Melodien und griffige Texte. Der Bühnen-Darsteller des Evan durfte auch die Filmrolle übernehmen und entgegen vielen kritischen Stimmen ist sein vermeintlich für einen Highschool-Schüler nicht mehr passendes Alter kein wirkliches Problem. Seine Darstellung ist anrührend und sein Gesang überzeugt ebenso, und er ist wahrhaftig nicht der erste, der in Wirklichkeit älter als die dargestellte Figur ist (Benjamin Braddock lässt grüßen...).

Das eigentliche Problem des Films dagegen ist ein anderes, und ein noch größeres verbirgt sich hinter dessen deutscher Fassung.

Es erstaunt, wie ein solch schwieriges Thema – psychische Probleme und Suizid – überhaupt den Stoff für die ansonsten so heile Broadway-Welt abgeben konnten, aber offensichtlich hat das Bühnenstück, gepaart mit den gefühlvollen und ansprechenden Songs, einen Nerv berührt. Kein Außenseiter sondern Teil einer Gemeinschaft zu sein, wenn sich die Zuschauer von diesem Motiv aufgrund einer starken Bühneninszenierung mitreißen ließen, so springt dieser Funke im Film nicht so ganz über, insbesondere stehen die Gesangseinlagen immer wieder wie ein Fremdkörper dem eigentlichen Drama im Weg. Die Figur des Connor wird ein paar Mal kurz in Rückblenden eingebunden, hier hätte für die filmische Umsetzung noch einiges mehr an Potenzial gesteckt, das leider verschenkt wurde, um daraus vielleicht sogar einen richtig guten Teenager-Film zu machen, so ist es leider nur die nicht ganz so gelungene Umsetzung eines Bühnen-Dramas.

Wenn dann allerdings in der synchronisierten Fassung die in die Handlung eingebundenen Songs auf deutsch eingesungen werden, entwickelt sich das Ganze zu einem Desaster, denn dann stimmt plötzlich nichts mehr. Die Kenner des Bühnenmusicals werden ihre Originalsongs vermissen und Fans des Hauptdarstellers Platt dürften ebenso wenig entzückt sein, ihn plötzlich mit einer fremden Stimme singen zu hören, warum nur erkennt niemand, dass man Gesang nicht einfach durch anderen Gesang ersetzen kann? Wenn man Ed Sheeran auf der Bühne erleben will, möchte man Ed Sheeran hören und nicht einen danebenstehenden Sänger, der seine Songs auf Deutsch vorträgt, auch wenn er dabei noch so schön singt. Wer die Texte nicht versteht: es gibt Untertitel oder die Möglichkeit, sich vor- oder nachher mit den Inhalten zu beschäftigen, aber bitte, verhunzt allen anderen nicht den Film!

 



Regie: Stephen Chbosky

Drehbuch: Steven Levenson, b/a dem Bühnen-Musical von Steven Levenson, Benj Pasek & Justin Paul

Kamera: Brandon Trost

Schnitt: Anne McCabe

Musik & Songtexte: Benj Pasek & Justin Paul

 

Besetzung:

Ben Platt, Amy Adams, Julianne Moore, Kaitlyn Dever, Amandla Stenberg, Nik Dodani, Danny Pino, Colton Ryan, DeMarius Copes

 

Universal Pictures

USA 2021

137 min.

FSK 6

Deutscher Kinostart: 28. Oktober 2021

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=R_DKb-TA4-g (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=dN7md7yl6mc (Englisch)

 

 

Donnerstag, 29. Oktober 2020

Im Kino: Hexen hexen (The Witches)

 Ein kleiner Waisenjunge (Jahzir Bruno) zieht Ende 1967 zu seiner Großmutter (Octavia Spencer) nach Demopolis im ländlichen Alabama. Um ihn vor einer Hexe zu schützen, begeben sich Oma und Enkel in ein Seebad und steigen dort im schicksten Hotel am Platz ab, nicht wissend, dass ausgerechnet dort ein Hexenkonvent unter Leitung der bösesten aller Hexen, der Grand High Witch (Anne Hathaway), stattfindet, um einen finsteren Plan zur Vernichtung aller Kinder auszuhecken, denn Hexen hassen Kinder. Dieses üble Vorhaben zu verhindern erfordert viel Mut und bleibt nicht ohne Opfer...

Altmeister Robert Zemecki hat sich an eine Neuverfilmung des auf dem Kinderbuch von Roald Dahl beruhenden kultigen Films gleichen Namens aus dem Jahr 1990 gewagt, und das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Die Hexen, innen und außen häßliche Wesen, verbergen ihre Häßlichkeit hinter mondänen Kostümen und Masken und Anne Hathaway als Oberhexe mit russischem Akzent, mit Mundwinkeln wie der Joker und Zähnen wie der gute alte Pennywise, zieht sichtbar lustvoll alle mimischen Register, bis an die Schmerzgrenze und manchmal auch darüber hinaus. Das Ganze ist mit netten Spezialeffekten unterlegt, wie sie zum Beispiel ein im Raum vermutetes Kind erschnüffelt ist sicher eines der tricktechnischen Highlights des Films. Der Roald Dahl’sche schwarze Humor blitzt hin und wieder auf, aber auch die warmherzige Verbindung zwischen Großmutter und ihrem zur Waise gewordenen Enkel wird dank der tollen Darsteller spürbar.

Abweichend von der Vorlage wird die Handlung zeitlich und räumlich verlegt, von den 1980ger Jahren in Norwegen und England in die 1960ger Jahre und die Südstaaten der USA, mit einigen unterschwelligen Rassen- und Klassenkampfanspielungen, glücklicherweise ohne die eigentliche Story zu überlager. Bemerkenswert ist, dass das standardmäßig zu erwartende Hollywood-Happy-End ausbleibt aber trotzdem ein versöhnlicher Abschluss gefunden wird.

Für kleinere Kinder dürfte der Film vielleicht eine Spur zu gruselig sein, für Jugendliche oder Erwachsene dagegen nicht gruselig genug, dennoch eine Empfehlung für das anstehende Halloweenfest, das coronabedingt wahrscheinlich ausfallen wird, außerdem die letzte Gelegenheit, noch einmal ins Kino zu gehen, bevor die Theater wieder alle schließen müssen.

 


Regie: Robert Zemeckis

Drehbuch: Robert Zemeckis, Kenya Barris, Guillermo del Toro, b/a Buch von Roald Dahl

Kamera: Don Burgess

Schnitt: Jeremiah O’Driscoll, Ryan Chan

Musik: Alan Silvestri

 

Darsteller:

Anne Hathaway, Octavia Spencer, Stanley Tucci, Kristin Chenoweth, Christ Rock, Jahzir Kadeem Bruno, Codie-Lei Eastick

 

Warner Bros. Pictures Germany/ Warner Bros. Entertainment GmbH

104 min.

 Deutscher Kinostart: 29. Oktober 2020

Mittwoch, 18. September 2019

Film-Rezensionen: Downton Abbey

 




Für alle Freunde von „Downton Abbey“ die beste Nachricht des Jahres: Es gibt einen Film, der die ganze Pracht und Herrlichkeit der beliebten britischen Adels-Serie nun endlich auch auf die großen Leinwand bringt.




 
Nach den Schrecken und Umbrüchen, die der Weltkrieg hinterlassen hat und der Verarbeitung einiger persönlicher Schicksalsschläge, von denen die Bewohner Downton Abbeys getroffen wurden, scheint sich das Leben wieder normalisiert zu haben. Wir schreiben inzwischen das Jahr 1927 und die Familie Crawley, nach wie vor angeführt von dem stets würdevollen und charmanten Robert, Earl of Grantham (Hugh Bonneville), sieht sich einer überraschenden Herausforderung gegenüber: König Georg V und seine Gattin befinden sich auf Rundreise durchs Land und möchten auch in Downton Abbey Station machen, was sämtliche Bewohner, sowohl die Herrschaft als auch die Schar der Dienstboten, in helle Aufruhr versetzt, erhebliche Vorbereitungen sind nötig, will man sich von seiner besten Seite zeigen. 

Als die hochnäsige Entourage des Königs sich daran macht, bei der Vorbereitung und Durchführung des königlichen Mahls auf Downton der Köchin, Mrs. Patmore (Leslie Nicol), und dem übrigen Personal das Szepter zu entreißen und der eigens für dieses Ereignis reaktivierte Butler Carson (Jim Carter) hilflos ansehen muss, wie er von seinem königlichen Pendant entmachtet wird, gibt es eine Revolte unter der Führung von Anna Bates (Joanne Froggatt), von der die Herrschaft natürlich nichts mitbekommt, und am Ende sind die Verhältnisse mittels einer vergnüglichen Intrige wieder hergestellt. Das gleichzeitig von anderer Seite geplante Attentat auf den König wird dabei fast zur Nebensache...

Der Film ist ein gelungener Ensemblefilm, der sich in unterhaltsamer und gewohnt liebevoller Weise den großen und kleinen Problemen seiner Protagonisten widmet, bei dem jeder der Akteure mit sichtlichem Spaß bei der Sache ist und dafür im Gegenzug mit der ihm jeweils gebührenden Aufmerksamkeit belohnt wird. Hier ist es natürlich schön, wenn man die Vorgeschichte der einzelnen Personen kennt, aber es gibt ansonsten Gelegenheit genug, Zugang zu den Figuren zu bekommen.

Ein Verdienst der Serie bestand darin, den aus heutiger Sicht anachronistischen Lebenswandel einerseits zu zeigen, andererseits aber durchaus durch die eigenen Figuren hinterfragen zu lassen, hieran knüpft auch der Film gekonnt an. So ist es für die Herrschaft zwar immer noch undenkbar, sich alleine anzukleiden, aber einen Landsitz in der bisherigen Weise fortzuführen scheint auf Dauer auch nicht mehr möglich. Ein Körnchen Sozialkritik mischt sich immer in den zur Schau gestellten Prunk, indem die Crawleys stets als Menschen mit sozialem Gewissen gezeichnet werden, die ebenso wie jeder andere mit Veränderungen und Verwerfungen zu kämpfen haben. Ein Highlight des Films wie auch der Serie sind auch diesmal die spitzzüngigen Bemerkungen der unvergleichlichen
Maggie Smith in ihrer Rolle als Lady Violet Crawley, die diese fast im Minutentakt abfeuert, die ebenso zum Gesamtvergnügen beitragen wie die Leichtigkeit, mit der der ganze Film in all seiner verschwenderischen Pracht daherkommt – alles in allem ein Augen- und Ohrenschmaus für jeden, der eine Pause von all den anderen testosteron- und pulverdampfgeschwängerten Blockbustern oder den Niederungen der aktuellen britischen Politik braucht.



 

 















Regie: Michael Engler 
Drehbuch: Julian Followes
Kamera: Ben Smithard
Schnitt: Mark Day
Musik: John Lunn  

Darsteller:
Hugh Bonneville, Elizabeth McGovern, Maggie Smith, Michelle Dockery, Laura Carmichael, Allen Leech, Joanne Froggatt, Brendan Coyle, Phyllis Logan, Jim Carter, Sophie McShera, Lesley Nichol, Robert James-Collier, Penelope Wilton, Kevin Doyle, Michael Fox, Matthew Goode
 
GB 2019
145 min.
Deutscher Kinostart: 19. September 2019

Mittwoch, 15. Mai 2019

Film-Rezensionen: Das Familienfoto (Photo de Famille)


Die Geschwister Gabrielle (Vanessa Paradis), Elsa (Camille Cotin) und Mao (Pierre Deladonchamps) wurden als Kinder bei der Scheidung ihrer Eltern Claudine (Chantal Lauby) und Pierre (Jean-Pierre Bacri) aufgeteilt, die Schwestern lebten beim Vater und Mao bei der Mutter. In den Ferien kamen sie immer bei den Großeltern auf dem Land in dem kleinen Dorf Saint Julien zusammen. Bei der Beerdigung des Großvaters trifft sich die Familie nun nach längerer Zeit einmal wieder, weiß aber zunächst wenig miteinander anzufangen, denn die Lebenswege aller haben sich ziemlich voneinander entfernt. Als sich herausstellt, dass die nun verwitwete Großmutter hochgradig dement ist, ist klar, dass man sich um sie wird kümmern müssen, allerdings kommt gerade jeder mit seinem eigenen Leben nicht besonders gut zurecht.

Gabrielle hat einen Job als „Lebende Statue" für Touristen, nicht gerade eine brillante Karriere, und kämpft um ihren halbwüchsigen Sohn Solal, der plötzlich beschließt, bei ihrem Ex-Mann leben zu wollen. Elsa versucht verzweifelt schwanger zu werden, was Probleme in ihrer Ehe auslöst, und Mao ist zwar ein erfolgreicher Entwickler von Videospielen, hat aber leider kein Glück bei Frauen, was bei ihm zu einer depressiven Grundstimmung führt. Claudine, von Beruf Psychotherapeutin, gleitet auch bei Gesprächen mit ihren Kindern immer wieder in die Therapeutinnenrolle und Pierre wird noch einmal Vater, nachdem seine junge Geliebte von ihm schwanger ist.

Von all dem bekommt die Großmutter gnädigerweise nicht viel mit, ihre Gedanken kreisen immer wieder um den Sehnsuchtsort Saint Julien, aber bevor sie sich endgültig auf den Weg dorthin macht, nimmt das Schicksal eine andere Wendung.

Der Film spielt mit den Neurosen und Problemen seiner Akteure, die Geschwister sind zwar erwachsen, erwecken teilweise den Anschein, immer noch in ihrer Kindheit verfangen zu sein, während die Eltern versuchen, mit Nonchalance ihrem Leben eine Bedeutung zu geben. Der einzig Erwachsene scheint Gabrielles Sohn Solal zu sein, er durchblickt, was den anderen aufgrund ihrer Beschäftigung mit sich selbst verborgen bleibt. Die einzige Rettung könnte der Weg zurück nach Saint Julien sein, wo man einst glücklich war, und von wo man irgendwie und irgendwann falsch abgebogen ist. Vielleicht lässt sich dies noch korrigieren, indem man dorthin zurückkehrt, wobei ein altes Familienfoto eine besondere Rolle spielt.

Die Geschichte wird mit der für französische Filme so typischen Leichtigkeit erzählt, die das Schwere nicht ausspart, aber mit Humor und liebevoll gezeichneten Charakteren ein positives Gefühl erzeugt, das auch nach dem Verlassen des Kinos anhält.




Regie: Cécilia Rouaud
Drehbuch: Cécilia Rouaud
Kamera: Alexis Kavyrchine
Schnitt: Fabrice Rouaud
Musik: Alexandre Lier, Sylvain Ohrel, Nicolas Weil

Darsteller:
Vanessa Paradis, Camille Cottin, Pierre Deladonchamps, Jean-Pierre Bacri, Chantal Lauby, Laurent Capelluto, Marc Ruchmann, Claudette Walker, Jean Aviat, Emilie Cazenave

Alamode Film
98 min.
Deutscher Kinostart: 16. Mai 2019


Donnerstag, 18. April 2019

Film-Rezensionen: Der Fall Collini


Als der bekannte Unternehmer Jean-Baptiste Meyer (Manfred Zapatka), ein von allen geachteter alter Mann, eines schönen Tages im Jahr 2001 scheinbar ohne jedes Motiv von einem anderen alten Mann namens Collini (Franco Nero) brutal ermordet wird, stehen sowohl Meyers Familie als auch die Staatsanwaltschaft vor einem Rätsel, denn Collini schweigt beharrlich zu seinen Motiven. 

Junganwalt Caspar Leinen (Elyas M`Barek), frisch zugelassen und gänzlich unerfahren,
erhält sein erstes Pflichtmandat und macht sich voller Elan an die Arbeit. Ein Schock für ihn, der ohne Eltern aufwuchs: der Tote war sein Ziehvater, der ihn über lange Jahre unterstützt und gefördert und ihm auch sein Jurastudium ermöglicht hat, und so ist es für den Rest der Familie eigentlich selbstverständlich, dass er sein Mandat sofort wieder niederlegt. Hier bezieht der Film, der auf einer Romanvorlage des Juristen Ferdinand von Schirach beruht, das erste Mal Stellung, indem er betont, dass es bei juristischen Auseinandersetzungen stets und ausschließlich um die Sache und niemals um persönliche Befindlichkeiten zu gehen hat. Als Anwalt ist es Caspar Leinens Aufgabe, jeden Mandanten so gut er kann zu vertreten und seine persönlichen Gefühle dabei auszublenden. Collini macht es ihm allerdings durch sein Schweigen fast unmöglich, eine Verteidigungsstrategie zu finden und um dessen scheinbar unerklärliche Tat zu verstehen, beginnt er zu recherchieren. Was er bei seinen Nachforschungen entdeckt, führt ihn weit zurück in die Vergangenheit, als gegen Ende des zweiten Weltkriegs Täter und Opfer in einem kleinen italienischen Dorf schon einmal aufeinandergetroffen sind…

Wie immer bei von Schirach geht es in dessen Roman um die Frage nach menschlicher Schuld und den oft schwierigen Umgang der Justiz damit. Der Film, der einige der Handlungsstränge der Vorlage unnötigerweise verändert hat, konzentriert sich in weiten Teilen auf die Darstellung des Strafprozesses, angesichts der – im Vergleich zu den sattsam bekannten amerikanischen Vorbildern – wenig unterhaltsamen deutschen Gerichtswirklichkeit kein ganz leichtes Unterfangen. Das Ergebnis ist stellenweise dennoch durchaus spannend, trotz der etwas holzschnittartig gezeichneten Figuren und der eher konventionell choreographierten Gerichts- und Rechercheszenen.

Eine tragende Rolle spielt ein weiteres Anliegen von Schirachs, nämlich ein in seinen Augen wenig bekanntes, aber skandalöses Gesetz der deutschen Nachkriegsgeschichte anzuprangern, worauf auch der Film sein Augenmerk richtet, und es gelingt, die für den Laien oft eher trockenen juristischen Gedankengänge verständlich zu machen. Da Collini als Täter von Anfang an feststeht, geht es jedoch in erster Linie darum, wie ein Gericht seine Handlung einzuordnen hat, um zu einer angemessenen Strafe zu gelangen, und der Film bietet hierzu zunächst durchaus interessanten Diskussionsstoff. Aber sowohl Film als auch Vorlage enttäuschen am Ende, weil sie sich durch einen scheinbar cleveren Schlusspunkt aus der Affäre ziehen und sich damit vor der Beantwortung dieser interessantesten und von Anfang an im Mittelpunkt stehenden Frage drücken. Schade.


Regie: Marco Kreuzpaintner
Drehbuch: Robert Gold, Jens-Frederick Otto, Christian Zübert, b/a Roman von Ferdinand von Schirach
Kamera: Jakub Bejnarowicz
Schnitt: Johannes Hubrich
Musik: Pia Hoffamn

Darsteller:
Franco Nero, Elyas M`Barek, Manfred Zapatka, Alexandra Maria Lara, Rainer Bock, Jannis Niewöhner, Heiner Lauterbach, Hannes Wegener, Stefano Cassetti

Constantin Film
118 min.
Deutscher Kinostart: 18. April 2019


 Copyright Fotos und Video: Constantin Film

Donnerstag, 11. April 2019

Film-Rezensionen: Hellboy - Call of Darkness


Big Red is back – Der Halbdämon Hellboy kehrt in einem Reboot in die Kinos zurück! Für alle, die ihn noch nicht kennen: Hellboy wird einst während des Zweiten Weltkriegs mittels eines schaurigen Rituals aus der Hölle heraufbeschworen, um das Ende der Welt zu beschleunigen und ein neues Zeitalter einzuläuten. Glücklicherweise wächst er bei den Guten auf, sein Ziehvater ist Professor Broom, der aus seinem „Sohn“ einen Spezial-Agenten im Einsatz der B.U.A.P. (Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen) macht. Soweit deckt sich die Geschichte mit der Verfilmung „Hellboy“ von 2004 und deren Fortsetzung „Hellboy – The Golden Army“ von 2008.

In der aktuellen Version gibt nicht mehr Ron Pearlman sondern David Harbour das Höllenwesen, die Rolle seines Ziehvaters hat Ian McShane übernommen, und Hellboy hat es mit fürchterlichen Gegner zu tun, allen voran der mächtigen Hexe Nimue (Milla Jovovich) und deren eilfertigem Diener Gruagach, einem schweinemäßig fiesen Monster. Nimue wurde vor langer Zeit von König Arturs Mannen besiegt, zerstückelt und in diversen Kisten über ganz England verteilt, um sie für immer zu verbannen. Nun aber steht sie, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen vor ihrer Wiederauferstehung und Hellboy hat alle Hände voll zu tun, ihren Zug der Verwüstung, den sie umgehend in Gang setzt, aufzuhalten. Dabei wird er von zwei Mitstreitern unterstütz, Alice (Sasha Lane) und Ben (Daniel Dae Kim), und bei ihrem gemeinsamen Kampf gegen alle Dämonen der Hölle muss sich letztlich auch Hellboy fragen, auf welcher Seite er wirklich steht.

Offensichtlich ermutigt von einer Reihe erfolgreicher Comicverfilmungen mit einer höheren Altersfreigabe als 12, haben die Macher dieses Films einen entfesselten Reigen von Blut- und Schlachtszenen auf die Leinwand gebracht. Dabei haben sie leider aus der zuvor von Ron Pearlman so liebevoll gestalteten Figur des wütenden, grantelnden, aber tief in seinem Inneren liebenswerten Hellboy einen uncharmanten, unkomischen Monsterjäger gemacht, der es inmitten all der fiesen Gestalten, mit denen er es zu tun bekommt, schwer hat, sich die Sympathien der Zuschauer zu erhalten. Aber das wäre das einzig Ansprechenden, was der Film noch zu bieten gehabt hätte, denn alles übrige wird von einer Blut- und Schleimspur übergossen, für die die Altersfreigabe von 16 an manchen Stellen noch zu niedrig erscheint.

Für wen dieses Reboot letztlich gemacht wurde, erschließt sich nicht, ob die Freunde der Comicreihe ihren Helden so mögen, ist fraglich, die Freunde der ersten Hellboyfilme werden jedenfalls enttäuscht sein, und die Zuschauer, die weder die Comicvorlage noch die anderen beiden Filme kennen, werden sich, abgestoßen von vielen widerlichen Szenen, verstört abwenden.




Regie: Neil Marshall
Drehbuch: Andrew Cosby & Mike Mignola,
b/a der Comic-Reihe (Dark Horse)
Kamera: Lorenzo Senatore
Schnitt: Martin Bernfeld
Musik: Benjamin Wallfisch

Darsteller:
David Harbour, Milla Jovovich, Ian McShane, Daniel Dae Kim, Sasha Lane, Brian Gleeson

Universum Film
FSK 16
120 min.
Deutscher Kinostart: 11. April 2019

Mittwoch, 27. März 2019

Film-Rezensionen: Ein Gauner & Gentleman (The Old Man & the Gun)


Nach Clint Eastwood (in „The Mule“) und Michael Caine (in dem noch anlaufenden „Ein letzter Job“) ein weiterer Film aus der Reihe „Alte weiße Männer begehen Straftaten“. Nun also Robert Redford, der als Forrest Tucker in einer (fast) wahren Geschichte einen Bankräuber und König der Ausbrecher darstellt, der auch auf seine alten Tage noch Spaß am Job hat.

Der Film spielt zu Beginn der 80ger Jahre,
Tucker und zwei Komplizen (Danny Glover und Tom Waits) haben sich darauf spezialisiert, in Banken hineinzuspazieren und nach dem diskreten Zeigen einer Waffe mit dem von ihnen gewünschten Geldbetrag wieder hinauszuspazieren, eine Masche, mit der sich in kurzer Zeit viel verdienen lässt, wenn man bereit ist, zu reisen und seinen Aktionsradius dabei immer weiter zieht. Da die Polizei eine Weile braucht, um den Zusammenhang herzustellen, ist es erst der Ermittler John Hunt (Casey Affleck), der ihnen auf die Spur kommt, eine Rundumvideoüberwachung gibt es noch nicht, so behilft man sich mit angefertigten Phantombildern.

Auf der Flucht vor der Polizei lernt Tucker die ebenfalls in die Jahre gekommene Jewel (Sissy Spacek) kennen, die allein auf einem Pferdehof lebt. Die beiden kommen sich näher, Jewel erfährt aber nichts von Tuckers Tun und so gibt es kein Senioren-Bonnie & Clyde-Gespann, dafür entwickelt sich eine anrührende Liebesgeschichte.
Der Film macht sich nicht die Mühe, die Motivation seines Protagonisten zu hinterfragen, Tucker ist, was er ist und offensichtlich ist er glücklich dabei. Sein ganzes Berufsleben hat er auf diese Weise verbracht und auch Gefängnisaufenthalte konnten ihn nicht davon abhalten, 17 Ausbrüche stehen auf seinem Konto, zuletzt im gesetzten Alter ein besonders origineller aus St. Quentin.

Erzählt wird die Geschichte in einem ruhigen, unaufgeregten Ton, an manchen Stellen plätschert sie etwas blutleer dahin, aber Robert Redford besitzt immer noch seinen umwerfenden Charme, der auch manche Länge des Films erträglich macht, und es ist schön, dem gealterten Paar zuzuschauen und die wunderbare Sissy Spacek noch einmal auf der großen Leinwand zu erleben. Warum sich Redford letztlich für diesen Film, der nach eigener Aussage sein letzter sein soll, entschieden hat, weiß man nicht, vielleicht ist es die augenzwinkernde Reminiszenz an lange zurückliegende Klassiker wie „Butch Cassidy and the Sundance Kid“ oder „The Sting“ („Der Clou“), vielleicht ist es eine Anspielung darauf, dass es auch einen Schauspieler, genau wie ein altes Zirkuspferd, immer wieder zurück in die Manege zieht, so wie Forrest Tucker in die nächste Bank. Bleibt also abzuwarten, ob es nicht doch noch einen nächsten Film mit Robert Redford geben wird. Und danach vielleicht noch einen…




Regie: David Lowery
Drehbuch: David Lowery, David Grann
Kamera: Joe Anderson
Schnitt: Lisa Zeno Churgin
Musik: Daniel Hart

Darsteller:
Robert Redford, Sissy Spacek, Casey Affleck, Danny Glover, Tom Waits

dcm
93 min.
Deutscher Kinostart: 28. März 2019




Dienstag, 30. Oktober 2018

Film-Rezensionen: Leto


Leningrad in den frühen Achtzigern: Sommer, Musik und Alkohol, und außerhalb der offiziellen Vergnügungsstätten eine wilde Underground-Rockszene, in der sich rebellische Jugendliche auf allen möglichen und unmöglichen Wegen Musikalben von Legenden wie Lou Reed, David Bowie oder Marc Bolan besorgen, um auf von der Obrigkeit kontrollierten Rockkonzerten ihren Idolen nachzueifern.

 Der Star der Szene ist Mike (Roman Bylik), der mit seiner Band Vorbild für viele seiner Anhänger ist. Gegen alle Versuchungen durch weibliche Fans gefeit, lebt er privat ein glückliches, fast schon spießiges Familienleben mit Frau Natascha (Irina Starshenbaum) und ihrer beider Kind. 

Als eines Tages der charismatische Musiker Viktor Zoi (Teo Yoo) in ihr Leben tritt, gerät das Glück in Gefahr, weil Natascha sich in Viktor verliebt. Da sich Mike mit Viktor wiederum durch die Musik verbunden fühlt, entsteht eine Dreiecksgeschichte, in der Mike hofft, dass seine Frau eines Tages zu ihm zurückkehren wird.


Der Film zeichnet ein leichtfüßiges Porträt der jungen russischen Musiker, die ihre Einflüsse zwar aus dem westlichen Rock ziehen, dabei aber ihren eigenen Stil entwickeln. Mitreißend und euphorisch, mit frischen und originellen Rocksongs in russischer Sprache, mischen sie die Musikwelt des Landes auf, immer in Gefahr von der Zensur zur Räson gebracht zu werden, aber das ist ja das Spannende an jeder jugendlichen Rebellion. Regisseur Serebrennikow montiert bunte, phantasievolle Sequenzen in den in schwarzweiß gehaltenen Film, bahnt sich einen Weg durch die Welt seiner jugendlichen Helden zwischen Alltag und Spaß und schafft es so, das Lebensgefühl dieser Generation zwischen Musik, Liebe und Freundschaft fühlbar zu machen.

Serebrennikow hat sich inspirieren lassen von der wahren Geschichte der russischen Sänger und Songwriter Victor Zsoi (1962 bis 1990) und Mike Naumenko (1955 bis 1991), die mit ihren Rockbands "Kino" und „Zoopark" großen Einfluss auf die Rockszene dieser Zeit hatten und der Film macht den Song „Leto“ ("Sommer") zu ihrer Hymne.



Regie: Kirill Serebrennikow 
Drehbuch: Mikhail Idov, Lily Idova, Kirill Serebrennikow 
Kamera: Vladislav Opelyants
Musik: Roman Bilyk

Darsteller:
Roman Bilyk, Irina Starshenbaum, Teo Yoo

Russland/ Frankreich 2018
128 min.
FSK 12
Deutscher Kinostart: 8. November 2018

Donnerstag, 6. September 2018

Film-Rezensionen; Unsere Erde 2 (Earth - One Amazing Day) - (HOME-RELEASE 07.09.2018)


10 Jahre nach dem ersten Film – Unsere Erde (Earth) – kam die Fortsetzung Unsere Erde 2 in die Kinos, ab 07. September gibt es den Film nun auf DVD, Blu-ray; 4K Ultra HD Blu-ray und Video on Demand.

Auch der durch zahlreiche Natur- und Tierfilme verwöhnte Zuschauer erlebt bei diesem Film neue, erstaunliche, spektakuläre und noch nie gesehene Aufnahmen und gerät einmal mehr ins Staunen über die Vielfalt der Lebensformen, die sich die Natur „ausgedacht“ hat, so verschieden voneinander und doch auf das eine gemeinsame Ziel ausgerichtet:
Reproduktion und Erhalt der Art.

Der Erzählbogen umspannt dieses Mal einen einzigen Tag (daher der Originaltitel: „One Amazing Day") und folgt dem Lauf der Sonne in den verschiedensten Lebensräumen, von arktischen Eiswelten über die heißesten Regionen Afrikas bis hinein in die Weiten Chinas, mit Einblicken in die Lebenswelt von selten beobachteten Tieren. Gerade die Zusammenarbeit mit China erweist sich als wertvolle Bereicherung, garantiert sicherlich auch einen größeren Zugang zum asiatischen Markt.

Erzählt wird die Geschichte in der deutschen Fassung von Günther Jauch, im Original von Robert Redford und Jackie Chan. Die musikalische Untermalung ist größtenteils gelungen, nur an manchen Stellen ist sie ein wenig zu pompös und bombastisch geraten. Dankenswerterweise wird nicht versucht, die Tiere in ihrem Verhalten zu sehr zu vermenschlichen, auch wenn sich aus ihren Aktionen selbst immer wieder epische Dramen, aber auch kleine Anekdoten erkennen lassen.

Welcher technische Aufwand und welche menschliche Arbeit hinter den 90 Minuten Film
steckt, wird im Bonusmaterial in einem 15minütigen „Behind the Scenes"-Extra noch einmal eindrucksvoll klar, das es allerdings nur in der englischen Originalfassung gibt. Seit dem ersten Film UNSERE ERDE hat es weitere Entwicklungen im Kamerabereich gegeben, die es möglich machen, noch hochauflösendere Bilder zu liefern, ebenso gibt es neue Methoden, wie den Einsatz von Drohnen, um den Tieren immer näher zu kommen.


Daneben ist weiteres Bonusmaterial enthalten, ein paar der interessantesten Sequenzen sind noch einmal als Featurettes zu sehen: „Breaking the Ice" (die eindrucksvollen Narwale), "Clash of the Titans", (Giraffen im Kampf der Giganten), „Chasing Shadows" (die seltenen Languren), "Raising a Family“ (auf den Spuren eines Pinguins in der größten Pinguin-Kolonie der Welt auf Zavodovski Island) und „Noah’s Ark" (das schwimmende Dreizehenfaultier auf dem Weg zu seiner Liebsten).







 
Regie: Richard Dale, Lixin Fan, Peter Webber
Drehbuch: Frank Cottrell Boyce, Richard Dale, Geling Yan
Musik: Alex Heffes
Sprecher: Günther Jauch, Original: Robert Redford



Details der DVD (1 Disc):
ca. 90 min.
Bildformat: 1,85:1 (16:9) anamorph
Ton: DD 5.1

Details der Blu-ray (1 Disc):
ca. 94 min.
Bildformat: 1,85:1 (1080p/24)
Ton: Dolby Atmos

Details der 4K Ultra HD Blu-ray (2 Discs, 4K Ultra HD + Blu-ray):
ca. 188 min.
Bildformat: 1,85:1 (1080p/24)
Ton: Dolby Atmos

Sprachen bei allen drei Formaten: Deutsch und Englisch mit Untertiteln Deutsch und Englisch für Hörgeschädigte.
Bonusmaterial bei allen drei Formaten: Behind the Scenes und 5 Featurettes (Breaking the Ice, Clash of the Titans, Chasing Shadows, Raising a Family, Noah’s Ark) sowie Trailer des Films und mehrere Trailer anderer Naturfilme.


 

Donnerstag, 5. Juli 2018

Film-Rezensionen: Foxtrot


Ein Kind zu verlieren ist für Eltern das Schlimmste, was passieren kann. Jonathan Feldman(Yonatan Shiray), der Sohn von Michael (Lior Ashkenazi) und Dafna (Sarah Adler) dient in der israelischen Armee, und wenn eines Tages zwei Uniformierte an der Haustür klingeln, dann weiß man, was das zu bedeuten hat. Der Film von Samuel Maoz schildert genau dies in seinem Film „Foxtrot“, er führt sein Elternpaar durch diese Hölle, zeigt sie in ihrem ganzen Schmerz und der darauf folgenden unendlichen Erleichterung, als sich die Todesmeldung als Irrtum herausstellt. Soweit der erste Akt des Dramas.

Im zweiten Akt sehen wir Jonathan und seine drei Kameraden auf einem öden Außenposten, irgendwo im Niemandsland an einem Schlagbaum, vor und hinter dem sich eine endlose Straße auf beiden Seiten im Nirgendwo verliert. Die jungen Soldaten kommen um vor Langeweile, die wenigen Grenzgänger, die sie kontrollieren – unter ihnen ein langsam schreitendes Dromedar – sind in der Regel harmlos, und gerade da liegt die Schwierigkeit, immer noch genügend Aufmerksamkeit zu bewahren, um einen möglichen Ernstfall zu erkennen. Der Zuschauer erlebt diese Spannung hautnah und wird, ebenso wie die Soldaten jäh aus der Lethargie gerissen, als eines Tages etwas Schreckliches passiert.
Der dritte Akt widmet sich dann erneut der Heimat, wir begegnen den Eltern wieder, die sich zwischen Trauer und Erleichterung beinahe wieder in ihrem Leben eingerichtet haben. Der Vater sorgt dafür, dass Jonathan von seinem Posten abgezogen und nach Hause beordert wird, um ihn vor dem Schicksal eines tatsächlichen Soldatentodes zu bewahren, aber das Leben bleibt unberechenbar und wie in dem Tanz Foxtrott landet man nach etlichen Schritten in alle Richtungen wieder am Anfang.

Der Zuschauer wird hineingezogen in den Strudel zwischen Leben und Tod, Hoffnung und Bangen, Schicksal und Bestimmung, und was den Film dabei auszeichnet, ist die Kraft seiner Bilder, die einerseits eine trostlose und gleichwohl faszinierende Wüste als einen Ort der Weite und gleichzeitig der Enge zeigen, wo nichts passiert, solange es nicht unmittelbar vor einem steht. Aber auch die Großaufnahmen der Gesichter der Protagonisten zielen direkt hinein in deren Seele, ein Blick, der den Zuschauer nicht mehr loslässt.

Der Vater, so erzählt es der Sohn seinen Kameraden während der langen öden Stunden des Nichtstuns, hat einmal etwas Unverzeihliches begangen, eine Nichtigkeit – alles ist eine Nichtigkeit im Vergleich mit dem Schicksal der Holocaustgeneration. Aber ist nicht jeder Tod, ganz gleich, ob durch ein spektakuläres oder durch ein banales Ereignis, eine Katastrophe, zumindest für die Überlebenden? Und ein Kind zu verlieren ist für Eltern das Schlimmste, was passieren kann… 

Der Film, der in Israel kontrovers diskutiert wir, wurde von der internationalen Kritik gefeiert und beim Filmfestival in Venedig mit dem Großen Preis der Jury, dem Silbernen Löwen, ausgezeichnet. Er erhielt eine Oscar-Nominierung und zahlreiche Auszeichnungen.




Regie, Drehbuch: Samuel Maoz 
Kamera: Giora Bejach 
Musik: Ophir Leibovitch, Amit Poznanky

Darsteller:
Michael – Lior Ashkenazi
Dafna – Sarah Adler
Jonathan – Yonatan Shiray
Gefen Barkai, Dekel Adin, Shaul Amir, Itay Exlroad, Danny Isserles, Itamar Rotschild, Karin Ugowski

Israel/ Deutschland/ Frankreich/ Schweiz 2018

113 min.
Kinostart: 12. Juli 2018