Blog-Archiv

Posts mit dem Label Broadway werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Broadway werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 24. März 2026

Im Kino: Blue Moon

Über Jahre schreiben Songwriter Lorenz Hart und Komponist Richard Rodgers eine Fülle unsterblicher und unvergessener Lieder, unter anderem jenes, das titelgebend für den Film ist. Aber als Hart immer mehr mit seinen persönlichen Dämonen zu kämpfen hat und sein Alkoholkonsum ein verträgliches Maß überschreitet, wendet sich Rodgers einem neuen Partner – Oscar Hammerstein – zu, und den beiden gelingt mit dem Musical Oklahoma! ein Blockbuster-Erfolg, der Startschuss für ein neues Erfolgsduo am Broadway. Den Abend dieser Premiere am 31. März 1943 verbringt Hart in Erwartung der anstehenden Feier in der berühmten Bar Sardi’s, wo er sein Leben und seine Karriere im Gespräch mit dem Barkeeper und einer jungen Frau reflektiert.

Der Film widmet sich diesem Szenario in Echtzeit, man wird Zeuge eines Lamentos, das, gespickt mit intelligenten Bonmots und Gedankengängen, zu keinem Zeitpunkt langweilt, denn die Geschichte des am Ende gescheiterten Künstlers ist einfach zu ergreifend und Ethan Hawkes Darstellung dieser Figur wird zu einem spannenden Kammerspiel.

Auch wenn die Handlung theaterhaft auf die Bar beschränkt bleibt und die agierende Personenzahl überschaubar ist, gelingt es dank eines hervorragenden Drehbuchs, die innere Zerrissenheit der Hauptfigur auszubreiten, die Dia- und Monologe sind so fesselnd und ausgefeilt, dass es ein absolutes Vergnügen ist, Zeuge eines bewegenden Dramas zu werden, wenn man eine Antenne hierfür hat.

Die Gesprächspartner, unter anderem Eddie Cannavale als Barkeeper und Margaret Qualley als junge Studentin, sind mehr als nur Stickwortgeber und die Begegnung mit seinem alten Partner und Freund Richard Rodgers, von Andrew Scott beeindruckend kühl und sachlich interpretiert, lässt die ganze Tiefe der menschlichen Tragödie eines Mannes und seines tiefen Falls miterleben und -erleiden und macht den Film zu einem kleinen Juwel.

 


 Regie: Richard Linklater

Drehbuch: Robert Kaplow, b/a auf den Briefen von Lorenz Hart und Elizabeth Weiland

Kamera: Shane F. Kelly

Schnitt: Sandra Adair

Musik: Graham Reynolds

 Besetzung:

Ethan Hawke, Andrew Scott, Bobby Cannavale, Margaret Qualley, Patrick Kennedy, Jonah Lees, David Rawle

 Sony Pictures

2025

100 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 26. März 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=s8f6x_9lTdU

https://www.youtube.com/watch?v=qo7gRHip0lI

 

Donnerstag, 28. Oktober 2021

Im Kino: Dear Evan Hansen

Der unter massiven Angststörungen leidende Evan Hansen (Ben Platt) bekommt von seinem Therapeuten die Aufgabe, einen Brief an sich selbst zu schreiben, in dem er sich selber Mut für sein letztes Schuljahr zuspricht. Ohne wirkliche Freunde und mit einer völlig überarbeiteten Mutter wird Evan beim Schreiben erst recht bewusst, was alles falsch läuft in seinem Leben und genauso formuliert er seinen Brief dann auch. Fatalerweise gerät dieser in die Hände eines anderen Problemschülers, Connor (Colton Ryan). Als dieser sich das Leben nimmt, findet man als dessen vermeintlichen Abschiedsbrief Evans an sich selbst adressierte Zeilen und schießt daraus, dass Evan und Connor befreundet waren. Evan ist zu verstört und möchte Connors Eltern nicht die Illusion rauben, dass ihr Sohn einen guten Freund hatte, außerdem ist Evan heimlich in Connors Schwester Zoe (Kaitlyn Dever) verliebt, der er nun auf diese Weise näher kommt. Das Lügengespinst, einmal begonnen, wird immer größer und Evan wird plötzlich zum Mittelpunkt an seiner Schule. Er entwickelt ein nie gekanntes Selbstbewusstsein, aber er weiß, dass alles in sich zusammenbrechen wird, wenn eines Tages die Wahrheit ans Licht kommen sollte...

Der Film basiert auf einem äußerst erfolgreichen Musical, das am Broadway mit vielen Preisen bedacht wurde und ist nun auch als Film-Musical mit den bekannten Bühnensongs und der Musik des Erfolgsduos Pasek & Paul inszeniert worden. Beide standen auch hinter dem Sound der Erfolge "La La Land" und " The Greatest Showman“ und haben offensichtlich ein Händchen für ins Ohr gehende Melodien und griffige Texte. Der Bühnen-Darsteller des Evan durfte auch die Filmrolle übernehmen und entgegen vielen kritischen Stimmen ist sein vermeintlich für einen Highschool-Schüler nicht mehr passendes Alter kein wirkliches Problem. Seine Darstellung ist anrührend und sein Gesang überzeugt ebenso, und er ist wahrhaftig nicht der erste, der in Wirklichkeit älter als die dargestellte Figur ist (Benjamin Braddock lässt grüßen...).

Das eigentliche Problem des Films dagegen ist ein anderes, und ein noch größeres verbirgt sich hinter dessen deutscher Fassung.

Es erstaunt, wie ein solch schwieriges Thema – psychische Probleme und Suizid – überhaupt den Stoff für die ansonsten so heile Broadway-Welt abgeben konnten, aber offensichtlich hat das Bühnenstück, gepaart mit den gefühlvollen und ansprechenden Songs, einen Nerv berührt. Kein Außenseiter sondern Teil einer Gemeinschaft zu sein, wenn sich die Zuschauer von diesem Motiv aufgrund einer starken Bühneninszenierung mitreißen ließen, so springt dieser Funke im Film nicht so ganz über, insbesondere stehen die Gesangseinlagen immer wieder wie ein Fremdkörper dem eigentlichen Drama im Weg. Die Figur des Connor wird ein paar Mal kurz in Rückblenden eingebunden, hier hätte für die filmische Umsetzung noch einiges mehr an Potenzial gesteckt, das leider verschenkt wurde, um daraus vielleicht sogar einen richtig guten Teenager-Film zu machen, so ist es leider nur die nicht ganz so gelungene Umsetzung eines Bühnen-Dramas.

Wenn dann allerdings in der synchronisierten Fassung die in die Handlung eingebundenen Songs auf deutsch eingesungen werden, entwickelt sich das Ganze zu einem Desaster, denn dann stimmt plötzlich nichts mehr. Die Kenner des Bühnenmusicals werden ihre Originalsongs vermissen und Fans des Hauptdarstellers Platt dürften ebenso wenig entzückt sein, ihn plötzlich mit einer fremden Stimme singen zu hören, warum nur erkennt niemand, dass man Gesang nicht einfach durch anderen Gesang ersetzen kann? Wenn man Ed Sheeran auf der Bühne erleben will, möchte man Ed Sheeran hören und nicht einen danebenstehenden Sänger, der seine Songs auf Deutsch vorträgt, auch wenn er dabei noch so schön singt. Wer die Texte nicht versteht: es gibt Untertitel oder die Möglichkeit, sich vor- oder nachher mit den Inhalten zu beschäftigen, aber bitte, verhunzt allen anderen nicht den Film!

 



Regie: Stephen Chbosky

Drehbuch: Steven Levenson, b/a dem Bühnen-Musical von Steven Levenson, Benj Pasek & Justin Paul

Kamera: Brandon Trost

Schnitt: Anne McCabe

Musik & Songtexte: Benj Pasek & Justin Paul

 

Besetzung:

Ben Platt, Amy Adams, Julianne Moore, Kaitlyn Dever, Amandla Stenberg, Nik Dodani, Danny Pino, Colton Ryan, DeMarius Copes

 

Universal Pictures

USA 2021

137 min.

FSK 6

Deutscher Kinostart: 28. Oktober 2021

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=R_DKb-TA4-g (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=dN7md7yl6mc (Englisch)

 

 

Dienstag, 12. Juli 2016

Theater-Rezensionen: The River (Englisch)

"The River" - Play by Jez Butterworth

This is no review of the play "The River" with Hugh Jackman - currently on Broadway - because one can hardly write a review without giving it all away. That is already the first point why I highly recommend seeing it. Here are 4 other strong reasons:

- It is a new play. It has only been staged for a limited run in London, thus if you’re up to something that hasn’t been discussed and analysed to death, this is it!

- It is poetic and full of surprises. There are so many layers you have to dive through to get to the bottom; it is likely that everyone will come up with a different point of view. It is like looking into a flowing river, what you see in it, will be a reflection of you, your feelings and emotions. (If you don’t look close enough or without focussing, you might see nothing, but then you’d have to put the blame on you…).

- It will have you in its grip for a long time afterwards. It’s not like you leave the theatre saying: “Ok, that was wonderful. Now, where will we have dinner?” You will want to discuss it with your companions or even strangers you might meet afterwards at the stage door!

- The cast is fantastic. Hugh Jackman, Cush Jumbo and Laura Donnelly are excellent and the very intimate and very special atmosphere of the Circle in the Square Theatre lets you immerge totally into their acting.

My conclusion: Go see it! Like they say: you don’t regret the things you’ve done but those you haven’t done and you will surely regret not having taken the chance to see this play!

PS Oh, and this is NOT about Wolverine! Please resist making any allusion of that kind (as I read in some “professional” reviews), because it is lame and cheap. Hugh Jackman has a lot more to offer and after seeing him live on stage you will agree, that he’s one of the most versatile actors of our times!

Circle In The Square Theatre
235 West 50th Street New York, NY 
1:20 minutes
Closing: Feb 08, 2015

Cast:  

The Man: Hugh Jackman 
The Woman: Cush Jumbo 
The Other Woman: Laura Donnelly

Crew:

 Director: Ian Rickson 
 Set Designer: Ultz 
 Lighting Designer: Charles Balfour 
 Sound Designer: Ian Dickinson 
 Original Music: Stephen Warbeck

Theater-Rezensionen: The River

Hier meine Gedanken zu dem Theaterstück “The River”, das bis zum 08. Februar 2015 am Broadway in New York zu sehen war.
 
Das Stück spielt ausschließlich im Ambiente einer kleinen Fischerhütte an einem Fluss, es gibt nur drei(einhalb) Akteure, als da sind: "der Mann", "die Frau" und "die andere Frau"…

Der Mann bringt zu Beginn eine Frau in diese Fischerhütte, um mit ihr in einer mondlosen Augustnacht fischen zu gehen. Der Fluss und das Fischen nehmen vordergründig einen großen Raum ein, aber eigentlich geht es um Beziehungen und die Suche nach der großen Liebe.

Es sieht wie ein Test aus, den sich der Mann ausgedacht hat, um herauszufinden, ob er die „Richtige“ gefunden hat, ob sie zu ihm passt, was sich daran zeigen soll, ob sie seine Leidenschaft für das Fischen teilt. Es gibt zu Beginn ein paar durchaus witzige Wortgeplänkel, bis zu dem Moment, als die Frau beim gemeinsamen Fischen scheinbar verschwindet. Als der Mann daraufhin aufgeregt die Polizei anruft, betritt die andere Frau die Bühne, aber nur für den Zuschauer hat offensichtlich ein Wechsel stattgefunden, für die Akteure geht es einfach weiter.

Der bzw. die Frauen haben eine unterschiedlich Einstellung zum Fischen, hier hat man den Eindruck, es ist immer wieder die gleiche Geschichte, die sich für den Mann wiederholt, während er von seiner Leidenschaft manchmal regelrecht mitgerissen wird, sind die Frauen mal mäßig interessiert, mal gar nicht. Es scheint, dass sie sich nur ihm zuliebe auf den Ausflug eingelassen haben, richtig verstehen können sie ihn nicht. Für die Frauen ist allerdings wichtig, ob sie jeweils die Einzige sind, wen er noch mit dorthin gebracht hat und was aus den anderen Frauen geworden ist. Hierauf erhalten sie jedoch keine Antwort, so hartnäckig die eine oder andere auch fragt.

Eine Schlüsselszene ist der Moment, als der Mann von seinem ersten Fisch erzählt, den er mit sieben Jahren gefangen hat, von den überwältigenden Gefühlen, die er dabei empfunden hat, vor allem, als ihm der Fisch quasi im Augenblick seines höchsten Glücks entgleitet. Sein Versuch, den Fisch wiederzufinden ist natürlich aussichtslos, wer in einen Fluss schaut, erblickt in erster Linie eine Reflektion seiner selbst, ein entschwundener Fisch bleibt entschwunden.

Und so ist auch das Stück, wer immer es sich anschaut, wird wahrscheinlich etwas anderes darin sehen, abhängig von der eigenen Persönlichkeit, gespiegelt von dem seit Ewigkeit gleich fließenden Wasser, man könnte auch sagen, Leben.

Ich denke, dass der Mann einstmals seine große Liebe an den Fluss gebracht hat, die in ihm dieselben großen Gefühle ausgelöst hat, wie sein erstes Erlebnis mit dem Fisch, und diese Frau hat er verloren. Wodurch bleibt offen, sei es, dass sie ihn verlassen hat, sei es, dass sie nicht mehr lebt. Seitdem jedenfalls ist er auf der Suche nach dieser einen Frau in jeder anderen Frau, die er mit in die Hütte bringt, aber es sieht so aus, als würde es ihm nie gelingen, das Verlorene wiederzufinden, und die Erkenntnis hierüber lässt den Mann traurig und düster zurück.

Dennoch sieht es am Ende des Stücks so aus, als würde er zumindest seine Versuche nicht aufgeben, diese Liebe, die er sucht doch noch zu finden, sondern nach einem Moment der Verzweiflung, wenn es wieder nicht geklappt hat, fängt er – etwas desillusionierter aber unverdrossen – von vorne an. So sieht man ihn zum Schluss wieder seine Angelausrüstung vorbereiten, während eine dritte Frau den Platz der beiden anderen einnimmt und es entspinnt sich ein ähnliches Gespräch wie zu Anfang mit der ersten Frau.

Das Stück ist poetisch, melancholisch, düster, hat aber auch seine heiteren Momente, ganz wie das Leben, und ist erfüllt von der Sehnsucht nach der großen Liebe, die der eine vielleicht findet und der andere – leider – nicht.

Wie schon gesagt, es mag sein, dass jeder Zuschauer etwas anderes sieht. Wer allerdings gar nichts sieht, hat vielleicht die falsche Erwartung, dass hier eine fertige Geschichte erzählt wird, so wie man es bei einem herkömmlichen Theaterabend gewohnt ist. Darin, dass man quasi gezwungen wird, sich einen eigenen Reim auf das Stück zu machen, liegt der große Reiz – und natürlich in Hugh Jackmans Präsenz, der ohne Verkleidung oder sonstige Verfremdung diesen Mann so überzeugend darstellt und damit einmal mehr seine Klasse und Wandlungsfähigkeit beweist.



Circle In The Square Theatre
235 West 50th Street New York, NY 
1:20 Minuten
Letzte Vorstellung: 08. Februar 2015

Darsteller:
Der Mann: Hugh Jackman 
Die Frau: Cush Jumbo 
Die andere Frau: Laura Donnelly

Crew:
Autor: Jez Butterworth
Regie: Ian Rickson
Set Designer: Ultz
Lighting Designer: Charles Balfour
Sound Designer: Ian Dickinson
Original Music: Stephen Warbeck