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Mittwoch, 31. August 2022

Im Kino: Freibad

In einem Freibad in Berlin erhalten nur Frauen Eintritt, ein geschützter Raum, in dem es ohne die blöden Männer nur Friede, Freude, Sonnencreme gibt. Oder doch nicht?

Was wie die Utopie einer schönen neuen Welt anmutet, entpuppt sich alsbald – natürlich – nicht nur als Hort  diverser Zickenkriege, sondern es wird so ziemlich jede Problemsau durchs Bad getrieben, die nicht schnell genug abtaucht. Jedes einzelne der angerissenen Probleme ist es durchaus wert, darüber nachzudenken und zu diskutieren, aber so plakativ dargeboten, verliert alles an Tiefe und landet mit einigen allzu bemühten Gags und leider auch Klamauk in den Niederungen des Nichtschwimmerbeckens.

Dabei geht es um große Themen wie Toleranz, kulturelle Missverständnisse, aber auch die Angst vor dem Altern, der sich zum Beispiel Andrea Sawatzki und Sema Povraz durchaus anrührend entgegenstemmen, dem Gefühl, irgendwann einfach nicht mehr wahrgenommen zu werden, obwohl man in jeder Hinsicht noch so viel zu bieten hat. Burka- und Burkiniträgerinnen sowie Oben-Ohne- und Bikinischwimmerinnen prallen  aufeinander, dürfen ihre jeweiligen Argumente austauschen, wer was warum gerne trägt, und das ganze eben ohne die Spiegelung im anderen Geschlecht, das hier zunächst nicht vertreten ist. Die queere Kim deckt einen weiteren Bereich ab, der nicht fehlen darf, wirkt dabei aber leider ziemlich unausgegoren.

Als die von Melodie Wakivuamina dargestellte Schwimmmeisterin, die einzige überzeugende, weil nicht wie die anderen überzogene Figur, das Bad verlässt und für sie ein Mann eingestellt wird, passiert genau das, was niemals hätte passieren dürfen, denn plötzlich scheinen alle Streitigkeiten der Frauen untereinander vergessen, jetzt kommt es wieder nur noch darauf an, sich vor diesem Mann ins rechte Licht zu rücken, so wie es Frauen nun einmal machen, und der Film suggeriert an dieser Stelle, dass es keinen unbefangenen Umgang der Geschlechter miteinander geben kann, was auch nachdenkenswert gewesen wäre, leider aber nicht weiter thematisiert wird.

All die interessanten Aspekte, die zur Diskussion angeboten werden, plätschern am Ende träge dahin, für eine bissige Komödie nicht bissig und vor allem nicht komisch genug, wird das große Potential einer leichten sommerlichen Komödie mit Tiefgang leider verschenkt und in einer bonbonbunten Farce versenkt.

 

 

  

Regie: Doris Dörrie

Drehbuch: Doris Dörrie, Madeleine Fricke, Doris Kaci

Kamera: Hanno Lentz

Schnitt: Frank J. Müller

Musik: Anna Kühlein

 

Besetzung:

Andrea Sawatzki, Sema Poyraz, Lisa Wagner, Melodie Wakivuamina, Ilknur Boyraz, Nilam Farooq, Sabrina Amali, Julia Jendroßek, Samuel Schneider, Niko Stank

 

Constantin Film

D 2022

103 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 01. September 2022

 

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=8cFUa2y_x9I

Im Kino: Three Thousand Years of Longing

Alithea Binnie (Tilda Swinton) beschäftigt sich beruflich mit Geschichten und Geschichtenerzählen. Während einer Konferenz in Istanbul ersteht sie auf einem Markt eine kleine Flasche, die sich beim Öffnen als die Heimstatt eines dorthinein verbannten Dschinns (Idris Elba) entpuppt. Damit dieser seine Freiheit erhält, muss er Alithea drei Wünsche erfüllen, da diese aber eigentlich wunschlos glücklich und das mit dem Wünschen sowieso eine trickreiche Sache ist, beginnt ihr der Dschinn Geschichten aus seinem langen Leben zu erzählen, vor allem darüber, wie er immer wieder in diese vermaledeite Flasche geraten ist.

Ein wundervoll poetischer, märchenhafter Film mit einer zarten Tilda Swinton, die so über den Dingen zu schweben scheint, wie es nur eine mit sich selbst im Reinen stehende Person kann, und der Dschinn wird von Idris Elba so selbstverständlich verkörpert, als stamme er tatsächlich aus einem uralten Geschlecht von Flaschengeistern. Angelehnt an die 1001 Geschichten der Sheherazade, die diese jede Nacht erzählt, um ihr Schicksal noch etwas hinauszuzögern und dabei die Technik des Cliffhangers erfindet, geht es hier darum, einen an sich zufriedenen Menschen zum Wünschen zu bringen. Allerdings stellt sich natürlich alsbald die Frage, ob die allein durch ihr Leben wandelnde Geschichtenliebhaberin Alithea wirklich so glücklich ist, wie sie von sich selbst behauptet…

Das Ganze ist ein Augen- und Ohrenschmaus für die Sinne, eine gleichsam altmodische wie modern Geschichte der besonderen Art, in der ohne Kitsch die zeitlose Magie der großen Gefühle wie Liebe, Sehnsucht und Verlust beschworen wird. Ein wenig knirscht es in der Verbindung zwischen dem Kammerspiel, in dem sich Alithea und der Dschinn philosophierend in ihrem Hotelzimmer näher kommen und dessen ausufernder, in Rückblenden erzählten Lebensgeschichte, da fehlt dem Scharnier manchmal etwas die Geschmeidigkeit, aber dennoch ist dem Regisseur Miller, der einst mit seiner Figur Mad Max für Furore sorgte, ein magisches Kinowerk gelungenes, das sich in seiner Art wohltuend von den üblichen Fantasy-Geschichten und Blockbustern abhebt.

 


 

Regie: George Miller

Drehbuch: George Miller, Augusta Gore, b/a der Kurzgeschichte „The Djinn in the Nightingale’s Eye“ von A.S. Byatt

Kamera: John Seale

Schnitt: Margaret Sixel

Musik: Junkie XL

 

Besetzung:

Tilda Swinton, Idris Elba, Pia Thunderbolt, Anthony Moisset

 

MGM/ United Artists

2022

108 min.

FSK 6

Deutscher Kinostart: 01. September 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=24RJsTDJEWA (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=5ayZXWQZDQ0 (Englisch)

 

Mittwoch, 24. August 2022

Im Kino: Beast - Jäger ohne Gnade (Beast)

Der New Yorker Arzt Nate Daniels (Idris Elba) reist mit seinen Töchtern Meredith (Ivana Halley) und Norah (Leah Jeffries) nach Südafrika, zurück in den Ort, wo er einst seine an Krebs verstorbene Frau, von der er bereits vorher getrennt war, kennengelernt hatte. Die Töchter werfen ihm vor, sie und die Mutter im Stich gelassen zu haben und letztlich auch für deren Tod verantwortlich zu sein. Um sich ihnen wieder anzunähern und sie auf andere Gedanken zu bringen, nehmen Nate und Martin (Sharlto Copley), ein alter Freund der Familie, die Mädchen auf eine Safari mit. Was unbeschwert beginnt, entwickelt sich bald allerdings zu einem Horrortrip, als sie von einem wild gewordenen riesigen Löwen attackiert werden, der bereits etliche Menschen, darunter einige Wilderer, getötet hat. Wird es Nate gelingen, sich und seine Töchter aus dieser tödlichen Gefahr zu retten?

Filme, in denen ein Tier zur wilden Bestie wird, müssen sich immer der Frage stellen lassen, inwieweit sie eben dieses Tier instrumentalisieren, um einen Horror- oder Abenteuerschocker zu produzieren. „Der weiße Hai" wurde so zum Klassiker und ist immer noch ein verdammt spannender Film, der funktioniert, weil das Tier zum übermächtigen Gegner stilisiert wird, dem der Mensch zwar körperlich nicht gewachsen ist, dafür aber seine ganze Intelligenz aufbieten muss, um zu bestehen. Auch für Kapitän Ahab wird sein Kampf mit dem Wal zu einer persönlichen Sache, Mann gegen unbarmherzige Natur, die eigentlich nicht böse ist, wie es der Mensch gerne unterstellt, sondern sich gegen das viel grausamere Untier Mensch zur Wehr setzt .

Hier wird der Angriff von Wilderern als Rechtfertigung angeführt, bei dem das ganze Rudel getötet wurde, die Rollen sind vertauscht, denn nun nimmt der Löwe scheinbar Rache. Dabei hätte trotz dieser fragwürdigen Prämisse ein spannender Film herauskommen können, leider besteht er jedoch hauptsächlich aus einer Aneinanderreihung von Klischees, und die Protagonisten handeln immer wieder so strunzdumm, dass es weh tut. Sie tun dies auch nicht, weil Menschen, insbesondere Jugendliche, nicht immer rational handeln, sonder erkennbar nur aus dramaturgischen Gründen, damit die Handlung zum nächsten Schockmoment springen kann, und hin und wieder scheint der Löwe der Intelligentere zu sein...

Die Dialoge sind stellenweise unfreiwillig komisch, auch wenn man in Situationen höchster Gefahr nicht immer Druckreifes von sich gibt, ist die Frage an jemanden, der schwer verletzt vor einem liegt, ob alles in Ordnung ist, eine von den vor allem in amerikanischen Filmen immer wieder gerne benutzten hohlen Phrasen, die auf eine ausgeprägte Drehbuchschwäche hindeuten. Überlegungen zur Plausibilität einzelner Szenendürfen auch nicht während, sondern erst nach dem Ende des Films aufkommen, sonst nimmt er einen eben nicht richtig mit. Der in der Nebenhandlung anklingende Versuch, den Riss in der Familie zu kitten, ist aller Ehren wert, aber die Verquickung von Action und Familiendrama wirkt etwas bemüht.

Wen das alles nicht so stört, der mag sich bei den dramatischen Szenen ansonsten gut unterhalten fühlen, der Spannungsbogen wird in bewährter Weise immer wieder hochgehalten und die Gefahr springt stets im richtigen Moment aus dem Gebüsch, dabei gibt insbesondere der ausgezeichnet animierte Löwe eine gute Figur ab.

Ein eher konventioneller Thriller mit Schwächen, nichts für ganz Zartbesaitete, aber auch nicht zu blutrünstig, wie man der FSK-Bewertung entnehmen kann.

 

 

Regie: Baltasar Kormákur

Drehbuch: Ryan Engle, Jaime Primak Sullivan

Kamera: Philippe Rousselot, Baltasar Breki Samper

Musik: Steven Price

 

Besetzung:

Idris Elba, Sharlto Copley, Leah Jeffries, Iyana Halley

 

Universal Pictures

USA 2022

93 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 25. August 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=yajlQCkTaqw (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=5xg3PSS8vK0 (Englisch)

 


Im Kino: Tad Stones und die Suche nach der Smaragdtafel (Tad the Lost Explorer and the Emerald Tablet)

Der unbeholfene, dafür aber umso enthusiastischere Tad wünscht sich nichts sehnlicher, als ein anerkannter Archäologe zu sein, bei seinen Kollegen bleibt er aber der Trottel, der immer alles verbockt und mit dem niemand arbeiten will. Durch eine Ungeschicklichkeit beschwört er prompt einen alten Fluch herauf, der ihn, aber vor allem seine Freunde Mummy, eine permanent plappernden Inka-Mumie, Hund Jeff und Papagei Belzoni, in Gefahr bringt. Um diese zu retten begibt sich die ganze Truppe auf eine Reise voller unglaublicher Abenteuer, bei der sie von Tads Archäologen-Freundin Sara und einer ägyptischen Mumie namens Ra-mon-a unterstützt werden. Wird es ihnen gemeinsam gelingen, den Fluch zu brechen, und wird aus Tad vielleicht doch noch ein anerkannter Archäologe?

Diese Fragen beantwortet der spanische Animationsfilm auf lockere und launige Weise, dabei braucht er sich vor seinen Hollywood-Vorbildern keinesfalls verstecken. Es gibt zwar wenig wirklich Neues oder Originelles, aber ein junges Publikum, das die zahlreichen Vorbilder nicht kennt, die hier Pate gestanden haben, allen voran natürlich der gute alte „Indiana Jones", wird sicher dennoch seinen Spaß an der wilden Schnitzeljagd rund um die Welt haben.

Die Figuren sind liebevoll gestaltet, Tad ist nicht der strahlende Super-Held, sondern ein liebenswerter, etwas pummeliger Anti-Held mit dem Herz auf dem rechten Fleck. Die Mumie Mummy hat zwar eine gehörige Portion Nervensägen-Potential, aber das dürfte das junge Publikum nicht stören. Running Gags, wie der mehrfach verhinderte Sieg des Tour-de-France-Radlers und das immer irgendwie zu spät kommen Regierungsduo, das den Freunden auf den Fersen ist, bestehend aus dem gleichermaßen unfähigen wie von sich eingenommene CIA-Agenten und seiner cleveren mexikanischen Kollegin, lockern die Handlung auf, so dass am Ende ein brauchbarer, allerdings eher für jüngere Zuschauerinnen und Zuschauer geeigneter Abenteuerfilm herausgekommen ist, von dem es bereits zwei Vorgänger gab, die man jedoch nicht gesehen haben muss, um diesen aktuellen Film zu verstehen.

Gesehen wurde die englischsprachige Originalfassung, insofern kann nicht beurteilt werden, wie die deutsche Fassung ausgefallen ist, die dann sicherlich in den Kinos laufen wird.

 

 

Regie: Enrique Gato

Drehbuch: Manuel Burque, Josep Gatell, Neil Landau

Schnitt: Alexander Adams

Musik: Zacarías M. de la Riva

 

Besetzung/Stimmen:

Original: Oscár Barberán, Luis Posada, Michelle Jenner, Anuska Alborg, Alexandra Jiménez,

Deutsch: Fabian Oscar Wien, Josephine Schmidt, Tim Sander

 

Lightbox Animation Studios/ Paramount /UIP

Spanien 2022

90 min.

FSK 6

Deutscher Kinostart: 25. August 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=1J8y3hAST-A (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=L14nApVJueU (Englisch)

 

 

Mittwoch, 17. August 2022

Im Kino: Der Gesang der Flusskrebse (Where the Crawdads Sing)

Im unwirtlichen und dünn besiedelten Marsch- und Sumpfland North Carolinas lebt die Familie Clark in einer ärmlichen Hütte mehr schlecht als recht vom Fischfang und allem, was das Meer hervorbringt. Nach und nach fliehen zuerst die Mutter und dann die Kinder aus diesem Elend, bis nur noch die kleine Kya (Daisy Edgar-Jones) und ihr gewalttätiger Vater zurückbleiben. Irgendwann ist auch der Vater verschwunden und Kya muss alleine zurecht kommen, ein Kind mit unbändigem Überlebenswillen und einer starken Verbindung zu Natur, dem Sumpf und den darin lebenden Tieren. Die meisten Einwohner des nahen Dorfes Barkley Cove meiden den Kontakt zu dem in ihren Augen wilden Marschmädchen, das nur einen Tag eine Schule besucht hat und seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von frischen Muscheln verdient. Nur Tate (Taylor John Smith), ein junger Mann aus dem Dorf freundet sich mit ihr an und bringt der herangewachsenen Kya Lesen, Schreiben und Rechnen bei, was ihr eine völlig neue Welt eröffnet und ihre späteren Zeichnungen von Natur, Insekten und Vögeln des Sumpfs wecken sogar das Interesse eines Buchverlages. Von Chase (Harris Dickinson), dem jungendlichen Schürzenjäger des Dorfes, lernt sie weitere Aspekte des Lebens kennen, bis sie sich am Ende sowohl von Tate als auch von Chase hintergangen und getäuscht fühlt. Als Chase eines Tages tot aufgefunden wird, gerät Kya sofort unter Verdacht, ihn ermordet zu haben und der einzige, der ihr hilft, ist Anwalt Tom Milton (David Strathaim), der alles versucht, um ihre Unschuld zu beweisen.

Basierend auf der erfolgreichen Romanvorlage von Delia Owens zeichnet der Film ein faszinierendes Bild der wilden Schönheit des an der Südostküste der USA gelegenen Marschlandes, in dem Meeresarme und Flussläufe sich labyrinthartig ineinander verschlingen und eine einzigartige Flora und Fauna hervorbringen, in der Menschen nur eine untergeordnete Rolle spielen. Die in schönen Bildern eingefangene Naturgeschichte des wilden, auf sich gestellten Mädchens, das es alleine mit allen und allem aufnimmt, wird geschickt mit der Krimihandlung und der Suche nach einem Mörder verwoben, bei der sich die Frage stellt, ob es vielleicht gar kein Mord sondern nur ein Unfall war, und die Gesellschaft von Barkley Cove endlich etwas gefunden zu haben glaubt, was man dem Marschmädchen anhängen kann.

Trotzdem die Handlung immer wieder zwischen den Zeitebenen und den beiden Handlungssträngen hin- und herspringt, ist die Geschichte an sich – eine Frau zwischen zwei Männern, von denen einer zu Tode kommt – von eher schlichter Natur, was sie dann aber doch interessant macht, ist die Zeichnung der Figur Kyas, die vom schutzlosen kleinen Mädchen zu einer selbstbewussten und selbstbestimmten jungen Frau heranwächst, die sich auch in ihrer misslichen Lage im Gefängnis nicht verbiegen lässt. Vielleicht kommen die Bilder von ihr und ihrem wilden Leben manches Mal etwas zu gezähmt oder geschönt herüber, aber unterschwellig schwingt stets etwas Unvorhersehbares und auch Bedrohliches mit, das nicht gleich greifbar ist, aber spätestens am Ende den oberflächlich betrachteten Wohlfühlcharakter des Films gehörig auf den Kopf stellt.

 


 

Regie: Olivia Newman

Drehbuch: Lucy Alibar, b/a Roman von Delia Owens

Kamera: Polly Morgan

Schnitt: Alan Edward Bell

Musik: Mychael Danna

 

Besetzung:

Daisy Edgar-Jones, Taylor John Smith, Harris Dickinson, David Strathaim, Michael Hyatt, Sterling Macer Jr., Bill Kelly

 

Columbia Pictures/ Sony Pictures

USA 2022

125 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 18. August 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=tQ5HUpemaPk (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=PY3808Iq0Tg (Englisch)

 




Mittwoch, 10. August 2022

Im Kino: Nope

Auf der abgelegenen Pferderanch der Haywoods, wo Pferde für Filmaufnahmen trainiert werden, passieren verstörende Dinge. Nach dem mysteriösen Tod ihres Vaters, versuchen die Geschwister OJ (Daiel Kaluuya) und Emerald, genannte Em, (Keke Palmer) mit Hilfe eines Technikers des lokalen Elektronikmarktes (Brandon Perea) und eines erfahrenen Kameramannes (Michael Wincott) den Dingen auf den Grund zu gehen, und was sie dann entdecken, übertrifft ihre Erwartungen um ein Vielfaches…

In seinem dritten Film nach „Get Out" und "Us" mischt Regisseur Peele wieder Elemente aus Gesellschaftskritik und Horror zu einem ganz eigenen Mix, und dieses Mal fügt er noch eine Begegnung der dritten Art mit ein. In gewaltigen, von Kameramann Hoyte van Hoytema grandios eingefangen Bildern und mit manchmal bis an die Schmerzgrenze heranreichenden Soundeffekten (vorausgesetzt man sitzt im richtigen Kino), entwickelt sich eine wilde Geschichte, die einen weiten Bogen spannt, von der Frühzeit der bewegten Bilder bis in unsere Zeit hinein, in der es nur noch um das eine, perfekte Bild zu gehen scheint, hinter dem alle her sind, vom Internet-Influencer bis zum Hobbyfotografen. Selbst im Angesicht des Todes scheinen manche dieser modernen Menschen nur ihre Kamera und deren richtige Einstellung im Kopf zu haben, bereit für das finale Foto. Der lakonische OJ und die extrovertierte Em bewegen sich genau in dieser Schnittstelle zwischen der alten und der neuen Welt, aber auch sie wollen mit dem einen richtigen Bild reich werden, koste es, was es wolle.

Auf einer weiteren Ebene sehen wir, wie die von uns Menschen ausgebeutete Welt brutal zurückschlägt, unvermittelt und unverständlich, dann werden von uns gehätschelte Tiere plötzlich zu vermeintlichen Monstern, obwohl sie in Wirklichkeit nur ihre eigentliche Natur wiederentdecken. Solange wir uns an bestimmte Verhaltensregeln halten, scheinen wir sicher zu sein, verstoßen wir dagegen sind wir verloren. Der einzige Trost ist, dass der Mensch immer noch seinen Verstand benutzen kann (wenn er es nur öfter täte...), dann fallen ihm auch für ausweglos scheinenden Probleme Lösungen ein, die manchmal erschrecken banal sein können. Und am Ende bleibt sowieso immer noch die eine Exit-Strategie: einfach mal „nope" („nö") sagen...

Ein Film, der aufgrund seiner etwas zerfaserten Struktur nicht durchweg überzeugt, aber dennoch genug Originelles, visuelle Schauwerte und akustische Höhepunkte besitzt, dass er einen Kinobesuch unbedingt wert ist, zumindest für alle, denen der Sinn nach etwas Ungewöhnlichem außerhalb der gewohnten 08/15-Bahnen steht.

 


 

Regie: Jordan Peele

Drehbuch: Jordan Peele

Kamera: Hoyte van Hoytema

Schnitt: Nicholas Monsour

Musik: Michael Abels

 

Besetzung:

Daniel Kaluuya, Keke Palmer, Brandon Perea, Michael Wincott, Steven Yeun, Wrenn Schmidt, Keith David, Terry Notary, Donna Mills

 

Universal Pictures

USA 2022

130 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 11. August 2020

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=GfpgZxtwTOc (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=xC5AKuw33aI (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=HUgmq_8PlRY (Englisch)

 

Dienstag, 2. August 2022

Im Kino: Warten auf Bojangles (En attendant Bojangles)

Im Frankreich der 1950ger Jahre tänzelt der charmante Georges (Romain Duris) leichtfüßig und unwiderstehlich für seine Mitmenschen durchs Leben. Bei einem rauschenden Fest der Reichen und Schönen unter der flirrenden Sonne der Côte d’Azur lernt er so die attraktive Camille (Virginie Efira) kennen, die ebenso unkonventionell wie er zu sein scheint, und ihre sich rasch entwickelnde leidenschaftliche Affäre beschert ihnen neun Monate später den gemeinsamen Sohn Gary (Solam Machado Graner). Das Glück scheint perfekt, aber bald legt sich ein dunkler Schatten über die kleine Familie, als Georges sich den Niederungen einer geregelten Arbeit hingeben muss, während Camille weiterhin auf sämtlichen Wolken schwebt, die sie sich in ihrer eigenen Traumwelt erschafft. Ein gemeinsamer Freund (Grégory Gadebois) hatte Georges einst gewarnt, aber das Ausmaß der Tragödie, die dann folgt, hat auch er nicht vorhersehen können…

Der Film beginnt so heiter und beschwingt, so zuckersüß und bunt, dass es beinahe wehtut, dennoch lässt man sich gerne von dieser Stimmung hineinziehen in eine unbeschwerte Fantasiewelt, in der alles sein kann und darf, und nichts muss, alle sogenannten bürgerlichen Konventionen über Bord geworfen werden, zugunsten eines ewigen Sommers voller Vergnügen, Partys und unendlichem Glück. Allerdings merkt man bald, dass die Realität dann doch hin und wieder ihr hässliches Haupt erhebt und zumindest den einen Beteiligten dieser Amour fou am Boden hält, während der bzw. die andere wie ein Ballon, den man nicht fest genug gehalten hat, in irgendwelchen unendlichen Sphären zu entschwinden droht. Es ist eine Sache, das Leben leicht zu nehmen, aber die Dinge noch rational handhaben zu können, aber eine ungleich andere, zwischen Rationalität und Irrationalität nicht mehr unterscheiden zu können…

Dieses Drama, das man so nicht hat kommen sehen, ist herzzerreißend und voller Emotionalität, ein Kino der großen Gefühle in schönen Bildern und von hervorragenden Darstellern getragen, ein Film, den man nicht so schnell vergisst, schön und traurig zugleich, über dessen Wirkung man noch eine Weile nachdenken wird, wenn man das Kino längst verlassen hat, und das ist mehr als man von den meisten Filmen sagen kann! 

 


 Regie: Régis Roinsard

Drehbuch: Olivier Bourdeaut b/a seinem Roman, Romain Compingt, Régis Roinsard

Kamera: Guillaume Schiffman

Schnitt: Loic Lallemand

Musik: Claire & Olivier Manchon

 

Besetzung:

Romain Duris, Virginie Efira, Grégory Gadebois, Solan Machado Graner, Grégory Gadebois

 

 Constantin Film

F  2022

124 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 04. August 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=L97V4s1a3qE (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=VS-4EJnjkkI (Französisch)

 


Im Kino: Guglhupfgeschwader

Kurz vor seinem zehnjährigem Dienstjubiläum geht es für den Landpolizisten Eberhofer (Sebastian Bezzel) richtig rund: Jeder im Ort ist scharf auf ein paar Millionen im Lotto-Jackpot und auf den vermeintliche Hauptgewinn freuen sich Eberhofers Bruder Leopold (Gerhard Wittmann), die Oma (Enzi Fuchs) und Sanitärmeister Flötzinger (Daniel Christensen). Als die Mutter des ortsansässigen Kiosk-Inhabers Lotto-Otto (Johannes Berzl) bei einem Anschlag stirbt und Otto der nächste auf der Liste ist, ermitteln Eberhofer und sein alter Freund Rudi Birkenberger (Simon Schwarz) plötzlich mitten im Sumpf des organisierten Verbrechens, das sein Tätigkeitsfeld vom nicht allzu weit entfernten Tschechien nach Niederkaltenkirchen auszuweiten scheint. 

Mit gewohnt viel Witz, aber diesmal auch wieder mit einer veritablen Krimihandlung, tummeln sich nun schon zum achten Mal die schrulligen Protagonisten aus der bayerischen Provinz auf der Leinwand. Der Ludwig ist leider verstorben und mit dem dreibeinigen neuen, von Rudi geschenkten Hund, fremdelt der grantelnde Eberhofer noch ein wenig. Der Rudi selbst hat eine esoterisch angehauchte Freundin, aber sonst ist eigentlich alles wie immer, und das ist ja auch das Schöne daran. Man liebt die Vertrautheit des Ortes, den kultigen Kreisverkehr und die appetitlichen Leberkässemmeln, die, wie man erfährt, offensichtlich gar nicht so appetitlich sind. Die Susi (Lisa Maria Potthoff) versucht diesmal, ihren mitunter störrischen Franz mittels einer Eheberatung bei der Stange zu halten, und der launige Therapeut gibt alles, um zum Erfolg zu verhelfen. Aber, wie gesagt, es wird endlich einmal wieder richtig ermittelt, denn es gilt einen Oberbösewicht zu überführen, und als Höhepunkt kommt es zu regelrechten Jagdszenen in (Nieder)Bayern, bei der die titelgebenden Guglhupfe der Oma leider dran glauben müssen.

Für Freunde des schrägen Humors alles in allem ein großes Vergnügen, noch halten Figuren und Inszenierung den erwarteten Ansprüchen locker stand und machen tatsächlich bereits Lust auf das nächste Abenteuer aus dem Eberhofer-Universum, das mit einem „Rehragoutrendezvous“ in die nächste Runde gehen könnte.

 


Regie: Ed Herzog

Drehbuch: Stefan Betz, Ed Herzog, b/a Roman von Rita Falk

Kamera: Daniel Erb

 

Besetzung:

Sebastian Bezzel, Lisa Maria Potthoff, Simon Schwarz, Enzi Fuchs, Eisi Gulp, Daniel Christensen, Sigi Zimmerschied, Johannes Berzl, Gerhard Wittmann

 

Constantin Film

D 2022

97 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 04. August 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=z5yozt58wrM