Odysseus (Matt Damon), König von Ithaka, ist einer der
Helden des Trojanischen Kriegs um die Befreiung Helenas (Lupita Nyong’o), der Gattin
des Menelaos (Jon Bernthal). Nach ihrem Sieg kehren die meisten Griechen heim,
nur Odysseus irrt mit seinen Männern noch lange Jahre auf den Meeren und muss
etliche gefährliche Abenteuer bestehen. Währenddessen warten seine Gattin Penelope
(Anne Hathaway) und der inzwischen erwachsene Sohn Telemachos (Tom Holland) noch
immer auf seine Rückkehr, während eine immer drängendere Schar von
heiratswilligen Freiern es nicht erwarten kann, dass Penelope sich für einen
von ihnen entscheidet, aber sie haben die Rechnung ohne Odysseus gemacht…
Christopher Nolan hat sich für sein aktuelles Werk
eines der bekanntesten Epen der Weltgeschichte ausgesucht, denn wer hätte nicht
schon einmal von Odysseus und seiner – sprichwörtlich gewordenen – Odyssee gehört,
oder vom Trojanischen Pferd, das es sogar als Trojaner in die moderne
Computerwelt geschafft hat. Auch wer sich nicht näher mit der griechischen
Mythologie beschäftigt hat, kennt viele der bekannten Figuren und hat sicherlich
– auch aus den bisherigen Verfilmungen – seine Erinnerungen an den einäugigen
Riesen Polyphem, die Zauberin Circe und die Schrecken von Skylla und Charybdis,
deren Namen und Charakter Eingang in die Alltagssprache gefunden haben, jemanden
zu bezirzen oder die Beschreibung einer ausweglosen Situation, das alles hat
seinen Ursprung in ebendieser Mythologie.
Dennoch muss man sich die Frage stellen, ob es einer
erneuten Verfilmung bedurft hätte, zumal es erst vor zwei Jahren die „Rückkehr
nach Ithaka“ mit Ralph Fiennes und Juliette Binoche gab, dessen Regisseur
Uberto Pasolini, trotz seiner weitläufigen Verwandtschaft mit Lucchino Visconti,
einer Ikone des italienischen Kinos, nicht mit dem klingenden Namen und Ruf
eines Christopher Nolan gesegnet ist. Kann also Nolan nun dem altbekannten
Thema wirklich etwas Neues hinzufügen?
Ja, wenn es um Aufmachung und die aufwändige IMAX®-Technologie
geht, die in entsprechenden Kinos für ein besonderes optisches Erlebnis sorgt,
dazu kommt, zumindest in der Originalfassung, auch die besonders darauf
abgestimmte Tonspur, wobei die Akustik manchmal sogar etwas allzu aufdringlich
die Ohren beschallt. Vor allem die Kampfszenen, jeweils durch einen immer
intensiver werdenden dumpfen Trommelsound untermalt, geraten so zu einem über
die Schmerzgrenze hinaus in die Länge gezogenen Akt, beeindruckend, aber manchmal
auch etwas zu viel des Guten.
Nein, wenn es um inhaltliche Aspekte geht, denn alles,
was Nolan aufbietet, haben andere vor ihm, gerade auch der bereits oben
zitierte Pasolini, bereits abgearbeitet. Der vordergründigen Abenteuergeschichte
des Odysseus steht dabei dessen gebrochener Charakter gegenüber, ein Mann, der
kriegsmüde und desillusioniert einfach nicht wieder in sein altes Leben
zurückzufinden scheint, von Gewissensbissen gequält, wegen der auch durch seine
Entscheidungen geopferten Kameraden und des aufgrund seiner List ermöglichten
Gemetzels in der belagerten Stadt Troja. Dass Krieg ein scheußliches Geschäft
ist, auch wenn es vielleicht zu Anfang einen gerechtfertigten Anlass gab, ist
keine wirklich neue Erkenntnis, und dass Männer im Grunde Schweine sind, wird
durch den bösen Zauber der Circe sehr plakativ in den Raum gestellt.
Die Grauen, denen Odysseus und seine Mannen begegnen,
sind wahrhaft abscheulich, aber für einen reinen Abenteuerfilm zieht sich die
Rahmengeschichte um den mit sich selbst hadernden Helden hin, vor allem aber die
Geschehnisse rund um den Hof in Ithaka haben eindeutige Längen, so dass am Ende
stolze 172 Minuten abzusitzen sind, die nicht alle gleichermaßen spannend sind.
Der Cast ist solide, wobei die Namensliste zunächst
beeindruckend zu lesen ist, aber hier fehlt der eine Akteur, der aufgrund
seines Charismas den gesamten Film zu tragen und ihn aus dem gehobenen Durchschnitt
herauszuheben vermag, Matt Damon ist es jedenfalls nicht. Die von mancher Seite
geäußerte Kritik an Lupita Nyong’o als Helena oder Zendaya als Göttin Athene
kann ich nicht teilen, eher stört, dass die gesamte Crew ganz und gar nicht
griechisch wirkt und manche sprachlichen Ausdrücke befremden, etwa wenn
Telemachos immer wieder von seinem „Dad“ spricht und irgendwann das durch und
durch amerikanische „f.ck off“ fällt.
So bleibt am Ende ein Kinoerlebnis, das aufgrund der
beschriebenen Technik die Leinwand optisch grandios ausfüllt, inhaltlich aber,
auch angesichts der geweckten Erwartungen an den Film, ein bisschen enttäuscht.
Regie: Christopher
Nolan
Drehbuch: Christopher Nolan,
b/a dem epischen Gedicht von Homer
Kamera: Hoyte van
Hoytema
Schnitt: Jennifer Lame
Musik: Ludwig
Göransson
Besetzung:
Matt Damon, Tom
Holland, Anne Hathaway, Robert Pattinson, Lupita Nyong’o, Zendaya, Charlize Theron,
Elliot Page, Jon Bernthal, Mia Goth, Benny Safdie, John Leguizamo, Will Yun Lee
u.v.m
Syncopy/
Universal Pictures
2026
172 min.
FSK
(wahrscheinlich) 16
Deutscher
Kinostart: 16. Juli 2026
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=v8yWPRdNJNs
(Deutsch)
https://www.youtube.com/watch?v=f_bKjZeJBBI
(Englisch)