Joachim (Bruno Alexander) beginnt eine Schauspielausbildung an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule in München, an der seine Großmutter (Senta Berger), in jungen Jahren ebenfalls Schauspielerin, einst lehrte. Während dieser Zeit wohnt Joachim bei ihr und dem Großvater (Michael Wittenborn) in deren nobler Villa, dabei nimmt er auch an ihren täglichen skurrilen Ritualen teil, bei denen diverse Alkoholika eine Rolle spielen, während er sich tapfer durch das erste Jahr seines Studiums kämpft, bei dem er immer wieder mit den nicht minder skurrilen Anmutungen des eigenwilligen Lehrkörpers und dessen ebenso eigenwilligen Ausbildungsinhalten konfrontiert wird…
Der (an der Falckenberg-Schule ausgebildete) Schauspieler und Autor Joachim Meyerhoff hat seine Leserschaft bereits in mehreren Werken an seinem Leben und dem seiner Familie teilhaben lassen, so in dem zuletzt mit Devid Striesow und Laura Tonke verfilmten Band „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“, das seine Kindheit in einer von seinem Vater geleiteten psychiatrischen Klinik schildert. Hier nun macht der junge Joachim sich mit 20 Jahren auf, um einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen, in dem er weit weg von seiner Heimat in Schleswig-Holstein das Handwerk des Schauspielens erlernen möchte.
Der Film schafft es dabei meisterlich, die beiden Seiten des neuen Lebens zwischen großelterlicher Fürsorge nebst eingestreuten Bildern aus der Kindheit bei eben diesen Großeltern, mit der immer wieder schrill anmutenden Theater- und Schauspielwelt zu verbinden, die den jungen Zögling durchaus gewollt immer wieder an seine Grenzen bringt. Ebenso meisterlich gelingt es Regisseur Verhoeven, wie auch die Buchvorlage, diese beiden Welten jeweils liebevoll zu karikieren, ohne sie auch nur einen Moment ins Lächerliche zu ziehen.
Joachims Kampf mit den Anforderungen seiner Ausbilder und Ausbilderinnen ist in erster Linie ein Kampf mit sich selbst, der Kampf eines jungen Menschen auf der Suche nach sich und seinem Platz im Leben. Wir erleben ihn schreiend, weinend, lachend, rebellierend und immer wieder an sich selbst zweifelnd, und alle diese Emotionen verkörpert der einstige Kinderdarsteller („Die Pfefferkörner“) Bruno Alexander, der sich zuletzt noch bei der Proll-Serie „Die Discounter“ ausprobieren durfte, in absolut beeindruckender Weise, man möchte ausrufen: A star is born!
Der Film, dessen sperriger Titel aus Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ entlehnt ist, der mit kritischem Blick die Diskrepanz beschreibt zwischen dem, was man anstrebt und dem, was man unter Umständen erreicht, ist der seltene Fall einer absolut überzeugenden Buchadaption, die Kern und Seele der Vorlage übernimmt, dabei über seine Bildsprache eine eigene Seele entwickelt.
Außerdem, ebenso selten in der deutschen Kinolandschaft, ist es eine Komödie, die ohne je ins Alberne abzugleiten diese Bezeichnung wirklich verdient und dabei, wie es sich für eine gelungene Komödie gehört, die Tragik nicht vernachlässigt, denn Lachen und Weinen gehören nun einmal zum Leben dazu, bis hierher also schon einmal der beste Film des Jahres!
Regie: Simon Verhoeven
Drehbuch: Lars Hubrich, Simon Verhoeven, b/a dem
Roman von Joachim Meyerhoff
Kamera: Jo Heim
Schnitt: Denis Bachter, Felix Schmerbeck
Musik: Segun Akinola
Besetzung:
Bruno Alexander, Senta Berger, Michael Wittenborn, Karoline Herfurth, Devid Striesow, Laura Tonke, Victoria Trautmannsdorff, Anne Ratte-Polle, Tom Schilling, Katharina Stark, Friedrich von Thun sowie Nikolaus Paryla
Warner Bros. Germany
2026
137 min.
FSK 6
Deutscher Kinostart: 29. Januar 2026
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=lHjdCsrCDnM








