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Mittwoch, 14. Oktober 2026

Im Kino: Whalefall

Der junge Jay Gardiner (Austin Abrams) hatte kein gutes Verhältnis zu seinem Vater Mitt (Josh Brolin), einem passionierten Taucher, der Zeit seines Lebens versuchte, ihm in harschem Ton Lektionen über das Leben – oder Sterben – unter Wasser zu vermitteln. Als der Vater unheilbar an Krebs erkrankt und das Meer für seinen Freitod wählt, beschließt Jay, nach ihm zu suchen und geht auf einen Tauchgang vor der Küste, wo er nach der fatalen Begegnung mit einem großen Kalmar, der von einem Pottwal gejagt wird, von diesem Wal gleich mit verschlungen wird und in dessen Bauch landet. Es beginnt ein Überlebenskampf gegen die Uhr, denn sein Sauerstoff gibt ihm 60 Minuten, um sich aus seiner gruseligen Lage zu befreien…

Was wie ein abstruser Survival-Thriller klingt, ist ein atemberaubend spannendes Abenteuer, das die Anstrengungen und Qualen des so unglücklich Eingeschlossenen fast körperlich spürbar werden lässt. Schon die ersten Sequenzen unter Wasser, in denen man zunächst nur ein paar Meter unter die Oberfläche mitgenommen wird, sind beeindruckend, aber dann beginnt ein völlig neues Erlebnis, als Taucher Jay plötzlich abrupt an einer Kante innehält, unter der sich ein in ein finsteres Nichts abfallender Abgrund auftut. Und als aus diesem Nichts ein großer Kalmar an ihm vorbeischießt, beginnt der Albtraum, denn ein noch gigantischerer Pottwal ist auf der Jagd, hier bekommt man einen Eindruck von der Nahrungskette, der sich als verstörend erweist, wenn man einmal nicht an dessen Spitze steht, sondern zum Teil der Beute wird.

Der Film schafft es, durch fantastische Bilder aus dem Inneren des Wals und einen unter die Haut gehenden Sound, den Kampf des Tauchers während und vor allem nach seinem Verschlucken zu visualisieren und hörbar zu machen. Dass dabei die Spannung über die gesamte Laufzeit gehalten wird, gelingt auch durch die eingestreuten Flashbacks, Szenen zwischen Jay und seinem Vater, hier der robuste und rohe Naturbursche, der seinem Sohn alles beibringen möchte, was er über das Meer, seine Bewohner und das Tauchen weiß, und dort der Sohn, der sich mit allen Fasern seines Körpers gegen diese Lektionen und damit gegen seinen Vater auflehnt. Aber da er trotz dieses inneren Widerstands immer gut zugehört hat, helfen ihm diese Erinnerungsschnipsel nun, um der tödlichen Gefahr, in der er steckt, vielleicht doch noch entkommen zu können.

Bereits in der Bibel wird von einem großen Fisch berichtet, der den Propheten Jona verschluckt, ähnliches geschieht dem hölzernen Knabe Pinocchio, und unabhängig davon, ob es möglich wäre, eine solche Situation zu überleben, scheint in diesen Geschichten eine gewisse Urangst vor etwas Unheimlichen zu stecken, das einen verschlingen könnte, zumal das Meer als solches in seinen tiefsten Tiefen immer noch ein ziemlich unbekanntes Terrain ist. Aber ein ebenso schwieriges Terrain sind oft die komplizierten menschlichen Untiefen, in denen man sich verlieren kann, wie sich hier in der schwierigen Vater-Sohn-Beziehung zeigt.

Wer sich auf dieses filmische Abenteuer einlässt, bekommt ein äußerst intensives und nervenzerfetzendes Kino-Erlebnis serviert, nichts für schwache Nerven und auf keinen Fall etwas für Klaustrophobiker.

 

   Regie: Brian Duffield

Drehbuch: Brian Duffield. Daniel Kraus, b/a auf dem Buch von Daniel Kraus

Kamera: Aaron Morton

Schnitt: Pietro Scalia

Musik: Joseph Trapanese

 Besetzung:

Austin Abrams, Josh Brolin, Elisabeth Shue, Jane Levy, Emily Rudd, John Ortiz, Grayson Paul Solomine

 20th Century Studios/ Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

2026

106 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 15. Oktober 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=buGAP_FMpv4 (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=rN9F6-tbySY (Englisch)

 

Im Kino: Call Me Queen

Queen Achungo (Eiane Umuhire) hat alle Hände voll zu tun, um sich und ihre zwei Kinder im Nairobi der 1990er Jahre durchzubringen und sie meistert dies mit viel Witz und einer unbändigen Energie. Als sie, wie so viele in ihrem Land, an AIDS erkrankt, zwingt sie dies fast zum Aufgeben, aber mit Hilfe der irischen Journalistin Anna (Denise Gough) gelingt es ihr, eine Bewegung ins Leben zu rufen, die sich gegen die ungerechte medizinische Versorgung ihrer Landsleute und letztlich des gesamten Kontinents Afrika auflehnt…

Ende der 1990er Jahre kostet die AIDS-Welle gerade in Afrika Millionen Menschenleben und auch, als es bereits wirksame Medikamente gibt, bleiben diese für die meisten Betroffenen unerschwinglich, da weder Pharmaindustrie noch Politik bereit sind, die globalen Handelsinteressen zurückzustellen. Hier setzt der Film an, der sich an der Geschichte der echten Queen Achungo orientiert, die, nachdem sie selbst durch die entsprechenden Medikamente zurück ins Leben findet, eine gewaltige Protestbewegung ins Leben ruft, um für eine gerechtere Verteilung der lebensrettenden Medikamente zu kämpfen.

Entstanden ist dabei das bewegende und mitreißende Porträt einer jungen Frau, die sich nicht unterkriegen lässt, die nicht nur für sich, sondern auch für andere kämpft, der es gelingt, mit ihrer Energie viele Mitstreiterinnen für ihren Protest auf die Straßen zu bringen, denn interessanterweise, sind es in der Hauptsache Frauen, die sich engagieren, obwohl Männer genauso betroffen sind, aber dieses Phänomen kann man auch bei anderen sozialen Engagements beobachten.

Der Film versprüht, trotz der schweren Thematik, einen ansteckenden Optimismus, was vor allem auch an der großartigen Hauptdarstellerin Eliane Umuhire liegt, die es versteht, mitzureißen und die Stimmung von der Leinwand in den Zuschauerraum überspringen zu lassen, ein positives Zeichen, das es in diesen Zeiten so notwendig braucht!

 

 Regie: Emily Atef

Drehbuch: Emily Atef, Jeannine Dominy, Hawa Essuman, Josune Hahnheiser

Kamera:Hélène Louvart

Schnitt: Anna Fabini

Musik: Atena Eshtiaghi

 Besetzung:

Eliane Umuhire, Denise Gough, Charlie Carrick, Laurent Lafitte, Michelle Tiren, Dominic West, Danny Sapani

 Ringel Films/ Global Screen/ Filmreederei

2026

105 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 15. Oktober 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=lVIVxjGW9ts (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=adjnOgL91KY (Englisch)

Dienstag, 6. Oktober 2026

Im Kino: Hope

Das abgelegene südkoreanische Städtchen Hope Harbor wird eines Tages von mysteriösen und zunehmend gewalttätigen Geschehnissen erschüttert. Polizist Bum-seok (Hwang Jung-min) und seine Kollegin Sung-ae (Hoyeon) nehmen sich der Sache an, aber wer auch immer das Chaos verursacht, lässt sich nicht so einfach stoppen und die Situation gerät völlig außer Kontrolle…

Was mit einer scheußlich zugerichteten Kuh auf dem Acker beginnt, entwickelt sich schnell zu einer wilden Jagd quer durch die Straßen einer Kleinstadt, die durch etwas Unbekanntes förmlich zerlegt wird. Wer dahintersteckt, bleibt für die Polizisten und eine Bürgerwehr zunächst ein Rätsel und dieses soll hier auch nicht verraten werden, nur so viel: es sind keine Gangster, aber auch kein Bär…

Der Film hält alle Beteiligten, einschließlich Publikum, durchgehend in Atem und immer wenn dem Ganzen zwischendurch einmal kurz die Puste auszugehen droht, nimmt die Geschichte wieder Fahrt auf, bis zum durchaus überraschend melancholischen Ende, das wahrscheinlich nicht einmal das Ende markiert, sondern eher den Weg in eine Fortsetzung ebnet.

Die Action-Szenen sind furios und wuchtig, man spürt förmlich die körperlichen Anstrengungen der Protagonisten, die von einem Schrecken zum nächsten hetzen und dabei immer mal wieder den Überblick verlieren. Dabei hat die Polizistin Sung-ae einige herausragende und witzige Momente, bei denen vor allem ihre Fahrkünste im Mittelpunkt stehen, niemand legt so perfekte U-Turns auf den Asphalt, wie sie!

Der Film ist trotz seiner Länge durchgehend spannend inszeniert, macht durch eingestreute humorige Elemente Spaß und lässt sich nur schwer in ein Genre quetschen, man sollte ihn nehmen, wie er ist, sich zurücklehnen und einen der ungewöhnlichsten Blockbuster des Jahres genießen – und vielleicht, wenn möglich, sogar in der koreanischen Originalfassung, weil zu den koreanischen Darstellern, wie ich finde, einfach keine deutschen Stimmen passen.

 

Regie: Na Hong-jin

Drehbuch: Na Hong-jin

Kamera: Hong Kyung-pyo

Schnitt: Lee Hwo-Kyoung

Musik: Michael Abels

 Besetzung:

Hwang Jung-min, Zo In-sung, Hoyeon, Eum Moon-suk, Michael Fassbender, Alicia Vikander, Taylor Russell, Cameron Britton

 Forged Films/ MUBI

2026

160 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 08. Oktober 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=e6XI6WlkLo0 (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=mYRc2Gl7geY (Koreanisch)

Mittwoch, 30. September 2026

Im Kino: Digger

Digger Rockwell (Tom Cruise), milliardenschwerer Öl-Magnat, bohrt in Grönland, bis es kein Morgen mehr gibt, das heißt, bis dort ein gigantisches Eisschelf abbricht und Richtung Europa treibt, wo es voraussichtlich eine riesige Katastrophe auslösen wird. Digger ist bestens vernetzt, die amerikanische Regierung unter ihrem Präsidenten (John Goodman) steht geschlossen hinter ihm, erwartet aber auch, dass er das Problem irgendwie in den Griff bekommt…

Regisseur Iñárritu ist nicht unbedingt für leise Kammerspiele bekannt, aber was er diesmal auffährt, ist eine laute, bombastische Groteske, die an allen Ecken quietscht und hakt. Angelegt als Satire, oder sollte man besser sagen, wie es im Film sogar selbst(kritisch) umschrieben wird: als Farce, in aufdringlicher Künstlichkeit, mit einer als Gesellschaftskritik getarnten, aber völlig aus den Fugen geratenen Botschaft.

Dabei gibt es nach dem ersten Drittel des Films noch einen scheinbar originellen Kniff, der hier natürlich nicht verraten werden soll, der alles kurzzeitig auf den Kopf stellt, aber während man noch darauf wartet, dass sich daraus eine interessante Wendung entwickelt, bremst es die Handlung gerade, wenn es einmal interessant zu werden scheint, aus voller Fahrt aus, vielleicht, um den Zuschauern Gelegenheit zum Durchschnaufen zu geben, führt aber eher dazu, das Ganze endgültig zu einem inhomogenen Pappmaché-Brei (sic!) zu verkleistern, nur dass daraus am Ende leider kein Kunstwerk mehr wird.

Die Akteure, mit Ausnahme von Riz Ahmed und Sandra Hüller, chargieren, und ja, es soll Satire sein, da darf man ruhig übertreiben, aber es gibt eine Schmerzgrenze, die sollte man auch dort nicht derart überstrapazieren. Der sonst gern gesehene John Goodman allein sorgt für viele schmerzhafte Momente und Tom Cruise schließlich, der hier einmal völlig gegen sein übliches Image anspielen darf, tut dies auch mit Verve. Aber wenn man einen Schauspieler mithilfe von Maske und Fatsuit so unkenntlich macht, damit ihn niemand auf den ersten Blick erkennt, ohne dass er eine bekannte Persönlichkeit oder zum Beispiel den Elefantenmenschen verkörpert, so stellt sich die Frage, weshalb dann nicht direkt einen dicklichen Schauspieler mit schütterem Haar engagieren, der sich bestimmt über eine solch tragende Rolle gefreut hätte. So bleibt der schale Beigeschmack, dass nach Leonardo DiCaprio in „The Revenant“ nun auch Tom Cruise mit Iñárritus Hilfe endlich zu seinem Oscar verholfen werden soll…   

Wer bei einem Film die leisen Töne liebt, wird an diesem Film keine Freude haben, Freunde des lauten Brachialspektakels könnten auf ihre Kosten kommen, aber der in Aussicht gestellte schwarze Humor zündet an keiner Stelle wirklich, auch wenn es bei der Pressevorführung durchaus den ein oder anderen Lacher gab.

 

 Regie: Alejandro G. Iñárritu

Drehbuch: Sabina Berman, Jez Butterworth, Alexnder Dinelaris, Nicolás Giacobone, Alejandro G. Iñárritu

Kamera: Emmanuel Lubezki

Schnitt: Stephen Mirrione, Conor O‘Neill

Musik: Cosmo Sheldrake

 Besetzung:

Tom Cruise, Riz Ahmed, John Goodman, Sandra Hüller, Michael Stuhlbarg, Jesse Plemons, Robert John Burke, Emma D’Arcy, Burn Gorman, Mercedes Hernández, Danny Kirrane, PipTorrens

 Warner Bros./ Warner Bros. Pictures Germany

2026

128 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 01. Oktober 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=qU-7KUMw-tk (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=qORTe1wW3Wg (Englisch)

 

Im Kino: Corpus Delicti

In einer nicht allzu fernen Zukunft leben die Menschen unter der Obhut der sogenannten „Methode“, die ihnen Gesundheit und Sicherheit verspricht. Als der Bruder der Wissenschaftlerin Mia Holl (Hannah Herzsprung), Moritz (Damian Hardung), des Mordes beschuldigt wird und die Beweise gegen ihn erdrückend scheinen, lehnt Mia sich auf, weil sie von seiner Unschuld überzeugt ist, damit stellt sie das ganze System in Frage, und das darf nicht sein…

Wenn von der Obhut der „Methode“ die Rede ist, geht es in Wirklichkeit natürlich um einen autoritären Staat, der unter diesem Deckmantel seine Bürger in jeder Lebenslage kontrolliert und bevormundet. Wie in solchen Regimen üblich darf die Autorität an keiner Stelle angezweifelt werden, sonst bricht früher oder später das ganze Regime zusammen, weshalb es keinen Platz für Individualisten oder gar Systemkritiker gibt.

Wie der Film dies allerdings umsetzt, ist leider nicht ganz überzeugend. Weder gibt es ein umfassendes Bild über die nur grob skizzierte Gesellschaft als solche, noch über die Repressalien im Einzelnen, denen die Menschen unterworfen sind, wie es die bedrückendste Dystopie von allen, nämlich der vielzitierte Roman „1984“ von George Orwell, in so eindrucksvoller Weise schafft.

Der Vergleich ist vielleicht etwas hochgegriffen, wenngleich diesem Film eine von Juli Zeh bereits 2009 verfasste literarische Vorlage zugrunde liegt, in der durchaus weitsichtig bereits die gerade so aktuelle Gefahr einer KI beschrieben wird, die sich den Menschen zum Untertanen macht und ein System errichten könnte, das sich Zugang zu allen Lebenslagen verschafft, zu welchen Zwecken auch immer.

Man könnte in der Vorlage natürlich auch einen Vorgriff auf die „Corona-Diktatur“ erkennen, von der sich ein Teil der aktuellen Bevölkerung geknechtet gesehen hat und teilweise wohl noch immer sieht, aber dafür gibt es leider auch zu wenige handfeste Bezüge.

Stattdessen steht am Ende schlicht und einfach ein juristisches Problem im Vordergrund, das jedes Rechtssystem an seine Grenzen bringen würde, ohne dass es dafür die Konstruktion eines autoritären Regimes wie der „Methode“ bedürfte, sowie das etwas stereotype Klischee eine Heldin, die als einzige aufsteht, um für Recht und Gerechtigkeit zu kämpfen.

Leider ist das Ganze ist allzu konventionell inszeniert, laviert zwischen Krimi und Zukunftsvision, wobei auch die Darstellerriege nicht vermag, den Film über ein Durchschnittsniveau zu heben, was schade ist, denn das Thema birgt durchaus Potential für etwas Spannendes.

   

Regie: Lena Stahl

Drehbuch: Lena Stahl, b/a Roman von Juli Zeh

Kamera: Philipp Haberlandt

Schnitt: Barbara Gies

Musik: Volker Bertelmann, Lennart Saathoff

 Besetzung:

Hannah Herzsprung, Damian Hardung, Alexander Fehling, Christian Friedel, Haley Louise Jones, Leopold Hornung, Imogen Kogge, Karolina Lodyga

 Wiedemann & Berg/ Leonine Distribution

2026

103 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 01. Oktober 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=8tF1gAnnuXE (Deutsch)

Im Kino: Shaun das Schaf - Spuk im Kürbisfeld (Shaun the Sheep: The Beast of Mossy Bottom)

Auf der Mossy Bottom Farm bereitet sich die Herde um Shaun mit ihren hingebungsvoll gezüchteten Kürbissen auf Halloween vor, da macht der tollpatschige Farmer alles zunichte und Shaun muss all seinen Scharfsinn – und auch ein paar eigentlich verbotene Experimente – aufbieten, um alles wieder in Ordnung zu bringen, während ein äußerst haariges Monster die Gegend unsicher macht…

Der dritte Langfilm aus den Aardman-Studios ist wieder ein wahres Vergnügen für alle, die Spaß haben an den so liebevoll ausgestatten Stop-Motion-Abenteuern rund um den etwas tumben Farmer, seinen treuen Hund Bitzer und natürlich das clevere Schaf Shaun und seine Freunde.

Gespickt mit Filmzitaten aller Art gibt es Anspielungen auf Horror-Klassiker von „Frankensteins Monster“ bis „Psycho“ (keine Angst: alles jugendfrei!), die den zuschauenden Kindern eher nichts sagen, dafür aber ihren sie begleitenden Eltern viel Freude bereiten werden, wobei nicht gesagt sein soll, dass man Kinder als Alibi braucht, um sich ins Kino zu begeben. Und erneut beweisen die Künstler dieser Serie, wie sehr sie ihre visuelles Geschichtenerzählen perfektioniert haben, ihre sprechenden Bilder sagen oft mehr aus, als so manches stundenlange Gequassel.

Das Ganze ist ein großartiger, kurzweiliger Spaß und stimmt auf niedliche Weise auf die anstehende Halloween-Saison ein, lasst das fröhliche Kürbisschnitzen beginnen!

  


 Regie: Steve Cox, Matthew Walker

Drehbuch: Mark Burton, Giles Pilbrow

Kamera: Charles Copping

Schnitt: Tom Doggart

Animation: Tim Allen u.v.a.

Musik: Natalie Holt

 Besetzung:

Justin Fletcher, John Sparkes, Nina Sosanya, Kate Harbour, Richard Webber, Emma Tate, Steve Cox

 Aardman Animations/ StudioCanal

2026

81 min.

FSK 0

Deutscher Kinostart: 01. Oktober 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=7xtJV9QVtfk (Deutscher Kommentar)

https://www.youtube.com/watch?v=kJ5ngcM-ENM (Englischer Kommentar)

Mittwoch, 23. September 2026

Im Kino: Primetime

Chris Hansen (Robert Pattinson) ist Mitte der 2000er Jahre mit einem Reality-Format im amerikanischen Fernsehen auf Sendung, bei dem Pädophile mit Lockvögeln geködert werden, um sie dann vor laufender Kamera spektakulär bloßzustellen. Weil er sich trotz immer weiter steigender Zuschauerquoten jedoch im Grunde nicht als seriöser TV-Mann ernstgenommen fühlt, treiben Hansen und sein Team ihre Hatz immer weiter, bis es eines Tages zur Katastrophe kommt…

Das oben beschriebene Konzept des Formats „To Catch A Predator“, war tatsächlich jahrelang in den USA erfolgreich, ein Kreuzzug gegen Kinderschänder, bei dem sich jeder Zuschauende automatisch moralisch auf der richtigen Seite fühlen durfte, ging es doch um die Überführung widerlicher Verbrecher. Dies ist allerdings grundsätzlich Aufgabe der Strafverfolgungsbehörden, alles andere reicht weit in den Bereich einer nicht zulässigen Selbstjustiz, und auch bei Polizei und Staatsanwaltschaft ist ein sogenannter Agent Provocateur, der, um Kriminelle besser überführen zu können, diese erst zu Straftaten anstiftet, hochumstritten.

Wenn nach der öffentlichen Demaskierung echte Polizisten, auch sie öffentlichwirksam, vor dem Fernsehstudio zugriffen, ändert das nichts an dem insgesamt fragwürdigen Geschäftsmodell, zumal es, wie der Film ziemlich plakativ deutlich macht, den Fernsehleuten, und hier allen voran dem Journalisten Hansen, in erster Linie um die immer höher werdenden Einschaltquoten ging, für die Menschen unfreiwillig an einen öffentlichen Pranger gestellt wurden. Aber auch die Lockvögel, meistens ambitionierte junge Schauspieler, wurden skrupellos eingesetzt, man kann schon fast sagen: missbraucht, während einige der im Hintergrund agierenden Onlinelockvögel sich durchaus selber an den schlüpfrigen Ergüssen, die sie für ihre Opfer fabrizierten, zu delektieren schienen. Natürlich ist auch der moralisch so überlegen agierende Hansen selbst nicht ohne Fehl und Tadel, und das, was er und seine Mitstreiter am Ende verursachen, überrascht dann nicht wirklich.

So ehrenwert das Anliegen des Films ist, dies alles sowie die fatale Eigendynamik des Fernsehformats an den Pranger zu stellen (sic!) und dabei auf die darstellerische Stärke von Robert Pattinson zu setzen, der mittlerweile auf schmierige Rollen abonniert zu sein scheint, so liegt seine Schwäche darin, dass er obwohl durchaus als Spielfilm angelegt, wie ein Pseudo-Dokumentarfilm daherkommt. Scheinbar improvisiert in die Kamera gesprochenen Monologe oder verrutschte, teilweise unscharfe Kameraeinstellungen machen das Zuschauen anstrengend und wenn am Ende die Fernsehmacher ebenso vorgeführt werden, wie vorher ihre Opfer, hinterlässt dies einen recht schalen Beigeschmack.  

Wieder einmal bestätigt sich, dass gut gemeint nicht immer gut gemacht ist, das Thema hätte auf jeden Fall eine ansprechendere Umsetzung verdient gehabt.

 

  Regie: Lance Oppenheim

Drehbuch: Ajon Singh, b/a auf einem Artikel von Luke Dittrich

Kamera: David Bolen

Schnitt: Daniel Garber

Musik: Ari Balouzian

 Besetzung:

Robert Pattinson, Merritt Wever, Skyler Gisondo, Mathew Maher, Phoebe Bridgers, Bokeem Woodbine, Jonathan Lipnicki, Jeff Zucker

 A24/ Leonine Distribution

2026

110 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 24. September 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=iaO2VzUthKc (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=5fHXyqQOKL8 (Englisch)