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Mittwoch, 11. Februar 2026

Im Kino: "Wuthering Heights" - Sturmhöhe

Die junge Cathy (Margot Robbie) lebt alleine mit ihrem Vater (Martin Clunes) und ein paar Bediensteten auf dem Anwesen „Sturmhöhe“ (Wuthering Heights). Eines Tages nimmt der Vater den Waisenjungen Heathcliff (Jacob Elordi) zu sich und beide Kinder verbindet von nun an eine innige Freundschaft. Zur jungen Frau herangewachsen nimmt Cathy jedoch, nachdem ihr Vater Haus und Hof durch seine Spielsucht immer weiter zugrunde richtet und unter der intriganten Mithilfe von Nelly (Hong Chau), Cathys Gesellschafterin, den Heiratsantrag des neuen Nachbarn Edgar (Shazad Latif) an, der ihr eine sorglosere Zukunft verspricht, als die in ihren Augen nicht standesgemäße Verbindung mit Heathcliff, worauf dieser Wuthering Heights enttäuscht verlässt, um Jahre später, zu Wohlstand gekommen, auf Rache sinnend zurückzukehren.

Als Klassiker des englischen Gesellschaftsromans wurde „Wuthering Heights“, von der britischen Autorin Emily Brontë 1847 verfasst, bis heute bereits etliche Male für Kino und TV verfilmt. Nun also eine aktuelle Version, die sich von allzu großer Werktreue aber bereits durch den in Anführungszeichen gesetzten Titel distanziert. So fehlen denn auch sämtliche Nebenfiguren in Gestalt von Geschwistern und Kindern der Hauptcharaktere, übrig bleiben Vater Earnshaw, die Nachbarn Edgar und Isabella sowie eben jene Gesellschafterin/Haushälterin Nelly und natürlich als Zentrum des Ganzen: das Liebespaar Cathy und Heathcliff in seiner toxischen Beziehung, hin und hergerissen zwischen Leid und Leidenschaft.

So weit, so gut. Man kann sich natürlich die Frage stellen, wieso nicht gleich eine eigene Geschichte erzählt wird, wenn von der Vorlage alles eliminiert wurde, was den Roman eben auch ausmacht, einfach von einer Amour Fou erzählt, mit allen Höhen und Tiefen, angesiedelt im viktorianischen England, warum nicht. Aber dann hätte man natürlich nicht die Aufmerksamkeit, die der so bekannte und hinlänglich eingeführte Titel Wuthering Heights automatisch generiert, ein Kalkül das wahrscheinlich aufgehen wird.

So nun also „Wuthering Heights“: ein Schwelgen in durchaus beeindruckenden Bildern, untermalt von einem teilweise betörenden Soundtrack mit Songs der britischen Sängerin Charli xcx, wobei alles so opulent und bombastisch daherkommt, dass es irgendwann einfach zu viel wird, die geballten optischen und akustischen Effekte verlieren irgendwann ihren Reiz, weniger wäre hier eindeutig mehr gewesen. Waren einige Kameraeinstellungen zu Anfang noch originell, der Blick zum Teil wie durch ein Schlüsselloch auf einen Bildausschnitt, oder die Gegenüberstellung des mehr und mehr verrottenden Wuthering Heights mit Edgars raffiniert und prunkvoll ausgestattetem Anwesen, so langeweilt dies irgendwann doch ein wenig.

Das eigentliche Herzstück des Ganzen, die leidenschaftliche – der Begriff enthält nicht umsonst das Wort Leiden in sich – Liebe zwischen Cathy und Heathcliff wird in all ihren Elementen rauf und runter dekliniert, trotz – oder gerade wegen – der angeblich so lustfeindlichen Ära gibt immer wieder sexuelle Anspielungen, die für die heißen Gefühle der Protagonisten stehen, ohne dabei allzu explizit zu werden. So ist von Margot Robbie weniger zu sehen, als in manchen ihrer bisherigen Filme, wenn überhaupt konzentriert sich die Körperlichkeit eher auf den gut aus- und anzusehenden Jacob Elordi, der mit leicht heiserer Stimme seine Liebesschwüre hauchen darf und später dann sein diabolisches Spiel mit der armen Cathy treibt, die sich die ganze Misere allerdings selbst zuzuschreiben hat.

Wer also Lust verspürt auf ein Liebesdrama mit zwei gutaussehenden Akteuren und sich an dem beschriebenen Etikettenschwindel nicht stört, hat lange 136 Minuten Zeit, sich von einem teilweise bombastischen Kinoerlebnis unterhalten zu lassen, denn bei allen Kritikpunkten, der Film gehört auf jeden Fall in einen Kinosaal und auf die große Leinwand.  

 

 


 Regie: Emerald Fennell

Drehbuch: Emerald Fennell, b/a Roman von Emily Brontë

Kamera: Linus Sandgren

Schnitt: Victoria Boydell

Musik: Anthony Willis

Original-Songs: Charli xcx

 Besetzung:

Margot Robbie, Jacob Elordi, Hong Chau, Alison Oliver, Shazad Latif, Martin Clunes, Ewan Mitchell, Amy Morgan

 Warner Bros. Pictures Germany

2026

136 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 12. Januar 2026

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=aNqfGM3KszI (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=3fLCdIYShEQ (Englisch)

 

Im Kino: Die Ältern

Hannes (Sebastian Bezzel), verheiratet mit Sara (Anna Schudt), hat zwei fast erwachsene Kinder, ist Bestsellerautor und lebt in einem schicken Haus in Hamburg. Eines Tages entdeckt er, dass nicht alle mit seinem Leben so zufrieden zu sein scheinen, wie er selbst: Die Tochter will in eine eigene Wohnung ziehen und seine Frau zieht mit ihr, dann fordert auch noch sein Verleger einen frischen Ansatz für sein nächstes Buch. Hannes ist völlig überfordert, aber vielleicht kann ihm seine neue Bekanntschaft Vanessa (Judith Bohle) wieder auf die Sprünge helfen…

Sönke Wortmann setzt ein Buch von Jan Weiler in Szene, was könnte da schon schief gehen? Tatsächlich einiges, denn „Die Ältern“ ist genauso wie das Leben von Hannes: tut keinem weh, ist vorhersehbar und unoriginell, klammert sich an jede vermeintliche Pointe wie ein Schiffbrüchiger an eine Planke [sic], um in der Bildsprache des Films zu bleiben.

Die Figuren entsprechen den Stereotypen ihrer jeweiligen Generation, die Eltern sind eben schon älter und kriegen nicht mehr alles mit, was ihre Kinder umtreibt, welche die üblichen Teenager-Probleme haben, wenn der Sohn durchs Abi zu rasseln droht und die Tochter flügge wird. Hier bläst einzig deren neuer Freund ein bisschen frischen Wind in die Segel, er wird charakterisiert als „dumm wie Gold, aber ein Herz aus Brot“, was seine intellektuellen Fähigkeiten, speziell im Umgang mit Sprichwörtern, beschreibt.

Ansonsten viele harmlose Klischees, Sebastian Bezzel ist verschlurft, aber liebenswert, Anna Schudt hat nach ihrer Ankündigung, dass sie das eheliche Domizil verlassen wird, nicht mehr viel zu tun, sie verlässt sozusagen auch den Film, wenn es auch kaum glaubhaft wirkt, dass eine Zwanzigjährige auf dem Weg in ein eigenes spannendes Leben ausgerechnet mit ihrer Mutter zusammenzieht. Die neue Bekannschaft Vanessa hat ein paar nette Momente, aber mehr auch nicht, wenn wenigstens die Dialoge ein bisschen origineller wären, irgendwie witzig-spritzig, wie man es bei einer Komödie erwarten dürfte, aber dafür gibt das Drehbuch leider nicht genug her.

Alles plätschert so harmlos daher, wie eine sterbende Welle am Strand, wer sich gepflegt zurücklehnen und 100 Minuten mal an nichts Schlimmes denken möchte, der ist hier genau richtig.

 

 

    
Regie: Sönke Wortmann

Drehbuch: Robert Gold, Jan Weiler, b/a Roman von Jan Weiler

Kamera: Andreas Berger

Schnitt: Martin Wolf

Musik: Helmut Zerlett

 Besetzung:

Sebastian Bezzel, Anna Schudt, Judith Bohle, Philip Müller, Kya-Celina Barucki, Thomas Loibl, Nilam Farooq

 Constantin Film

2026

104 min.

FSK 6

Deutscher Kinostart: 12. Januar 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=_53Lz72ZPAM

 

Donnerstag, 29. Januar 2026

Im Kino: Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Joachim (Bruno Alexander) beginnt eine Schauspielausbildung an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule in München, an der seine Großmutter (Senta Berger), in jungen Jahren ebenfalls Schauspielerin, einst lehrte. Während dieser Zeit wohnt Joachim bei ihr und dem Großvater (Michael Wittenborn) in deren nobler Villa, dabei nimmt er auch an ihren täglichen skurrilen Ritualen teil, bei denen diverse Alkoholika eine Rolle spielen, während er sich tapfer durch das erste Jahr seines Studiums kämpft, bei dem er immer wieder mit den nicht minder skurrilen Anmutungen des eigenwilligen Lehrkörpers und dessen ebenso eigenwilligen Ausbildungsinhalten konfrontiert wird…

Der (an der Falckenberg-Schule ausgebildete) Schauspieler und Autor Joachim Meyerhoff hat seine Leserschaft bereits in mehreren Werken an seinem Leben und dem seiner Familie teilhaben lassen, so in dem zuletzt mit Devid Striesow und Laura Tonke verfilmten Band „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“, das seine Kindheit in einer von seinem Vater geleiteten psychiatrischen Klinik schildert. Hier nun macht der junge Joachim sich mit 20 Jahren auf, um einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen, in dem er weit weg von seiner Heimat in Schleswig-Holstein das Handwerk des Schauspielens erlernen möchte.

Der Film schafft es dabei meisterlich, die beiden Seiten des neuen Lebens zwischen großelterlicher Fürsorge nebst eingestreuten Bildern aus der Kindheit bei eben diesen Großeltern, mit der immer wieder schrill anmutenden Theater- und Schauspielwelt zu verbinden, die den jungen Zögling durchaus gewollt immer wieder an seine Grenzen bringt. Ebenso meisterlich gelingt es Regisseur Verhoeven, wie auch die Buchvorlage, diese beiden Welten jeweils liebevoll zu karikieren, ohne sie auch nur einen Moment ins Lächerliche zu ziehen.

Joachims Kampf mit den Anforderungen seiner Ausbilder und Ausbilderinnen ist in erster Linie ein Kampf mit sich selbst, der Kampf eines jungen Menschen auf der Suche nach sich und seinem Platz im Leben. Wir erleben ihn schreiend, weinend, lachend, rebellierend und immer wieder an sich selbst zweifelnd, und alle diese Emotionen verkörpert der einstige Kinderdarsteller („Die Pfefferkörner“) Bruno Alexander, der sich zuletzt noch bei der Proll-Serie „Die Discounter“ ausprobieren durfte, in absolut beeindruckender Weise, man möchte ausrufen: A star is born!  

Der Film, dessen sperriger Titel aus Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ entlehnt ist, der mit kritischem Blick die Diskrepanz beschreibt zwischen dem, was man anstrebt und dem, was man unter Umständen erreicht, ist der seltene Fall einer absolut überzeugenden Buchadaption, die Kern und Seele der Vorlage übernimmt, dabei über seine Bildsprache eine eigene Seele entwickelt.

Außerdem, ebenso selten in der deutschen Kinolandschaft, ist es eine Komödie, die ohne je ins Alberne abzugleiten diese Bezeichnung wirklich verdient und dabei, wie es sich für eine gelungene Komödie gehört, die Tragik nicht vernachlässigt, denn Lachen und Weinen gehören nun einmal zum Leben dazu, bis hierher also schon einmal der beste Film des Jahres!

 

 

 Regie: Simon Verhoeven

Drehbuch: Lars Hubrich, Simon Verhoeven, b/a dem

Roman von Joachim Meyerhoff

Kamera: Jo Heim

Schnitt: Denis Bachter, Felix Schmerbeck

Musik: Segun Akinola

 Besetzung:

Bruno Alexander, Senta Berger, Michael Wittenborn, Karoline Herfurth, Devid Striesow, Laura Tonke, Victoria Trautmannsdorff, Anne Ratte-Polle, Tom Schilling, Katharina Stark, Friedrich von Thun sowie Nikolaus Paryla

 Warner Bros. Germany

2026

137 min.

FSK 6

Deutscher Kinostart: 29. Januar 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=lHjdCsrCDnM

 

Im Kino: Send Help

Die Bürokraft Linda Liddle (Rachel McAdams) hat in ihrer Abteilung die Zahlen für die Chefetage jederzeit im Griff, im Umgang mit anderen Menschen ist sie aber eher unbeholfen, ein Hindernis auf ihrem erhofften Karrieresprung. Auch über ihren größten Wunsch, bei einem Survival-Format mitzumachen, wird hinter ihrem Rücken gelacht, aber dann landet sie nach einem Flugzeugabsturz auf dem Weg nach Thailand ausgerechnet mit dem Juniorchef Bradley Preston (Dylan O’Brian) als einzige Überlebende auf einer kleinen Insel, und beim Kampf ums Überleben zeigt Linda, was diesbezüglich in ihr steckt…

Ein Schiffbruch auf einer einsamen Insel fördert bei dem oder den Überlebenden deren eigentlichen Charakter zutage und hilft außerdem dabei, Machtstrukturen in Frage zu stellen und gegebenenfalls umzukehren. Dies war zuletzt schon bei Werken wie „Eden“ oder „Triangle of Sadness“ zu beobachten, hieran knüpft auch dieser Film an.  

Hier wie da sind manche der Charaktere bereits zu Anfang nicht sonderlich sympathisch, so ist Lindas Chef im Kreis seiner Jungs-Clique ein ziemliches Arschloch, und wer nun angesichts seiner existentiell lebensbedrohlichen Situation auf seine Wandlung wartet, wird enttäuscht, wirklich liebenswerte Züge hat er einfach nicht, wenn ihm auch in einer speziellen Szene das Mitgefühl zumindest der männlichen Zuschauer sicher sein wird, er bleibt, was er immer war.

Schwieriger ist die Sache bei Linda Liddle, die sich wegen ihrer Unbeholfenheit zu Anfang bei der unfairen Behandlung in ihrem Job sich durchaus Sympathien erarbeitet, was jedoch immer wieder durch Fremdscham-Elemente relativiert wird. Dann erlebt man sie als zupackende und clevere Überlebensmanagerin, als Kümmerin und Versorgerin, bis sich mehr und mehr jedoch auch gewisse sadistische Momente einschleichen, bis sie etwas absolut Unverzeihliches tut – und damit meine ich nicht die gewisse Szene…

Dies alles wird, eingebettet in die faszinierende Szenerie einer Tropenkulisse zwischen Meer, Sand und Palmen, mit drastischem schwarzen, teilweise richtig fiesem Humor und eingestreuten Sam-Raimi-Jump-Scare-Horror-Momenten zelebriert, und während man mit den beiden Protagonisten, großartig verkörpert von Rachel McAdams und Dylan O’Brian, mitleidet und sich dabei immer wieder auch durchaus köstlich amüsiert, wird zweierlei immer klarer: mit keinem der beiden möchte man auch nur einen Tag auf einer einsamen Insel verbringen, aber vielleicht sollte man sich einige der Überlebenstipps aneignen, die einem während des Abspanns in anschaulichen Zeichnungen präsentiert werden.

 

  Regie: Sam Raimi

Drehbuch: Damian Shannon, Mark Swift

Kamera: Bill Pope

Schnitt: Bob Murawski

Musik: Danny Elfman

 Besetzung:

Rachel McAdams, Dylan O’Brian, Brad Flett, Edyll Ismail, Chris Pang, Xavier Samuel

  

20th Century Fox/ Walt Disney Studios

2026

113 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 29. Januar 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=R4wiXj9NmEE (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=NwR6J0W4XN0 (Englisch)

 

Mittwoch, 28. Januar 2026

Heimkino: 22 Bahnen

Tilda (Luna Wedler) studiert Mathematik und jobbt an der Supermarktkasse, vor allem aber kümmert sie sich um ihre kleine Schwester Ida (Zoë Baier), denn ihrer beider Mutter (Laura Tonke) hat immer wieder alkoholbedingte Ausfälle und bekommt ihr Leben nicht in den Griff. Als Tilda ein verlockendes Promotionsangebot erhält, für das sie jedoch nach Berlin umsiedeln müsste und außerdem noch Viktor (Jannis Niewöhner) auftaucht, mit dem sie einen traurigen Schicksalsschlag teilt, muss Tilda eine schwerwiegende Entscheidung treffen, während sie regelmäßig ihre 22 Bahnen im Schwimmbad zieht…

Der dem Film zugrundeliegende gleichnamige Roman der Jungautorin Caroline Wahl war auf Anhieb ein großer Erfolg, was zwangsläufig zu einer baldigen Verfilmung führen musste. Wer das Buch kennt, wird allerdings im Film nichts grundlegend Neues finden, und wer den Film schaut, braucht das Buch nicht mehr zu lesen, was nicht heißen soll, dass beides schlecht wäre. Hier soll es aber um den Film gehen, der das Leben in einer Co-Abhängigkeit zeigt, immer am Rand des Untergangs und auf den Schultern einer jungen Frau, die mit ihren verschiedenen Rollen völlig überfordert ist, von Luna Wedler in lakonischer Sachlichkeit interpretiert.

Die stärksten Szenen gehören allerdings der Mutter, von Laura Tonke grandios verkörpert, die in ihrem Scheitern immer wieder Momente vergeblich angestrebter Stärke und hoffnungsloser Zerbrechlichkeit zeigt, die ihre Kinder permanent im Stich lässt und dabei selbst vom Leben im Stich gelassen zurückbleibt.

 

Die doppelbödige Liebesgeschichte mit dem eher blass bleibenden Viktor und Tildas seltene Ausbrüche in ein normales Leben mit Gleichaltrigen, Partys und eigenen Drogenerfahrungen bleiben zu schwach, um daraus einen echten Kontrapunkt zum trüben Alltag zu bilden, und auch die Schwimmbadszenen werden ihrer Bedeutung für die Geschichte nicht immer gerecht.

 

Dass der Film es bewusst vermeidet, zu sehr als Sozialdrama daher zu kommen ist Stärke und Schwäche zugleich, wer sich von Ersterem eher abgeschreckt fühlen würde, wird dennoch eine Leichtigkeit vermissen, die dem Thema die Schwere nehmen könnte und ein befreiendes Lachen, was zu einem richtigen Drama immer unbedingt dazu gehört. 

 

 

Regie: Mia Maariel Meyer

Drehbuch: Elena Hell, b/a Roman von Caroline Wahl

Kamera: Emil Härdtlein

Schnitt: Jamin Benazzouz

Musik: Dascha Dauenhauer

 

Besetzung:

Luna Wedler, LauraTonke, Sabrina Schieder, Zoë Baier, Jannis Niewöhner

 

 Constantin Film

LEONINE Home Entertainment

102 min.

FSK 12

 © LEONINE Studios

 

Heimkinostart: 23. Januar 2026

  

 Trailer:  https://www.youtube.com/watch?v=vkj0AFB9WXM  (Deutsch)

Montag, 19. Januar 2026

Im Kino: Hamnet

Um das Jahr 1580 arbeitet William, der Sohn des örtlichen Handschuhmachers (Paul Mesacal) im ländlichen Stratford-opon-Avon als Lateinlehrer, als er sich in die Heilerin Agnes (Jessie Buckley) verliebt. Man heiratet, bekommt drei Kinder, Susanna (Bodhi Rae Breathnach) sowie die Zwillinge Judith (Olivia Lynes) und Hamnet (Jacobi Jupe). William, der mit seinem Lehrerdasein hadert, geht bald nach London, um dort als Stückeschreiber und Schauspieler seiner eigentlichen Leidenschaft zu folgen, dabei lässt er seine Familie zur Enttäuschung von Agnes immer wieder für längere Zeit alleine. Als der kleine Hamnet stirbt, führt der Schmerz über diesen Verlust zur Schaffung eines der bekanntesten Werke des Autors William, der später zu Weltruhm gelangte…

Auch wenn es um das Leben eines der größten Dichter namens William Shakespeare viele Geheimnisse gibt, so ist die Existenz des kleinen Sohnes Hamnet verbürgt. Der Film entwickelt daraus eine bewegende Geschichte in grandiosen Bildern, die teilweise wie lebendig gewordene alte Gemälde wirken und einen unwiderstehlichen Sog entwickeln, dem man sich kaum entziehen kann, untermalt von einem betörenden Soundtrack. Jessie Buckley spielt sich dabei die Seele aus dem Leib in ihrem Porträt einer Frau, die alle Schläge des Schicksals mit wilder, fast schon animalisch anmutender Power meistert, während Paul Mescal das macht, wofür er gerne immer wieder gepriesen wird, er leidet still vor sich hin.

Ob der Tod des Kindes tatsächlich zur Entstehung eines der bekanntesten Theaterdramen führte, ist dabei nicht wirklich relevant, der Film erhebt weder den Anspruch eine Shakespeare-Dokumentation zu sein, noch gibt es genügend belegte Anhaltspunkte, wie es wirklich war. Warum also nicht an diese Version glauben, die mit dem wahrlich herzzerreißenden Schicksal ihrer Protagonisten spielt und ihnen in der finalen Theateraufführung, der die von Schmerz und Gram gebeutelten Agnes beiwohnt, einen Akt der Erlösung beschert, dessen kraftvolle Bilder noch lange nachwirken.

 

  Regie: Chloé Zhao

Drehbuch: Chloé Zhao, Maggie O’Farrell, b/a auf dem Roman

„Hamnet“ von Maggie O’Farrell

Kamera: Lukasz Zal

Schnitt: Affonso Gonçalves, Chloé Zao

Musik: Max Richter

 

Besetzung:

Jessie Buckley, Paul Mescal, Joe Alwyn, Jacobi Jupe, Olivia Lynes, Bodhi Rae Breathnach, Emily Watson, Noah Jupe

 

Focus Features/ Sony Pictures/ Universal Pictures Germany

2025

125 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 22. Januar 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=zdCkQR2gTzo (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=xYcgQMxQwmk (Englisch)

 

Donnerstag, 15. Januar 2026

Im Kino: 28 Years Later: The Bone Temple

Die Welt nach Freisetzung des fatalen Zombie-Virus bleibt dystopisch, während sich der Junge Spike durch seine Bekanntschaft mit Jimmy Crystal (Jack O'Connell), einem Satansjünger und seiner mordenden Truppe in eine für ihn noch hoffnungslosere Lage gebracht hat, scheint jedoch durch Dr. Kelson (Ralph Fiennes) ein Hoffnungsschimmer am Horizont aufzutauchen…

Der Film entwirft das Bild einer grausamen Welt nach einer Virus-Katastrophe, aber während die Infizierten nicht anders können, als zu töten, leben andere wie der abgedrehte Jimmy Crystal und seine Anhänger ihre niedersten Instinkte aus, indem sie mordend, folternd und brandschatzend durchs Land ziehen.

Das ist nicht schön anzusehen und erfordert stellenweise sehr starke Nerven, wer diese besitzt, läuft Gefahr, der morbiden Faszination, die der Film trotz allem ausstrahlt, zu erliegen und wenngleich stellenweise angewidert, dem Schicksal der Protagonisten zu folgen.  

Neben handwerklich ausgezeichnet gefertigten Body-Horror-Elementen und einem großartigen Soundtrack liefern auch die Protagonisten eine sehenswerte Leistung, allen voran Ralph Fiennes als pragmatisch-grüblerischer Doktor und Jack O’Connell als Over-the-Top-Psychopath, die ein paar schrecklich-schöne und durchaus komische Szenen miteinander haben. Aber am beeindruckendsten ist sicherlich, wenn es Chi Lewis-Parry gelingt, die tief in seiner Bestie Samson schlummernden menschlichen Regungen zu wecken, die ihn am Ende von einer Bestie wie Jimmy Crystal abheben.

 

 

 Regie: Nia DaCosta

Drehbuch: Alex Garland

Kamera: Sean Bobbitt

Schnitt: Jake Roberts

Musik: Hildur Guðnadóttir

 Besetzung:

Ralph Fiennes, Jack O‘Connell, Alfie Williams, , Connor Newall, Erin Kellyman, Maura Bird, Emma Laird,

 

Sony Pictures

2026 

 109 min.

FSK 18

Deutscher Kinostart: 25. Januar 2026

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=NoWO1w3cviA (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=EOwTdTZA8D8 (Englisch)