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Mittwoch, 11. Februar 2026

Im Kino: "Wuthering Heights" - Sturmhöhe

Die junge Cathy (Margot Robbie) lebt alleine mit ihrem Vater (Martin Clunes) und ein paar Bediensteten auf dem Anwesen „Sturmhöhe“ (Wuthering Heights). Eines Tages nimmt der Vater den Waisenjungen Heathcliff (Jacob Elordi) zu sich und beide Kinder verbindet von nun an eine innige Freundschaft. Zur jungen Frau herangewachsen nimmt Cathy jedoch, nachdem ihr Vater Haus und Hof durch seine Spielsucht immer weiter zugrunde richtet und unter der intriganten Mithilfe von Nelly (Hong Chau), Cathys Gesellschafterin, den Heiratsantrag des neuen Nachbarn Edgar (Shazad Latif) an, der ihr eine sorglosere Zukunft verspricht, als die in ihren Augen nicht standesgemäße Verbindung mit Heathcliff, worauf dieser Wuthering Heights enttäuscht verlässt, um Jahre später, zu Wohlstand gekommen, auf Rache sinnend zurückzukehren.

Als Klassiker des englischen Gesellschaftsromans wurde „Wuthering Heights“, von der britischen Autorin Emily Brontë 1847 verfasst, bis heute bereits etliche Male für Kino und TV verfilmt. Nun also eine aktuelle Version, die sich von allzu großer Werktreue aber bereits durch den in Anführungszeichen gesetzten Titel distanziert. So fehlen denn auch sämtliche Nebenfiguren in Gestalt von Geschwistern und Kindern der Hauptcharaktere, übrig bleiben Vater Earnshaw, die Nachbarn Edgar und Isabella sowie eben jene Gesellschafterin/Haushälterin Nelly und natürlich als Zentrum des Ganzen: das Liebespaar Cathy und Heathcliff in seiner toxischen Beziehung, hin und hergerissen zwischen Leid und Leidenschaft.

So weit, so gut. Man kann sich natürlich die Frage stellen, wieso nicht gleich eine eigene Geschichte erzählt wird, wenn von der Vorlage alles eliminiert wurde, was den Roman eben auch ausmacht, einfach von einer Amour Fou erzählt, mit allen Höhen und Tiefen, angesiedelt im viktorianischen England, warum nicht. Aber dann hätte man natürlich nicht die Aufmerksamkeit, die der so bekannte und hinlänglich eingeführte Titel Wuthering Heights automatisch generiert, ein Kalkül das wahrscheinlich aufgehen wird.

So nun also „Wuthering Heights“: ein Schwelgen in durchaus beeindruckenden Bildern, untermalt von einem teilweise betörenden Soundtrack mit Songs der britischen Sängerin Charli xcx, wobei alles so opulent und bombastisch daherkommt, dass es irgendwann einfach zu viel wird, die geballten optischen und akustischen Effekte verlieren irgendwann ihren Reiz, weniger wäre hier eindeutig mehr gewesen. Waren einige Kameraeinstellungen zu Anfang noch originell, der Blick zum Teil wie durch ein Schlüsselloch auf einen Bildausschnitt, oder die Gegenüberstellung des mehr und mehr verrottenden Wuthering Heights mit Edgars raffiniert und prunkvoll ausgestattetem Anwesen, so langeweilt dies irgendwann doch ein wenig.

Das eigentliche Herzstück des Ganzen, die leidenschaftliche – der Begriff enthält nicht umsonst das Wort Leiden in sich – Liebe zwischen Cathy und Heathcliff wird in all ihren Elementen rauf und runter dekliniert, trotz – oder gerade wegen – der angeblich so lustfeindlichen Ära gibt immer wieder sexuelle Anspielungen, die für die heißen Gefühle der Protagonisten stehen, ohne dabei allzu explizit zu werden. So ist von Margot Robbie weniger zu sehen, als in manchen ihrer bisherigen Filme, wenn überhaupt konzentriert sich die Körperlichkeit eher auf den gut aus- und anzusehenden Jacob Elordi, der mit leicht heiserer Stimme seine Liebesschwüre hauchen darf und später dann sein diabolisches Spiel mit der armen Cathy treibt, die sich die ganze Misere allerdings selbst zuzuschreiben hat.

Wer also Lust verspürt auf ein Liebesdrama mit zwei gutaussehenden Akteuren und sich an dem beschriebenen Etikettenschwindel nicht stört, hat lange 136 Minuten Zeit, sich von einem teilweise bombastischen Kinoerlebnis unterhalten zu lassen, denn bei allen Kritikpunkten, der Film gehört auf jeden Fall in einen Kinosaal und auf die große Leinwand.  

 

 


 Regie: Emerald Fennell

Drehbuch: Emerald Fennell, b/a Roman von Emily Brontë

Kamera: Linus Sandgren

Schnitt: Victoria Boydell

Musik: Anthony Willis

Original-Songs: Charli xcx

 Besetzung:

Margot Robbie, Jacob Elordi, Hong Chau, Alison Oliver, Shazad Latif, Martin Clunes, Ewan Mitchell, Amy Morgan

 Warner Bros. Pictures Germany

2026

136 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 12. Januar 2026

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=aNqfGM3KszI (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=3fLCdIYShEQ (Englisch)

 

Mittwoch, 1. Oktober 2025

Im Kino: A Big Bold Beautiful Journey

David (Colin Farrell) und Sarah (Margot Robbie) treffen sich zufällig bei einer Hochzeit – aber ist es wirklich Zufall? Ein geheimnisvolles Navigationssystem in ihren Mietwagen schickt die beiden auf eine Reise in die jeweils eigene Vergangenheit, dabei erhalten sie neue Erkenntnisse über sich selbst, ihr Leben und – wer weiß? – auch ihre Zukunft.

Der Film ist eine Komödie in teilweise zuckerbunten Bildern, in der sich fantastische und surreale Elemente mit romantischen Momenten mischen, untermalt von entsprechender musikalischer Begleitung, spricht also Gefühle und Sinne an. Erzählt wird die Geschichte zweier Menschen, die sich bisher nicht auf eine feste Bindung einlassen konnten, dafür scheinbar jeweils eine rationale Erklärung parat haben, ohne sich bewusst zu sein, wo die wahren Ursachen ihrer Bindungsängste liegen könnten.

 

Während der Reise, auf die sie nun geschickt werden, sind sie noch einmal mit bestimmten Situationen ihrer Vergangenheit konfrontiert, wobei es jedoch nicht darum geht, diese Momente rückwirkend zu verändern, sondern sich ihnen noch einmal zu stellen, um diesmal die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen, was einen interessanten Selbsttherapie-Ansatz bietet.

 

Insofern ist der Film sogar etwas mehr als eine schlichte RomCom, auch wenn deren tieferer Sinn manchmal in einigen allzu kitschigen Zuckerwattemomenten zu versinken droht, dafür machen Colin Farrell und Margot Robbie eine gute Figur und auch die Nebenrollen sind mit Phoebe Waller-Bridge und Kevin Klein bestens besetzt.

 

 

  

Regie: Kogonada

Drehbuch: Seth Reise

Kamera: Benjamin Loeb

Schnitt: Jonathan Alberts, Susan E. Kim

Musik: Joe Hisaishi

 

Besetzung:

Colin Farrell, Margot Robbie, Phoebe Waller-Bridge, Kevin Kline

 

 

Columbia Pictures/ Sony Pictures

2025

109 min.

FSK 6

Deutscher Kinostart: 02. Oktober 2025

 

 

Trailer:  https://www.youtube.com/watch?v=ENWHUCB_Gl4&list=PLV8SYu5H_eOLifafibBRH1256OI-4cRYY&index=1   (Deutsch)

 https://www.youtube.com/watch?v=xdKP22EaAuU  (Englisch)

 

Mittwoch, 19. Juli 2023

Im Kino: Barbie

In Barbie-Land ist jeder Tag ein perfekter Tag. Barbie (Margot Robbie) und ihre (inzwischen durchaus wörtlich zu nehmen) diversen Schwestern sehen in jeder Hinsicht perfekt aus, leben sorglos in ihren quietschbunten Barbie-Häusern, feiern jeden Abend zusammen und erfreuen sich an den ebenso perfekt aussehenden Kens, die allerdings nichts zu sagen haben und als reine Staffage dienen. Aber plötzlich bekommt die heile Welt Risse, Barbie wird heimgesucht von Gedanken an Tod und Cellulite und muss in die Echte Welt da draußen, um herauszufinden, was das Problem ist. Der sie begleitende Ken (Ryan Gosling), hat dort allerdings ein Erweckungserlebnis, das nach ihrer Rückkehr ins Barbie-Land alles aus den Fugen geraten lässt...

Wer sich nach dieser Inhaltsangabe irritiert fragt, wo zum Teufel man hier eigentlich gelandet ist, ist am Ende der fast zwei Stunden leider nicht viel schlauer. Beginnt der Film noch vielversprechend mit einer grandiosen Eins-zu-Eins-Adaption der Eingangssequenz des Klassikers „2001-Odyssee im Weltraum“, bei der das Herz des Kinoliebhabers erwartungsfroh und aufgeregt zu schlagen beginnt, entwickelt er sich danach zu einem unspezifischen Gemischtwarenladen. Gesellschaftssatire, Emanzipationsgeschichte, kritische Auseinandersetzung mit einem seit Generationen trotz aller Schmähungen beliebten Spielzeug? Oder doch nur ein albernes Märchen für Erwachsene, bei dem, wie es sich für Märchen gehört, die Wirklichkeit, zumindest in allen Szenen mit der Geschäftsleitung von Mattel, als überzogenes Abziehbild daherkommt?

Alle, die es selbst herausfinden möchten, sollten sich nicht abschrecken lassen, das wirklich liebevoll gestylte Setdesign, das zwar stellenweise wirkt, als wäre über der Augsburger Puppenkiste versehentlich ein Rieseneimer mit rosa Farbe ausgeschüttet worden, kann durchaus für die inhaltlichen Mängel entschädigen. Vielleicht gefallen auch die ein oder anderen Gesangs- und Tanznummern, Ryan Gosling durfte ja bereits in „La La Land“ zeigen, dass er beides zwar nicht kann, aber allein für den Mut, es dennoch zu versuchen, ist er damals mit einer Oscar-Nominierung belohnt worden, vielleicht klappt es diesmal ja wieder. Seine Fans werden auf jeden Fall von seinem Ken überzuckert sein, gleiches gilt für die Fans von Margot Robbie und ihrer Barbie, überhaupt legen sich alle Darsteller mit einer Ernsthaftigkeit ins Zeug, die aller Ehren wert ist.

Wer sich an den optischen Schauwerten delektieren kann, entdeckt, sozusagen im Farbrausch, vielleicht am Ende doch noch einen tieferen Sinn (siehe oben) hinter dem Ganzen – oder er lässt sich einfach treiben und genießt zusammen mit Gleichgesinnten einen unbeschwerten Abend, am besten mit einem Modegetränk ihrer/seiner Wahl…

 

 

Regie: Greta Gerwig

Drehbuch: Greta Gerwig, Noah Baumbach

Kamera: Rodrigo Prieto

Schnitt: Nick Houy

Musik: Mark Ronson, Andrew Wyatt

 

Besetzung:

Margot Robbie, Ryan Gosling, Kingsey Ben-Adir, Hari Nef, Emma Mackey, Will Ferrell, Ariana Greenblatt, John Cena, Helen Mirren, Nicola Coughlan, Michael Cera, Simu Liu, Dua Lipa

 

Warner Bros.Germany

2023

114 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 20. Juli 2023

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=eBvCo1ImAH4 (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=pBk4NYhWNMM (Englisch)

 

Mittwoch, 29. März 2023

Heimkino: Babylon – Rausch der Ekstase (Babylon)

Mitte der 1920ger Jahre kündigt sich eine große Veränderung in Hollywood an, als erste Versuche unternommen werden, stummen Bildern den bis dahin fehlenden Ton hinzuzufügen. Für einige der bisherigen Superstars bedeutet dies das Ende ihrer Karriere, während frische Stars und Sternchen eine Chance erhalten, hiervon erzählt der Film, und von den gigantischen Auswüchsen des als Sündenpfuhl babylonischen Ausmaßes bekannten Hollywoods jener Tagen.

Wilde Sexpartys mit Drogen und Elefanten, bei denen es auch schon mal Tote gibt, chaotische Dreharbeiten mit Massenszenen, bei denen es…siehe oben, bieten allen Freundinnen und Freunden orgiastischer Wimmelbilder einen optischen und akustischen Overkill, dagegen wirkt die deutsche Produktion „Babylon Berlin“ in all ihrer beabsichtigten Verruchtheit wie eine harmloser Kindergeburtstag. Nicht so hier, hier amüsieren sich Erwachsene buchstäblich zu Tode, von allem gibt es reichlich und oft einfach auch zu viel, selbst wenn manche Auswüchse durchaus stattgefunden haben mögen. So wird zu Beginn des Films der Skandal um den Tod der Jungschauspielerin Virginia Rappe nach einem Beisammensein mit dem Star Roscoe „Fatty“ Arbuckle eingeflochten, wonach dessen Karriere jäh beendete war, obwohl er vor Gericht rehabilitiert wurde.

Leider geraten bei all dem einige interessante andere Aspekt zu kurz, wie sich nämlich Hollywood neu erfindet, welche technischen und filmischen Anpassungen notwendig sind, um dem Tonfilm gegen einige Widerstände zum Durchbruch zu verhelfen. Dies ist ansatzweise in den Szenen zu sehen, in denen die ersten Dreharbeiten eines Tonfilms gezeigt werden, bei denen es entgegen allen Gewohnheiten am Set mucksmäuschenstill zu sein hat, hier kommt der Film endlich einmal ein bisschen zur Ruhe, welch eine Wohltat, hiervon hätte es gern etwas mehr geben können!

Ebenso wird die Geschichte der zurückgelassenen Stars reichlich blass erzählt, so ist nicht wirklich nachvollziehbar, warum der von Brad Pitt gespielte Star Jack Conrad plötzlich nicht mehr gefragt ist, mag er auch an eine reale Figur angelehnt sein. Apropos, auch der Dreh- und Angelpunkt des Films, der die Handlung irgendwie zusammenhalten soll, ein von Diego Calva gespielter Manny Torres, der wenig glaubhaft vom Mädchen für alles zum Filmproduzenten aufsteigt, bleibt dabei leider unfassbar blass.

Ihrem Affen Zucker geben darf dagegen wieder einmal die offensichtlich unvermeidliche Margot Robbie, diesmal als aufstrebendes Filmsternchen Nellie LaRoy, eine Art Veronica Ferres auf Koks, mit der es keine ruhige Minute gibt. Insgesamt fehlt es dem Film an einer inneren Balance, immer dann, wenn er versucht, Gefühle oder Sentimentalitäten zu erzeugen, fällt er leider ein sich zusammen, wie ein Heliumballon, dem das Gas entweicht.   

Wer aber das Laute und Ekstatische liebt und auf Margot Robbie steht, wird sich gut unterhalten fühlen und kann Spaß daran haben, eine Reihe von durchaus FSK-18-würdigen Szenen bei der großen ekstatischen Party zu Beginn oder in den gut im Dunkeln getarnten Sequenzen mit einem vampirblassen Tobey Maguire zu entdecken, die offensichtlich unter dem Radar der Bewertungsstelle durchgeschlüpft sind. Ach ja, Sitzfleisch braucht es bei einer Filmlänge von 3 Stunden und 9 Minuten natürlich auch…

 


  Regie: Damien Chazelle

Drehbuch: Damien Chazelle

Kamera: Linus Sandgren

Schnitt: Tom Cross

Musik: Justin Hurwitz


Besetzung:

Margot Robbie, Brad Pitt, Diego Calva, Olivia Hamilton, Li Jun Li, Tobey Maguire, Jean Smart, Olivia Wilde, Max Minghella, Eric Roberts, Flea, Lukas Haas, Joe Dallesandro

 

© Paramount Pictures

2022

189 min.

FSK 16

 

Ab 6. April als 4K Ultra HD, Blu-ray, DVD und VoD, seit 20. März als Download

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=4H1lshypqa0 (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=5muQK7CuFtY (Englisch)

 


Dienstag, 3. August 2021

Im Kino: The Suicide Squad

Im Gefängnis Belle Reve – euphemistisch für den schlimmsten Alptraum - sitzen die fiesesten Superschurken ein. Wenn jemand ein Himmelfahrtskommando benötigt, findet er dort, was er braucht: ein dreckiges Dutzend in wirklich dreckig. Amanda Waller (Viola Davies) rekrutiert so ihre Task Force X für eine streng geheime Mission auf der kleinen Insel Corto Maltese, wo Verbrecher und Politiker noch weniger unterscheidbar sind, als anderswo und schickt solch illustre Persönlichkeiten wie Bloodsport (Idris Elba), Peacemaker (John Cena), Colonel Flag (John Kinnaman), T.D.K. (Nathan Fillion), Ratcatcher (Daniela Melchior), den bunt getupften Polkadot Man mit Mutterproblem, King Shark, das Wiesel, sowie die völlig überdrehte Psychopathin Harley Quinn (Margot Robbie) wegen eines aus dem Ruder gelaufenen Projekts namens Starfish los, und niemand würde eine Wette darauf abschließen, dass man auch nur einen der Beteiligten lebend wiedersehen wird – die Bürowetten unter Wallers Mitarbeitern laufen eher dahin, wer als erster und wie ums Leben kommt.

Für Freunde und wirklich hartgesottene Fans des DC-Universums bietet der Film einen Augenschmaus, und das nicht nur dann, wenn King Shark (im Original gesprochen von Sylvester Stallone) mal wieder jemanden kopfüber in seinen von Zahnreihen umrahmtes Maul schiebt und genüsslich verspeist. Irre Brutalo-Action, bei der auch schon mal die Falschen dran glauben müssen, zieht sich durch die Handlung bis zum aberwitzigen Showdown-Kampf mit einem gigantischen, alles niedertrampelnden Seestern (ein fieser Verwandter des Marshmellow-Mannes?)

Wem das zu abgedreht klingt, sollte zu Hause bleiben, alle anderen werden sich wahrscheinlich gut unterhalten, zumindest während der ersten Hälfte des Films, wo es durchaus originelle und witzige Szenen gibt. Danach allerdings flacht alles mehr und mehr ab und verliert etwas die Spur, zu viel von allem tut niemals gut– wann hat endlich jemand den Mut, auch einen solchen Film einmal kurz und knackig auf 90 bis 100 Minuten zu begrenzen? Der Cast ist mit Idris Elba vorneweg gut besetzt, wenn auch der heimliche Held das Wiesel (Sean Gunn) sein dürfte, dem (bisher?) leider nur ein Kurzauftritt vergönnt ist, während Margot Robbie sich mehr und mehr zu einer Nervensäge entwickelt, der etwas weniger Screen-Time besser gestanden hätte.

Alles in allem für Liebhaber des Genres sicher ein Fortschritt gegenüber dem doch ziemlich misslungenen Vorgänger „Suicide Squad“ von 2016, egal ob als Fortsetzung oder Relaunch konzipiert, und wer bis zum Abspann-Ende bleibt, erhält einen Hinweis darauf, wie es weiter gehen könnte…


 Regie: James Gunn

Drehbuch: James Gunn

Kamera: Henry Braham

Schnitt: Christian Wagner, Fred Raskin

Musik: John Murphy

 

Cast:

Idris Elba, Viola Davis, Margot Robbie, John Cena, Joel Kinnaman, Jai Courtney, Peter Capaldi, David Dastmalchian, Nathan Fillion, Daniela Melchior, Alice Braga, Michael Rooker, Peter Davidson, Sean Gunn, Sylvester Stallone (voice)

 

 

Warner Bros. Pictures Germany/ DC Entertainment

USA 2021

FSK 16

132 min.

 Deutscher Kinostart: 05. August 2021

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=Lrsi4C_B-y4

https://www.youtube.com/watch?v=3eD5d48t_Uo

 

 

 

Freitag, 16. August 2019

Film-Rezensionen: Once upon a time in Hollywood (Once upon a time ... in Hollywood)


Quentin Tarantino macht einen Film über Leben (und Sterben) in Hollywood, seit Monaten wird darüber spekuliert, die Erwartung immer weiter hinauf geschraubt, immense Vorschusslorbeeren ausgeschüttet, allein wegen des spektakulären Casts – und nun das... Wo beginnen? 

Hollywood stand und steht für Glanz und Glamour, aber auch für Verkommenheit und Dekadenz, sexuelle Ausschweifungen, Laster und Leidenschaft, das große Geschäft, die Studios, die mit ihren künstlichen Träumen und mit Hilfe ihrer Protagonisten Millionen scheffeln, dem schnellen Ruhm folgen oft Absturz und Vergessen. Hier unterscheiden sich die 1960ger Jahre nicht von den Dekaden davor oder danach.
Dafür war es ein Jahrzehnt der gesellschaftlichen Umbrüche, die aus Jubiläumsgründen zur Zeit ohnehin in aller Munde sind. Ermordung eines amerikanischen Präsidenten, Bürgerrechtsbewegung, Vietnamkrieg, sexuelle Revolution, Mondlandung, Hippies, Love & Peace, Flowerpower, der Summer of Love, Ermordung weiterer Ikonen aus Politik und Showbiz, alles Stichworte, alles Ereignisse, die bis heute nachwirken. 

Was für ein Stoff für einen Regisseur wie Tarantino, das alles zusammenzufügen, als Höhepunkt die grausame Ermordung der wunderschönen Sharon Tate durch eine durchgeknallte Hippie-Clique, angestiftet von einem charismatischen Sektenführer, der eigentlich nichts anderes wollte, als Musiker zu werden.

Aber so einen Film wollte Tarantino gar nicht machen.

In seinem Werk zeigt er einen TV-Star (ja, es geht in erste Linie gar nicht um die Film- sondern um die Fernsehindustrie) namens Rick Dalton (Leonardo DiCaprio), der sich im freien Fall nach unten befindet und kurz davor ist, sich in europäischen Spaghetti-Western zu verdingen, und sein ehemaliges Stunt-Double Cliff Booth (Brad Pitt), der auch schon bessere Tage gesehen hat und zur Zeit als Chauffeur und Mädchen für alles tätig ist. Zufällig befindet sich Daltons Villa im Cielo Drive in Los Angeles, nebenan sind vor kurzem neue Mieter eingezogen, der gerade sehr erfolgreiche Regisseur Roman Polanski mit seiner wunderschönen Frau Sharon Tate.

Diese Konstellation ist die Ausgangslage für eine endlos lange Aneinanderreihung von Szenen und den Aufmarsch von immer neuen Figuren, ganze Sequenzen aus Daltons Western- und Kriegsfilmen werden ausgebreitet, ohne die Handlung nach vorne zu treiben, dabei ist das spezielle Flair und Feeling der Zeit zwar in jeder Einstellung sichtbar – Hollywoodkulisse eben –  aber fühlbar ist es in keinem einzigen Moment. Die Verkommenheit und Scheinheiligkeit Hollywoods wird zwar angedeutet, vor allem das Hauen und Stechen der Stars um die besten Rollen, die sexuellen Ausschweifungen, die daraus resultierende Gewalt und Ausbeutung, die seit den ersten Tagen der Filmindustrie praktiziert wurden und ihren vorläufigen Höhepunkt in der Weinstein-Affaire gefunden hat, existiert in Tarantinos Film dagegen nicht. Stattdessen fragt Cliff Booth ein ihn lasziv anschmachtendes Hippiemädchen tatsächlich nach deren Ausweis, hier hätte man von Tarantino mehr erwartet, aber wahrscheinlich war das zuviel verlangt von jemandem, der ein enger Freund Weinsteins war, der seine – Tarantinos Filme – seit „Pulp Fiction“ mit all seiner Macht (und davon hatte er immens viel) gefördert hat.
Wenn die Hippies diejenigen sind, die sich an der Gesellschaft und vor allem an Hollywood dafür rächen wollten, dass sie ihnen die Gewalt gebracht hat, so ist Tarantino einer derjenigen, der die Gewalt in seinen Filmen ausgiebig zelebriert hat, möchte er sich mit diesem Film selbst anklagen? Auch dafür, dass er sich, wie alle anderen, der angesagtesten Hollywoodgrößen in Gestalt von DiCaprio und Pitt bedient, beides Namen, die für sich gesehen schon die Kassen zum Klingeln bringen und die von allen namhaften Regisseuren mit Rollen nur so überschüttet werden?

DiCaprio darf sich ausgiebig im Overacting suhlen, als Rick Dalton innerhalb seiner Rollen eine ironische Brechung, außerhalb dieser Rollen wird die Schmerzgrenze einige Male deutliche überschritten, während Brad Pitt den Obercoolen geben darf, was bei ihm allerdings tatsächlich cool und selbstironisch ist. Ein hübscher, aufstrebender Star wie Margot Robbie bekommt die Chance, auch einmal in einem Tarantino-Film dabei sein zu dürfen, auch wenn sie nicht wirklich mehr zu tun hat, als in die Kamera zu lächeln, während im Kopf des Zuschauers das Wissen um ihr schreckliches Ende immer mitschwingt.

Während sich die 160 Minuten Laufzeit über weite Strecken beinahe quälend und dröge dahinziehen, sehnt man dieses Ende förmlich wie eine Erlösung herbei, und erst auf der Zielgeraden, wenn der – zugegebenermaßen – fulminante Höhepunkt eingeleitet wird, über dessen Einzelheiten hier natürlich nichts verraten wird, bekommt der Film endlich den Drive, der ihm leider die meiste Zeit über gefehlt hat.

Tarantino hat es auf jeden Fall einmal mehr geschafft, für sich und sein Werk maximale Aufmerksamkeit zu generieren. Ob der Gang ins Kino lohnt, mag jeder für sich entscheiden, für seine Fans sicher keine Frage, für alle anderen – Vorsicht, kein Spoiler: Das Ende überrascht!



Regie: Quentin Tarantino
Drehbuch: Quentin Tarantino
Kamera: Robert Richardson
Schnitt: Fred Raskin
Musik: Holly Adams (Soundtrack Producer)

Darsteller:
Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie, Emile Hirsch, Margaret Qualley, Timothy Olyphant, Julia Butters, Austin Butler, Dakota Fanning, Bruce Dern, Mike Moh, Luke Perry, Damian Lewis, Al Pacino, Lena Dunham, Scoot McNairy, Rumer Willis, Clu Gulager, Kurt Russell, Michael Madsen, Brenda Vaccaro, Damon Herriman

Sony Pictures
161 min.
Deutscher Kinostart: 15. August 2019





Mittwoch, 29. August 2018

Film-Rezensionen: I, Tonya (zum DVD- und Blu-ray-Start)


Der Film erzählt die Geschichte der Tonya Harding (Margot Robbie), einem Mädchen aus einfachsten Verhältnissen, das von der Mutter LaVona (Allyson Janney) in eine Eiskunstlaufkarriere geprügelt wird. Keine von beiden entspricht dem gängigen Image dieser Sportart, aber beide brennen vor Ehrgeiz, es in eine Welt zu schaffen, die nicht die ihre ist.
Tonya wird eine gute Läuferin, hat aber nicht die Ausstrahlung der kleinen Eisprinzessin, wie sie neben sportlichen Höchstleistungen von diesen Sportlerinnen erwartet wird, und man lässt sie immer wieder spüren, dass sie eigentlich nicht dazugehört. Erst als sie als erste Amerikanerin in einem Wettbewerb den Dreifach-Axel springt scheint sie plötzlich ganz oben angekommen zu sein. Aber bevor sie den Höhepunkt einer Sportlerkarriere erreicht, die Teilnahme bei Olympia, wirft sie einer der bizarrsten Skandale der Sportgeschichte wieder dorthin zurück, wo sie herkam: Vor der Qualifikation für die Olympischen Spiele 1994 wird ihrer Hauptkonkurrentin Nancy Kerrigan mit einer Eisenstange die Kniescheibe angeschlagen und es besteht der Verdacht, dass Tonya daran beteiligt war, zusammen mit ihrem Ex-Mann Jeff (Sebastain Stan) und dessen schrägem Freund Shawn (Paul Walter Hauser).

„I, Tonya" ist eine böse schwarze Komödie, in der die auf wahren Ereignissen beruhende Geschichte des unglaublichen Attentats auf die Eiskunstläuferin Nancy Kerrigan aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet wird. Die unterschiedlichen Darstellungen der einzelnen Beteiligten, teils in nachträglichen Interviews mit Ihnen, teils durch direkte Ansprache an den Zuschauer, machen den Witz der Geschichte aus. Die Figuren und das Unterschichtenmilieu, in dem sich die Hardings bewegen, sind drastisch gezeichnet, ein Haufen von Verlierern, die stümperhaft versuchen, sich ein Stück des Kuchens abzuschneiden, der nicht für sie bestimmt ist und daran grandios scheitern. Tonya und ihr Clan werden dennoch nicht der Lächerlichkeit preisgegeben, sie vermitteln dem Zuschauer tatsächlich ein Gefühl für die Tragik einer Geschichte, in der das Aschenputtel aufbegehrt, sich dann selbst ausmanövriert und am Ende nicht den Prinzen bekommt, sondern wieder in der Küche landet.

Der Film war für für 3 Oscars® und 3 Golden Globes® nominiert, Allison Janney erhielt beide Preise für ihre Darstellung der LaVona Harding als beste Nebendarstellerin.

Ab dem 24. August 2018 ist der Film auf DVD, Blu-ray und digital erhältlich. Enthalten ist ein Making-of, in dem die Darsteller und der Regisseur vorgestellt werden, sowie einige Einblicke in die Technik, die es ermöglichte, Margot Robbie zu einer perfekten Eiskunstläuferin zu machen.

Regie: Craig Gillespie
Darsteller: Margot Robbie, Allison Janney, Sebastian Stan, Paul Walter Hauser
USA 2017
FSK 12

Details der DVD:

Laufzeit: ca.115 min.
Bildformat: 2,40:1 (16:9 anamorph)
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Ton: Dolby Digital 5.1
Bonus: Making-Of, Trailer
Trailershow: Tully, High-Rise, Small Town Killers, Magical Mystery, Moonlight

Details der Blu-ray:

Laufzeit: ca. 119 min.
Bildformat: 2,40:1 (1080p/24)
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Ton: DTS-HD Master Audio 5.1
Bonus: Making-Of, Trailer