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Dienstag, 24. Dezember 2019

Film-Rezensionen: Cats

Keine Rezension an dieser Stelle.

Ich habe die Pressevorführung boykottiert, da dort die deutsche Fassung gezeigt wurde, was in diesem Fall bedeutet, dass auch der Gesang synchronisiert wurde, in meinen Augen – und Ohren – eine absolute Zumutung! Mag auch die deutschsprachige Musicalfassung hierzulande so bekannt sein, dass man davon ausging, dann wollten die Zuschauer auch die vertrauten deutschen Texte hören, diese stellen jedoch – wie meistens bei eingedeutschten Musicals – kein wirkliches Kulturgut dar, das es zu bewahren gilt. Was es jedoch zu bewahren gilt, ist der Respekt vor den künstlerischen Leistungen der Darsteller der Originalfassung. Wenn ich z.B. in ein Konzert von Taylor Swift gehe, will ich auch diese Sängerin hören und keine deutsche Fachkraft, sei sie auch noch so gut, dies gilt entsprechend für einen Opernabend.

Warum bei einem Musical, dessen Inhalt hinlänglich bekannt sein dürfte und das ohnehin nicht über eine komplizierte Handlung verfügt - manch einer ist sogar der Ansicht, es habe überhaupt keine - nicht wenigstens beim Gesang das Original beibehalten werden kann, erschließt sich mir auch nach längerem Nachdenken nicht.

Hier zur Verdeutlichung, welche Originalakteure man in der deutschen Fassung nicht hören wird:
Taylor Swift, Francesca Hayward, Idris Elba, Rebel Wilson, James Corden, Judi Dench, Jennifer Hudson, Ian McKellen, Jason Derulo u.a.m.

Zu den Kritikpunkten an diesem Film in übriger Hinsicht kann ich mich aus dem genannten Grund nicht äußern, allerdings ließ der veröffentlichte Trailer nichts Gutes vermuten… Das eine hat aber mit dem anderen nichts zu tun.

Deutscher Kinostart: 25. Dezember 2019

Film-Rezensionen: Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão (A Vida Invisível)


Brasilien in den 1950ger Jahren: Die Schwestern Euridice (Carol Duarte) und Guida (Julia Stockler) blicken erwartungsvoll in die Zukunft, von der sie hoffen, dass sich ihrer beider Träume und Hoffnungen erfüllen werden, denen sie im Haus ihrer konservativen Eltern nachhängen. Euridice ist eine begabte Pianistin und wünscht sich nichts sehnlicher als eine Ausbildung an einem entsprechenden Konservatorium, während die lebenslustige Guida auf der Suche nach Liebe und dem Mann ihres Lebens ist. Der innige Zusammenhalt der Schwestern wird eines Tages durch unglückliche Umstände zerrissen, an diesem Schicksal trägt ihr engstirniger und unerbittlicher Vater (Antonio Fonseca) die Schuld, Euridice und Guida werden getrennt, aber die Sehnsucht nach der jeweils anderen und dem Leben, das sie eigentlich hätten führen wollen, wird sie den Rest ihres Lebens nicht mehr loslassen.

Was wie eine schreckliche Kitschschmonzette klingt, ist ein stimmungsvolles Melodram geworden, das sich nicht scheut, Gefühle in epischer Breite zu entfalten und dabei in ästhetischen, aber auch je nach Situation durchaus ungeschminkten Bildern zu schwelgen, wodurch die Tragik der Geschichte für den Zuschauer fast körperlich fühlbar wird. Die den Träumen der Schwestern entgegenstehende Wirklichkeit ist eine von Männern bestimmten Welt, in die Frauen sich fügen müssen, ganz gleich, welche Wünsche sie selbst haben. Eine Frau hat glücklich zu sein, wenn sie von einem Mann erwählt wird, der sie mit Unterhalt und Kindern versorgt, dabei werden alsbald jegliche romantischen Vorstellungen von Liebe durch die ernüchternde bis abstoßende Realität der ehelichen und sexuellen Realität beseitigt, bis man sich irgendwann aneinander gewöhnt hat und das Leben auf einem gleichförmig gewordenen Level stagniert, so war es, und so soll es möglichst immer bleiben.

Man kann den Film als Kritik an den gesellschaftlichen Umständen der Zeit und des Landes Brasilien verstehen, was die Schuld des Vaters relativiert, der, diesem Zeitgeist geschuldet, in seinen Augen das Richtige tat. Aber das Leben von Frauen wird auch heute noch von Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten begleitet, in dem einen Land weniger, in dem anderen mehr. Entscheidend ist, sich nicht von erstarrten Konventionen fesseln zu lassen, ein zeitloser Auftrag an alle, die sich eine freie Gesellschaft wünschen, in der jeder nach seiner Façon glücklich werden darf, gleichgültig, ob Frau oder Mann.

Dass nun ausgerechnet ein männlicher Regisseur den Film in Szene gesetzt hat, scheint ein Anachronismus zu sein, aber letztlich kann es auf die Frage, ob ein Mann einen solchen „Frauenfilm“ drehen darf, nur eine Antwort geben: Ja natürlich, wenn der Film gut ist – und dieser ist es! Erst wenn das geschlechtliche Hinterfragen einer Leistung nicht mehr automatisch erfolgt, sondern die gleichberechtigte Möglichkeit sich zu verwirklichen für alle gegeben ist, sind die Probleme, die dieser Film anprangert, überwunden und wir sind da angelangt, wo wir hinwollen…

Regie: Karim Aïnouz
Drehbuch: Murilo Hauser, Inés Bortagaray, Karim Aïnouz; b/a dem Roman "A Vida Invisível de Eurídice Gusmão" von Marta Batalha 
Kamera: Hélène Louvart
Musik: Benedikt Schiefer

Darsteller:
Julia Stockler, Carol Duarte, Flávia Gusmão, António Fonseca, Hugo Cruz, Nicolas Antunes, Maria Manoella

 Piffle Medien GmbH
Brasilien/ Deutschland 2019
139 min.
Deutscher Kinostart: 26. Dezember 2019


Mittwoch, 18. Dezember 2019

Film-Rezensionen: The Peanut Butter Falcon


Zack (Zack Gottsagen), ein 22-Jähriger mit Down-Syndrom, wurde von seinen Eltern in Heime abgeschoben, mangels anderer Alternativen lebt er zuletzt in einem Altersheim. Von dort gelingt ihm mit Hilfe seines Mitbewohners Carl (Bruce Dern) die Flucht, nur mit Unterhose bekleidet macht er sich auf, um in die Schule seines Idols Salt Water Redneck, einer Wrestling-Legende, aufgenommen und dort selbst zum Wrestler ausgebildet zu werden. Unterwegs trifft er auf den Kleinganoven Tyler (Shia LaBeouf), dem ein paar üble Leuten auf den Fersen sind, denen er zuvor ihre Boote angezündet hatte. Nach anfänglichem Zögern nimmt Tyler Zack unter seine Fittiche und zusammen durchqueren sie abgelegene Regionen im Süden der USA, zu Land und zu Wasser, bis sich zwischen beiden so etwas wie Freundschaft entwickelt. Als dann noch die nette Schwester Eleanor (Dakota Johnson) aus dem Heim auf der Suche nach Zack zu den beiden stößt, entsteht fast so etwas wie eine kleine Familie, die gemeinsam versucht, Zack zu seinem geliebten Salt Water Redneck zu bringen.

Der Film spielt gekonnt mit seinen Mark-Twain-Momenten, indem er die beiden Helden zum Beispiel auf einem Floß durch die seichten Arme eines Flussdeltas schickt. Dabei gibt es allein durch den jungen Darsteller Zack Gottsagen wunderbare Szenen, der mit seinem entwaffnenden Humor seinen Mitakteuren so manche Szene stiehlt. Aber auch Shia LaBeouf und Dakota Johnson machen ihre Sache gut, auch wenn das ein oder andere an manchen Stellen dann doch ein wenig zu dick aufgetragen wirkt. Dennoch hat die Reise in den tiefsten ländlichen Süden ihren eigenen Charme und die Welt der Wrestlerszene dort birgt ein paar spezielle Momente, für deren Authentizität zwei echte ehemalige Wrestler – Jake „The Snake“ Roberts und Mick Foley alias Mankind bzw. Cactus Jack – sorgen. Die Botschaften des unspektakulären aber durchaus sehenswerten Films sind simpel aber eingängig formuliert: Folge deinem Traum, egal, wer du bist und wo du herkommst, und – so sagt es Zack in seiner anrührenden Weise – Freunde sind die Familie, die du dir aussuchst.

Und, ach ja: der Filmtitel bezieht sich auf den martialischen Kampfnamen, den Zack sich gibt – der mutige Falke mit Vorliebe für Ernussbutter-Sandwiches…




Regie: Tyler Nilson, Michael Schwartz
Drehbuch: Tyler Nilson, Michael Schwartz
Kamera: Nigel Bluck
Schnitt: Nat Fuller, Kevin Tent
Musik: Zachary Dawes, Noam Pikelny, Jonathan Sadoff, Gabe Witcher

Darsteller:
Zack Gottsagen, Shia LaBeouf, Dakota Johnson, Bruce Dern, John Hawkes, Thomas Haden Church, John Bernthal,

Tobis
FSK 12
97 min.
Deutscher Kinostart: 19. Dezember 2019
 
 

Film-Rezensionen: Star Wars – Der Aufstieg Skywalkers (Star Wars: Episode IX – The Rise of Skywalker)


Fans werden es mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen: Der letzte Teil der Saga kommt in die Kinos und setzt den Schlusspunkt hinter diese lange und bemerkenswerte Reihe, die 1977 begann. Ein letztes Mal werden alle Register gezogen, alles, was über die Jahre zum Erfolg beigetragen hat, wird noch einmal in brillanter Optik aufgefahren: Weltraumschlachten, geheimnisvolle Planeten, finstere und skurrile Gestalten und natürlich die Riege der Helden, der neuen, aber auch der alten, soweit man sie irgendwie noch reaktivieren konnte. 
Die inzwischen leider verstorbene Carrie Fisher erhält einen würdigen Abgang, diesen hätte man allerdings auch ein paar anderen Figuren gegönnt, allen voran dem etwas schräg herüberkommenden Lando Calrissian, aber auch Luke Skywalkers Auftritt gehört nicht zu den Sternstunden des Kinos. 
Dennoch werden sich die Star-Wars-Adepten bestens aufgehoben fühlen, es gibt die wohlkalkulierte Mischung aus Action, Pathos, Gefühl und Humor, untermalt von der Musik des bekannten John-Williams-Themas in allen, der Stimmung angepassten Modulationen. 

Die ewigen Fragen zum Kampf Gut gegen Böse, die Macht der Freundschaft und des Zusammenhalts werden noch einmal in bewährter Weise heraufbeschworen und zum Schluss, wenn alles geschafft ist, was zu tun war und alle sich verdientermaßen und voller Erleichterung und Freude in die Arme fallen, bleibt bei den treuen Fans sicher kein Auge trocken.

Es hätte allerdings, dies sei hier angemerkt, ohne jemandem die Freude verderben zu wollen, gerade weil es der letzte Teil ist, einiges ein wenig origineller und nicht so furchtbar vorhersehbar sein dürfen. Manches, was sich als Drama andeutet, erhält eine nicht immer überzeugende Auflösung, C-3PO und (meine Lieblingsfigur) Chewbacca haben ihre bewegenden Momente, insgesamt aber fehlt die ganz große Überraschung, und trotz des wahrhaft dick aufgetragenen Pathos bleibt das Ganze seltsam blutleer, eigentlich schade, da hat sich Marvel mit seinem „Avengers: Endgame", der dieses Jahr ebenfalls eine Reihe zu Ende gebracht hat, im direkten Vergleich besser geschlagen. 




Regie: J.J. Abrams
Drehbuch: Chris Terrio, J.J. Abrams, b/a Story von Derek Conolly, Colin Trevorrow, Chris Terrio & J.J. Abrams, b/a den Charakteren von George Lucas
Kamera: Dan Mindel
Schnitt: Maryann Brandon
Musik: John Williams

Darsteller:
Daisy Ridley, Adam Driver, John Boyega, Oscar Isaac, Carrie Fisher, Ian McDiarmid, Lupita Nyong'o, Keri Russell, Kelly Marie Tran, Andy Serkis (Stimme), Billy Dee Williams, Mark Hamill, Joonas Suotamo, Dominic Monaghan, Anthony Daniels,

 Walt Disney Company
USA 2019
FSK 12
141 min.
Deutscher Kinostart: 18. Dezember 2019


Mittwoch, 11. Dezember 2019

Film-Rezensionen: Motherless Brooklyn


Lionel Essrog (Edward Norton) verdient seinen Lebensunterhalt als Detektiv in New York City in der Firma von Frank Minna (Bruce Willis), dem einzigen Menschen und Freund, der sich je um ihn gekümmert hat, denn Lionel hatte als Waisenkind mit Tourette-Syndrom kein einfaches Leben. In den Augen der meisten Menschen ist er ein Sonderling, seine Kollegen und vor allem Frank Minna schätzen ihn jedoch wegen seines bemerkenswerten Gedächtnisses und seiner scharfsinnigen Gedanken. Als Frank eines Tages in eine undurchsichtige Geschichte verwickelt wird, die ihn letztlich das Leben kostet, ist es Lionel, der Franks Ermittlungen weiterführt, unbeirrbar und unbestechlich lässt er sich dabei von den Mächtigen der Stadt weder abschütteln noch einschüchtern.

Der Film ist eine nostalgische Hommage an alte Detektiv-Geschichten, stellenweise erinnert er in seiner Inszenierung an den Polanski-Klassiker „Chinatown", was dort die politischen Schweinereien rund um die Wasserknappheit in Los Angeles waren, sind hier Immobilienspekulation und rücksichtslose Sanierungen von Stadtvierteln auf Kosten der ärmeren, vor allem schwarzen, Bevölkerung. Mit Lionel Essrog gibt es allerdings einen ungewöhnlichen Helden, den Edward Norton liebevoll porträtiert. Seine Tics sind gewöhnungsbedürftig, werden aber nie zu dominant, sondern charakterisieren diesen mutterlosen Verlierer aus Brooklyn, der sich als zäher Gegner eines Baulöwen namens Moses Randolph (Alec Baldwin) erweist.

Norton, gleichzeitig Hauptdarsteller, Regisseur und Co-Autor, nimmt sich für die Entwicklung der Geschichte und deren Details viel Zeit, dabei versetzt er die Romanvorlage von Jonathan Lethem aus den frühen 1970gern in die 1950ger, was tatsächlich besser zu Stimmung und Ton des Films passt. Untermalt von einem entsprechenden Soundtrack sehen wir einen Reigen von übellaunigen Gangstern, lakonischen Privatschnüfflern, alten Autos, einer schönen Frau in Schwierigkeiten und einem einsamen Detektiv, der Stück für Stück sein Puzzle zusammensetzt, bis am Ende ein Bild entsteht, das niemand sehen wollte, und hierbei sind Bezüge zu aktuellen politischen Figuren sicher nicht ganz unbeabsichtigt. 

“Oh, it is excellent to have a giant’s strength,
but it is tyrannous to use it like a giant.”
--William Shakespeare


 Regie: Edward Norton
Drehbuch: Jonathan Lethem b/a seinem Roman, Edward Norton
Kamera: Dick Pope
Schnitt: Joe Klotz
Musik: Daniel Pemberton

Darsteller:
Edward Norton, Gugu Mbatha-Raw, Alec Baldwin, Bobby Cannavale, Josh Pais, Ethan Suplee, Dallas Roberts, Willem Dafoe, Bruce Willis
 
Warner Bros.
USA 2019
FSK 12
144 min.
Deutscher Kinostart: 12. Dezember 2019




Film-Rezensionen: The Kindness of Strangers - Kleine Wunder unter Fremden (The Kindness of Strangers)


Auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann, einem Polizisten, kommt Clara (Zoe Kazan) aus dem ländlichen Buffalo  mit ihren beiden kleinen Söhnen ohne Geld und ohne Perspektive in das winterliche New York. Ihr Auto ist ihr einziger Zufluchtsort, und als dieses eines Tages abgeschleppt wird, scheinen die drei endgültig am Ende angekommen zu sein. Aber das Leben zeigt sich gnädig und bringt sie immer wieder mit Menschen zusammen, die ebenfalls nicht unbedingt auf der Sonnenseite stehen, für die aber Nächstenliebe noch Teil ihres Lebens ist. Da ist Alice (Andrea Riseborough), die Krankenschwester, die sich in ihrer spärlichen Freizeit um Obdachlose kümmert und eine Selbsthilfegruppe mit dem Motto „Vergebung" leitet, bei der Ex-Häftling Mark mit seinem Anwalt regelmäßig dabei sind, und der junge Jeff, der in allen seinen bisherigen Jobs versagt hat, aber immer noch unverdrossen auf der Suche nach seiner wahren Bestimmung ist. Sie alle treffen zusammen im russischen Restaurant  „Winter Palace", das ein gewisser Timofey (Bill Nighy) mehr schlecht als recht leitet, und irgendwie fügen sich die einzelnen Schicksale zu einer Gemeinschaft zusammen, in der auch Clara wieder Hoffnung für ihre und die Zukunft ihrer Kinder schöpfen kann.

Der Film der dänischen Regisseurin Lone Scherfig ist ein modernes und gleichzeitig wie aus der Zeit gefallenes Märchen über die Kälte der Großstadt, in deren winterlicher Szenerie die Gefühle buchstäblich erstarrt sind, bis sie durch Liebe, Hoffnung und Zuwendung wieder erwärmt werden. Teilweise etwas holprig in Szene gesetzt springt diese Wärme dennoch auf den Zuschauer über, wenn er es zulässt, und eine Selbsthilfegruppe, die sich zum Ziel gesetzt hat, sich selbst oder anderen zu vergeben, ist eine schöne Idee. Der Film ist immer eine Handbreit davon entfernt, in Sozialkitsch abzugleiten, dabei gibt es sie doch, immer dann, wenn man es am wenigsten erwartet, die Freundlichkeit fremder Menschen, ohne die das Leben längst zu einer zynischen Farce geworden wäre.



Regie: Lone Scherfig
Drehbuch: Lone Scherfig
Kamera: Sebastian Blenkov
Schnitt: Can McLauchlin
Musik: Andrew Lockington

Darsteller:
Zoe Kazan, Andrea Riseborough, Bill Nighy, Tahar Rahim, Caleb Landry Jones, Jay Baruchel
 
Alamode Film
112 min.
FSK 12 
Deutscher Kinostart: 12. Dezember 2019

Dienstag, 3. Dezember 2019

Film-Rezensionen: A Rainy Day in New York


Gatsby Welles (Timothée Chalamet), ein junger Mann aus wohlhabendem Elternhaus, verbringt mit seiner Freundin Ashleigh (Elle Fanning) ein Wochenende in New York, das ganz anders verläuft, als beide es geplant hatten. Es entwickelt sich ein Reigen unerwarteter Begegnungen und Erlebnisse, an dessen Ende beide erkennen, was für ihr weiteres Leben wichtig ist.

Woody Allen kehrt mit dieser romantischen
Komödie dorthin zurück, wo er zu Hause ist, und er schafft es wieder einmal, seine Stadt aus diesem nostalgischen Blickwinkel zu zeigen, wie nur er es kann. Er begleitet seine jungen Protagonisten auf ihren vergnüglichen Irrungen und Wirrungen im regnerischen New York, lässt sie aber nie im Regen stehen – anders als diese es mit ihm tun, hat sich doch sein gerade so angesagter Hauptdarsteller, der dandyhafte Chalamet, nach Drehschluss von ihm und diesem Film distanziert. 

Grund hierfür sind die aus dem Kreis seiner Familie erhobenen Vorwürfe, mit denen sich Allen seit Jahren bei jedem neuen Film konfrontiert sieht. Im Gegensatz zu anderen Hollywoodgrößen, denen seit der #MeToo-Debatte von verschiedenen Seiten sexuelle Verfehlungen nachgesagt werden, geht es bei Allen um einen einzigen Vorfall, der, sollte er sich tatsächlich zugetragen haben, schlimm genug wäre, aber genau hier liegt das Problem, denn es gab zwei Untersuchungen gegen ihn in dieser Sache, die beide ergebnislos eingestellt wurden. Außerdem wird er von einem anderen Familienmitglied vehement verteidigt, beides sollte eigentlich genügen, ihn als unschuldig gelten zu lassen, solange sein Schuld tatsächlich nicht bewiesen wurde. Dies scheint im aktuellen Klima jedoch nicht möglich zu sein, weswegen sein aktuelles Werk auf absehbare Zeit nicht in den USA gezeigt wird. Das ist unfair und auch bedauerlich, denn auch wenn der Film vielleicht kein Meisterwerk ist – Woody Allen selbst hat einmal gesagt, er habe nie Meisterwerke geschaffen, sondern nur gute Filme und schlechtere Filme – so ist „A Rainy Day in New York" eindeutig einer seiner besseren, etwas altmodisch vielleicht, aber auf angenehme Art vertraut, wie ein Heimkommen nach längerer Abwesenheit.

Regie: Woody Allen
Drehbuch: Woody Allen
Kamera: Vittorio Storaro
Schnitt: Alisa Lepselter
Darsteller:
Timothée Chalamet, Elle Fanning, Liev Schreiber, Selena Gomez, Jude Law, Rebecca Hall

   USA 2019
92 min.
Deutscher Kinostart: 05. Dezember 2019