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Mittwoch, 18. Dezember 2019

Film-Rezensionen: Star Wars – Der Aufstieg Skywalkers (Star Wars: Episode IX – The Rise of Skywalker)


Fans werden es mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen: Der letzte Teil der Saga kommt in die Kinos und setzt den Schlusspunkt hinter diese lange und bemerkenswerte Reihe, die 1977 begann. Ein letztes Mal werden alle Register gezogen, alles, was über die Jahre zum Erfolg beigetragen hat, wird noch einmal in brillanter Optik aufgefahren: Weltraumschlachten, geheimnisvolle Planeten, finstere und skurrile Gestalten und natürlich die Riege der Helden, der neuen, aber auch der alten, soweit man sie irgendwie noch reaktivieren konnte. 
Die inzwischen leider verstorbene Carrie Fisher erhält einen würdigen Abgang, diesen hätte man allerdings auch ein paar anderen Figuren gegönnt, allen voran dem etwas schräg herüberkommenden Lando Calrissian, aber auch Luke Skywalkers Auftritt gehört nicht zu den Sternstunden des Kinos. 
Dennoch werden sich die Star-Wars-Adepten bestens aufgehoben fühlen, es gibt die wohlkalkulierte Mischung aus Action, Pathos, Gefühl und Humor, untermalt von der Musik des bekannten John-Williams-Themas in allen, der Stimmung angepassten Modulationen. 

Die ewigen Fragen zum Kampf Gut gegen Böse, die Macht der Freundschaft und des Zusammenhalts werden noch einmal in bewährter Weise heraufbeschworen und zum Schluss, wenn alles geschafft ist, was zu tun war und alle sich verdientermaßen und voller Erleichterung und Freude in die Arme fallen, bleibt bei den treuen Fans sicher kein Auge trocken.

Es hätte allerdings, dies sei hier angemerkt, ohne jemandem die Freude verderben zu wollen, gerade weil es der letzte Teil ist, einiges ein wenig origineller und nicht so furchtbar vorhersehbar sein dürfen. Manches, was sich als Drama andeutet, erhält eine nicht immer überzeugende Auflösung, C-3PO und (meine Lieblingsfigur) Chewbacca haben ihre bewegenden Momente, insgesamt aber fehlt die ganz große Überraschung, und trotz des wahrhaft dick aufgetragenen Pathos bleibt das Ganze seltsam blutleer, eigentlich schade, da hat sich Marvel mit seinem „Avengers: Endgame", der dieses Jahr ebenfalls eine Reihe zu Ende gebracht hat, im direkten Vergleich besser geschlagen. 




Regie: J.J. Abrams
Drehbuch: Chris Terrio, J.J. Abrams, b/a Story von Derek Conolly, Colin Trevorrow, Chris Terrio & J.J. Abrams, b/a den Charakteren von George Lucas
Kamera: Dan Mindel
Schnitt: Maryann Brandon
Musik: John Williams

Darsteller:
Daisy Ridley, Adam Driver, John Boyega, Oscar Isaac, Carrie Fisher, Ian McDiarmid, Lupita Nyong'o, Keri Russell, Kelly Marie Tran, Andy Serkis (Stimme), Billy Dee Williams, Mark Hamill, Joonas Suotamo, Dominic Monaghan, Anthony Daniels,

 Walt Disney Company
USA 2019
FSK 12
141 min.
Deutscher Kinostart: 18. Dezember 2019


Dienstag, 7. November 2017

Film-Rezensionen: Murder on The Orient Express (Mord im Orient-Express)


Der berühmte belgische Meisterdetektiv Hercule Poirot (Kenneth Branagh) ist Reisender in Sachen Verbrechensaufklärung. Im Jahr 1934 löst er zunächst einen verzwickten Fall in Jerusalem, in den ein Rabbi, ein Priester und ein Imam verwickelt sind. Danach werden seine Dienste in London benötigt, und so macht er sich auf den Weg nach Istanbul, um dort den gleichfalls berühmten Orient-Express zu besteigen, der ihn quer durch Europa nach Calais bringen soll. Obwohl der luxuriöse Zug so gut wie ausgebucht ist, bekommt er von dem befreundeten Eisenbahndirektor Bouk (Tom Bateman) noch einen Platz, nach einem Halt in Belgrad sogar ein eigenes Schlafwagenabteil. Bei den anderen Reisenden seines Wagens handelt es sich um eine bunt gemischte und illustre Gesellschaft, deren Mitglieder auf den ersten Blick nichts miteinander gemein haben. 
 
Gleich zu Beginn schlägt Poirot das Angebot des ungehobelten amerikanischen Geschäftsmanns Edward Ratchett (Johnny Depp) aus, der den Detektiv als Bodyguard engagieren möchte, weil er Drohbriefe erhält und um sein Leben fürchtet. Seine Sorgen erweisen sich als berechtigt, denn schon bald wird Ratchett in seinem Abteil ermordet. Als der Zug auf dem Weg durch das winterliche Jugoslawien vor der Stadt Brod auf freier Strecke durch eine Lawine gestoppt wird, bittet Direktor Bouk – um den Ruf seiner Eisenbahnlinie besorgt – Poirot um Ermittlung des Täters, bevor der Zug von langsam heran heranrückenden Hilfstruppen wieder flott gemacht werden kann.

 Also macht sich der Detektiv an die Arbeit, befragt seine verbliebenen zwölf Mitreisenden sowie den Schlafwagenschaffner und entdeckt zu seiner Überraschung, dass diese sich gar nicht so fremd sind, wie es zunächst den Anschein hatte, was ihn zu einer höchst abenteuerlichen Theorie über die Identität des Mörders bringt…

„Mord im Orientexpress“ ist einer der bekanntesten Romane der Krimiautorin Agatha Christie und wurde bereits mehrfach verfilmt, u.a. 1974 von Sidney Lumet mit beachtlichem Staraufgebot. Hier hat sich auch Kenneth Branagh, der nicht nur den Poirot darstellt, sondern auch für die Regie verantwortlich zeichnet, mächtig ins Zeug gelegt, ihm steht ebenfalls ein namhaftes Ensemble zur Seite, die Stars laufen allerdings ein wenig Gefahr, von dem imposanten Schnurrbart, den sich Branagh hat verpassen lassen, an die Wand gespielt zu werden…
 
Gefilmt wurde in 65 mm, ein im digitalen Zeitalter kaum noch verwendetes Format, das eine weite, detailreiche Bebilderung erlaubt, und so schwelgt der Film in schönen Bildern, und auch wenn es sich bei den imposanten Aufnahmen des Zuges und der Landschaft größtenteils um Spezialeffekte handelt, ist zum Beispiel die Ausfahrt des Luxuszuges aus Istanbul ein Augenschmaus, ebenso wie die übrige Ausstattung des Films.

Bei der Aufklärung des Rätsels um den toten Rachett lässt Branagh den Zuschauer dann allerdings mehr und mehr im Stich. Sein Poirot bedient sich der bewährten Methode, am Ende den Beteiligten, die selbstverständlich alle gleichermaßen als Mörder in Frage kommen, die Auflösung des Falles zu präsentieren. Dass diese, wie auf dem Gemälde des letzten Abendmahls, an einer langen Tafel seinen Ausführungen lauschen, ist befremdlich. Befremdlicher noch ist aber, dass Poirot die von ihm gefundenen Spuren und Hinweise, die ihn zu der Lösung des Falles geführt haben, seltsam vage präsentiert und nicht alle losen Enden präzise miteinander verknüpft. Noch schwerer wiegt aber, dass Branaghs Poirot auf einen eigentlich entscheidenden Punkt der Story überhaupt nicht eingeht, stattdessen liefert er einen furiosen Schlussmonolog, der ihm und seiner eigenen Befindlichkeiten als Rechtfertigung dient. Poirot wird von Branagh als eine Frühform des Nerds gezeichnet, der extremen Wert auf Symmetrie legt und den jede Abweichung von der vorgegebenen Ordnung maßlos irritiert, so dass es am Ende dieses gewaltigen Kraftaktes bedarf, um seine gestörte Welt wieder gerade zu rücken. Die Frage nach Schuld und Sühne spielt für die Handlung zwar eine wichtige Rolle, vielleicht hätte es für die Auflösung des Dilemmas aber eine elegantere Lösung gegeben. 
 

Regie: Kenneth Branagh
Drehbuch: Michael Green b/a Roman von Agatha Christie 
Produziert von: Ridley Scott, Mark Gordon, Simon Kinberg, Kenneth Branagh, Michael Schaefer, Judy Hofflund 
Darsteller: Kenneth Branagh, Tom Bateman, Penélope Cruz, Willem Dafoe, Judi Dench, Johnny Depp, Josh Gad, Derek Jacobi, Leslie Odom jr., Michelle Pfeiffer, Daisy Ridley

20thCenturyFox
114 min. 
Kinostart: 09. November 2017