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Mittwoch, 20. August 2025

Im Kino: Was ist Liebe wert - Materialists

Lucy (Dakota Johnson) beschäftigt sich als Partnervermittlerin den ganzen Tag damit, passende „Matches“ zu finden, das heißt, Menschen anhand ihrer geäußerten Vorlieben zueinander zu bringen. Liebesgefühle sind dabei eher zweitrangig, Geld und äußere Erscheinung haben, so scheint es, den größten Stellenwert. Eines Tages erlebt Lucy selbst, wie es ist, sich für einen möglichen Partner zu entscheiden – wird sie, die vom Fach ist – die richtige Wahl treffen?

Wer sich zwischen Chris Evans und Pedro Pascal entscheiden müsste, hätte wohl eher ein Luxusproblem, und das ist auch ein bisschen die Krux bei diesem Film, der im Milieu der materiell Erfolgreichen spielt, die trotz allem noch nicht den passenden Partner gefunden haben. Dabei haben Frauen offensichtlich ihr Augenmerk in erster Linie auf das Bankkonto, auf Körpergröße und Haarpracht gerichtet, während Männer sich ausschließlich auf die äußere Erscheinung und das Alter (möglichst unter 30… aber deutlich!) kaprizieren.

Was zunächst wie eine sozialkritische Nabelschau der Partnersuche beginnt, verliert seine anfängliche Schärfe und verflacht im zweiten Teil, als es immer mehr um Lucys eigenes Schicksal geht, zu einer vorhersehbaren Geschichte, eine romantische Komödie in dem Sinne, wie es vielleicht viele nach dem Trailer zum Film vermuten, ist es jedoch zu keinem Zeitpunkt. 

Wenn die lächerlichen bis dreisten Erwartungen an eine/n zukünftige/n Lebenspartner:in anfangs noch als satirische Überspitzung vorgeführt werden, gleitet der Film am Ende mehr und mehr ins Banale ab, was schade ist, denn er hätte nach interessantem Beginn auch ein ebensolches Ende verdient gehabt.

Einige Aspekte bieten dennoch Stoff zum Nachdenken und Diskutieren, insofern lohnt ein Anschauen trotz der genannten Schwächen, außerdem hat man die Gelegenheit, ein paar gutaussehenden Menschen bei der Arbeit zuzuschauen…

   

Regie: Celine Song

Drehbuch: Celine Song

Kamera: Shabier Kirchner

Schnitt: Keith Fraase

Musik: Daniel Pemberton

 

Besetzung:

Dakota Johnson, Chris Evans, Pedro Pascal, Zoe Winter

 

 

A24/ 2AM/ Sony Pictures

2025

116 min.

FSK 0

Deutscher Kinostart: 21. August 2025

 

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=FC8O8Mbr7Xo Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=ZtmATV8xlWM (Englisch)

Mittwoch, 26. Juni 2024

Im Kino: Daddio – Eine Nacht in New York (Daddio)

Eine junge Frau (Dakota Johnson) steigt am Flughafen in New York in ein Taxi, das sie zu ihrer Wohnung in der Innenstadt bringen soll. Während der Fahrt verwickelt sie der hemdsärmelige Taxifahrer (Sean Penn) in ein Gespräch, bei dem beide viel über den jeweils anderen, aber auch über das Leben, die Liebe und den ganzen Rest erfahren...

Wenn ein Film sich in einem so engen räumlichen Rahmen wie dem Inneren eines Taxis bewegt, dann sind die Anforderungen an Dialoge, Inszenierung und Akteure bzw. Akteurinnen gewaltig, und hier wird man auf keiner der drei Ebenen enttäuscht. Es gelingt von Beginn an, Interesse für die Figuren zu wecken und je länger man ihrem Gespräch zuhört, um so mehr wird man in ihr jeweiliges Leben und ihre Geschichte hineingezogen.

Sean Penn, wie so oft großartig, gibt den streetsmarten, gewieften, aber durchaus sympathischen Plauderer, der von sich behauptet, nach zwanzig Jahren im Taxi die Menschen besser zu kennen, als sie sich selbst. Aber auch sein Gegenpart Dakota Johnson darf beweisen, dass sie mehr kann, als man von ihr oft zu sehen bekommt. Ihre Darstellung einer jungen Frau, die offenbar erfolgreich im Leben steht – wer könnte sich sonst eine Wohnung in Manhattan leisten – deren Liebesleben jedoch in einigen Klischees steckengeblieben zu sein scheint, ist eindringlich in jeder Geste und jedem Blick. Ihre Affäre, der Mann mit dem sie während der Fahrt immer wieder Textnachrichten austauscht, scheint der Dritte im Bunde zu sein, ohne dass er körperlich im Taxi anwesend ist, treibt er das Gespräch der beiden Insassen ungewollt immer wieder an.

So ganz nebenbei gelingt es dem Film auch noch, das allgemein verbreitete Verhalten in Frage zu stellen, sich in jeder Situation mit seiner ganzen Aufmerksamkeit an das Handy in der Hand zu ketten und sich dabei die Möglichkeit zu verbauen, in einen echten Austausch mit Menschen aus Fleisch und Blut zu gelangen, die vielleicht etwas Interessantes zu sagen haben.

Alles in allem ein gelungenes Kammerspiel mit einem berührenden, wenn auch vielleicht erwartbaren Schlusspunkt, für alle, die Spaß und Interesse an intelligenten Dialogen und guten Darstellern haben, und vom nächtlichen New York bekommt man auch noch ein paar schöne Bilder zu sehen!

 


 Regie: Christy Hall

Drehbuch: Christy Hall

Kamera: Phedon Papamichael

Schnitt: Lisa Zeno Churgin

Musik: Dickon Hinchcliffe

 

Besetzung:

Dakota Johnson, Sean Penn, Marcos A. Gonzalez

 

Sony Pictures Classics/ Leonine Studios

2023

101 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 27. Juni 2024

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=hLcAEbrXpIA (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=PJrr2amlFyc (Englisch)

Mittwoch, 18. Dezember 2019

Film-Rezensionen: The Peanut Butter Falcon


Zack (Zack Gottsagen), ein 22-Jähriger mit Down-Syndrom, wurde von seinen Eltern in Heime abgeschoben, mangels anderer Alternativen lebt er zuletzt in einem Altersheim. Von dort gelingt ihm mit Hilfe seines Mitbewohners Carl (Bruce Dern) die Flucht, nur mit Unterhose bekleidet macht er sich auf, um in die Schule seines Idols Salt Water Redneck, einer Wrestling-Legende, aufgenommen und dort selbst zum Wrestler ausgebildet zu werden. Unterwegs trifft er auf den Kleinganoven Tyler (Shia LaBeouf), dem ein paar üble Leuten auf den Fersen sind, denen er zuvor ihre Boote angezündet hatte. Nach anfänglichem Zögern nimmt Tyler Zack unter seine Fittiche und zusammen durchqueren sie abgelegene Regionen im Süden der USA, zu Land und zu Wasser, bis sich zwischen beiden so etwas wie Freundschaft entwickelt. Als dann noch die nette Schwester Eleanor (Dakota Johnson) aus dem Heim auf der Suche nach Zack zu den beiden stößt, entsteht fast so etwas wie eine kleine Familie, die gemeinsam versucht, Zack zu seinem geliebten Salt Water Redneck zu bringen.

Der Film spielt gekonnt mit seinen Mark-Twain-Momenten, indem er die beiden Helden zum Beispiel auf einem Floß durch die seichten Arme eines Flussdeltas schickt. Dabei gibt es allein durch den jungen Darsteller Zack Gottsagen wunderbare Szenen, der mit seinem entwaffnenden Humor seinen Mitakteuren so manche Szene stiehlt. Aber auch Shia LaBeouf und Dakota Johnson machen ihre Sache gut, auch wenn das ein oder andere an manchen Stellen dann doch ein wenig zu dick aufgetragen wirkt. Dennoch hat die Reise in den tiefsten ländlichen Süden ihren eigenen Charme und die Welt der Wrestlerszene dort birgt ein paar spezielle Momente, für deren Authentizität zwei echte ehemalige Wrestler – Jake „The Snake“ Roberts und Mick Foley alias Mankind bzw. Cactus Jack – sorgen. Die Botschaften des unspektakulären aber durchaus sehenswerten Films sind simpel aber eingängig formuliert: Folge deinem Traum, egal, wer du bist und wo du herkommst, und – so sagt es Zack in seiner anrührenden Weise – Freunde sind die Familie, die du dir aussuchst.

Und, ach ja: der Filmtitel bezieht sich auf den martialischen Kampfnamen, den Zack sich gibt – der mutige Falke mit Vorliebe für Ernussbutter-Sandwiches…




Regie: Tyler Nilson, Michael Schwartz
Drehbuch: Tyler Nilson, Michael Schwartz
Kamera: Nigel Bluck
Schnitt: Nat Fuller, Kevin Tent
Musik: Zachary Dawes, Noam Pikelny, Jonathan Sadoff, Gabe Witcher

Darsteller:
Zack Gottsagen, Shia LaBeouf, Dakota Johnson, Bruce Dern, John Hawkes, Thomas Haden Church, John Bernthal,

Tobis
FSK 12
97 min.
Deutscher Kinostart: 19. Dezember 2019
 
 

Mittwoch, 10. Oktober 2018

Film-Rezensionen: Bad Times at the El Royale


Das El Royale ist ein in die Jahre gekommenes Hotel in der Nähe von Lake Tahoe, genau auf der Grenze zwischen Nevada und Kalifornien. Es hat bessere Tage gesehen, wenn auch ein Blick hinter die bröckelnde Fassade von üblen Praktiken zeugt, die hier einst stattgefunden haben, in den 50ger Jahren gab es sogar einen Mord. Nun, Mitte der 60ger Jahre, treffen eine Reihe von Gästen ein, die scheinbar in keinerlei Beziehung zueinander stehen, aber im Laufe einer einzigen Nacht einen düster-grotesken Reigen aufführen, der es in sich hat.

Die Geschichte entfaltet sich kammerspielartig und es treten auf: Miles, der Portier (Lewis Pullman), die Sängerin Emily Sweet (Cynthia Erivo), der Staubsaugervertreter Laramie Seymor Sullivan (Jon Hamm), der Priester Father Daniel Flynn (Jeff Bridges), die Schwestern Emily und Ruth Summerspring (Dakota Johnson, Cailee Spainey) und der charismatische Hippie-Guru Billy Lee (Chris Hemsworth).

Die Akteure bewegen sich wie auf einer Bühne, wobei die besondere Bauweise des Hotels den Bühnencharakter unterstreicht. Verlassen wird der geschlossene Schauplatz nur in einigen kurzen Rückblenden. Dass dennoch ein bunter und mitreißender Thriller entstanden ist, liegt an der meisterlichen Inszenierung, die sich Zeit nimmt, Dinge zu entwickeln, um dann aus dem Nichts heraus die Handlung immer wieder furios explodieren zu lassen, bis am Ende nichts mehr so ist, wie es am Anfang zu sein schien. Dass nicht alle Gäste das sind, was sie vorgeben zu sein, versteht sich fast von selbst, und von Anfang ist klar: Das El Royale ist kein Ort für einen Priester!

Dem Regisseur Drew Goddard ist ein Thriller mit Kultpotential gelungen, mit einem bestens aufgelegten Schauspielerensemble, tollem Soundtrack und jeder Menge Überraschungen, bei dem trotz einer Länge von 141 Minuten keinen Moment Langeweile aufkommt! 



Regie: Drew Goddard
Drehbuch: Drew Goddard
Kamera: Seamus McGarvey 
Musik: Michael Giacchino 
Produzenten: Jeremy Latcham, Drew Goddard

Darsteller:
Jeff Bridges, Cynthia Erivo, Dakota Johnson, Jon Hamm, Chris Hemsworth und Cailee Spainey, Lewis Pullman
Twentieth Century Fox
141 min.
Deutscher Kinostart: 11. Oktober 2018