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Donnerstag, 21. Mai 2026

Im Kino: Mother Mary

Die unter dem Namen Mother Mary megaerfolgreiche Pop-Diva Mary (Anne Hathaway) fühlt sich ausgebrannt und bereitet sich auf ihr Abschiedskonzert vor. Das passende Kleid dafür soll ihre alte Freundin, Modedesignerin Sam (Michaela Coel), entwerfen, aber das Wiedersehen der beiden verläuft nicht wie von Mary geplant, denn die berufliche wie auch private Beziehung der beiden ging einst schmerzvoll auseinander und so gibt es einiges zwischen den beiden aufzuarbeiten…

Zwischen Kammerspiel und immer wieder eingestreuten imposanten und stylischen Bühnenperformances bewegt sich dieses Psychodrama auf ungewöhnlichem Terrain. Stück für Stück entwickelt sich die Geschichte aus Andeutungen, bis sich allmählich das Gesamtbild einer Beziehung offenbart, die sowohl berufliche als auch private Aspekte hatte und irgendwann einseitig von der damals stärkeren Person aufgekündigt wurde, nämlich von Mary, als ihr Stern am Pophimmel aufging.

Nun sind die Rollen vertauscht und Designerin Sam spürt die ihr plötzlich erwachsene Macht, wenn nur sie das von Mary so ersehnte wichtige Kleidungsstück liefern kann und daraus entwickelt sich eine bittere Abrechnung, die für sich gesehen von den beiden Kontrahentinnen so intensiv vorgetragen wird, dass es stellenweise wehtut.

In diesem Teil des visuell ausdrucksstarken Films folgt man den Akteurinnen gerne und kann sich der Faszination ihrer Vorstellung kaum entziehen, getragen von Michaela Coels eindrucksvollem Gesicht und Anne Hathaways Fragilität hinter all dem Bombast ihrer Bühnenauftritte, einem Larger-than-life-Hybridwesen, angesiedelt irgendwo zwischen Taylor Swift, Lady Gaga und Madonna und mit entsprechend starken Sounds ausgestattet.

Etwas schwierig wird es, wenn das Ganze am Ende ins Mythische und Übersinnliche mit leichtem Body-Horror abdriftet und das Kammerspiel ins Horrorkabinett wechselt, und aus einem außergewöhnlichen Film, der sich außergewöhnliche Dinge traut, ein Rätsel werden lässt, dessen Lösung man vergeblich sucht. 

Besonders erwähnt sei noch, dass in dem Film, der zwar von einem Mann inszeniert ist, außer als Hintergrundtänzer kein einziger Mann auftritt, Bechdel-Test locker bestanden, wie immer man diesen Test bewerten mag…  

  

 Regie: David Lowery,

Drehbuch: David Lowery

Kamera: Andrew Droz Palermo, Rina Yang

Schnitt: David Lowery

Musik: Daniel Hart

Original-Songs: Charli xcx

 Besetzung:

Anne Hathaway, Michaela Coel, Hunter Schafer, Sian Clifford,

 

A24/ Leonine Dirstribution

2026

112 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 21. Mai 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=UH8Qbm3w5wE (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=ATGaqU6Srcc (Englisch)

Mittwoch, 26. Juni 2024

Im Kino: Daddio – Eine Nacht in New York (Daddio)

Eine junge Frau (Dakota Johnson) steigt am Flughafen in New York in ein Taxi, das sie zu ihrer Wohnung in der Innenstadt bringen soll. Während der Fahrt verwickelt sie der hemdsärmelige Taxifahrer (Sean Penn) in ein Gespräch, bei dem beide viel über den jeweils anderen, aber auch über das Leben, die Liebe und den ganzen Rest erfahren...

Wenn ein Film sich in einem so engen räumlichen Rahmen wie dem Inneren eines Taxis bewegt, dann sind die Anforderungen an Dialoge, Inszenierung und Akteure bzw. Akteurinnen gewaltig, und hier wird man auf keiner der drei Ebenen enttäuscht. Es gelingt von Beginn an, Interesse für die Figuren zu wecken und je länger man ihrem Gespräch zuhört, um so mehr wird man in ihr jeweiliges Leben und ihre Geschichte hineingezogen.

Sean Penn, wie so oft großartig, gibt den streetsmarten, gewieften, aber durchaus sympathischen Plauderer, der von sich behauptet, nach zwanzig Jahren im Taxi die Menschen besser zu kennen, als sie sich selbst. Aber auch sein Gegenpart Dakota Johnson darf beweisen, dass sie mehr kann, als man von ihr oft zu sehen bekommt. Ihre Darstellung einer jungen Frau, die offenbar erfolgreich im Leben steht – wer könnte sich sonst eine Wohnung in Manhattan leisten – deren Liebesleben jedoch in einigen Klischees steckengeblieben zu sein scheint, ist eindringlich in jeder Geste und jedem Blick. Ihre Affäre, der Mann mit dem sie während der Fahrt immer wieder Textnachrichten austauscht, scheint der Dritte im Bunde zu sein, ohne dass er körperlich im Taxi anwesend ist, treibt er das Gespräch der beiden Insassen ungewollt immer wieder an.

So ganz nebenbei gelingt es dem Film auch noch, das allgemein verbreitete Verhalten in Frage zu stellen, sich in jeder Situation mit seiner ganzen Aufmerksamkeit an das Handy in der Hand zu ketten und sich dabei die Möglichkeit zu verbauen, in einen echten Austausch mit Menschen aus Fleisch und Blut zu gelangen, die vielleicht etwas Interessantes zu sagen haben.

Alles in allem ein gelungenes Kammerspiel mit einem berührenden, wenn auch vielleicht erwartbaren Schlusspunkt, für alle, die Spaß und Interesse an intelligenten Dialogen und guten Darstellern haben, und vom nächtlichen New York bekommt man auch noch ein paar schöne Bilder zu sehen!

 


 Regie: Christy Hall

Drehbuch: Christy Hall

Kamera: Phedon Papamichael

Schnitt: Lisa Zeno Churgin

Musik: Dickon Hinchcliffe

 

Besetzung:

Dakota Johnson, Sean Penn, Marcos A. Gonzalez

 

Sony Pictures Classics/ Leonine Studios

2023

101 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 27. Juni 2024

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=hLcAEbrXpIA (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=PJrr2amlFyc (Englisch)