Blog-Archiv

Posts mit dem Label New York werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label New York werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 26. Juni 2024

Im Kino: Daddio – Eine Nacht in New York (Daddio)

Eine junge Frau (Dakota Johnson) steigt am Flughafen in New York in ein Taxi, das sie zu ihrer Wohnung in der Innenstadt bringen soll. Während der Fahrt verwickelt sie der hemdsärmelige Taxifahrer (Sean Penn) in ein Gespräch, bei dem beide viel über den jeweils anderen, aber auch über das Leben, die Liebe und den ganzen Rest erfahren...

Wenn ein Film sich in einem so engen räumlichen Rahmen wie dem Inneren eines Taxis bewegt, dann sind die Anforderungen an Dialoge, Inszenierung und Akteure bzw. Akteurinnen gewaltig, und hier wird man auf keiner der drei Ebenen enttäuscht. Es gelingt von Beginn an, Interesse für die Figuren zu wecken und je länger man ihrem Gespräch zuhört, um so mehr wird man in ihr jeweiliges Leben und ihre Geschichte hineingezogen.

Sean Penn, wie so oft großartig, gibt den streetsmarten, gewieften, aber durchaus sympathischen Plauderer, der von sich behauptet, nach zwanzig Jahren im Taxi die Menschen besser zu kennen, als sie sich selbst. Aber auch sein Gegenpart Dakota Johnson darf beweisen, dass sie mehr kann, als man von ihr oft zu sehen bekommt. Ihre Darstellung einer jungen Frau, die offenbar erfolgreich im Leben steht – wer könnte sich sonst eine Wohnung in Manhattan leisten – deren Liebesleben jedoch in einigen Klischees steckengeblieben zu sein scheint, ist eindringlich in jeder Geste und jedem Blick. Ihre Affäre, der Mann mit dem sie während der Fahrt immer wieder Textnachrichten austauscht, scheint der Dritte im Bunde zu sein, ohne dass er körperlich im Taxi anwesend ist, treibt er das Gespräch der beiden Insassen ungewollt immer wieder an.

So ganz nebenbei gelingt es dem Film auch noch, das allgemein verbreitete Verhalten in Frage zu stellen, sich in jeder Situation mit seiner ganzen Aufmerksamkeit an das Handy in der Hand zu ketten und sich dabei die Möglichkeit zu verbauen, in einen echten Austausch mit Menschen aus Fleisch und Blut zu gelangen, die vielleicht etwas Interessantes zu sagen haben.

Alles in allem ein gelungenes Kammerspiel mit einem berührenden, wenn auch vielleicht erwartbaren Schlusspunkt, für alle, die Spaß und Interesse an intelligenten Dialogen und guten Darstellern haben, und vom nächtlichen New York bekommt man auch noch ein paar schöne Bilder zu sehen!

 


 Regie: Christy Hall

Drehbuch: Christy Hall

Kamera: Phedon Papamichael

Schnitt: Lisa Zeno Churgin

Musik: Dickon Hinchcliffe

 

Besetzung:

Dakota Johnson, Sean Penn, Marcos A. Gonzalez

 

Sony Pictures Classics/ Leonine Studios

2023

101 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 27. Juni 2024

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=hLcAEbrXpIA (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=PJrr2amlFyc (Englisch)

Mittwoch, 6. September 2023

Im Kino: Dalíland

In den frühen 1970ger Jahren verbringen der weltbekannte Maler Salvador Dalí (Ben Kingsley) und seine Frau Gala (Barbara Sukowa) einige Zeit in New York, wo man in einem Hotel Hof hält und wilde Partys feiert, dabei sollte eigentlich eine Ausstellung vorbereitet werden. Damit der exzentrische Künstler das Malen nicht vergisst, schickt ihm der Galerist Christoffe (Alexander Beyer) einen jungen Assistenten namens James Linton (Christopher Briney), der sich bald als Teil des bunten Treibens sieht. Aber irgendwann erkennt er ernüchtert, dass er nur einer von Vielen ist und niemand außer dem Meister und seiner Gattin wirklich Teil von Dalíland sind…

Was angelegt ist als Einblick in das Seelenleben eines exzentrischen Künstlers, entpuppt sich bald als allzu zahmes, stellenweise durchaus amüsantes Kammerstück, bei der die Launen des Meisters und sein diffiziles Verhältnis zu seiner Frau Gala im Mittelpunkt stehen. Trotz einiger schillernder Figuren, die die Partys bevölkern – der junge Alice Cooper, die extravagante Amanda Lear – bleibt dieser vermeintliche Blick auf eine unkonventionelle Welt ziemlich konventionell. Gerade hier hätte man aber vielleicht einen genaueren Blick auf Dalís Sexualität vor allem in der Beziehung zu seiner Frau Gala erwartet, aber außer ein paar hübsch anzuschauende Bilder in der Rückschau auf das junge Paar geschieht hier gar nichts, und Galas aktuelles Interesse an einem jungen Künstler vermag auch nicht wirklich zu schockieren.

Das Stilmittel, einen neutralen Beobachter quasi von außen auf das Geschehen blicken zu lassen, gelingt mit der (fiktiven) Figur des James Linton zu keinem Zeitpunkt, dafür ist der junge Mann einfach zu farblos und blass. Er trägt nichts wirklich zur Geschichte bei, außer hin und wieder die Launen des Genies abzufangen, was ein bisschen wenig ist. Vielleicht hätte hier ein Darsteller mit mehr Charisma geholfen, einen echten Kontrapunkt zu den exzentrischen Hauptfiguren des Films zu setzen.

Spaß macht es dagegen, den beiden Hauptdarstellern bei der Arbeit zuzusehen, hier entwickelt sich dann doch immer einmal so etwas wie Dynamik und man erahnt die hochexplosive Spannung innerhalb dieser Ehe, zwischen Verbundenheit und Eifersucht, bis hin zu einer tiefen Abhängigkeit des Meisters von seiner Frau, die immer auch seine Muse geblieben ist.

Von dem Werk Dalís allerdings, von seinen weltbekannten Bildern, ist an keiner Stelle auch nur ein einziges wirklich zu sehen, weil offensichtlich hierfür keine Freigabe seitens der Rechteinhaber gab, und das ist ein Manko, das auch die besten Schauspieler nicht aufwiegen können: ein Film über einen Maler ohne ein einziges seiner ikonischen Bilder zu zeigen, das geht doch gar nicht… aber urteilen Sie selbst!


Regie: Mary Harron

Drehbuch: John Walsh

Kamera: Marcel Zyskind

Schnitt: Alex Mackie

Musik: Edmund Butt

Besetzung:

Ben Kingsley, Barbara Sukowa, Christopher Briney, Rupert Graves, Alexander Beyer, Ezra Miller, Avital Lvova, Andreja Pejic, Mark McKenna,

SquareOne Entertainment/ Magnolia Pictures

2022

97 min.

Deutscher Kinostart: 07. September 2023


Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=iFIeqky4Xso (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=H7T84-XhTj8 (Englisch)


Donnerstag, 23. September 2021

Heimkino: Mein Jahr in New York (My Salinger Year)

Die blutjunge Joanna (Margaret Qualley) kommt in den 1990ger Jahren nach New York, um Schriftstellerin zu werden. Über einen Assistentinnen-Job in einer Literaten-Agentur, deren berühmtester Autor der legendäre J.D. Salinger ("Der Fänger im Roggen") ist,  möchte sie Erfahrungen im Literaturbetrieb sammeln, aber ihre Hauptaufgabe besteht darin, Fanbriefe an Salinger zu schreddern. Als ihre Chefin Margaret (Sigourney Weaver) ihr schließlich das Angebot macht, selbst Autoren zu betreuen, muss sie sich entscheiden: Anderen Stimmen zum Durchbruch verhelfen, oder ihre eigene Stimme finden?

Der Film des kanadischen Regisseurs Falardeau war der Eröffnungsfilm der Berlinale 2020 und wurde ein weiteres Opfer von Corona. Vordergründig eine leidenschaftliche Hommage an die Literatur und den Literaturbetrieb hätte die autobiographische Geschichte der Autorin Joanna Rakoff es verdient gehabt, ihr Publikum im Kino zu bekommen. Nun besteht die Möglichkeit, sich dieses kleine aber feine Werk ins Heimkino zu holen.

Was den Film neben den Bezügen und Einsichten in den Literaturbetrieb sehenswert macht, ist das Porträt seiner Protagonistin, einer jungen Frau auf der Suche nach ihrem Platz im Leben. Mehrfach steht die unerfahrene Joanna sowohl privat als auch beruflich vor einem Scheideweg und sie wählt jeweils mit Bedacht, aber vor allem ihrer Leidenschaft folgend. So hätte sie zu Anfang eigentlich ihrem in Berkeley studierenden Freund folgen sollen, aber sie geht nach New York, weil sie sich da als zukünftige Schriftstellerin besser aufgehoben fühlt. Dort ist sie zunächst nicht auf Rosen gebettet, aber sie ist bereit, auch Umwege in Kauf zu nehmen, zu lernen, dann aber auch mit etwas abzuschließen, wenn es für die Verwirklichung ihrer Träume notwendig wird. Eine weitere Beziehung beendet sie, als ihr klar wird, dass sie darin nicht glücklich ist, ebenso verfährt sie mit ihrer möglichen Karriere in der Autorenbetreuung, die für sie nur einen Schritt auf ihrem eigenen Weg bedeutet.

So jung und unbedarft Joanna zunächst scheint, so kompromisslos und stark zeigt sie sich bei ihren Entscheidungen, niemals den einfachen Weg zu wählen, sondern das anzugehen, was sie sich vorgenommen hat, und zu sehen, wie weit sie damit kommt.

Das Ganze ist bedächtig und mit viel Wärme erzählt und lässt den beiden Hauptdarstellerinnen den Raum, den sie für ihre Charakterzeichnungen brauchen, dabei sind es manchmal kleine Gesten, die eine große Wirkung entfalten. Sigourney Weaver darf glänzen, aber auch die junge Margaret Qualley behauptet sich eindrucksvoll neben dieser Ikone des Kinos, alles in allem starkes Erzählkino ohne spektakuläre Höhepunkte, dafür mit der eindringlichen Dramaturgie, die nur das Leben so schreibt.


 Regie: Philippe Falardeau

Drehbuch: Philippe Falardeau, b/a Biographie von Joanna Smith Rakoff

Kamera: Sara Mishara

Schnitt: Frédérique Broos, Mary Finlay

Musik: Martin Léon

 

Besetzung:

Sigourney Weaver, Margaret Qualley, Brian F. O’Byrne, Colm Feore, Yanic Truesdale,

 

Koch Films

Can/ Irland 2020

101 min.

FSK 0

 

Ab 23. September 2021 auf Blu-ray und DVD (Digital ab 09. September 2021)

 

Details Blu-ray:

Sprachen: Englisch, Deutsch

Untertitel: Deutsch

Bild: 1,85:1 (1080p)

Ton: DTS-HD Master Audio 5.1

Bonusmaterial:

- Interviews mit Margaret Qualley, Philippe Falardeau  und Joanna Rakoff

- Mein Jahr in New York auf der Berlinale 2020

- Trailer deutsch/englisch

  Trailershow

EAN-Code 4020628719180

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=um1mwGnHjXg (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=05jdkAUwGPM (Englisch)

Montag, 27. Juli 2020

Im Kino: The King of Staten Island

In der Eingangssequenz des Films wird Scott Carlin (Pete Davidson) als ganz böser Bube präsentiert, der auf dem Highway mit seinem und dem Leben anderer spielt. Doch im Grunde ist er nur ein junger Mann ohne Orientierung oder Ambitionen, der mit 24 noch zu Hause bei seiner Mutter Margie (Marisa Tomei) lebt, während seine jüngere Schwester Claire (Maude Apatow) bereits aufs College geht.

Sein Vater starb als Feuerwehrmann im Einsatz, als Scott sieben Jahre alt war, und dies ist ihm Rechtfertigung genug, sich einfach treiben zu lassen. Er hat eine Freundin, die er nicht wirklich glücklich macht, ansonsten hängt er mit seinen Kifferfreunden ab, vor der tristen Kulisse von Staten Island, dem unspektakulärsten und unglamourösesten Stadtteil New Yorks. Wenn überhaupt von etwas, träumt er davon, ein Tattoo-Café zu eröffnen, dafür übt er das Tätowieren an jedem, der ihn lässt, zum König wird er dabei allerdings nicht. Eines Tages verliebt sich Margie ausgerechnet in den Feuerwehrmann Ray (Bill Burr) und setzt Scott ein Ultimatum, endlich auf eigenen Füßen zu stehen, worin sie von Ray bestärkt wirkt, für Scott ein Grund, alles daran zu setzen, diesen Mann wieder aus dem Leben seiner Mutter zu vertreiben. Ohne es zu merken, erwacht er dabei langsam aus seiner Lethargie und entdeckt über Umwege ganz neue Seiten an sich – die Wege ins Erwachsenenleben sind manchmal verschlungen und schräg…

Die Tragikomödie von Judd Apatow ist weder richtig tragisch noch zum Brüllen komisch und, ohne eine durchstrukturierte Handlung, ein wenig zu lang geraten. Aber sie ist charmant und liebenswert, kommt genauso verschlurft daher, wie ihr schlaksiger Protagonist, glänzend dargestellt von dem jungen Komiker Pete Davidson. Wie seine Filmfigur wurde er auf Staten Island geboren und verlor früh seinen Vater, der als Feuerwehrmann bei den Anschlägen vom 11. September ums Leben kam. Aber im Gegensatz zu seinem filmischen Alter Ego hat Davidson offenbar seinen Weg gefunden, er tritt regelmäßig in der Comedy-Show Saturday Night Life auf, hat am Drehbuch dieses Films mitgeschrieben und fungierte als ausführender Produzent.

Ihm und Apatow gelingt es, Scott, diesen großen Jungen, der nicht erwachsen werden will – im Englischen gibt es die treffende Bezeichnung Man-Child – und der viele dumme Sachen macht und sagt, zu mögen, obwohl er es allen um sich herum nicht einfach macht und man ihm zwischendurch auch mal kräftig in den Hintern treten möchte. Es ist dieses Gespür für seine Figuren insgesamt, das den Film trägt, wir sehen richtige Menschen mit ihren Problemen, für die es nicht immer sofort eine Lösung gibt, unspektakulär vielleicht und genauso unglamourös wie der Stadtteil, in dem sie zu Hause sind, aber auch sie haben Geschichten zu erzählen, und bei dieser hat man gerne eine Weile zugeschaut, am Ende ist man fast ein bisschen traurig, dass man nicht weiter dabei sein darf – etwas Besseres kann man über einen Film mit Überlänge eigentlich nicht sagen…

 

Regie: Judd Apatow

Drehbuch: Judd Apatow, Pete Davidson, Dave Sirus

Kamera: Robert Elswit

Schnitt: Jay Cassidy, William Kerr, Brian Scott Olds

Musik: Michael Andrews

 

Darsteller:

Pete Davidson, Marisa Tomei, Steve Buscemi, Maude Apatow, Moises Arias, Bill Burr,

 

Universal Pictures

136 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 30. Juli 2020

und als Video on Demand

 © Universal Pictures

Trailer:  https://www.youtube.com/watch?v=azkVr0VUSTA

Dienstag, 10. März 2020

Film-Rezensionen: New York - Die Welt vor deinen Füßen (The World Before Your Feet)


Der Amerikaner Matt Green ist gut zu Fuß: Nach einem Marsch von Küste zu Küste quer durch die Vereinigten Staaten nimmt er sich vor, jede Straße und jede Gasse in allen Stadtbezirken von New York City zu durchwandern, einschließlich aller Parks und Friedhöfe, insgesamt eine „Reise" von mehr als 8000 km. 
Durch Greens regelmäßigen Onlineblog auf ihn aufmerksam geworden, begleitet der Filmemacher Jeremy Workman Matt eine Zeit lang, und aus dem gesamten Bildmaterial ist dieser Film entstanden. Wer ein Hochglanzporträt von New York erwartet, wird vielleicht enttäuscht sein, denn es geht vielfach in eher unbekannte Gegenden, und der Film bietet auch keine strukturierte Wanderung, sondern nähert sich seinem Thema mit immer neuen Ansatzpunkten und unter immer neuen Vorzeichen. Mal sind es besondere Pflanzen, die Green auffallen, mal originelle Friseurschilder, oder alle Zeichen, die an 9/11 erinnern, er hat seine Augen offen für alles. 

Green, der seine Wanderung nicht begonnen hat, um Filmstar zu werden, der seinen gutbezahlten Job und seine Wohnung aufgegeben hat, bei Freunden wohnt und von Ersparnissen und Verdiensten als Baby-, Katzen- und Hundesitter lebt, kann kein wirkliches Ziel und keine Gründe angeben, wenn er auf seiner Wanderung denjenigen, denen er begegnet und die ihn fragen, unzählige Male erklärt, was er macht. 

Er geht einfach, und überlässt es anderen, dem Ganzen einen Sinn zu geben, er braucht augenscheinlich keinen, sondern macht einfach, was er macht. Dank Filmemacher Workman ist am Ende das spannende Porträt eines scheinbar ziellosen Menschen mit einem starken Willen und einer faszinierenden Stadt entstanden, in jeder Hinsicht außergewöhnlich und sehenswert.


Regie: Jeremy Workman
Kamera: Jeremy Workman
Schnitt: Jeremy Workman
Musik: Max Avery Lichtenstein, Carly Comando, Helen Jane Long, Rhonda Mackert, Tom Rosenthal

Darsteller: Matt Green + Die Straßen von New York

Happy Entertainment
Dokumentarfilm, 95 min.
USA 2018
FSK 0
Deutscher Kinostart: 12. März 2020



Dienstag, 3. Dezember 2019

Film-Rezensionen: A Rainy Day in New York


Gatsby Welles (Timothée Chalamet), ein junger Mann aus wohlhabendem Elternhaus, verbringt mit seiner Freundin Ashleigh (Elle Fanning) ein Wochenende in New York, das ganz anders verläuft, als beide es geplant hatten. Es entwickelt sich ein Reigen unerwarteter Begegnungen und Erlebnisse, an dessen Ende beide erkennen, was für ihr weiteres Leben wichtig ist.

Woody Allen kehrt mit dieser romantischen
Komödie dorthin zurück, wo er zu Hause ist, und er schafft es wieder einmal, seine Stadt aus diesem nostalgischen Blickwinkel zu zeigen, wie nur er es kann. Er begleitet seine jungen Protagonisten auf ihren vergnüglichen Irrungen und Wirrungen im regnerischen New York, lässt sie aber nie im Regen stehen – anders als diese es mit ihm tun, hat sich doch sein gerade so angesagter Hauptdarsteller, der dandyhafte Chalamet, nach Drehschluss von ihm und diesem Film distanziert. 

Grund hierfür sind die aus dem Kreis seiner Familie erhobenen Vorwürfe, mit denen sich Allen seit Jahren bei jedem neuen Film konfrontiert sieht. Im Gegensatz zu anderen Hollywoodgrößen, denen seit der #MeToo-Debatte von verschiedenen Seiten sexuelle Verfehlungen nachgesagt werden, geht es bei Allen um einen einzigen Vorfall, der, sollte er sich tatsächlich zugetragen haben, schlimm genug wäre, aber genau hier liegt das Problem, denn es gab zwei Untersuchungen gegen ihn in dieser Sache, die beide ergebnislos eingestellt wurden. Außerdem wird er von einem anderen Familienmitglied vehement verteidigt, beides sollte eigentlich genügen, ihn als unschuldig gelten zu lassen, solange sein Schuld tatsächlich nicht bewiesen wurde. Dies scheint im aktuellen Klima jedoch nicht möglich zu sein, weswegen sein aktuelles Werk auf absehbare Zeit nicht in den USA gezeigt wird. Das ist unfair und auch bedauerlich, denn auch wenn der Film vielleicht kein Meisterwerk ist – Woody Allen selbst hat einmal gesagt, er habe nie Meisterwerke geschaffen, sondern nur gute Filme und schlechtere Filme – so ist „A Rainy Day in New York" eindeutig einer seiner besseren, etwas altmodisch vielleicht, aber auf angenehme Art vertraut, wie ein Heimkommen nach längerer Abwesenheit.

Regie: Woody Allen
Drehbuch: Woody Allen
Kamera: Vittorio Storaro
Schnitt: Alisa Lepselter
Darsteller:
Timothée Chalamet, Elle Fanning, Liev Schreiber, Selena Gomez, Jude Law, Rebecca Hall

   USA 2019
92 min.
Deutscher Kinostart: 05. Dezember 2019


Mittwoch, 15. Mai 2019

Film-Rezensionen: The Sun is also a Star


Natasha Kingsley (Yara Shahidi) lebt mit ihrer Familie seit neun Jahren in New York. Nun sollen sie nach Jamaika, ihrem Herkunftsland, abgeschoben werden und Natasha bleiben noch 24 Stunden, um dieses Schicksal abzuwenden. Aber an Schicksal glaubt der Teenager nicht, ganz im Gegensatz zu Daniel Bae (Charles Melton), Sohn koreanischer Einwanderer. Er soll die hohen Erwartungen seiner Eltern erfüllen, die in ihm einen zukünftigen Mediziner sehen, während er lieber Dichter werden möchte. Als er und Natasha im hektischen und geschäftigen New York aufeinandertreffen und er sich sofort in sie verliebt, ist für ihn klar, dass dies nur Bestimmung sein kann, die einem höheren Plan folgt. Hiervon versucht er, Natasha in ihrer verbleibenden gemeinsamen Zeit zu überzeugen, eine schwierige Aufgabe, weil Natasha eher an Zahlen und Fakten glaubt als an diffuse Gefühle. Wird Daniel sie überzeugen können, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als unsere Schulweisheit sich träumen lässt?

Der Film, der auf einem vielfach ausgezeichneten Jugendbuch beruht, ist keine kitschige Teenagerromanze, auch wenn es ein paar gefühlige Kuss-Momente gibt. Vielmehr führt er in immer neuen Variationen vor Augen, wie wenig es braucht, damit aus einem Leben ein völlig anderes wird, ein Augenblick, eine kurze Begegnung, ein Moment, der alles entscheidend verändert. Jede Zufälligkeit kann eine Bedeutung haben, manche Menschen glauben fest daran, während andere keinen tieferen Sinn darin sehen, als dass das Leben von vielen nicht beeinflussbaren Momenten bestimmt wird. Solche Elemente ziehen sich durch den ganzen Film, geschickt wird mit zufälligen Ereignissen gespielt, die wenn nicht für den einen, dann vielleicht für jemand ganz anderen eine Bedeutung bekommen und je nachdem wird sich der Daniel in uns fragen: „Was wäre gewesen, wenn…“ oder: „Was hätte sein können...", und die Natasha in uns wird feststellen: „Was geschieht, geschieht, und wir können gar nichts daran ändern“, wir leben ein ganzes Leben, das im Lauf des Universums, in dem die Sonne auch nur ein Stern ist, nicht mehr ist als ein einziger Tag, machen wir das Beste daraus!

“We are like butterflies who flutter for a day and think it is forever.”(Carl Sagan)




Regie: Ry Russo-Young
Drehbuch: Tracy Oliver, b/a Roman von Nicola Yoon
Kamera: Autumn Durald
Schnitt: Joe Landauer
Musik: Herdís Stefánsdóttir

Darsteller:
Yara Shahidi, Charles Melton, Keong Sim, Jake Choi, John Leguizamo
 
Warner Brothers
120 min.
Deutscher Kinostart: 16. Mai 2019