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Mittwoch, 10. September 2025

Im Kino: Honey Don't!

Privatdetektivin Honey O’Donohue (Margaret Qualley) ermittelt im sonnigen Bakersfield, meistens geht es um untreue Ehepartner. Aber jetzt gibt es plötzlich ein paar Leichen, der Priester einer ominösen Sekte (Chris Evans) geht ungeniert seinen Gelüsten nach und Honey kommt richtig ins Grübeln, um die richtigen Schlüsse zu ziehen und die diversen Rätsel um sie herum zu lösen…

Nach „Drive-Away Dolls“ führt Ethan Coen, seit einiger Zeit ohne seinen Bruder Joel unterwegs, seine geplante queere B-Movie-Trilogie weiter, hier orientiert er sich thematisch und stilistisch am Film Noir früherer Zeiten, dabei mischt er Elemente dieses Genres mit modernen, optisch könnte das Ganze in den in den 1930ger bis 1950ger Jahren spielen, wenn man damals schon Handys gehabt hätte.

Margaret Qualley schreitet auf High Heels durch die Szenerie, immer mit einem lakonischen Marlow-Spruch auf den Lippen, dabei wehrt sie die notorischen Anmachversuche des örtlichen Polizisten ab, der einfach nicht kapieren will, dass sie auf Frauen steht, was dem Publikum zu beweisen sie ausreichend Gelegenheit erhält.

Daneben stehen blutige Szenen mit explizierter Gewalt im Stile Tarantinos und als Eigenreferenz der früheren Coen-Filme, für die es so keine echte Notwendigkeit gibt und durch diese beliebige Mischung aus Sex und Crime besteht der Film letztlich nur aus Versatzstücken, die kein stimmiges Ganze ergeben, und vor allem die Auflösung, die zum Schluss plötzlich aus dem Hut gezaubert wird, enttäuscht.

Am Ende ist der Film mehr Schein als Sein, wobei der Schein teilweise durchaus schön anzusehen ist, so dass, auch wenn das Ganze nicht durchweg stimmig ist, es durchaus unterhaltsame Momente gibt, die einen Kinobesuch lohnen.

 

 

 

Regie: Ethan Coen

Drehbuch: Ethan Coen, Tricia Cooke

Kamera: Ari Wegner

Schnitt: Tricia Cooke, Eily Denker

Musik: Carter Burwell

 

Besetzung:

Margaret Qualley, Aubrey Plaza, Chris Evans, Lera Abova, Jacnier, Gabby Beans

 

 

Working Title Films/ Universal Pictures International

2025

89 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 11. September 2025

 

 

Trailer:  https://www.youtube.com/watch?v=0NXplfZYaM4 (Deutsch)

  https://www.youtube.com/watch?v=Jzr6pHIZAI0 (Englisch)

 

Mittwoch, 18. September 2024

Im Kino: The Substance

Die TV-Aerobic-Ikone Elisabeth Sparkle (Demi Moore) soll mit ihrer bisher erfolgreichen Sendung vom Bildschirm verschwinden, weil sie nach Ansicht des Produzenten Harvey (Dennis Quaid) zu alt wird. Da erfährt Elisabeth von einer geheimnisvollen Substanz, mit deren Hilfe man eine jüngere, perfektere Version von sich selbst generieren kann, und tatsächlich gibt es bald die junge, knackige Sue (Margaret Qualley), die Elisabeths Show übernimmt. Allerdings hat die Gebrauchsanweisung für die Substanz klare Regeln, unter anderem dürfen Sue und Elisabeth jeweils nur abwechselnd eine Woche aktiv sein, während die andere ruht, denn sie sind keine eigenständigen Personen, sondern zwei Seiten desselben Ichs. Aber da Sue das erfolgreichere und aufregendere Leben führt, beginnt sie, ihre Zeit immer mehr zu verlängern, was der armen Elisabeth gar nicht gut bekommt… 

Was als bitterböse Satire auf den allgemeinen Jugendwahn beginnt, entwickelt sich recht bald zum einem Body-Horror-Film, der diesbezüglich, vor allem zum Ende hin, nicht mit drastischen Bildern geizt. Zunächst ist noch alles stylisch, wenn auch ein wenig überzeichnet, was sich vor allem in dem Porträt des wunderbar schmierigen Harvey zeigt, der selber alt und unattraktiv geworden, von diesem Umstand mirakulöserweise nichts mitbekommt, sondern sich nach wie vor als Macher voller viriler Kraft und Stärke geriert, wo er doch nur ein armes Würstchen ist.

Demgegenüber sehen wir eine Demi Moore, die auch in ihrem Alter einen durchtrainierten Körper zeigt, der auch deutlich jüngeren Frauen neidisch werden lässt, dann aber einen Mut zur Hässlichkeit beweist, wie man ihn lange nicht mehr erleben konnte. Das groteske, abscheuliche Finale hätte es in dieser Ausführlichkeit vielleicht nicht gebraucht, ein gnädiges Ende zehn Minuten früher hätte dem Film nicht geschadet, nun muss man halt da durch…

Für Freunde des Genres aber auf jeden Fall ein Leckerbissen und für alle anderen die Botschaft, dass, wie man aus den Beispielen mit den drei Wünschen weiß, vermeintliche Lebensverbesserungen nicht ohne Tücken sind und man sich unbedingt  genau an die Spielregeln halten sollte, wenn es nicht fürchterlich schief gehen soll!

  


 Regie: Coralie Fargeat

Drehbuch: Coralie Fargeat

Kamera: Benjamin Kracun

Schnitt: Jerome Eltabet, Coralie Fargeat, Valentin Féron

Musik: Rafferie

 

Besetzung:

Demi Moore, Margaret Qualley, Dennis Quaid, Hugo Diego Garcia, Oscar Lesage

 

Working Title/ MUBI

2024

140 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 19. September 2024

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=gc2vaYGQqTM (Deutsch)

https://mubi.com/en/films/the-substance/trailer (Englisch)

 

Donnerstag, 23. September 2021

Heimkino: Mein Jahr in New York (My Salinger Year)

Die blutjunge Joanna (Margaret Qualley) kommt in den 1990ger Jahren nach New York, um Schriftstellerin zu werden. Über einen Assistentinnen-Job in einer Literaten-Agentur, deren berühmtester Autor der legendäre J.D. Salinger ("Der Fänger im Roggen") ist,  möchte sie Erfahrungen im Literaturbetrieb sammeln, aber ihre Hauptaufgabe besteht darin, Fanbriefe an Salinger zu schreddern. Als ihre Chefin Margaret (Sigourney Weaver) ihr schließlich das Angebot macht, selbst Autoren zu betreuen, muss sie sich entscheiden: Anderen Stimmen zum Durchbruch verhelfen, oder ihre eigene Stimme finden?

Der Film des kanadischen Regisseurs Falardeau war der Eröffnungsfilm der Berlinale 2020 und wurde ein weiteres Opfer von Corona. Vordergründig eine leidenschaftliche Hommage an die Literatur und den Literaturbetrieb hätte die autobiographische Geschichte der Autorin Joanna Rakoff es verdient gehabt, ihr Publikum im Kino zu bekommen. Nun besteht die Möglichkeit, sich dieses kleine aber feine Werk ins Heimkino zu holen.

Was den Film neben den Bezügen und Einsichten in den Literaturbetrieb sehenswert macht, ist das Porträt seiner Protagonistin, einer jungen Frau auf der Suche nach ihrem Platz im Leben. Mehrfach steht die unerfahrene Joanna sowohl privat als auch beruflich vor einem Scheideweg und sie wählt jeweils mit Bedacht, aber vor allem ihrer Leidenschaft folgend. So hätte sie zu Anfang eigentlich ihrem in Berkeley studierenden Freund folgen sollen, aber sie geht nach New York, weil sie sich da als zukünftige Schriftstellerin besser aufgehoben fühlt. Dort ist sie zunächst nicht auf Rosen gebettet, aber sie ist bereit, auch Umwege in Kauf zu nehmen, zu lernen, dann aber auch mit etwas abzuschließen, wenn es für die Verwirklichung ihrer Träume notwendig wird. Eine weitere Beziehung beendet sie, als ihr klar wird, dass sie darin nicht glücklich ist, ebenso verfährt sie mit ihrer möglichen Karriere in der Autorenbetreuung, die für sie nur einen Schritt auf ihrem eigenen Weg bedeutet.

So jung und unbedarft Joanna zunächst scheint, so kompromisslos und stark zeigt sie sich bei ihren Entscheidungen, niemals den einfachen Weg zu wählen, sondern das anzugehen, was sie sich vorgenommen hat, und zu sehen, wie weit sie damit kommt.

Das Ganze ist bedächtig und mit viel Wärme erzählt und lässt den beiden Hauptdarstellerinnen den Raum, den sie für ihre Charakterzeichnungen brauchen, dabei sind es manchmal kleine Gesten, die eine große Wirkung entfalten. Sigourney Weaver darf glänzen, aber auch die junge Margaret Qualley behauptet sich eindrucksvoll neben dieser Ikone des Kinos, alles in allem starkes Erzählkino ohne spektakuläre Höhepunkte, dafür mit der eindringlichen Dramaturgie, die nur das Leben so schreibt.


 Regie: Philippe Falardeau

Drehbuch: Philippe Falardeau, b/a Biographie von Joanna Smith Rakoff

Kamera: Sara Mishara

Schnitt: Frédérique Broos, Mary Finlay

Musik: Martin Léon

 

Besetzung:

Sigourney Weaver, Margaret Qualley, Brian F. O’Byrne, Colm Feore, Yanic Truesdale,

 

Koch Films

Can/ Irland 2020

101 min.

FSK 0

 

Ab 23. September 2021 auf Blu-ray und DVD (Digital ab 09. September 2021)

 

Details Blu-ray:

Sprachen: Englisch, Deutsch

Untertitel: Deutsch

Bild: 1,85:1 (1080p)

Ton: DTS-HD Master Audio 5.1

Bonusmaterial:

- Interviews mit Margaret Qualley, Philippe Falardeau  und Joanna Rakoff

- Mein Jahr in New York auf der Berlinale 2020

- Trailer deutsch/englisch

  Trailershow

EAN-Code 4020628719180

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=um1mwGnHjXg (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=05jdkAUwGPM (Englisch)