Arrakis, der Wüstenplanet, wäre ein Ort voller Schönheit und
Stille, hätte man dort nicht den begehrten Stoff Spice gefunden, ohne
den die interstellare Raumfahrt nicht möglich ist. Seither wird der Planet von
wechselnden Herrscherhäusern ausgebeutet und die Bewohner von Arrakis, das Volk
der Fremen, unterdrückt. Als das Haus Atreides das bisherige Haus Harkonnen als
Spice-Schürfer ablösen soll, kommt es zum Kampf aller gegen alle: Während die
Harkonnen ihr Privileg nicht kampflos abgeben wollen, stemmen sich die Fremen
gegen die Ausbeutung ihres Planeten, durch wen auch immer. Dabei erwarten sie
die Ankunft eines Mahdi/ Messias, und dieser könnte in Gestalt des jungen Paul
Atreides (Timothée Chalamet) nach Arrakis gekommen sein. Paul, Sohn von Leto
(Oscar Isaac), Chef des Hauses Atreides und dessen Geliebter Jessica (Rebecca
Ferguson), ihrerseits Mitglied der geheimnisvollen Gilde der Bene Gesserit, wird von
Träumen und Visionen geplagt, aber ist er tatsächlich der von den Fremen so
sehnsüchtig erwartete Erlöser?
Die Geschichte von „Dune“, wie sie einst der Autor Frank
Herbert Mitte der 1960ger Jahre ersonnen hat, spielt in ferner, ferner Zukunft
in einem feudalistischen Gesellschaftssystem, in dem Familienclans, die Großen
Häuser, ausführen, was ein Imperator an der Spitze bestimmt. Teile des Weltalls
wurden besiedelt, Computer und künstliche Intelligenz hingegen sind verpönt,
weil die Menschen dadurch das Denken verlernen. So haben sich einige geistig
hoch stehende Gruppierungen entwickelt, wie die Mentaten und die
Schwesternschaft der Bene Gesserit, die spirituell, wissenschaftlich und
wirtschaftlich ihren Einfluss geltend machen. Diese und viele weitere Details
erklärt der Film nicht, für Kenner des Werks von Frank Herbert sind sie
selbstverständlich, für alle anderen zumindest ansatzweise zu erschließen, was
gleichzeitig Stärke und Schwäche des Films bedeuten kann. So kommt er ohne
lange Erklärungen aus dem Off aus, abgesehen von einer kurzen Einführung durch
die Figur der Fremen-Frau Chani (Zendaya), und lässt dadurch der Handlung ganz
elegant ihren Lauf, was die Dune-Adepten entzücken dürfte, während es für die
Uneingeweihten einiges an Vor- oder Nacharbeiten bedeutet, um die Zusammenhänge
besser zu verstehen. Ob sich hierdurch mehr Zuschauer angezogen als
abgeschreckt fühlen werden, bleibt abzuwarten, allerdings dürfte dies darüber
entscheiden, ob es eine Fortsetzung dieses opulenten Films geben wird. Dass
Herberts Vorlage unverfilmbar sei, wie es der Versuch des
exzessiv-surreal-verqueren David Lynch aus dem Jahr 1984 bestätigt habe, sollte
aber bereits jetzt widerlegt sein.
Auch ohne die komplizierte Hintergrundgeschichte zu
kennen und auch wenn beim mächtigen Soundtrack von Hans Zimmer manches Mal
weniger mehr gewesen wäre, ist der Film ein Erlebnis, das seine ganze
Wirkung natürlich nur auf der großen Leinwand entfalten kann. Grandiose Bilder
von riesigen wie Kathedralen anmutende Hallen, allerdings ohne jeglichen das
Auge erfreuenden Schmuck, beeindrucken ebenso, wie die Weiten der Wüsten mit
ihren unheimlichen Phänomenen. Archaisch anmutende Kämpfe, geheimnisvolle
Charaktere und Figuren lassen eine gleichzeitig fremde und vertraut wirkende
Welt erstehen, in der die Menschen ihren Drang zur Macht und ihren Hang zu
dessen Missbrauch nicht abgelegt haben, aber durch mentale Kräfte und mystische
Elemente – auch mit Hilfe des „Spice“ genannten Stoffes – eine neue Dimension
des menschlichen Denkens und Handelns entwickelt haben, diese Aspekte des
Dune-Universums sind beeindruckend umgesetzt. Menschliche
Wärme sucht man allerdings vergeblich, Emotionalität spielt sich im Kopf, nicht
so sehr im Herzen ab.
Die Charaktere sind durchgehend solide besetzt, wobei die
großartige Rebecca Ferguson einmal mehr überzeugt. Die wackeren Kämpen Jason
Momoa, der unvermeidliche Josh Brolin oder Dave Bautista erfüllen ihre Rollen,
ebenso wie Oscar Isaac und der fremenhaft blauäugige Javier Bardem, während
von der zur Zeit so angesagten Zendaya noch nicht allzu viel zu sehen ist, was
sich wohl erst in der Fortsetzung ändern wird. Gelungen
auch der Auftritt der für Arrakis so wichtigen Sandwürmer, nicht einfach zu
adaptieren bieten sie eine teilweise atemberaubende Show. Dem jungen und immer wieder
hochgelobten Timothée Chalamet fehlt allerdings etwas die für seinen so
wichtigen Charakter notwendige Ausstrahlung, sein Paul Atreides zeigt die
Zweifel und zögernde Zurückhaltung angesichts seiner künftigen bedeutenden
Rolle, bietet aber zu wenig Tiefe und bleibt insgesamt leider zu farblos.
Dessen ungeachtet: Wer sich auf „Dune“ einlässt, wird in
diese von Herbert ersonnene und von Villeneuve filmisch grandios zum Leben
erweckte Welt förmlich hineingesogen,
was einmal mehr manifestiert, dass das Kino (neben dem Buch) ein Ort der
Magie ist und bleibt, an dem alles möglich ist, sobald es seine Zauberkraft
entfaltet, etwas, das niemand ermessen kann, der Filme ausschließlich am
heimischen Fernseher, oder, noch schrecklicher, mittels Tablet oder Handy
konsumiert.
Regie: Denis
Villeneuve
Drehbuch: Jon
Spaihts, Denis Villeneuve, Eric Roth, b/a Roman von Frank Herbert
Kamera: Greig
Fraser
Schnitt: Joe
Walker
Musik: Hans
Zimmer
Besetzung:
Rebecca Ferguson,
Oscar Isaac, Timothée Chalamet, Jason Momoa, David Dastmalchian, Josh Brolin,
Dave Bautista, Javier Bardem, Stellan Skarsgård, Charlotte Rampling, Zendaya,
Chen Chang,
USA 2021
Warner Bros.
Pictures/ Warner Bros. Germany
FSK 12
155 min.
Deutscher Kinostart:
16. September 2021
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=NHMCcXjD7Ak
(deutsch)
https://www.youtube.com/watch?v=8g18jFHCLXk
(englisch)