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Mittwoch, 2. April 2025

Im Kino: Eden

In den 1920ger Jahren entfliehen einige sehr unterschiedliche Menschen der Zivilisation und versuchen, sich auf der vormals unbewohnten Galápagos-Insel Floreana, ein neues Leben aufzubauen. Der deutsche Arzt Dr. Friedrich Ritter (Jude Law) und seine an MS erkrankte Lebensgefährtin Dore Strauch (Vanessa Kirby) sind die Ersten. Ritters Berichte und philosophische Traktate von der Insel locken weitere Auswanderer und Abenteurer an, so die deutsche Familie Wittmer (Daniel Brühl, Sydney Sweeney) und die schillernde Baroness Eloise Wehrborn de Wagner-Bosquet (Ana de Armas), die mit ihren zwei Liebhabern im Gefolge Pläne für ein Luxushotel hegt. Alle versuchen, ihre Utopie zu verwirklichen, aber schon bald gerät das Ganze aus den Fugen…

Die Hölle, das sind bekanntermaßen die anderen, und dafür liefert dieser Film einen eindrücklichen Beweis. Statt sich in der überhaupt nicht paradiesischen, sondern wilden und eher lebensfeindlichen Umwelt gegenseitig zu helfen und zusammenzustehen, entwickelt sich ein ständiges Gegeneinander im niederträchtigen und egoistischen Kampf um Wasser und Nahrung und den besten Platz auf der ansonsten menschenleeren Insel.

Friedrich Ritter erweist sich als inkompetenter Theoretiker, der in seiner Zeit auf der Insel nicht einmal halb soviel geschafft hat, wie die Familie Wittmer, die schon bald ein kleines, festes Haus besitzt und erfolgreich bei der Gewinnung von Nahrung und Wasser ist. Gerade als sich zwischen den Parteien trotzdem eine Art Gleichgewicht einzustellen beginnt, gerät dieses durch die Ankunft der dritten Partei in Gestalt der vorgeblichen Baroness schon nach kurzer Zeit völlig aus den Fugen. Sie ist der Prototyp des egoistischen und manipulativen Menschen, der einfach nicht in Frieden mit anderen zusammenleben kann, ohne diesen zum eigenen Nutzen das Wasser abzugraben, was hier durchaus wörtlich zu verstehen ist.

Solche Eigenschaften sind offensichtlich Teil der menschlichen Natur, eine pessimistische Sicht auf die Welt, auch unter dem Gesichtspunkt, dass diese Geschichte keine fiktionale ist, sondern sich tatsächlich so oder ähnlich vor fast hundert Jahren zugetragen hat, wovon die Originalaufnahmen zeugen, die dem Film im Abspann beigefügt sind, wobei sich nie genau feststellen ließ, was sich wirklich zugetragen hat, außer, dass es am Ende zwei Tote und zweit Vermisste gab.

Der Film ist ob der Niederträchtigkeit seiner Akteure manchmal nur schwer zu ertragen, vor allem wenn man sich umschaut und dieselben Mechanismen zurzeit so prägnant in der aktuellen Weltpolitik mit den zahlreichen autokratischen Egomanen beobachten kann, also nichts für einen beschaulichen Kinoabend…

 

 

Regie: Ron Howard

Drehbuch: Noah Pink, Ron Howard

Kamera: Mathias Herndl

Schnitt: Matt Villa

Musik: Hans Zimmer

 

Besetzung:

Jude Law, Vanessa Kirby, Ana de Armas, Daniel Brühl, Sydney Sweeney, Felix Kammerer, Jonathan Tittel, Toby Wallace, Richard Roxburgh, Paul Gleeson

 

Leonine Studios

2024

129 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 03. April 2025

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=uyxvhk2uqrM (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=bDmlT7P9SR8 (Englisch)

 

Mittwoch, 6. April 2022

Im Kino: Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse (Fantastic Beasts: The Secrets of Dumbledore)

Der dunkle Zauberer Gellert Grindelwald (Mads Mikkelsen) greift nach der Macht über die magische Welt und kündigt einen Krieg gegen alle Muggel an. Kann Professor Albus Dumbledore (Jude Law), der durch einen Blutschwur eigentlich gehindert ist, gegen Gellert vorzugehen, mit Hilfe einer Truppe von Zauberern, Hexen, sowie dem Magizoologen Newt Scamander (Eddie Redmayne) und dem unerschrockenen Muggel-Bäcker mit dem reinen Herzen Jacob Kowalski (Dan Fogler) die finsteren Plänen Grindelwards durchkreuzen und dessen Aufstieg noch verhindern?

Der dritte Teil der Phantastische-Tierwesen-Reihe, als Prequel zu den Harry-Potter-Abenteuern angelegt, knüpft an seine beiden Vorgänger an, ist aber auch für neue Zuschauer verständlich, die sich schnell in die nicht allzu komplexe Handlung einfinden können. Optisch durchaus aufwändig gestaltet und mit den beliebten Tierwesen bevölkert, trifft man auf alte und neue Figuren aus dem magischen Universum, wobei die Figur des Grindelwald eine Verwandlung von Darsteller Johnny Depp zu Darsteller Mads Mikkelsen vollzogen hat, hinter der allerdings keine magischen, sondern produktionstechnische Gründe stecken, weil Depp durch private Querelen in Ungnade gefallen war.

Das wichtigste Dumbledore-Geheimnis, nämlich seine alte Liebesbeziehung zu eben jenem Magier Grindelwald, den er eigentlich bekämpfen müsste, es aber aus den gegebenen Gründen nicht kann, ist eine mutige Offenbarung, die zwar bereits erahnt wurde, nun aber Gewissheit erhält. Auch das Harry-Potter-Universum ist also diesbezüglich im Heute angekommen, wenngleich die Szenerie ansonsten eher im Vorgestern angesiedelt ist, der Wahlkampf Grindelwalds, der Nachfolger des deutschen Zaubereiministers Anton Vogel (Oliver Masucci) werden möchte, ist im Berlin der 1930ger Jahre angesiedelt und erinnert stark an den Aufstieg der Nazis in dieser Zeit. Auch ansonsten herrscht eine düstere Atmosphäre in diesem deutlich zu lang geratenen Werk, das die Potter-/ Tierwesen-Gemeinde dennoch begeistern dürfte, es den übrigen Zuschauern aber etwas schwer macht, allzu euphorische Gefühle zu entwickeln.

 

 

Regie: David Yates

Drehbuch: J.K. Rowling, Steve Kloves

Kamera: George Richmond

Schnitt: Mark Day

Musik: James Newton Howard

 

Besetzung:

Eddie Redmayne, Jude Law, Mads Mikkelsen, Ezra Miller, Dan Fogler, Alison Sudol, William Nadylam, Callum Turner, Oliver Masucci

 

Warner Bros. Germany

2022

142 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 07. April 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=gk4p-qxifZE (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=55FSKz9ZCB4 (Englisch)

 

 

 

Dienstag, 13. Juli 2021

Im Kino: The Nest - Alles zu haben ist nie genug (The Nest)

Der Brite Rory O’Hara (Jude Law) ist Investmentbanker in den USA und Verkörperung all dessen, was diesen Berufsstand so zwielichtig erscheinen lässt. Er brennt vor Ehrgeiz und um seine Karriere weiter voranzutreiben überredet er seine Frau Allison (Carrie Coon), mit ihm und den beiden Kindern zurück nach England zu gehen, wo er ein äußerst lukratives Job-Angebot erhalten hat. Aus der hellen Leichtigkeit des amerikanischen Vorstadtlebens zieht die Familie in ein völlig überdimensioniertes englisches Landhaus, das genauso gut als Spukschlosskulisse dienen könnte. Mehr und mehr verschieben sich dort Anspruch und Wirklichkeit, der Lebensstandard entspricht bei weitem nicht den realen Bedingungen, aber Rory denkt nicht daran, sich hinter die Fassade schauen zu lassen, und das Unheil nimmt seinen Lauf…

Was aufgrund seiner düsteren Kulisse zunächst wie ein schauriger Gruselfilm
daherkommt, ist tatsächlich die Geschichte einer gescheiterten Existenz, eines Angebers und Hochstaplers, der nach und nach sein Umfeld mit in den Abgrund zieht, also am Ende ein ganz realer Horror ohne übersinnliche Phänomene, obwohl das alte finstere Haus an allen Enden knarzt und stöhnt. Rory blendet alle mit seinem Charme, seiner Eloquenz und seinem Elan, und Jude Law verkörpert diese Figur mitreißend. Aber auch Carrie Coon hält hervorragend dagegen als stellenweise gequälte Gattin, die sich allmählich aus dem Netz aus Lügen und Geschichten befreit, das ihr Mann für sie spinnt. Rorys Vergangenheit wird etwas plakativ angerissen, aber es reicht, um klar zu machen, was ihn antreibt, und auch wenn einige Fragen offen bleiben, bietet dieser ansonsten sorgfältig und intensiv inszenierte Film spannende Unterhaltung ohne spektakuläre Höhepunkte, das Leiden kommt schleichend und ob es schließlich am Ende eine Wendung zum Guten geben kann, ist bei dem labilen Charakter des Rory O’Hara doch eher fraglich.

 


 Regie: Sean Durkin

Drehbuch: Sean Durkin

Kamera: Mátyás Erdély

Schnitt: Matthew Hannam

Musik: Richard Reed Parry

 

Darsteller:

Jude Law, Carrie Coon, Oona Roche, Charlie Shotwell, Tanya Allen

 

Element Pictures

GB 2020

FSK 12

107 min.

 

 Bildmaterial: © Ascot Elite Entertainment

 

Deutscher Kinostart: 08. Juli 2021

 

Trailer:  https://www.youtube.com/watch?v=75FdB2nADyw

 

Dienstag, 3. Dezember 2019

Film-Rezensionen: A Rainy Day in New York


Gatsby Welles (Timothée Chalamet), ein junger Mann aus wohlhabendem Elternhaus, verbringt mit seiner Freundin Ashleigh (Elle Fanning) ein Wochenende in New York, das ganz anders verläuft, als beide es geplant hatten. Es entwickelt sich ein Reigen unerwarteter Begegnungen und Erlebnisse, an dessen Ende beide erkennen, was für ihr weiteres Leben wichtig ist.

Woody Allen kehrt mit dieser romantischen
Komödie dorthin zurück, wo er zu Hause ist, und er schafft es wieder einmal, seine Stadt aus diesem nostalgischen Blickwinkel zu zeigen, wie nur er es kann. Er begleitet seine jungen Protagonisten auf ihren vergnüglichen Irrungen und Wirrungen im regnerischen New York, lässt sie aber nie im Regen stehen – anders als diese es mit ihm tun, hat sich doch sein gerade so angesagter Hauptdarsteller, der dandyhafte Chalamet, nach Drehschluss von ihm und diesem Film distanziert. 

Grund hierfür sind die aus dem Kreis seiner Familie erhobenen Vorwürfe, mit denen sich Allen seit Jahren bei jedem neuen Film konfrontiert sieht. Im Gegensatz zu anderen Hollywoodgrößen, denen seit der #MeToo-Debatte von verschiedenen Seiten sexuelle Verfehlungen nachgesagt werden, geht es bei Allen um einen einzigen Vorfall, der, sollte er sich tatsächlich zugetragen haben, schlimm genug wäre, aber genau hier liegt das Problem, denn es gab zwei Untersuchungen gegen ihn in dieser Sache, die beide ergebnislos eingestellt wurden. Außerdem wird er von einem anderen Familienmitglied vehement verteidigt, beides sollte eigentlich genügen, ihn als unschuldig gelten zu lassen, solange sein Schuld tatsächlich nicht bewiesen wurde. Dies scheint im aktuellen Klima jedoch nicht möglich zu sein, weswegen sein aktuelles Werk auf absehbare Zeit nicht in den USA gezeigt wird. Das ist unfair und auch bedauerlich, denn auch wenn der Film vielleicht kein Meisterwerk ist – Woody Allen selbst hat einmal gesagt, er habe nie Meisterwerke geschaffen, sondern nur gute Filme und schlechtere Filme – so ist „A Rainy Day in New York" eindeutig einer seiner besseren, etwas altmodisch vielleicht, aber auf angenehme Art vertraut, wie ein Heimkommen nach längerer Abwesenheit.

Regie: Woody Allen
Drehbuch: Woody Allen
Kamera: Vittorio Storaro
Schnitt: Alisa Lepselter
Darsteller:
Timothée Chalamet, Elle Fanning, Liev Schreiber, Selena Gomez, Jude Law, Rebecca Hall

   USA 2019
92 min.
Deutscher Kinostart: 05. Dezember 2019


Mittwoch, 6. März 2019

Film-Rezensionen: Captain Marvel

Für alle, die eine Marvel-Timeline-Übersicht haben, empfiehlt es sich, diese bereit zu halten, um die Geschichte von Anfang an zeitlich richtig einordnen zu können. Für alle anderen der Hinweis: S.H.I.E.L.D.-Agent Nick Fury besitzt noch beide Augen und sein Darsteller Samuel L. Jackson hat eine bemerkenswerte digitale Verjüngungskur durchgemacht.

Die Titelheldin (Brie Larson) wird als Vers, Kriegerin des außerirdischen Volkes der Kree vorgestellt, das sich in einem Krieg mit einem Volk von Gestaltwandlern, den Skrull, befindet. Hiefür wurde Vers von ihrem Mentor Yon-Rogg (Jude Law) ausgebildet, allerdings leidet sie, wie so viele ihrer Superheldenkollegen, unter Vergangenheitsproblemen, in ihren Erinnerungen gibt es einen Widerstreit an Bildern, die nicht zueinander zu passen scheinen. Dies verstärkt sich, als sie sich nach einem Gefecht plötzlich auf der Erde des Jahres 1995 wiederfindet, wo sich ihr nach und nach immer mehr Facetten einer Vergangenheit als Kampffliegerin Carol Danvers offenbaren, bis sich schließlich die Puzzleteile von Carol Danvers Weg von der Erde zu den Kree und zurück zu einem überraschenden Bild zusammenfügen. Erschwert wird ihre Mission noch, weil einige der Skrull ihr auf die Erde gefolgt sind, und sobald Gestaltwandler im Spiel sind, kann man nicht mehr sicher sein, wem man vertrauen kann, und wem nicht…

Es macht durchaus Spaß, dabei zuzusehen, wie aus Carol Danvers die mächtige
Superheldin Captain Marvel wird, der Film ist unterhaltsam und gewohnt actionreich inszeniert, auch wenn die Geschichte am Ende, wenn sich alles aufgelöst hat, nicht mehr so kompliziert ist, wie es zunächst den Anschein hat. Samuel L. Jackson und Brie Larson geben ein schwungvolles Team ab, getoppt nur noch von den Szenen zwischen Jackson und einer orangefarbenen Katze, die für die meisten Lacher sorgen dürften. Aber auch ein paar der anderen Charaktere sind sehenswert, allen voran der charismatische Talon (Ben Mendelsohn), der seiner Figur eine überraschende Tiefe gibt.

Insgesamt ist dieser 21. Film aus dem Marvel Cinematic Universe vielleicht kein herausragender Meilenstein der Reihe, trotz der Tatsache, dass nach DC nun auch Marvel eine Superheldin ins Rennen schickt. Solange dies allerdings nach wie vor herausgehoben wird, bedeutet es, dass immer noch ein weiter Weg vor uns liegt, bis es irgendwann einmal keiner besonderen Erwähnung mehr bedarf. Ob die Figur Captain Marvel Potenzial hat, kann sich schon bald zeigen, wenn diese ins Team der Avengers aufgenommen wird, ab April im Kino: „Avengers: Endgame.

Ach ja: Der leider nach Drehende verstorbene Stan Lee ist in seinem letzten Cameo zu sehen, und natürlich gibt es, wie gewohnt, zwei kleine Szenen, die es erfordern, will man sie sehen, bis zum letzten Buchstaben des Abspanns hocken zu bleiben…


Regie: Anna Boden + Ryan Fleck
Drehbuch: Anna Boden, Ryan Fleck, Geneva Robertson-Dworet b/a story von Nicole Perlman, Meg LeFauve, Anna Boden, Ryan Fleck, Geneva Robertson-Dworet
Kamera: Ben Davis
Schnitt: Debbie Berman, Elliot Graham
Musik: Pinar Toprak

Darsteller:
Brie Larson, Samuel L. Jackson, Ben Mendelsohn, Djimon Hounsou, Lee Pace, Lashan Lynch, Gemma Chan, Algenis Perez Soto, Rune Tempte, Annette Bening, Jude Law

Walt Disney Studios
124 min.
Deutscher Kinostart: 7. März 2019
 
Bilder und Clips: © Marvel Studios