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Mittwoch, 24. Dezember 2025

Im Kino: Therapie für Wikinger

Nach einem Bankraub kann einer der Räuber namens Anker (Nikolaj Lie Kaas) vor seiner Verhaftung das erbeutete Geld in einem Schließfach deponieren und vertraut den Schlüssel seinem geistig etwas verwirrten Bruder Manfred (Mads Mikkelsen) an. Dieser soll die Tasche mit der Beute beim Haus ihrer Mutter mitten im Wald vergraben, aber als Anker nach vierzehn Jahren aus dem Gefängnis kommt, kann Manfred, der inzwischen nur noch auf den Namen John (Lennon) hört, sich nicht mehr so recht erinnern, wo das Geld geblieben ist, woraufhin es in dem Haus im Wald aus verschiedenen Gründen bald ziemlich turbulent zugeht…

In dieser Geschichte geht es einerseits um eine weit zurückreichende Familientragödie, Manfred war immer ein Kind, das in seiner eigenen Welt lebte und der Einzige, der ihm zur Seite stand, war sein Bruder Anker, der dann leider später auf die schiefe Bahn geriet. Die Brüder sowie eine kleine Schwester litten zusammen unter einem brutalen Vater, der die Familie terrorisierte, hier geht es offensichtlich um bewältigte oder auch unbewältigte Traumata.

 

Eine zweite Ebene des Films bewegt sich in der Welt von Menschen mit dissoziativer Persönlichkeitsstörung, und es gelingt, diese in ihrem Wahn so würdevoll darzustellen, dass man mit ihnen lachen kann, ohne sich über sie lustig zu machen, hieraus schöpft Regisseur Jensen ein Füllhorn von bizarren Ideen und einen ebensolchen Humor.

 

Damit nicht genug entwickelt sich, als ein ehemaliger Kumpel von Anker auftaucht, der seinen Anteil aus der damaligen Beute einfordert, eine Gangstergeschichte, die in teilweises heftige Gewaltszenen mündet, bei denen das Lachen im Halse stecken bleibt.

 

Dass das alles dennoch zu einem in sich stimmigen Ganzen verschmilzt, ist der gelungen Inszenierung, aber vor allem den hervorragenden Darstellern, allen voran dem großartigen Mads Mikkelsen zu verdanken, der als völlig verhuschter Manfred einmal mehr seine erstaunliche Vielseitig beweist.

 

Wer Spaß an absurder Komik und nicht allzu zart besaitet ist – es gibt tatsächlich ein paar sehr heftige Szenen – wird sich bestens amüsieren und darf sich nach einer turbulenten Tour de Force auf ein versöhnliches Ende freuen.

 

 

 

Regie: Anders Thomas Jensen

Drehbuch: Anders Thomas Jensen

Kamera: Sebastian Blenkov

Schnitt: Anders Albjerg Kristiansen

Musik: Jeppe Kaas

 

Besetzung:

Mads Mikkelsen, Nikolaj Lie Kaas, Nicolas Bro, Sofie Gråbøl, Lars Ranthe, Kardo Razzazi, Lars Brygmann, Søren Malling, Bodil Jørgensen

 

maxdome/ splendid film/ Neue Visionen

2025

116 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 25. Dezember 2025

 

 

Trailer:  https://www.youtube.com/watch?v=5cNIVlXNlaM (Deutsch)

Mittwoch, 28. Juni 2023

Im Kino: Indiana Jones und das Rad des Schicksals (Indiana Jones and the Dial of Destiny)

Das Jahr 1969 sieht den in die Jahre gekommenen Professor für Archäologie, Henry „Indiana“ Jones (Harrison Ford), eigentlich am Ende seines Berufslebens, mit warmen Worten wird er in den Ruhestand verabschiedet. Aber dann bringt seine Patentochter Helena (Phoebe Waller-Bridge) wieder Schwung in sein Leben, als sie ihn überreden kann, die Suche nach einem Relikt, hinter dem einmal mehr bereits die Nazis her waren, wieder aufzunehmen und es geht noch einmal los, über die Meere und die Kontinente und vielleicht sogar durch die Zeit...

Wer die bisherigen Filme der Reihe schon so oft gesehen hat, um sie mitsprechen zu können, erhält hier die Gelegenheit quasi noch einmal neu anzufangen: ein brandneuer „Indiana Jones“, aber mit allen bekannten und beliebten Elementen. Man weiß genau, was kommt – manche werden dies als mangelnde Originalität kritisieren - , aber das ist eben das Schöne an Nostalgieveranstaltungen, man will ja gar nichts wirklich Neues, das, was man kennt und so gerne mag, möchte man für immer bewahren und sich an den alten Gefühlen von früher erfreuen, und diesen Anspruch erfüllt der Film voll und ganz.

Enttäuscht werden dagegen diejenigen sein, die sich etwas Innovatives gewünscht haben, denn das Rad wird in diesem wohl letzten Indy-Film mit Harrison Ford nicht neu erfunden. Aber war dies wirklich zu erwarten, ein Reboot mit einem fast 80-Jährigen? Sicher nicht, und daher bleibt es dabei: Ein schöner Nostalgietrip ohne große Höhen oder Tiefen, mit dem einzigen frischen Ansatz in der Gestalt der jungen Helena. Aber nicht einmal hierbei drängt sich so ganz klar auf, ob damit eine Figur eingeführt werden soll, die eventuell in die Fußstapfen des ikonischen Helden treten könnte, obwohl sie das Zeug dazu hätte.

Es ist schön – ganz wie im richtigen Leben -  ein paar alte Bekannte wie Sallah und Indys alte Liebe Marion wieder zu sehen, und die Verjüngung des Helden in den Rückblenden ist erstaunlich gut gelungen. Die dem gegenüber gestellten Bilder des in die Jahre gekommenen Recken beweisen dagegen, dass man durchaus in Würde altern kann und sich auch seines faltigen Körpers und Gesichts nicht zu schämen braucht, denn nach wie vor recht fit und drahtig und dabei frisch im Geist kann es Dr. Jones immer noch, wobei er sich, wie gewohnt, stets eine ironische Distanz zu allem zu bewahren scheint.

Natürlich ist auch dieser Film, wie so viele andere in diesen Tagen, wieder einmal zu lang geraten – was ist eigentlich aus „auf den Punkt“ und „kurz und knackig“ geworden? Insgesamt aber unterhaltsam für alle Fans, die noch einmal ein neues Abenteuer mit ihrer so beliebten, aber nun einmal in die Jahre gekommenen Figur erleben möchten, wer einen wirklich neuen und frischen Ansatz sucht, sollte vielleicht lieber zu Hause bleiben und bitte nicht allen, die einfach nur ihren Spaß haben wollen, selbigen durch entsprechende Nörgeleien verleiden.

 

 

 

Regie: James Mangold

Drehbuch: Jez Butterworth, John-Henry Butterworth, David Koepp, James Mangold

Kamera: Phedon Papamichael

Schnitt: Andrew Buckland, Michael McCusker, Dirk Westervelt

Musik: John Williams

 

Besetzung:

Harrison Ford, Phoebe Waller-Bridge, Mads Mikkelsen, Toby Jones, Ethann Isidore, Boyd Holbrook, Olivier Richters, Thomas Kretschmann, John Rhys-Davies, Karen Allen, Antonio Banderas, Billy Postlethwaite

 

Walt Disney Pictures/ Lucasfilm/ Paramount Pictures

154 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 29. Juni 2023

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=mAWdeTYHA18 (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=eQfMbSe7F2g (Englisch)

 

 

 

Mittwoch, 6. April 2022

Im Kino: Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse (Fantastic Beasts: The Secrets of Dumbledore)

Der dunkle Zauberer Gellert Grindelwald (Mads Mikkelsen) greift nach der Macht über die magische Welt und kündigt einen Krieg gegen alle Muggel an. Kann Professor Albus Dumbledore (Jude Law), der durch einen Blutschwur eigentlich gehindert ist, gegen Gellert vorzugehen, mit Hilfe einer Truppe von Zauberern, Hexen, sowie dem Magizoologen Newt Scamander (Eddie Redmayne) und dem unerschrockenen Muggel-Bäcker mit dem reinen Herzen Jacob Kowalski (Dan Fogler) die finsteren Plänen Grindelwards durchkreuzen und dessen Aufstieg noch verhindern?

Der dritte Teil der Phantastische-Tierwesen-Reihe, als Prequel zu den Harry-Potter-Abenteuern angelegt, knüpft an seine beiden Vorgänger an, ist aber auch für neue Zuschauer verständlich, die sich schnell in die nicht allzu komplexe Handlung einfinden können. Optisch durchaus aufwändig gestaltet und mit den beliebten Tierwesen bevölkert, trifft man auf alte und neue Figuren aus dem magischen Universum, wobei die Figur des Grindelwald eine Verwandlung von Darsteller Johnny Depp zu Darsteller Mads Mikkelsen vollzogen hat, hinter der allerdings keine magischen, sondern produktionstechnische Gründe stecken, weil Depp durch private Querelen in Ungnade gefallen war.

Das wichtigste Dumbledore-Geheimnis, nämlich seine alte Liebesbeziehung zu eben jenem Magier Grindelwald, den er eigentlich bekämpfen müsste, es aber aus den gegebenen Gründen nicht kann, ist eine mutige Offenbarung, die zwar bereits erahnt wurde, nun aber Gewissheit erhält. Auch das Harry-Potter-Universum ist also diesbezüglich im Heute angekommen, wenngleich die Szenerie ansonsten eher im Vorgestern angesiedelt ist, der Wahlkampf Grindelwalds, der Nachfolger des deutschen Zaubereiministers Anton Vogel (Oliver Masucci) werden möchte, ist im Berlin der 1930ger Jahre angesiedelt und erinnert stark an den Aufstieg der Nazis in dieser Zeit. Auch ansonsten herrscht eine düstere Atmosphäre in diesem deutlich zu lang geratenen Werk, das die Potter-/ Tierwesen-Gemeinde dennoch begeistern dürfte, es den übrigen Zuschauern aber etwas schwer macht, allzu euphorische Gefühle zu entwickeln.

 

 

Regie: David Yates

Drehbuch: J.K. Rowling, Steve Kloves

Kamera: George Richmond

Schnitt: Mark Day

Musik: James Newton Howard

 

Besetzung:

Eddie Redmayne, Jude Law, Mads Mikkelsen, Ezra Miller, Dan Fogler, Alison Sudol, William Nadylam, Callum Turner, Oliver Masucci

 

Warner Bros. Germany

2022

142 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 07. April 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=gk4p-qxifZE (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=55FSKz9ZCB4 (Englisch)