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Mittwoch, 28. Juni 2023

Im Kino: Indiana Jones und das Rad des Schicksals (Indiana Jones and the Dial of Destiny)

Das Jahr 1969 sieht den in die Jahre gekommenen Professor für Archäologie, Henry „Indiana“ Jones (Harrison Ford), eigentlich am Ende seines Berufslebens, mit warmen Worten wird er in den Ruhestand verabschiedet. Aber dann bringt seine Patentochter Helena (Phoebe Waller-Bridge) wieder Schwung in sein Leben, als sie ihn überreden kann, die Suche nach einem Relikt, hinter dem einmal mehr bereits die Nazis her waren, wieder aufzunehmen und es geht noch einmal los, über die Meere und die Kontinente und vielleicht sogar durch die Zeit...

Wer die bisherigen Filme der Reihe schon so oft gesehen hat, um sie mitsprechen zu können, erhält hier die Gelegenheit quasi noch einmal neu anzufangen: ein brandneuer „Indiana Jones“, aber mit allen bekannten und beliebten Elementen. Man weiß genau, was kommt – manche werden dies als mangelnde Originalität kritisieren - , aber das ist eben das Schöne an Nostalgieveranstaltungen, man will ja gar nichts wirklich Neues, das, was man kennt und so gerne mag, möchte man für immer bewahren und sich an den alten Gefühlen von früher erfreuen, und diesen Anspruch erfüllt der Film voll und ganz.

Enttäuscht werden dagegen diejenigen sein, die sich etwas Innovatives gewünscht haben, denn das Rad wird in diesem wohl letzten Indy-Film mit Harrison Ford nicht neu erfunden. Aber war dies wirklich zu erwarten, ein Reboot mit einem fast 80-Jährigen? Sicher nicht, und daher bleibt es dabei: Ein schöner Nostalgietrip ohne große Höhen oder Tiefen, mit dem einzigen frischen Ansatz in der Gestalt der jungen Helena. Aber nicht einmal hierbei drängt sich so ganz klar auf, ob damit eine Figur eingeführt werden soll, die eventuell in die Fußstapfen des ikonischen Helden treten könnte, obwohl sie das Zeug dazu hätte.

Es ist schön – ganz wie im richtigen Leben -  ein paar alte Bekannte wie Sallah und Indys alte Liebe Marion wieder zu sehen, und die Verjüngung des Helden in den Rückblenden ist erstaunlich gut gelungen. Die dem gegenüber gestellten Bilder des in die Jahre gekommenen Recken beweisen dagegen, dass man durchaus in Würde altern kann und sich auch seines faltigen Körpers und Gesichts nicht zu schämen braucht, denn nach wie vor recht fit und drahtig und dabei frisch im Geist kann es Dr. Jones immer noch, wobei er sich, wie gewohnt, stets eine ironische Distanz zu allem zu bewahren scheint.

Natürlich ist auch dieser Film, wie so viele andere in diesen Tagen, wieder einmal zu lang geraten – was ist eigentlich aus „auf den Punkt“ und „kurz und knackig“ geworden? Insgesamt aber unterhaltsam für alle Fans, die noch einmal ein neues Abenteuer mit ihrer so beliebten, aber nun einmal in die Jahre gekommenen Figur erleben möchten, wer einen wirklich neuen und frischen Ansatz sucht, sollte vielleicht lieber zu Hause bleiben und bitte nicht allen, die einfach nur ihren Spaß haben wollen, selbigen durch entsprechende Nörgeleien verleiden.

 

 

 

Regie: James Mangold

Drehbuch: Jez Butterworth, John-Henry Butterworth, David Koepp, James Mangold

Kamera: Phedon Papamichael

Schnitt: Andrew Buckland, Michael McCusker, Dirk Westervelt

Musik: John Williams

 

Besetzung:

Harrison Ford, Phoebe Waller-Bridge, Mads Mikkelsen, Toby Jones, Ethann Isidore, Boyd Holbrook, Olivier Richters, Thomas Kretschmann, John Rhys-Davies, Karen Allen, Antonio Banderas, Billy Postlethwaite

 

Walt Disney Pictures/ Lucasfilm/ Paramount Pictures

154 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 29. Juni 2023

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=mAWdeTYHA18 (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=eQfMbSe7F2g (Englisch)

 

 

 

Mittwoch, 19. April 2023

Im Kino: Infinity Pool

Der Schriftsteller James (Alexander Skarsgård) verbringt mit seiner Frau Em (Cleopatra Coleman) einen sonnigen Urlaub mit allen Annehmlichkeiten in einem luxuriösen Insel-Resort, das von der Welt der Einheimischen rigoros abgeschottet ist. Die Bekanntschaft mit anderen Urlaubern, allen voran der dominant auftretenden Gabi (Mia Goth), reißt das Paar aus seiner Lethargie und verführt zu Unternehmungen voller Spannung und Abenteuer, aber nach einem Unfall auf der Insel verwandelt sich die anfängliche Idylle in eine höllischen Achterbahnfahrt, aus der es kein Entkommen zu geben scheint, bis etwas Unglaubliches geschieht…

Wenn der Regisseur eines Films den Namen Cronenberg trägt, weckt dies spezielle Erwartungen, und auch wenn hier nicht Vater David, sondern Sohn Brandon verantwortlich zeichnet, verlangt es doch die Familientradition, dass der Film bestimmte Kriterien erfüllt, dazu gehören ein gerüttelt Maß an Gewalt und Leidenschaft, gepaart mit Horror- und gegebenenfalls Science-Fiction-Elementen.

Der besondere Twist, der das ausschweifende Handeln der Protagonisten erst möglich macht, soll hier nicht verraten werden, Cronenberg nutzt diesen jedenfalls, um eine bestimmte (Geistes)Haltung anzuprangern, die eine gewisse mit viel Geld gesegnete und durch ebenso viel Langeweile gequälte Gesellschaftsschicht dazu treibt, sich ungehemmt ihrem Vergnügen hinzugeben, und das möglichst an in ihren Augen unberührten Orten, ohne Rücksicht auf einheimische Menschen oder Strukturen, einfach, weil es Spaß macht und man es kann. Bitter kann es werden, wenn man sich am Ende selbst als Opfer vorgeführt sieht, weil es immer andere Menschen gibt, die sich noch cleverer und skrupelloser verhalten und noch mehr Befriedigung daraus ziehen, sogar vermeintlich ihresgleichen vorzuführen, um am Ende des Urlaubs vom Alltag, dabei von allem angerichteten Schaden unberührt, wieder in das langweilige Luxusleben im eigenen Heim zurückkehren – bis zum nächsten Sommer.

Wer den Film so und damit als Gesellschaftskritik versteht, wird eine gewisse Befriedigung und keinesfalls Mitleid mit den handelnden Figuren und ihrer Armseligkeit empfinden, dabei gilt es, die teilweise drastischen Sex- und Gewaltexzesse als notwenigen Teil der Geschichte zu akzeptieren. Der besondere Twist, der hier nicht verraten wird, hätte es allerdings verdient gehabt, sich noch etwas näher mit ihm zu beschäftigen, hier bleiben einige Fragen offen, die man gerne beantwortet gehabt hätte, was interessanter gewesen wäre, als einige andere Sequenzen, die man ruhig etwas kürzer hätte abhandeln können.

Alles in allem schon ein echter Cronenberg, wenn auch noch nicht in jeder Hinsicht den großen Fußstapfen des Meister-Vaters angepasst, hier ist sicher noch Potential für Entwicklung.

 


 Regie: Brandon Cronenberg

Drehbuch: Brandon Cronenberg

Kamera: Karim Hussain

Schnitt: James Vandewater

Musik: Tim Hecker

 

Besetzung:

Cleopatra Coleman, Alexander Skarsgård, Mia Goth, Thomas Kretschmann, Dunja Sepcic, Adam Boncz, Jalil Lespert,

 

Universal Pictures International

2023

117 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 20. April 2023

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=9KUCwmtKWWc (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=260jJN__zOM (Englisch)