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Mittwoch, 14. Februar 2024

Im Kino: Rückkehr zum Land der Pinguine (Voyage Au Pôle Sud)

Der französische Biologe und Dokumentarfilmer Luc Jacquet macht sich 20 Jahre nach dem Erfolg „Die Reise der Pinguine“ erneut auf in die südlichsten Regionen unseres Planeten, die ihn sein ganzes Leben nicht losgelassen haben.

Diesmal stehen aber nicht die Pinguine selbst im Mittelpunkt, sondern die einzigartigen Landschaften von der Südspitze Patagoniens bis zu den antarktischen Eiswüsten des Südpols, die durch die klimatischen Veränderungen mehr und mehr ihr Gesicht verändern. In Bildern von faszinierender Schönheit, untermalt von melancholischen, manchmal ins allzu Gefühlsselige abgleitenden Kommentaren in Gestalt eines Reisetagebuchs, wird die gleichermaßen lebensfeindliche wie faszinierende Natur fast körperlich spürbar, vor allem die Unwirtlichkeit der antarktischen Gefilde, in der Leben eigentlich nicht vorstellbar scheint, aber hier kommen die majestätischen Kaiserpinguine wieder ins Spiel, die beweisen, dass es doch möglich ist.

Ein Dokumentarfilm, in fast schwermütig wirkenden Schwarz-Weiß-Bildern – andere Farben sucht man in dieser unwirtlichen Region ohnehin vergeblich – der vielleicht nicht die Liebhaber der possierlichen Frackträger zufriedenstellen wird, aber ein eindringliches Bild eines Teiles der Welt zeigt, das den meisten von uns eher unbekannt sein dürfte.

 


 Regie: Luc Jacquet

Kamera: Jérôme Bouvier, Sarah Del Ben, Christophe Graillot

Schnitt: Stéphane Mazalaigue

Musik: Cyrille Aufort

 

Deutscher Sprecher: Ronald Zehrfeld

 

Arte France Cinéma/ MFA+

2023

82 min.

FSK 0

Deutscher Kinostart: 15. Februar 2024

 

Trailer: https://www.mfa-film.de/kino/id/rueckkehr-zum-land-der-pinguine/ (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=BpC5orOe0k8 (OmU Deutsch)

 

Dienstag, 23. Mai 2023

Im Kino: All the Beauty and the Bloodshed

Die amerikanische Star-Fotografin Nan Goldin hat die Kunst der Fotografie maßgeblich beeinflusst, ihr Blick auf Themen wie Sexualität, Sucht und Tod war und ist revolutionär. Nach eigenen Erfahrungen mit einem starken Schmerzmittel, aus dessen süchtig machenden Fesseln sie sich im Gegensatz zu unzähligen Anderen befreien konnte, engagiert sie sich mit Gleichgesinnten im Kampf gegen die Milliardärsfamilie Sackler, Eigner der Pharmafirma Purdue, die mit ihrem als harmloses Schmerzmittel vertriebenen Produkt OxyContin hauptverantwortlich für den gigantischen Opioid-Skandal in den USA war und ist, und erreicht, dass zahlreiche bedeutende Museen weltweit mit so klingenden Namen wie Louvre, Tate, Guggenheim und Met, die die Sacklers als Mäzene unterstützt haben, sich von diesen distanzieren.

Der Dokumentarfilm bewegt sich in zwei Strängen, die lange Zeit eher unverbunden nebeneinander herlaufen, einerseits das mit privatem Film- und Fotomaterial aus den Archiven Goldins erzählte Leben der Künstlerin und ihr Werdegang unter schwierigsten familiären Verhältnissen, und andererseits der öffentliche und lautstarke Kampf gegen die Familie Sackler und ihren Einfluss in der Kunstwelt. Dabei entsteht lange keine durchgehend harmonische Einheit, aber der Blick auf die private Nan Goldin und ihre Familiengeschichte hilft, die spätere Kämpferin und Aktivistin besser zu verstehen, so dass am Ende doch so etwas wie ein Gesamtbild entsteht, das sich dann allerdings fast ausschließlich auf die Künstlerin konzentriert.

Wer mehr über die gesamtgesellschaftliche Katastrophe der Opioid-Krise erfahren möchte, wird am Ende leider enttäuscht, denn dieser Skandal, sein Beginn und die genauen Zusammenhänge wird nur gestreift, hier vermisst man einen tieferen Blick auf die Familie Sackler, die seltsam gesichtslos bleibt. Deren Schuld und Verantwortung scheint am Ende mit Entfernung der Plaketten aus den Museen dieser Welt, auf denen sie als Mäzene benannt waren, getilgt zu sein, hier endet der Kampf der Künstlerin Goldin, aber der gegen die Familie Sackler ist damit eigentlich noch lange nicht zu Ende.

Dennoch bietet „All the Beauty and the Bloodshed“ ein starkes Porträt einer starken Frau, das bei den Filmfestspielen in Venedig 2022 mit dem Goldenen Löwen belohnt wurde – unter Vorsitz der Jurypräsidentin Julianne Moore sicher auch als politisches Statement gedacht – mit einem ebenso starken Filmtitel, der aber vielleicht etwas mehr verspricht, als er am Ende hält.

 

 

Regie: Laura Poitras

Kamera: Nan Goldin

Schnitt: Joe Bini, Amy Foote, Brian A. Kates

Musik: Soundwalk Collective

 

Beteiligte:

Nan Goldin, David Velasco, Megan Kapler, Marina Berio, Harry Cullen u.v.m.

 

Plaion Pictures/ Studiocanal

USA 2022

117 min.

FSK

Deutscher Kinostart: 25. Mai 2023

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=cHLLOf-rCHs&feature=youtu.be (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=YD5pYQiT1D4 (Englisch)

 

Dienstag, 14. Februar 2023

Im Kino: Vogelperspektiven

Der Filmemacher Jörg Adolph, von dem auch der Dokumentarfilm „Das geheime Leben der Bäume“ stammt, widmet sich hier der Arbeit des Ornithologen und Vorsitzenden des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern, Dr. Norbert Schäffer und begleitet diesen durch dessen manchmal mühevollen Weg durch die Lande, um für seine Sache und die Sache der Vögel zu werben. Außerdem kommt der passionierte Birdwatcher Arnulf Conradi zu Wort, denn auch die Hilfe engagierter Laien leistet einen wichtigen Beitrag zum Natur- bzw. hier Vogelschutz.

Es gibt nicht die spektakulären Bilder, die man vielleicht erwartet, dafür jede Menge Szenen aus dem Alltag diverser Vogelschutz-Aktivisten, wobei diese Sequenzen leider etwas unverbunden aneinandergereiht werden, so dass insgesamt ein wenig der durchgehende rote Faden fehlt.

Dennoch gibt es durchaus interessante Einblicke in die manchmal zähen Bemühungen, die der Einsatz für die Sache von allen Beteiligten fordert, sowie einige schöne und eindrucksvolle Bilder zur Vogelwelt im Allgemeinen und ein paar exemplarischen Vogelschicksalen im Besonderen, einschließlich der nachdrücklichen und notwendigen Betonung dessen, wie sehr Umwelt, Tiere und hier besonders die Vögel, unseres Schutzes und unserer Aufmerksamkeit bedürfen.

 


 Regie: Jörg Adolph

Drehbuch: Jörg Adolph

Kamera: Daniel Schönauer

Schnitt: Anja Pohl

Musik: Acid Pauli

 

Mit: Norbert Schäffer, Arnulf Conradi uva.

 

Dokumentarfilm

Verleih Filmperlen

D 2023

106 min.

Deutscher Kinostart: 16. Februar 2023

 

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=qTwZCe7m5rI

 

 

 

Donnerstag, 26. August 2021

Im Kino: Die Unbeugsamen

„Politik ist eine viel zu ernste Sache, als dass man sie alleine den Männern überlassen könnte.“

Dieser Satz der ehemaligen Bundesministerin Käte Strobel fasst den Dokumentarfilm von Torsten Körner bestens zusammen, wenngleich man sich fragt, weshalb dieser Film über Frauen in der Hauptsache von Männern gemacht wurde…

Der Film stellt die Situation von Frauen in der Politik von ihren bundesrepublikanischen Anfängen bis in die heutigen Tage dar, unterlegt mit einzigartigen und spannenden historischen Aufnahmen aus den Archiven der deutschen Politikgeschichte. Erste Ideen und Ansätze zu dem Film reichen einige Jahre zurück und begannen bereits vor Phänomenen wie Trump und seinem toxischer Frauenbild, der #MeToo-Bewegung und dem Wiedererstarken autokratischer männlicher Platzhirsche europa- und weltweit. Umso wichtiger könnte sein Beitrag dazu sein, innezuhalten und sich nicht auf dem Erreichten auszuruhen, sondern mutig den Weg weiterzuverfolgen, denn wie sagte schon die FDP-Politikerin Marie-Elisabeth Lüders 1958: "Wenn die Leute nicht weiterkämpfen, dann werden sie das, was sie haben, wieder verlieren.“   

Unterteilt in zwölf Kapitel wird ein Bilderbogen deutscher Parlaments- und Politikgeschichte aufgeschlagen, in dem die Protagonisten der Macht in den frühen Jahren der Bonner Republik ein reiner Männerclub sind. Die ersten Frauen, die sich hier Zutritt verschaffen wollen, müssen sich gegen immense Widerstände, demütigende und sexistische Zumutungen, Häme und Ignoranz durchsetzen, ein wahrhaft steiniger Weg, den der Film noch einmal sehr anschaulich anhand historischer Aufnahmen aufzeigt.

In Interviews kommen u.a. die Politikerinnen Herta Däubler-Gmelin (SPD), Marie-Elisabetz Klee (CDU), Usrula Männle (CSU), Christa Nickels (Die Grünen), Ingrid Matthäus-Maier (FDP/SPD), Renate Schmidt (SPD) und Rita Süsmuth (CDU) zu Wort, unterlegt mit historischen Aufnahmen von weiteren politischen Größen wie Aenne Brauksiepe (CDU), Hildegard Hamm-Brücher (FDP), Waltraud Schoppe und Petra Kelly (Die Grünen).

„Die Unbeugsamen“ ist ein wichtiger Film über mutige Frauen und der Titel mit seinen Assoziationen zu Western und Gangsterfilmen könnte treffender nicht sein. Er bietet eine Geschichtsstunde der besonderen Art, nicht langweilig, sondern hochspannend, dabei immer darauf bedacht, keinen Geschlechterkampf zu propagieren, sondern das gleichberechtigte Miteinander in der Gesellschaft und vor allem in einem so wichtigen Feld wie der Politik. Längst ist aus der alten Bonner Republik die neue Berliner Republik geworden, angeführt zwar bis zum Jahr 2021 von einer Kanzlerin, wie es weitergeht, ist jedoch offen, immerhin ist der Frauenanteil im Bundestag wieder zurückgegangen. Es braucht also immer noch Frauen, die den eingeschlagenen Weg weitergehen, obwohl gerade sie nach wie vor Zielscheibe infamer und niederste Instinkte ansprechender Angriffe sind, vor allem über die sogenannten „sozialen“ Netzwerke.

Also aufgepasst, Frauen: „Wenn wir heute nichts tun, leben wir morgen wie vorgestern" (Annemirl Bauer, 1988).

 

 

Regie & Drehbuch: Torsten Körner

Kamera: Johannes Imdahl, Claire Jahn

Schnitt: Sandra Brandl

Musik: Stefan Döring

 

Dokumentarfilm

D 2015-2020

99 min.

FSK 6

 Deutscher Kinostart (endlich!): 26. August 2021

 

Trailer: https://youtu.be/yLjAayYEgOQ

Dienstag, 10. März 2020

Film-Rezensionen: New York - Die Welt vor deinen Füßen (The World Before Your Feet)


Der Amerikaner Matt Green ist gut zu Fuß: Nach einem Marsch von Küste zu Küste quer durch die Vereinigten Staaten nimmt er sich vor, jede Straße und jede Gasse in allen Stadtbezirken von New York City zu durchwandern, einschließlich aller Parks und Friedhöfe, insgesamt eine „Reise" von mehr als 8000 km. 
Durch Greens regelmäßigen Onlineblog auf ihn aufmerksam geworden, begleitet der Filmemacher Jeremy Workman Matt eine Zeit lang, und aus dem gesamten Bildmaterial ist dieser Film entstanden. Wer ein Hochglanzporträt von New York erwartet, wird vielleicht enttäuscht sein, denn es geht vielfach in eher unbekannte Gegenden, und der Film bietet auch keine strukturierte Wanderung, sondern nähert sich seinem Thema mit immer neuen Ansatzpunkten und unter immer neuen Vorzeichen. Mal sind es besondere Pflanzen, die Green auffallen, mal originelle Friseurschilder, oder alle Zeichen, die an 9/11 erinnern, er hat seine Augen offen für alles. 

Green, der seine Wanderung nicht begonnen hat, um Filmstar zu werden, der seinen gutbezahlten Job und seine Wohnung aufgegeben hat, bei Freunden wohnt und von Ersparnissen und Verdiensten als Baby-, Katzen- und Hundesitter lebt, kann kein wirkliches Ziel und keine Gründe angeben, wenn er auf seiner Wanderung denjenigen, denen er begegnet und die ihn fragen, unzählige Male erklärt, was er macht. 

Er geht einfach, und überlässt es anderen, dem Ganzen einen Sinn zu geben, er braucht augenscheinlich keinen, sondern macht einfach, was er macht. Dank Filmemacher Workman ist am Ende das spannende Porträt eines scheinbar ziellosen Menschen mit einem starken Willen und einer faszinierenden Stadt entstanden, in jeder Hinsicht außergewöhnlich und sehenswert.


Regie: Jeremy Workman
Kamera: Jeremy Workman
Schnitt: Jeremy Workman
Musik: Max Avery Lichtenstein, Carly Comando, Helen Jane Long, Rhonda Mackert, Tom Rosenthal

Darsteller: Matt Green + Die Straßen von New York

Happy Entertainment
Dokumentarfilm, 95 min.
USA 2018
FSK 0
Deutscher Kinostart: 12. März 2020



Dienstag, 21. Januar 2020

Film-Rezensionen: Das Geheime Leben der Bäume


Deutsche lieben den Wald, nur leider scheinen sie ihn nicht immer zu verstehen. Hier hilft Deutschlands Ober-Förster Peter Wohlleben spätestens seit 2015, als sein Bestseller „Das geheime Leben der Bäume“ erschien.

Für alle, die das Buch noch nicht gelesen haben, gibt es nun eine filmisch aufbereitete Version, die sich im Großen und Ganzen an dessen Kapiteln orientiert. Dabei lernt man auch den Autor, einen stets freundlich auftretenden Hünen, kennen, der es versteht, Leser und Zuschauer gleichermaßen für sich einzunehmen. Seine Erkenntnisse über Bäume, den Wald und die Natur werden verständlich und publikumswirksam vorgetragen, dabei betont Wohlleben immer wieder, dass er selbst kein Wissenschaftler ist, aber sein erworbenes und zusammengetragenes Wissen bietet er nachvollziehbar aufbereitet dar, und hier liegt das Geheimnis seines Erfolges. Er ist kein abgehobener dogmatischer Experte, sondern ein Mahner für eine gute Sache, dabei hat er sich nicht nur Freunde gemacht, aber seine verbindliche Art kommt an, wie man sich während des Films überzeugen kann, wenn er landauf, landab, als Baum- und Umweltaktivist überall dazugebeten wird, wo man seine freundlich mahnende Stimme braucht, und wer würde ihm ernsthaft widersprechen wollen, wenn er postuliert, Naturschutz diene nicht dem Schutz der Natur, sondern uns Menschen, die wir auf die Natur angewiesen sind, nicht umgekehrt.

Optisch unterfüttert der Film das von Wohlleben beschriebene geheimnisvolle Wirken der stummen Riesen mit seinen Mitteln, mit schönen Bildern aus Wald und Flur, sprießenden und knospenden Bäume, und begleitet den inzwischen auch weltweit bekannten Förster auf einigen Exkursionen, die ihn bis nach Schweden und Kanada führen. Mit ein bisschen Fantasie hört man dann vielleicht auch beim nächsten Waldspaziergang, wie die Bäume miteinander kuscheln und Geheimnisse austauschen. Auf das Schlussbild des Films mit dem in der zu kurzen Badewanne meditierenden Peter Wolleben hätte man allerdings verzichten können...



Regie: Jörg Adolph
Drehbuch: Jörg Adolph
Kamera: Daniel Schönauer
Naturfilmaufnahmen: Jan Haft
Schnitt: Anja Pohl
Musik: Franziska Henke

Mit: Peter Wohlleben

Dokumentarfilm
Constantin Film
Deutschland 2020
96 min. 
Deutscher Kinostart: 23. Januar 2020




Donnerstag, 4. Juli 2019

Film-Rezensionen: Apollo 11


Vor genau 50 Jahren betrat der erste Mensch den Mond, die Älteren werden sich erinnern.
Zum Jubiläum dieser legendäreWeltraummission kommt nun dieser faszinierende Dokumentarfilm in die Kinos. Wer damals das Ereignis live auf dem heimischen TV-Bildschirm in grieseligem Schwarzweiß verfolgt hat, sollte sich nicht entgehen lassen, den historischen Moment nun noch einmal in digital bearbeiteter, brillanter und gestochen scharfer Bildqualität auf der großen Leinwand im Kino zu erleben. Aus bisher unveröffentlichten Originalaufnahmen und über 11000 Stunden Audiomaterial ist ein faszinierender Film entstanden, der auch den jüngeren Zuschauer die Möglichkeit bietet, quasi live bei einem der spektakulärsten Menschheitsabenteuer dabei zu sein. 





Regie: Todd Douglas Miller

Dokumentarfilm
Universal/ Piece of Magic
93. min.
Deutscher Kinostart: 07. Juli 2019 in ausgewählten Kinos
  Bilder und Clip Copyright © 2019 Piece of Magic

Mittwoch, 3. Juli 2019

Film-Rezensionen: Kroos

Ein Dokumentarfilm über Toni Kroos? Den Fußballer? Im Kino? Wer sich diese Fragen stellt, weiß zumindest einmal, wer und was Toni Kroos ist, bei weiteren Details werden sich die meisten aber schon schwer tun, denn es gibt wenige Superstars in der Welt des Fußballs, die so wenig in der Öffentlichkeit stehen. Dass Kroos ein Superstar ist, wird auch der letzte Zweifler nach diesem Film zugeben müssen, denn dafür sprechen zum einen seine vielen Erfolge und Titel – Weltmeister, vier Mal Champions League-Sieger (3x mit Real Madrid, 1x mit dem FC Bayern München), einmal spanischer Meister, einmal spanischer Superpokalsieger, drei Mal deutscher Meister und dreimal Pokalsieger mit Bayern München, um nur die wichtigsten zu nennen. Zum anderen entsteht aus den Aussagen seiner Kollegen, vor allem bei Real Madrid, ein Bild, das sich erst auf den zweiten Blick zu erschließen scheint, nämlich das des Motors und Regisseurs auf dem Platz, von dem Tempo und Spielweise maßgeblich abhängen. Wenn selbst ein Kenner wie Marcel Reif gesteht, dass er Kroos früher unterschätzt habe, wird verständlich, weshalb es vielleicht doch keine schlechte Idee war, diesen Film in die Kinos zu bringen, um dem erfolgreichsten deutschen Spieler aller Zeiten auf diese Weise ein Denkmal zu setzen. 

Der Film lässt eine illustre Schar von Spielern und Trainern zu Wort kommen, von Bale über Modric bis Ramos, von Guardiola, Zidane und Heynckes bis Löw, auch ein Edelfan wie Robbie Williams darf sich äußern, und so entsteht das Bild des Spielers Kroos. Das des Menschen dahinter wird durch Aussagen seiner Familie, allen voran seiner Frau, der Eltern und des Bruders Felix sichtbar, schließlich lässt sich auch die Hauptperson selbst auf die Sache ein und Toni Kroos trägt seinen Teil dazu bei, indem er, der sich ansonsten nie in den Vordergrund drängt, ein wenig Einblick in sein Leben, von Greifswald bis Madrid, gewährt. 
Dabei wird deutlich, dass sein Verhalten tatsächlich keine Arroganz oder Abgehobenheit darstellt, sondern seine Persönlichkeit widerspiegelt, dass er ein Mensch ist, der nach wie vor nicht an Glamour und Skandalen interessiert ist, sondern solide aber effizient seine Arbeit macht. Wer das langweilig nennt, weiß es halt nicht besser. Wie wenig Kroos offensichtlich daran liegt, im Mittelpunkt zu stehen, zeigt ein Foto aus der Mannschaftskabine nach dem WM-Gewinn mit Bundeskanzlerin Merkel und Bundespräsident Gauck und einem Toni Kroos irgendwo im Hintergrund, mit seinen Schuhen beschäftigt. Schließlich wird auch sein soziales Engagement in Gestalt einer Stiftung für schwerstkranke Kinder beleuchtet, ein Engagement, das man von einer Person mit seinem Status sicher auch erwarten darf.
Dass er auch geschickt verhandeln und seine Interessen verfolgen kann, macht sein Abgang von Bayern München deutlich, eine interessante Episode, die manch einer im Vorfeld schon als Abrechnung mit seinem Ex-Verein und als unschönes „Nachtreten" interpretiert hat – vielleicht ohne den Film überhaupt gesehen zu haben. In ein Porträt gehören alle biographischen und beruflichen Details, so darf das „Missverständnis“ Bayern München auch nicht fehlen. Uli Hoeneß kommt selbst zu Wort, wie die Sache zu werten ist, darüber mag sich danach jeder Zuschauer selbst ein Urteil bilden.

 
Regie: Manfred Oldenburg
Dokumentarfilm
Deutscher Kinostart: 04. Juli 2019


Bilder und Clip:
© BROADVIEW Pictures

Dienstag, 5. September 2017

Film-Rezensionen: Immer noch eine unbequeme Wahrheit: Unsere Zeit läuft (An Inconvenient Sequel: Truth to Power)


Al Gore, amerikanischer Vizepräsident unter Bill Clinton von 1993 bis 2001, wäre beinahe der 43. Präsident der USA geworden. Bei der Wahl im Jahr 2000 hatte er zwar über 500.000 Stimmen mehr als sein Gegner, George W. Bush. Doch Bush vereinte mehr Wahlmännerstimmen auf sich und wurde nach mehreren erneuten Stimmauszählungen und höchstrichterlicher Überprüfung durch den Supreme Court zum Sieger erklärt.  

Gore beschäftigt sich seit längerem mit dem Thema Umweltschutz, nach weltweiten Vorträgen zum Thema globale Erwärmung entstand 2006 die oscarprämierte Dokumentation „Eine unbequeme Wahrheit“ („An Inconvenient Truth“). 2007 erhielt Gore für sein Engagement zur Bewusstmachung des Klimawandels und dessen globalen Auswirkungen zusammen mit dem Weltklimarat IBCC den Friedensnobelpreis.


Nun kommt eine Fortsetzung seines Films in die Kinos, in der wir Al Gore rund um die Welt begleiten und hautnah dabei sind, wenn er unermüdlich versucht, jedem, der ihm zuzuhören bereit ist in eindrucksvollen Bildern und ebensolchen Worten darzulegen, wo die Welt, wo unser Planet, nach Ansicht der Experten zur Zeit im Kampf gegen die globale Erwärmung steht. Die Aufnahmen von schmelzenden Gletschern, von Überschwemmungen auf der einen und tödlichen Dürren auf der anderen Seite rütteln einmal mehr auf, sie weisen darauf hin, dass die Lage bedrohlich ist, aber dennoch Chancen bestehen, Maßnahmen zu ergreifen, um die Entwicklung zumindest aufzuhalten. Welche Maßnahmen möglich sind, dafür steht z.B. eindrucksvoll die konservativ geprägte texanischen Kleinstadt Georgetown, der es als einer der ersten Kommunen in den USA gelungen ist, den öffentlichen Energiebedarf zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu decken, wie Al Gore im Film zusammen mit dem republikanischen Bürgermeister der Stadt stolz hervorhebt.

Unterstützt wird er bei seinen Appellen rund um den Globus von Menschen, die in dem von ihm gegründeten „Climate Reality Project“, einer der wichtigsten Umwelschutzorganisationen, als sogenannte Climate Leader geschult werden. Sie geben der Bewegung eine Stimme und sollen Menschen weltweit auf die Thematik aufmerksam machen, um so das Bewusstsein der Menschen, aber vor allem auch der Politik, für die auftretenden Veränderungen zu schärfen.

Es braucht mehr Menschen wie Al Gore, der in allem was er tut oder sagt aufrichtig und seriös daherkommt. Er ist eine Inspiration für alle in seinem unermüdlichen Kampf gegen Widerstände und taube Ohren, einem Kampf, dem er sich ernsthaft und leidenschaftlich verschrieben hat, wobei er im Gegensatz zu früher aber auch hin und wieder Ansätze von Selbstironie zeigt. Dies und seine unbestreitbare Eloquenz lassen ihn noch menschlicher und überzeugender wirken, man wünscht ihm und uns allen, dass er etwas bewirken kann, bevor es zu spät ist, und dabei ist sein Film ein wichtiger Beitrag, insbesondere vor dem Hintergrund der Ankündigung des amtierenden Präsidenten Donald Trump, aus dem Klimaschutzabkommen von Paris auszusteigen. Wer weiß, welche Weichen Al Gore hätte stellen können, wäre er seinerzeit Präsident geworden… 




PARAMOUNT PICTURES und PARTICIPANT MEDIA präsentieren
eine ACTUAL FILMS Produktion
Regie: Bonni Cohen und Jon Shenk
Ausführende Pruduzenten: Jeff Skoll, Davis Guggenheim, Lawrence Bender,
Laurie David, Scott Z. Burns, Lesley Chilcott
Produzenten: Richard Berge und Diane Weyermann 

Deutscher Kinostart: 07. September 2017 
Laufzeit: 99 min.