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Mittwoch, 3. Januar 2024

Im Kino: Next Goal Wins

Bei Fußball-Startrainer Thomas Rongen (Michael Fassbender) läuft es gerade nicht rund, von seinem letzten Job wurde er gefeuert und er nimmt widerwillig das Angebot an, die in einem legendären WM-Qualifikationsspiel gegen Australien mit 0:31 untergegangene Mannschaft von Amerikanisch-Samoa fit zu machen. Das Ziel scheint denkbar einfach: wenigstens einmal ein einziges Tor zu erzielen - Rongen ahnt nicht, welche Herausforderung auf ihn wartt…

Auf wahren Ereignissen beruhende Underdog-Sportgeschichten haben stets einen besonderen Charme, siehe „Cool Runnings“ (Jamaikanische Bobfahrer) oder vor allem „Eddie the Eagle“, die unglaubliche Geschichte des Skispringer-Amateurs Michael „Eddie“ Edwards, der bei den Olympischen Winterspielen in Calgary zum Publikumsliebling wurde.

Hier nun also geht es um eine hoffnungslos untalentierte Fußballmannschaft, die mit ihrer laxen Einstellung ihren Trainer zur Verzweiflung treibt, bis er sich in sein Schicksal fügt und sich in seinem unfreiwilligen Exil und dem für ihn neuen, aber liebenswert-exotisch anmutenden Umfeld immer wohler zu fühlen beginnt.

Soweit nichts aufsehenerregendes Neues, dennoch ist es Regisseur Waititi gelungen, aus diesem bekannten Material einen vergnüglichen und unterhaltsamen Film zu machen, mit gewohnt verschroben Elementen, unterstützt von guten Darstellern, allen voran Michael Fassbender, der dann auch für den tragischen Unterton sorgen darf, der in einer guten Komödie nicht fehlen darf.

Alles in allem der richtige Film zum unbeschwerten Start in das neue Kinojahr.

 


 Regie: Taika Waititi

Drehbuch: Taika Waititi, Iain Morris

Kamera: Lachlan Milne

Schnitt: Tom Eagles, Yana Gorskaya, Nicholas Monsour, Nat Sanders

Musik: Michael Giacchino

 

Besetzung:

Michael Fassbender, Oscar Kightley,

 

Walt Disney Motion Pictures/ Searchlight Pictures

2023

104 min.

FSK 0

Deutscher Kinostart: 04. Januar 2024

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=QyyZPGDpdQY (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=jFkaH84fOJo (Englisch)

 

 

 

Mittwoch, 3. Juli 2019

Film-Rezensionen: Kroos

Ein Dokumentarfilm über Toni Kroos? Den Fußballer? Im Kino? Wer sich diese Fragen stellt, weiß zumindest einmal, wer und was Toni Kroos ist, bei weiteren Details werden sich die meisten aber schon schwer tun, denn es gibt wenige Superstars in der Welt des Fußballs, die so wenig in der Öffentlichkeit stehen. Dass Kroos ein Superstar ist, wird auch der letzte Zweifler nach diesem Film zugeben müssen, denn dafür sprechen zum einen seine vielen Erfolge und Titel – Weltmeister, vier Mal Champions League-Sieger (3x mit Real Madrid, 1x mit dem FC Bayern München), einmal spanischer Meister, einmal spanischer Superpokalsieger, drei Mal deutscher Meister und dreimal Pokalsieger mit Bayern München, um nur die wichtigsten zu nennen. Zum anderen entsteht aus den Aussagen seiner Kollegen, vor allem bei Real Madrid, ein Bild, das sich erst auf den zweiten Blick zu erschließen scheint, nämlich das des Motors und Regisseurs auf dem Platz, von dem Tempo und Spielweise maßgeblich abhängen. Wenn selbst ein Kenner wie Marcel Reif gesteht, dass er Kroos früher unterschätzt habe, wird verständlich, weshalb es vielleicht doch keine schlechte Idee war, diesen Film in die Kinos zu bringen, um dem erfolgreichsten deutschen Spieler aller Zeiten auf diese Weise ein Denkmal zu setzen. 

Der Film lässt eine illustre Schar von Spielern und Trainern zu Wort kommen, von Bale über Modric bis Ramos, von Guardiola, Zidane und Heynckes bis Löw, auch ein Edelfan wie Robbie Williams darf sich äußern, und so entsteht das Bild des Spielers Kroos. Das des Menschen dahinter wird durch Aussagen seiner Familie, allen voran seiner Frau, der Eltern und des Bruders Felix sichtbar, schließlich lässt sich auch die Hauptperson selbst auf die Sache ein und Toni Kroos trägt seinen Teil dazu bei, indem er, der sich ansonsten nie in den Vordergrund drängt, ein wenig Einblick in sein Leben, von Greifswald bis Madrid, gewährt. 
Dabei wird deutlich, dass sein Verhalten tatsächlich keine Arroganz oder Abgehobenheit darstellt, sondern seine Persönlichkeit widerspiegelt, dass er ein Mensch ist, der nach wie vor nicht an Glamour und Skandalen interessiert ist, sondern solide aber effizient seine Arbeit macht. Wer das langweilig nennt, weiß es halt nicht besser. Wie wenig Kroos offensichtlich daran liegt, im Mittelpunkt zu stehen, zeigt ein Foto aus der Mannschaftskabine nach dem WM-Gewinn mit Bundeskanzlerin Merkel und Bundespräsident Gauck und einem Toni Kroos irgendwo im Hintergrund, mit seinen Schuhen beschäftigt. Schließlich wird auch sein soziales Engagement in Gestalt einer Stiftung für schwerstkranke Kinder beleuchtet, ein Engagement, das man von einer Person mit seinem Status sicher auch erwarten darf.
Dass er auch geschickt verhandeln und seine Interessen verfolgen kann, macht sein Abgang von Bayern München deutlich, eine interessante Episode, die manch einer im Vorfeld schon als Abrechnung mit seinem Ex-Verein und als unschönes „Nachtreten" interpretiert hat – vielleicht ohne den Film überhaupt gesehen zu haben. In ein Porträt gehören alle biographischen und beruflichen Details, so darf das „Missverständnis“ Bayern München auch nicht fehlen. Uli Hoeneß kommt selbst zu Wort, wie die Sache zu werten ist, darüber mag sich danach jeder Zuschauer selbst ein Urteil bilden.

 
Regie: Manfred Oldenburg
Dokumentarfilm
Deutscher Kinostart: 04. Juli 2019


Bilder und Clip:
© BROADVIEW Pictures

Mittwoch, 13. März 2019

Film-Rezensionen: Trautmann


Es gab einmal eine Zeit, als der englische Fußball kein Torwartproblem hatte und schuld daran war ein Deutscher namens Bernd Trautmann. Der Film von Marcus Rosenmüller erzählt diese Geschichte.

Der junge Wehrmachtssoldat Bernd Trautmann (David Kross) kommt gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in britische Kriegsgefangenschaft. Bei einem Fußballspiel im Lager fällt er dem Trainer des örtlichen Fußballclubs Jack Friar (John Henshaw) auf, der händeringend einen brauchbaren Torwart für sein Team sucht. Für Trautmann bietet sich die Chance, den Schikanen des Lagers für eine Weile zu entkommen, wenngleich es erhebliche Ressentiments ihm, dem Deutschen, gegenüber gibt. Mit seiner Leistung, aber auch seiner zurückhaltenden und freundlichen Art, gelingt es ihm nach und nach, die Menschen für sich einzunehmen, und als dann noch mit seiner Hilfe der Klassenerhalt des Clubs geschafft wird, sind ihm Anerkennung und Respekt sicher.

Als sich Trautmann und Friars Tochter Margaret (Freya Mavor) ineinander verlieben, beschließt er, auch nach Auflösung des Gefangenenlagers in England zu bleiben. Er und Margaret heiraten, und dann erhält „Bert", wie er von den Engländern genannt wird, das Angebot, für Manchester City zu spielen.

Dort löst die Verpflichtung des „Nazis“ zunächst einen – heute würde man sagen – Shitstorm aus, zumal sich herausstellt, dass Trautmann sich als 17-Jähriger freiwillig zur Wehrmacht gemeldet und einige Auszeichnungen erhalten hat. Aber wiederum gelingt es ihm, die Fans durch seine Leistung zu überzeugen, und dann kommt das legendäre FA-Cup-Finale 1956 im Wembley-Stadion: Trautmann erleidet während der Partie einen Halswirbelbruch, spielt dennoch bis zum Ende weiter und Manchester gewinnt den Pokal, was ihn bei den fußballverrückten Engländern zu einem wahren Helden werden lässt, nicht nur respektiert, sondern auch geliebt.

Marcus Rosenmüller erzählt Trautmanns Geschichte mit viel Gefühl, zeigt, wie sich Hass und Ablehnung überwinden lassen, und wie die verbindende Kraft des Fußballs es schafft, einen ehemaligen Feind zum Volkshelden werden zu lassen. Die Kamera fängt Bilder von nostalgischer Sepia-Färbung ein, bietet mitreißende Fußballsequenzen und lässt so die Stimmung der Zeit wiederaufleben. David Kross gelingt es, seine Figur des „hässlichen Deutschen" von Anfang an zu einem Sympathieträger zu machen, seine Freundlichkeit und sein Charme ziehen nicht nur die Engländer, sondern auch die Zuschauer sogleich auf seine Seite. Einen düsteren Aspekt erhält die Geschichte durch die Bilder eines Kriegserlebnisses, die Trautmann quälen, eine Schuld, die er mit sich herumträgt und die er schließlich durch einen familiären Schicksalsschlag bezahlt sieht.

Der Film ist alles in allem eine zu Herzen gehende Aufforderung, Grenzen und Vorurteile zu überwinden, durch Verzeihen von Schuld zur Versöhnung zu gelangen, auch wenn es nicht einfach ist, gerade deshalb ein Thema, das niemals seine Aktualität und Berechtigung verliert.


Regie: Marcus H. Rosenmüller
Drehbuch: Marcus H. Rosenmüller, Nicholas Schofield
Kamera: Daniel Gottschalk
Schnitt: Alexander Berner
Musik: Gerd Baumann

Darsteller:
David Kross, Freya Mavor, John Henshaw, Dave Johns, Harry Melling, Gary Lewis

 SquareOne Entertainment
20th Century Fox Germany
120 min.
Deutscher Kinostart: 14. März 2019