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Mittwoch, 28. Januar 2026

Heimkino: 22 Bahnen

Tilda (Luna Wedler) studiert Mathematik und jobbt an der Supermarktkasse, vor allem aber kümmert sie sich um ihre kleine Schwester Ida (Zoë Baier), denn ihrer beider Mutter (Laura Tonke) hat immer wieder alkoholbedingte Ausfälle und bekommt ihr Leben nicht in den Griff. Als Tilda ein verlockendes Promotionsangebot erhält, für das sie jedoch nach Berlin umsiedeln müsste und außerdem noch Viktor (Jannis Niewöhner) auftaucht, mit dem sie einen traurigen Schicksalsschlag teilt, muss Tilda eine schwerwiegende Entscheidung treffen, während sie regelmäßig ihre 22 Bahnen im Schwimmbad zieht…

Der dem Film zugrundeliegende gleichnamige Roman der Jungautorin Caroline Wahl war auf Anhieb ein großer Erfolg, was zwangsläufig zu einer baldigen Verfilmung führen musste. Wer das Buch kennt, wird allerdings im Film nichts grundlegend Neues finden, und wer den Film schaut, braucht das Buch nicht mehr zu lesen, was nicht heißen soll, dass beides schlecht wäre. Hier soll es aber um den Film gehen, der das Leben in einer Co-Abhängigkeit zeigt, immer am Rand des Untergangs und auf den Schultern einer jungen Frau, die mit ihren verschiedenen Rollen völlig überfordert ist, von Luna Wedler in lakonischer Sachlichkeit interpretiert.

Die stärksten Szenen gehören allerdings der Mutter, von Laura Tonke grandios verkörpert, die in ihrem Scheitern immer wieder Momente vergeblich angestrebter Stärke und hoffnungsloser Zerbrechlichkeit zeigt, die ihre Kinder permanent im Stich lässt und dabei selbst vom Leben im Stich gelassen zurückbleibt.

 

Die doppelbödige Liebesgeschichte mit dem eher blass bleibenden Viktor und Tildas seltene Ausbrüche in ein normales Leben mit Gleichaltrigen, Partys und eigenen Drogenerfahrungen bleiben zu schwach, um daraus einen echten Kontrapunkt zum trüben Alltag zu bilden, und auch die Schwimmbadszenen werden ihrer Bedeutung für die Geschichte nicht immer gerecht.

 

Dass der Film es bewusst vermeidet, zu sehr als Sozialdrama daher zu kommen ist Stärke und Schwäche zugleich, wer sich von Ersterem eher abgeschreckt fühlen würde, wird dennoch eine Leichtigkeit vermissen, die dem Thema die Schwere nehmen könnte und ein befreiendes Lachen, was zu einem richtigen Drama immer unbedingt dazu gehört. 

 

 

Regie: Mia Maariel Meyer

Drehbuch: Elena Hell, b/a Roman von Caroline Wahl

Kamera: Emil Härdtlein

Schnitt: Jamin Benazzouz

Musik: Dascha Dauenhauer

 

Besetzung:

Luna Wedler, LauraTonke, Sabrina Schieder, Zoë Baier, Jannis Niewöhner

 

 Constantin Film

LEONINE Home Entertainment

102 min.

FSK 12

 © LEONINE Studios

 

Heimkinostart: 23. Januar 2026

  

 Trailer:  https://www.youtube.com/watch?v=vkj0AFB9WXM  (Deutsch)

Mittwoch, 3. September 2025

Im Kino: 22 Bahnen

Tilda (Luna Wedler) studiert Mathematik und jobbt an der Supermarktkasse, vor allem aber kümmert sie sich um ihre kleine Schwester Ida (Zoë Baier), denn ihrer beider Mutter (Laura Tonke) hat immer wieder alkoholbedingte Ausfälle und bekommt ihr Leben nicht in den Griff. Als Tilda ein verlockendes Promotionsangebot erhält, für das sie jedoch nach Berlin umsiedeln müsste und außerdem noch Viktor (Jannis Niewöhner) auftaucht, mit dem sie einen traurigen Schicksalsschlag teilt, muss Tilda eine schwerwiegende Entscheidung treffen, während sie regelmäßig ihre 22 Bahnen im Schwimmbad zieht…

Der dem Film zugrundeliegende gleichnamige Roman der Jungautorin Caroline Wahl war auf Anhieb ein großer Erfolg, was zwangsläufig zu einer baldigen Verfilmung führen musste. Wer das Buch kennt, wird allerdings im Film nichts grundlegend Neues finden, und wer den Film schaut, braucht das Buch nicht mehr zu lesen, was nicht heißen soll, dass beides schlecht wäre. Hier soll es aber um den Film gehen, der das Leben in einer Co-Abhängigkeit zeigt, immer am Rand des Untergangs und auf den Schultern einer jungen Frau, die mit ihren verschiedenen Rollen völlig überfordert ist, von Luna Wedler in lakonischer Sachlichkeit interpretiert.

Die stärksten Szenen gehören allerdings der Mutter, von Laura Tonke grandios verkörpert, die in ihrem Scheitern immer wieder Momente vergeblich angestrebter Stärke und hoffnungsloser Zerbrechlichkeit zeigt, die ihre Kinder permanent im Stich lässt und dabei selbst vom Leben im Stich gelassen zurückbleibt.

 

Die doppelbödige Liebesgeschichte mit dem eher blass bleibenden Viktor und Tildas seltene Ausbrüche in ein normales Leben mit Gleichaltrigen, Partys und eigenen Drogenerfahrungen bleiben dagegen zu schwach, um daraus einen echten Kontrapunkt zum trüben Alltag zu bilden, und auch die Schwimmbadszenen werden ihrer Bedeutung für die Geschichte nicht immer gerecht.

 

Dass der Film es bewusst vermeidet, zu sehr als Sozialdrama daher zu kommen ist Stärke und Schwäche zugleich, wer sich von Ersterem eher abgeschreckt fühlen würde, wird dennoch eine Leichtigkeit vermissen, die dem Thema die Schwere nehmen könnte und ein befreiendes Lachen, was zu einem richtigen Drama immer unbedingt dazu gehört.

 

  

   Regie: Mia Maariel Meyer

Drehbuch: Elena Hell, b/a Roman 

von Caroline Wahl

Kamera: Emil Härdtlein

Schnitt: Jamin Benazzouz

Musik: Dascha Dauenhauer

 

Besetzung:

Luna Wedler, LauraTonke, Sabrina Schieder, Zoë Baier, Jannis Niewöhner

 

Constantin Film

2025

102 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 04. September 2025

 

 

Trailer:  https://www.youtube.com/watch?v=vkj0AFB9WXM  (Deutsch)

Donnerstag, 2. September 2021

Heimkino: Kajillionaire

Die 26-jährige Old Dolio (Evan Rachel Wood) bestreitet gemeinsam mit ihren Eltern Theresa (Debra Winger) und Robert (Richard Jenkins) den Lebensunterhalt der Familie mit Trickbetrügereien und kleinen Gaunereien. Von Anfang an darauf trainiert kennt sie nichts anderes, erst als die temperamentvolle Melanie (Gina Rodriguez) zu dem Trio stößt, merkt Old Dolio, was ihr bisher gefehlt hat: die Liebe und die Zuneigung ihrer Mutter, eine bittere Erkenntnis, die ihr ganzes bisheriges Leben in Frage stellt…

Bei dem Film von Miranda July scheint es sich auf den ersten Blick um eine Gaunerkomödie mit gesellschaftskritischen Ansätzen zu handeln, die sich dann aber immer mehr zu einer tragischen Familiengeschichte entwickelt. So skurril die Eltern Theresa und Robert zunächst agieren und mit ihrer erwachsenen Tochter ein unangepasstes Leben führen, indem sie sich über gesellschaftliche Tabus und Schranken hinweg- und der Konsumwelt widersetzen, so hartherzig verhalten sie sich ihrer Tochter gegenüber, indem sie ihr das Gefühl von Nestwärme und elterlicher Liebe vorenthalten. Old Dolio funktioniert und füllt ihren Part aus, um am Ende ihre Belohnung zu erhalten. Das emotionale Vakuum, in dem sie sich befindet, wird ihr erst durch die unbeschwerte Melanie bewusst, die ihr neues Gangsterleben höchst spannend findet, obwohl sie selbst aus geordneten Verhältnissen stammt. Evan Rachel Wood verleiht der Verlorenheit der jungen Frau mit dem ungewöhnlichen Namen Old Dolio ein eindrucksvolles Gesicht und ihre Darstellung dieser tragischen Figur wirkt noch lange nach.

Der Film führt zunächst in den Mikrokosmos einer dystopischen Familie, um diesen durch Einführung eines neuen Elements in Gestalt der jungen Melanie zu sprengen, die voller Tatendrang in eine für sie neue Welt eindringt, und wie die Regisseurin mit diesen Konstellationen spielt, den Blickwinkel verändert und ihre Figuren mit unnachgiebiger Schärfe beobachtet ist vielleicht nicht jedermanns Sache, denn sowohl die Komik als auch die Tragik kommen ungewohnt und sperrig daher, aber am Ende ist der Film, der seine Weltpremiere 2020auf dem Sundance Film Festival feierte, ein kleines Juwel, erfrischend unangepasst und originell wie seine Protagonisten.

 

 

Regie: Miranda July

Drehbuch: Miranda July

Kamera: Sebastian Winterø

Schnitt: Jennifer Vecchiarello

Musik: Emile Mosseri

 

Cast:

Evan Rachel Wood, Debra Winger, Richard Jenkins, Gina Rodriguez,

 

 Focus Features/ Annapurna Pictures

USA 2020

FSK 0

104 min.

 

Neu auf DVD ab 02. September 2021

 

Details DVD:

Sprachen: Englisch, Deutsch

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 Pal 16:9

Ton: Dolby Audio 5.1 + 2.0

Bonusmaterial: Trailer, Originaltrailer

EAN-Code 4009750207581


Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=xiMPCevu8Wk

 

 

 

Donnerstag, 30. April 2020

Film-Rezensionen: Waves

Das Leben einer Mittelstandsfamilie gerät vollkommen aus den Fugen, als Sohn Taylor (Kelvin Harrison Jr) sich von den Erwartungen seines Umfelds, vor allem denen seines ambitionierten Vaters (Sterling K. Brown), überfordert sieht. Sein Scheitern führt zu einer Katastrophe, an der auch Taylors Schwester Emily (Taylor Russell) fast zerbricht, aber die Freundschaft zu dem Außenseiter Luke (Lucas Hedges) gibt ihr Halt.

Der Film hat eine dynamische, hyperaktive erste Hälfte, die sich dem Schicksal des jungen Taylor widmet und eine ruhige, gemäßigte zweite Hälfte, in der Emily die Hauptperson ist. Dieser Dramaturgie folgend bietet der erste Teil laute Musik und unruhige bis hektische Bildsequenzen, vor allem dann, wenn über dem jungen Protagonisten alles zusammenbricht. Was experimentell, fast schon expressionistisch gedacht ist, wirkt aber irgendwie unfertig, wie eine noch nicht fertiggestellte Schnittfassung mit teilweise improvisiert klingenden Dialogen. Hier hätte man sich eine straffere und durchdachtere Inszenierung gewünscht, denn was Dynamik und das Chaos versinnbildlichen soll, das um Taylor herumkreist, überschreitet leider an vielen Stellen die Grenze des Erträglichen. Im zweiten Teil, der sich dem Schicksal Emilys widmet, die mit der Situation um ihren Bruder völlig überfordert ist, kommt plötzlich Ruhe und Besinnlichkeit in die Geschichte, verliert sich dann aber in der ein oder anderen überflüssigen Nebenhandlung.

Am Ende gelingt es dem Film leider nicht, seine beiden Teile zu einem harmonischen Ganzen zu verbinden, diese stehen für sich genommen verloren im Raum, ohne dass eine emotionale Bindung zur Handlung oder den handelnden Personen entsteht, und so kann das ambitionierte Drama nur teilweise überzeugen.

 


Regie: Trey Edward Shults
Drehbuch: Trey Edward Shults
Kamera: Drew Daniels
Schnitt: Isaac Hagy, Trey Edward Shults
Musik: Trent Reznor, Atticus Ross

Darsteller: Taylor Russell, Kelvin Harrison Jr., Alexa Demie, Sterling K. Brown, Bill Wise, Lucas Hedges

Universal Pictures Germany
USA 2019
135 min.
FSK 12
Deutscher Kinostart: 16. Juli 2020 (vorgesehen war der 19. März)