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Donnerstag, 14. März 2024

Heimkino: American Fiction

Thelonious “Monk“ Ellison (JeffreyWright) ist ein angesehener Hochschullehrer und Autor guter, aber wenig erfolgreicher Literatur. Obwohl selbst Afroamerikaner, nerven ihn die in seinen Augen stereotypischen Zuschreibungen, wie er als Person, Dozent oder Schriftsteller zu sein hat und er verweigert sich ihnen konsequent. Als das Buch einer jungen schwarzen Kollegin zum Bestseller wird, das genau mit diesen von ihm so verachteten Klischees arbeitet, schreibt er unter Pseudonym und mit erfundener Biographie ein ähnliches Werk, das, für ihn völlig unerwartet und absolut ungewollt, ein Riesenerfolg wird, was ihm ermöglicht, das teure Pflegeheim für seine Mutter zu finanzieren…

Zur Zeit von Vielen beklagt ist die Frage nach dem, was man noch sagen und aussprechen darf, alles ist zu einem weiten und komplett verminten Feld geworden, wie bezeichnet man Minderheiten, gibt es die überhaupt noch und welche Personengruppe wird gerade wieder durch eine unbedarfte Äußerung beleidigt? Wie geht man mit Klischees um, wer bestimmt eigentlich, was eines ist und was nicht?

In diesem Film sieht sich die Hauptfigur davon bedrängt, was ihn als Schwarzen – oder sagt man besser: Afroamerikaner –letztlich ausmacht. Wo er sich eigentlich nur als Mensch mittleren Alters sieht, der beruflich seine Probleme hat und dem privat die gleichen Dinge widerfahren, wie jedem und jeder von uns – die Eltern werden alt, sterben oder werden dement, Geschwister sterben oder sind nicht der Halt, den man von ihnen erwartet – da soll er sich auch noch mit seinen schwarzen Brüdern und Schwestern solidarisieren, die genau wie die die übrige Gesellschaft bestimmte Dinge erwarten, wie er sich zu artikulieren, sich zu kleiden oder sonstwie zu verhalten hat.

Wenn er sich diesen Erwartungen widersetzt, stößt er auf Schwierigkeiten, erst als er aus einer Laune heraus und um diese in seinen Augen lächerlichen Klischees auf die Spitze zu treiben genau damit Erfolg hat, zeigt sich die ganze Absurdität einer solchen Situation.

Der Film beleuchtet dieses Dilemma satirisch, wenn er dabei auch recht zahm bleibt, ist er doch unterhaltsam und mag Anregungen dazu geben, nicht zu viel auf einmal zu wollen. Es soll das Rad zwar nicht wieder zurückgedreht werden, aber Menschen brauchen einfach Zeit, um sich an Neues zu gewöhnen, und manche Gruppen müssten vielleicht darüber nachdenken, ob sie sich mit ihrem unbedingten Betonen ihrer Besonderheiten nicht gerade wieder so abgrenzen, dass eine einheitliche gleichwohl vielfältige Gesellschaft verhindert oder zumindest erschwert wird.

 

 Regie: Cord Jefferson

Drehbuch: Cord Jefferson, b/a Roman „Erasure“ von Percival Everett

Kamera: Cristina Dunlap

Schnitt: Hilda Rasula

Musik: Laura Karpman

 

Besetzung:

Jeffrey Wright, Tracee Ellis Ross, John Ortiz, Leslie Uggams, Sterling K. Brown, Issa Rae, Keith David, Adam Brody

 

Orion/ Amazon MGM Video

2023

117 min.

FSK 12

Ab Februar 2024 bei Amazon Prime

 

Trailer:

https://www.youtube.com/watch?v=i0MbLCpYJPA

Donnerstag, 30. April 2020

Film-Rezensionen: Waves

Das Leben einer Mittelstandsfamilie gerät vollkommen aus den Fugen, als Sohn Taylor (Kelvin Harrison Jr) sich von den Erwartungen seines Umfelds, vor allem denen seines ambitionierten Vaters (Sterling K. Brown), überfordert sieht. Sein Scheitern führt zu einer Katastrophe, an der auch Taylors Schwester Emily (Taylor Russell) fast zerbricht, aber die Freundschaft zu dem Außenseiter Luke (Lucas Hedges) gibt ihr Halt.

Der Film hat eine dynamische, hyperaktive erste Hälfte, die sich dem Schicksal des jungen Taylor widmet und eine ruhige, gemäßigte zweite Hälfte, in der Emily die Hauptperson ist. Dieser Dramaturgie folgend bietet der erste Teil laute Musik und unruhige bis hektische Bildsequenzen, vor allem dann, wenn über dem jungen Protagonisten alles zusammenbricht. Was experimentell, fast schon expressionistisch gedacht ist, wirkt aber irgendwie unfertig, wie eine noch nicht fertiggestellte Schnittfassung mit teilweise improvisiert klingenden Dialogen. Hier hätte man sich eine straffere und durchdachtere Inszenierung gewünscht, denn was Dynamik und das Chaos versinnbildlichen soll, das um Taylor herumkreist, überschreitet leider an vielen Stellen die Grenze des Erträglichen. Im zweiten Teil, der sich dem Schicksal Emilys widmet, die mit der Situation um ihren Bruder völlig überfordert ist, kommt plötzlich Ruhe und Besinnlichkeit in die Geschichte, verliert sich dann aber in der ein oder anderen überflüssigen Nebenhandlung.

Am Ende gelingt es dem Film leider nicht, seine beiden Teile zu einem harmonischen Ganzen zu verbinden, diese stehen für sich genommen verloren im Raum, ohne dass eine emotionale Bindung zur Handlung oder den handelnden Personen entsteht, und so kann das ambitionierte Drama nur teilweise überzeugen.

 


Regie: Trey Edward Shults
Drehbuch: Trey Edward Shults
Kamera: Drew Daniels
Schnitt: Isaac Hagy, Trey Edward Shults
Musik: Trent Reznor, Atticus Ross

Darsteller: Taylor Russell, Kelvin Harrison Jr., Alexa Demie, Sterling K. Brown, Bill Wise, Lucas Hedges

Universal Pictures Germany
USA 2019
135 min.
FSK 12
Deutscher Kinostart: 16. Juli 2020 (vorgesehen war der 19. März)

Dienstag, 24. Juli 2018

Film-Rezensionen: Hotel Artemis


Im Jahr 2028 toben in den Straßen von Los Angeles Aufstände und die Stadt versinkt im Chaos. Ein Brüderpaar, Sherman (Sterling K. Brown) und Lev Atkins (Brian Tyree), nutzt die Lage und versucht sich an einem Banküberfall. Die Sache geht schief und Lev wird schwer verletzt. Für Fälle dieser Art gibt es eine Adresse: Das Hotel Artemis, ein 13-stöckiges Gebäude im Art-Deco-Stil, das schon bessere Tage gesehen hat, dessen Penthaus nun als geheimes Krankenhaus für Schwerverbrecher dient, finanziert vom Mafiaboss The Wolfking (Jeff Goldblum). Behandelt werden allerdings nur zahlende Mitlieder des „Clubs“ und die Regeln sind streng.

Geleitet wird die Klinik seit 22 Jahren von einer Ärztin (Jodie Foster), einer altmodisch und zerbrechlich wirkenden kleinen Frau, die nur die "Schwester“ genannt wird, ihr zur Hand geht der Hüne Everest (Dave Bautista). Hinter der Fassade ist die Klinik mit hochmoderner Computertechnik ausgerüstet und die Schwester versteht überraschenderweise ihr Handwerk perfekt. Die Patienten erhalten, um ihre Anonymität zu wahren, die Namen der nach Ferienzielen benannten High-Tech-Zimmer, in denen sie untergebracht sind, und so werden Sherman und Lev zu „Waikiki“ und „Honolulu".

An diesem Abend gerät allerdings die von der Schwester sonst so effizient verwaltete Ordnung komplett verloren, eine Welle der Gewalt aus den Straßen schwappt plötzlich herein, als neben der französischen Auftragskillerin "Nice" (Sofia Boutella) und dem durchgeknallten Waffenhändler „Acapulco“ (Charlie Day) auch noch der Wolfking persönlich an die Tore klopft, begleitet von seinem unter Minderwertigkeitsgefühlen leidenden Sohn Crosby (Zachary Quinto). Und dann ist da noch die verletzte Polizistin Morgan Daniels (Jenny Slate), die eindeutig nicht zum Patientenkreis gehört, es aber schafft, die Schwester zum Bruch ihrer strengen Regeln veranlasst, wegen einer Vergangenheit, die sie seit 22 Jahren versucht, zu verdrängen…

Der Film, auf  den Weg gebracht von einem Produzententeam, das für Filme wie La La Land, The Night Manager und Drive verantwortlich zeichnete, ist eine futuristische Mischung aus Gangsterfilm und Science Fiction, der in intensiven Bildern die düster-dunkle Außenwelt der Stadt mit dem plüschigen Interieur des aus der Zeit gefallenen Gebäudes kontrastiert, das den hilfebedürftigen Patienten ein nostalgisches Ambiente mit gleichzeitiger High-End Medizin offeriert.

Jodie Foster spiegelt diesen Kontrast in ihrer Figur eindrücklich wider, sie spielt Musik auf einem alten Plattenspieler ab, während sie andererseits Operationen, die eigentlich ein ganzes Team erfordern, mithilfe von Computern und Robotern durchführt und neue Organe von 3D-Druckern fertigen lässt. Ihr Gesicht, ungeschminkt und zerknittert, beginnt zu leuchten, wenn sie sich an die Arbeit macht, das Hotel und sein morbider Charme sind ihre Heimat geworden, während draußen alles aus den Fugen gerät.

Sterling K. Brown verfügt über eine bemerkenswerte Präsenz und Jeff Goldblum gibt seinem Wolfking die nötige Gefährlichkeit. Insgesamt bleibt der Hintergrund der Aufstände im Unklaren, erklären will der Film seine dystopische Zukunftsvision nicht, er liefert jedoch einen soliden Thriller mit einigen spektakulären Kampfszenen, unterhaltsam und mit einer originellen Grundidee, vergesst John Wick und checkt ein im Hotel Artemis!


Members only –
Beschimpfen des Personals verboten!
Mitbringen von Waffen verboten!
Töten anderer Patienten verboten!



Regie: Drew Pearce
Drehbuch: Drew Pearce
Kamera: Chung-hoon Chung
Musik: Cliff Martinez
Produzenten: Marc Platt, Stephen Cornwell, Adam Siegel, Simon Cornwell

Darsteller:
Jodie Foster, Sterling K. Brown, Jeff Goldblum, Sofia Boutella, Dave Bautista, Charlie Day,
Zachary Quinto

Concorde Filmverleih
FSK 16
Deutscher Kinostart: 26. Juli 2018