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Donnerstag, 30. Dezember 2021

Heimkino: Promising Young Woman

 Cassandra (Carey Mulligan) hatte ein vielversprechendes Leben vor sich, mit einem Medizinstudium, das ihr Spaß machte und einer unbeschwerten Studentenzeit. Aber dann wirft ein Ereignis sie vollkommen aus der Bahn, heute arbeitet sie in einem Café, wohnt bei ihren Eltern, hat keine Freunde und schwärmt nachts aus, um sich als vermeintliche Betrunkene von Männern abschleppen zu lassen. Eines Tages lernt sie den netten Kinderarzt Ryan (Bo Burnham) kennen, doch diese Beziehung hält nicht lange, Cassandra wird von ihrer Vergangenheit eingeholt und um sich davon zu lösen, entwickelt sie einen furchtbaren Plan, der eigentlich nur schief laufen kann…

Regisseurin Fennell entwirft für ihre Protagonistin ein Szenario, das sicherlich vielen Frauen bekannt vorkommen dürfte: der nette junge Mann, der sich niemals mit einem hässlichen Triebtäter in eine Reihe stellen würde, entpuppt sich in einer bestimmten Situation plötzlich als Raubtier, das sich eine vermeintlich schwache Beute einverleibt. Womit er früher häufig davongekommen ist, weil bestimmte Verhaltensweisen von der Gesellschaft akzeptiert oder zumindest entschuldigt wurden, ist heute nicht mehr ganz so einfach, aber das Gefühl der Unsicherheit, das Frauen nach wie vor im öffentlichen Raum unter bestimmten Umständen und zu bestimmten Uhrzeiten verfolgt, ist geblieben.

Der raffiniert aufgebaute Film lässt seine Figur Cassandra, angetrieben von einem starken Rachegefühl, aus einer Frauen im allgemeinen anerzogenen Passivität ausbrechen. Dabei entpuppen sich ihre Lektionen, die sie Frauen, die allzu oft zu Komplizinnen der Täter werden, letztlich nicht als so schlimm, wie sie zunächst scheinen, ihr finaler Rachfeldzug allerdings hat es in sich, und das Ende ist zunächst schwer zu verdauen, findet dann aber doch noch zu einem kathartischen Abschluss.

Intelligente, spannende Unterhaltung mit bitterbösen Unterton und einer hervorragenden Carey Mulligan, die alle möglichen und unmöglichen Facetten aus ihrer Figur herausholt.

 



 Regie: Emerald Fennell

Drehbuch: Emerald Fennell

Kamera: Benjamin Kracun

Schnitt: Frédéric Thoraval

Musik: Anthony Willis

 

Besetzung:

Carey Mulligan, Bo Burnham, Alison Brie, Clancy Brown, Christopher Lowell, Adam Brody, Christopher Mintz-Plasse

 

Universal Pictures International

USA 2020

113 min.

FSK 16

 

Seit 18. November 2021 auf DVD und Blu-ray

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=MBd1arxlo3g (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=edQGxerOHeg (Englisch)

 

Dienstag, 1. Dezember 2020

Heimkino: Colony - Staffel 3

Was bisher geschah, hier noch einmal zum nachgelesen:

https://wandasnewworld.blogspot.com/2020/04/heimkino-colony-staffel-1.html

https://wandasnewworld.blogspot.com/2020/07/heimkino-colony-staffel-2.html

Nach ihrer Flucht aus Los Angeles finden die Bowmans endlich das so lange gesuchte Widerstandslager im Norden, aber ihr Aufenthalt dort steht von Anfang an unter keinem guten Stern. Nach einer dramatischen und letztlich enttäuschenden Entwicklung müssen sie weiter fliehen, dann aber gibt es möglicherweise für sie, vielleicht sogar für die gesamte Menschheit, ein Licht am Ende des Tunnels in dem neu und gut organisierten Block in Seattle unter Führung des charismatischen aber undurchsichtigen Everett Kynes (Wayne Brady). 

Gleichzeitig schlägt sich Broussard in Begleitung der Ärztin Amy (Peyton List) ebenfalls nach Seattle durch und trifft dort wiederum auf Verbündete im Widerstand, während die Bowmans für eine Weile ein scheinbar geordnetes und sicheres Leben führen, bis sie widerstrebend erkennen müssen, dass sich hinter der vorgeblichen Harmonie in Seattle ein letztes furchtbares Geheimnis verbirgt. Am Ende wird es immer schwieriger, herauszufinden, wem man vertrauen kann, und wem nicht, vor allem, als das alte Schlitzohr Snyder (Peter Jacobson) wieder beginnt, an so vielen Fäden wie möglich zu ziehen...

In dieser finalen Staffel werden nach und nach die vielen losen Enden zusammengefügt, wenn auch der eigentliche Schluss ein paar neue Rätsel aufgibt. Dennoch alles in allem intelligente und spannende Unterhaltung, bei der neben den Science-Fiction-Elementen eine dramatische Familiengeschichte im Vordergrund steht, in der immer wieder abgewogen werden muss, wie weit man als Eltern geht, wenn man die Sicherheit der Familie, vor allem der Kinder, aufs Spiel setzt. Außerdem gibt es viele Schachzüge um Macht und Machterhaltung zu bewundern, bei denen der Anti-Held Snyder, der gnadenlose Opportunist, grandios verkörpert durch Peter Jacobson, eindrucksvoll demonstriert, dass es nicht immer die klügsten – und schon gar nicht die ehrenwertesten – Menschen sind, die in diesem Spiel erfolgreich sind. 

Wer stets die Situation richtig einschätzt und dann skrupellos genug ist, immer seinen Vorteil zu erkennen und entsprechend zu agieren, dem steht die Welt offen. Der interessanteste Aspekt von „Colony" bleibt dabei der, dass es weniger die Besatzer aus dem All sind, die eine Schreckensherrschaft errichten, sondern ihre menschlichen Statthalter, die diesbezüglich über jahrtausende alte, offensichtlich genetisch tief verankerte Fähigkeiten verfügen. Ein Mann wie Snyder ist dabei weder richtig böse, obwohl er Böses tut, noch ist er ein guter Mensch, wenn er einmal etwas Gutes veranlasst, er ist einfach unschlagbar darin, in allen Situationen zu überleben und immer wieder auf die Füße zu fallen, während die sich immer mit moralischen Fragen quälende Familie Bowman nur halb so viel Spaß und auch nicht immer den erhofften Erfolg bei ihren Aktionen hat. Aber zum Snyder muss man geboren sein, da helfen nicht einmal die Algorithmen, die ihn einst für seine Aufgabe ausgewählt haben…

Alles in allem eine absolut sehenswerte und intelligente Serie mit vielen Facetten, die leider im Vergleich zu manchen hochgelobten Produktion völlig zu Unrecht etwas untergegangen ist! 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Juan José Campanella, Tim Southam, Nelson McCormick, Peter Leto, Roxann Dawson, Jeremy Webb, Scott Peters u.a.

Drehbuch: diverse, b/a den Entwicklern Ryan J. Condal und Carlton Cuse

Kamera: Christopher Faloona u.a.

Schnitt: Nona Khodai u.a.

Musik: Clinton Shorter

 

Darsteller:

Josh Holloway, Sarah Wayne Callies, Peter Jacobson, Tory Kittles, Isabella Crovetti, Alex Neustaedter, Amanda Righetti, Wayne Brady, Peyton List

 

Pandastorm

FSK 16

VÖ: ab 20. November 2020

 

Details DVD:

 Anzahl Discs: 4

Laufzeit: 550 min. (13 Episoden à 42 min.)

Bildformat: 1,78:1 / 16:9

Ton: Deutsch DD 5.1, Englisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch

Extras: Episodenguide

 

Details Blu-ray:

Anzahl Discs: 3

Laufzeit: 550 Min. (13 Folgen à 42 Min.)

Bildformat: 1,78:1 / 1080p24 / AVC

Ton: Deutsch DTS-HD Master Audio 5.1, Englisch DTS-HD Master Audio 5.1

Untertitel: Deutsch

Extras: Episodenguide

Donnerstag, 20. August 2020

Heimkino: Lindenberg! Mach Dein Ding

Der Name „Udo Lindenberg“ dürften den Meisten ein Begriff sein, aber wie er wurde, was er ist – Musiker, Phänomen, lebende Legende – wissen vielleicht die Wenigsten. Dieser Film widmet sich mit Verve dem Leben Lindenbergs von der Kindheit in den piefigen 1950ger Jahren im westfälischen Gronau bis zum Startschuss seiner Karriere durch einen entscheidenden ersten Bühnenauftritt 1973.

Vater Lindenberg (Charly Hübner), der seine musikalischen Ambitionen nie ausleben durfte, macht ihm früh klar, dass die Lindenbergs Klempner sind und immer bleiben, aber damit will sich Sohn Udo (Jan Bülow) auf keinen Fall abfinden. Er träumt von einer großen Karriere als Rockstar, doch seine Absicht, deutsche Texte zu singen hält jeder für spinnert, wie auch den ganzen Typen. Allerdings hat er das Wort "aufgeben" nicht in seinem Vokabular, und so erleben wir den jungen Udo als begabten (Jazz)Schlagzeuger, als Studiomusiker, als unermüdlichen Trommler auf dem Hamburger Kiez und folgen ihm bei einem bizarren Engagement mit den US-Truppen auf eine Militärbasis in der libyschen Wüste. Es gibt diverse amouröse Abenteuer, bei denen ihm immer mal geniale Textzeilen für seine späteren Songs einfallen („…und Paula aus Sankt Pauli, die sich immer auszieht") und dass er es schließlich trotz aller Widrigkeiten schafft, ist ein schönes Beispiel für die vielzitierte Phrase „Lebe deinen Traum“ oder „Du kannst alles schaffen, wenn du es nur willst“ oder alle weiteren Variationen dieser schönen, aber auch banalen Lebensweisheit. Es entsteht allerdings auch der Eindruck, dass es jemandem, der partout und ausschließlich „sein Ding“ machen will, nur um sich selbst geht, weniger um ein Team, eine Band oder Freunde.

Der Film ergründet dabei das Phänomen Lindenberg nicht wirklich und liefert keine schlüssige Erklärung für Lindenbergs jahrzehntelangen Erfolg. Trotz der vielleicht noch nicht bekannten biographischen Details aus Kindheit und Jugend wird der Mensch hinter der Kunstfigur nicht fassbarer, ein schärferer Blick hinter die Fassade dieses skurrilen Nuschelkünstlers hätte vielleicht gut getan. Auch sonst werden einige Klischees in erwartbarer Weise bedient, Detlev Buck darf als Plattenlabelboss hemmungslos chargieren und die Damen sind willig, sogar ein „Cougar“ macht sich an den naiven Jüngling Udo heran.

Dass der Film dennoch funktioniert und Spaß macht, liegt an der Gesamtinszenierung, an der Reise in die verschiedenen Zeiten, die nicht chronologisch erzählt wird, sondern die einzelnen Ebenen sich immer wieder überlappen lässt, hier das triste Gronau der 1950ger, dort das bunte und chaotische Kiezleben auf der Hamburger Reeperbahn Anfang der 1970ger Jahre, und dabei jeweils den aus heutiger Sicht exotisch anmutenden Zeitgeist wunderbar einfängt. Vor allem aber sind es die Darsteller, die mit sichtbarem Vergnügen bei der Sache sind, die mitreißen und über viele der genannten Kritikpunkte einfach hinweg spielen, allen voran Jan Bülow, der die Figur des jungen Rebellen in all seinen Widersprüchen lebt und mitreißend rüberbringt. Für Udo-Fans, die den Film noch nicht im Kino gesehen haben, ein Muss, ihn sich jetzt nach Hause zu holen, aber auch für alle anderen ein spaßiges Sommervergnügen fürs Heimkino.

 


Regie: Hermine Huntgeburth 

Drehbuch: Alexander M. Rümelin, Christian Lyra, Sebastian Wehlings

Kamera: Sebastian Edschmid

Schnitt: Ueli Christen, Eva Schnare

Musik: Oli Biehler

 

Darsteller:

Jan Bülow, Detlev Buck, Max von der Groeben, Charly Hübner, Julia Jentsch, Martin Brambach, Ruby O. Fee, Christoph Letkowski, Ella Rumpf, Jeanette Hain, Saskia Rosendahl

 

D 2019

dcm

FSK 12

Ab 21. August 2020 auf DVD, Blu-ray und als Digibook

 

 Details DVD:

Laufzeit: ca. 129 Min.

Bildformat: 2,40:1

Sprachen: Deutsch

Ton: DD 5.1

Untertitel: Deutsch

EAN: 4061229131902

 Details Blu-ray:

Laufzeit: ca. 134 Min.

Bildformat: 2,40:1

Sprachen: Deutsch

Ton: DTS HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

EAN: 4061229131919

 Details Digibook:

Laufzeit DVD: ca. 129 Min.

Laufzeit Blu-ray: ca. 134 Min.

Bildformat: 2,40:1

Sprachen: Deutsch

Ton (DVD/BD): DD 5.1/DTS HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

EAN: 4061229131964

 Extras in allen Versionen:

- Audiokommentar mit Regisseurin Hermine Huntgeburth & Produzent Michael Lehmann

- Premierenclip

- Musik

- Interview mit Cast und Crew

- Featurette

- Deutsche barrierefreie Fassung

 

Trailer: youtu.be/CDpFfseEG1E

 



Mittwoch, 22. Juli 2020

Heimkino: Freies Land

Im Jahr 1992 befindet sich Deutschland im zweiten Jahr seiner Wiedervereinigung, ein insbesondere für den Ostteil schmerzhafter Prozess. Die anfängliche Euphorie hat sich in manchen Regionen in eine bleierne Lethargie verwandelt, und genau in solch eine Region wird Kommissar Stein (Trystan Pütter) aus Hamburg (straf)versetzt. Er findet sich in einer Kleinstadt an der Neiße wieder, wo er mit dem ostdeutschen Kollegen Bach (Felix Kramer) das Verschwinden zweier Schwestern untersuchen soll. Im Laufe der Ermittlungen stoßen beide auf weitere verschwundene junge Frauen, die alle eins gemeinsam hatten: sie wollten unter allen Umständen weg aus diesem gottverlassenen Kaff. Dann werden die verstümmelten Leichen der Schwestern gefunden, es besteht der Verdacht, dass auch die anderen verschwundenen Mädchen ermordet wurden, und für die beiden Ermittler beginnt eine schwierige Mördersuche.

In blass-dunklen Bildern bewegt sich der Film in einem beklemmenden Umfeld, untermalt von einem düsteren, unheilschwangeren Soundtrack. Die Enge des Nachwende-Lebens scheint im Gegensatz zu den schnurgeraden Straßen zu stehen, die immer wieder gerne von oben, über den Dingen schwebend, gezeigt werden, sie enden jedoch meistens im Nichts, führen zu verlassenen Gehöften, einer einsamen Fischfarm, einem rostigen Schiffsfriedhof oder einem menschenleeren Klärwerk. Die vorherrschenden Farben sind braun und grau, ebenso ist die Stimmung bei den verschlossenen, gleichmütigen oder abweisenden Menschen. Die verschwunden Mädchen sind in ihrer Vorstellung aufgebrochen in eine hellere, freundlichere Zukunft, dass diese Sehnsucht sie geradewegs in die Arme von perversen Schändern und Mördern getrieben hat, scheint niemanden wirklich zu interessieren.

Die unterschiedlichen Charaktere der Ermittler – hier der wenig geschätzte Besser-Wessi, auf den zu Hause in Hamburg seine hochschwangere Frau wartet, dort der Kommissar mit Stasi-Vergangenheit, der noch immer einige seiner damaligen Verhörmethoden pflegt – lässt die beiden allmählich zusammenwachsen, widerstrebend, aber der gemeinsamen Sache verbunden, stellvertretend für das gesamte schwierige Zusammenwachsen eines zerrissenen Landes. Wenn auch die mit Spannung erwartete Auflösung am Ende ein wenig enttäuscht, hat Regisseur Alvart aus einem an sich schon düsteren Krimi – das gelungene Remake des spanischen Films „La isla mínima"/ „Mörderland“ – einen packenden Thriller mit politischen Elementen gemacht, der über die sonntäglichen Standard-TV-Krimikost weit hinausreicht.  

Regie: Christian Alvart

Drehbuch: Siegfried Kramml, Christian Alvart, b/a Drehbuch von Alberto Rodríguez und Rafael Cobos

Kamera: Christian Alvart

Schnitt: Marc Hofmeister

Musik: Christoph Schauer

 Darsteller:

Trystan Pütter, Felix Kramer, Nora von Waldstätten, Ludwig Simon, Leonard Kunz, Alexander Radszun, Uwe Dag Berlin

 Deutschland 2019

FSK 16

Erscheinungsdatum DVD/ Blu-ray/ digital: 23. Juli 2020

 

Details DVD:

Laufzeit: 127 Min.

Bildformat: 2,39:1 (16:9)

Ton: Deutsch Dolby Digital 5.1

Extras: Hörfilmfassung für Blinde und Sehbehinderte

EAN: 4009750201169

 Details Blu-ray:

Laufzeit: 129 Min.

Bildformat: HD 1080p

Ton: Deutsch DTS-HD Master Audio 5.1

Extras: Hörfilmfassung für Blinde und Sehbehinderte

EAN: 4009750302163

Trailer: https://youtu.be/4ktFKwNuPiQ

Dienstag, 21. Juli 2020

Heimkino: Onward - Keine Halben Sachen (Onward)


Nach dem Start am 05. März 2020 war "Onward" nur eine kurze Zeit auf der großen Leinwand vergönnt, dann schlossen die Kinos. Seit neuerlicher Öffnung der Theater gibt es die Möglichkeit, eine Wiederaufführung zu erleben, wer kann, sollte dies unbedingt nutzen, der Film hat es verdient. Ansonsten erscheint dieser zauberhafte Film aus dem Hause Disney nun auch fürs Heimkino, und darum geht es:

Früher war mehr Magie… Ian Lightfoot und sein älterer Bruder Barley leben in einer Elfenwelt, wo es zwar jede Menge Fabelwesen gibt – der Haushund ist ein vorwitziger Drache und der neue Freund der Mutter ein Zentaur in Polizeiuniform – aber ansonsten hat die Moderne Einzug gehalten. An seinem 16. Geburtstag wird dem schüchternen Ian wieder einmal bewusst, wie sehr er den früh verstorbenen Vater vermisst, aber da erhält er die Gelegenheit, sich selbst in lang vergessen geglaubter Magie zu versuchen und den Vater für einen Tag auf die Erde zurückzuholen. Leider gelingt dies buchstäblich nur halb und plötzlich steht dessen in Hose und Schuhe gekleideter Unterkörper im Zimmer. Ian und Barley haben nur 24 Stunden Zeit, auch den Rest zu materialisieren und begeben sich zusammen auf eine abenteuerliche Suche nach dem fehlenden Zutaten für den Zauber, bei der sie unter anderem von einem domestizierten Mantikor unterstützt werden, doch die Zeit rinnt ihnen davon...

Der neue Film aus der Abteilung Pixar enttäuscht die Erwartungen nicht, er ist witzig, voller fantasievoller und schräger Ideen und wunderbar umgesetzt. So real die animierten in Mimik und Gestik auch agieren, es bleiben Animationen und das verleiht ihnen den Charme, der den animierten Realfiguren im „König der Löwen“ leider verloren gegangen ist.

Bestechend ist die gewohnte Liebe zum Detail – hier sei der langsam wachsende zarte Flaum an Barleys Kinn erwähnt – aber auch das Füllhorn an Ideen und Charakteren, die die Leinwand bevölkern, wie zum Beispiel eine Horde winziger, geflügelter, schriller Rocker auf riesigen Maschinen. Alte Mythen, wie der des furchterregende Mantikor, werden heraufbeschworen, um sie augenzwinkernd ein bisschen durch den Kakao zu ziehen, ohne sie jedoch lächerlich zu machen, selbst einem furchterregenden Fluch wird durch einen hübschen Gag der Schrecken genommen, auch wenn es bis zum Schluss eine ernsthafte Aufgabe zu lösen gilt. Und das Ende, das so kitschig und schmalzig hätte werden können, ist ganz zart und anrührend, und damit beschert ausgerechnet ein Animationsfilm einen der bislang bewegendsten Momente des noch jungen Filmjahres.

Alles in allem ein Film für Kinder, aber auch alle Eltern, solange diese ihren Sinn für die magische Welt neben der unseren nicht verloren haben.

© Walt Disney Company (Germany) GmbH
 
Regie: Dan Scanlon
Drehbuch: Dan Scanlon, Jason Headley, Keith Bunin
Kamera: Sharon Callahan, Adam Habib
Schnitt: Catherine Apple
Musik: Jeff und Mychael Danna

Originalsprecher:
Tom Holland, Chris Pratt, Julia Louis-Dreyfus, Octavia Spencer, Tracey Ullman, Mel Rodriguez,
Deutsche Sprecher:
Christian Zeiger, Leonhard Mahlich, Annette Frier, Stefan Berger, Frank Schaff, Beate Gerlach, Martina Treger


Walt Disney Pictures/ Pixar
FSK 6
102 min.

Ab 23. Juli 2020 auf DVD und Blu-ray

Details Blu-ray:
Vertrieb: Walt Disney Studios Home Entertainment
Bildformat: 1080p High Definition/ 2,39:1/ 16:9
Audio:
Englisch DTS-HD MA 7.1
Englisch DTS-HD HR 5.1
Deutsch, Italienisch (DD Plus 7.1)
Tschechisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Italienisch, Tschechisch
Bonusmaterial:
Wie alles begann
Die Einwohner von New Mushroomtown
Audiokommentar


Dienstag, 7. Juli 2020

Heimkino: Colony - Staffel 2


Was bisher geschah, hier noch einmal zum nachgelesen:

Die Sci-Fi-Serie beginnt ihre zweite Staffel mit einem Rückblick, wie die Protagonisten – die Bowman-Familie, der Rebell Broussard (Tory Kittles ) und der findig-windige Alan Snyder (Peter Jacobson) – die Ankunft der „Gastgeber“ erlebt haben, um dann den Erzählstrang dort wieder aufzunehmen, wo es Will Bowman (Josh Holloway) gelingt, in den Santa-Monica-Block zu gelangen, um seinen Sohn Charlie zu finden, während gleichzeitig sein anderer Sohn Bram (Alex Neustaedter) in einem Arbeitslager dem alten Widersacher Snyder, nach seiner Entlassung als Proxy mit neuen Aufgaben vertraut, auf Gedeih und Verderben ausgeliefert ist. Ansonsten verschärft sich die Lage für die Menschen im Los-Angeles-Block, die Besatzer brauchen sich weiterhin keine Mühe zu geben, außer durch ihre hin und wieder auftauchenden todbringenden Drohnen, in Erscheinung zu treten, ihr Marionettenregime aus Opportunisten und Kollaborateuren funktioniert bestens, während auf der anderen Seite immer neue Widerstandsgruppen entstehen, um mit allen Mitteln gegen die Besatzer zu kämpfen.

Die Handlungsfäden aus Staffel 1 werden gekonnt weiter gesponnen und lassen den bekannten Charaktere immer weniger Spielraum, sich aus ihren Verstrickungen zu befreien, wobei ein geschickt eingesetzter „MacGuffin“ in Gestalt eines erbeuteten Handschuhs der Besatzer eine wichtige Rolle spielt, ebenso wie ein mysteriöser Countdown, der im Hintergrund abläuft.

Für Will und Katie Bowman (Sarah Wayne Callies) bleibt der Schutz ihrer Familie, respektive ihrer Kinder, das Wichtigste, während andere Protagonisten weniger selbstlos nur ihren eigenen Vorteil fest im Blick behalten. Dabei ist derjenige am erfolgreichsten, der es versteht, wechselnde Allianzen zu erkennen und entsprechend zu nutzen, um am Ende nicht unterzugehen, und dabei gibt es keinen Besseren als Alan Snyder, dem bei seinen Intrigen zuzusehen immer wieder ein Vergnügen ist. Die Figuren entwickeln sich, Will wird weicher, Katie im Kampf um ihre Kinder immer kompromissloser. Gut herausgearbeitet wird dabei zum einen die Frage, ob und wie viel Gewalt berechtigt ist, um sich zur Wehr zu setzen, wann man es mit moralisch legitimierten Widerständlern und wann mit verbrecherischen Terroristen zu tun hat. Die andere Frage ist, warum sich stets genügend Willige ohne Gewissen und moralische Skrupel finden, die einem Regime, wie fragwürdig und diktatorisch es auch immer sein mag, zu dienen bereit sind. Auf beides muss der Zuschauer allerdings selbst eine Antwort finden.

 
Die Spannung wird über alle Episoden hinweg hoch gehalten und die letzte Folge ist wiederum als Cliffhanger angelegt, es darf – und muss - also weitergehen, denn auch diesmal erfährt man nicht allzu viel über die Besatzer und ihre eigentlichen Ziele… Staffel 3 ist für September 2020 angekündigt.




 
Regie: Juan José Campanella, Tim Southam, Thomas Carter, Jeremy Webb, Olatunde Osunsanmi, Charlotte Brändström, Peter Leto
Drehbuch: diverse, b/a den Entwicklern Ryan J. Condal und Carlton Cuse
Kamera: Christopher Faloona u.a.
Schnitt: Nona Khodai u.a.
Musik: Clinton Shorter

Darsteller:
Josh Holloway, Sarah Wayne Callies, Peter Jacobson, Tory Kittles, Isabella Crovetti, Alex Neustaedter, Amanda Righetti

Pandastorm
 Genre: Sci-Fi
FSK 16
VÖ: ab 03. Juli 2020
 
Details DVD:
Anzahl Discs: 4
Laufzeit: 550 min. (13 Episoden à 42 min.)
Bildformat: 1,78:1 / 16:9
Ton: Deutsch DD 5.1, Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Episodenguide

Details Blu-ray:
Anzahl Discs: 3
Laufzeit: 550 Min. (13 Folgen à 42 Min.)
Bildformat: 1,78:1 / 1080p24 / AVC
Ton: Deutsch DTS-HD Master Audio 5.1, Englisch DTS-HD Master Audio 5.1
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Episodenguide
 

Mittwoch, 24. Juni 2020

Heimkino: Bataillon der Verdammten – Schlacht um Jangsari (Jangsa-ri 9.15)

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das seit 1910 von Japan annektierte Korea zunächst in zwei Besatzungszonen aufgeteilt, Demarkationslinie war der 38. Breitengrad. Ziel der UNO war die Etablierung eines wiedervereinigten, unabhängigen Staates, jedoch entwickelte sich, nachdem der Norden von den Sowjets und der Süden von den USA unterstützt wurde, ab dem 25. Juni 1950 ein Stellvertreterkrieg zwischen den politischen Systemen. Zunächst konnte die kommunistische Armee Nordkoreas weite Teile des Landes unter Kontrolle bringen, aber mit der Operation „Chromite“, der Landung bei Incheon und der darauffolgenden Rückeroberung von Seoul, gelang es den US-Truppen, eine Wende einzuleiten, die schließlich mit einem Waffenstillstand im Juli 1953 zu der heute noch bestehenden Aufteilung des Landes in Nord- und Südkorea führte. Maßgeblich zum Incheon-Erfolg beigetragen hatte eine als Ablenkung gedachte Truppenlandung auf der Halbinsel Jangsari, bei der im September 1950 772 junge Studentensoldaten eingesetzt wurden, die gerade einmal eine zweiwöchige Ausbildung erhalten hatten. Völlig unerfahren schlugen die durchschnittlich 17-jährigen Jungen eine Schlacht, die sie nicht gewinnen konnten, die aber den Weg für „Chromite“ ebnete.

Da es sich um eine Geheimoperation handelte, kennt bis heute kaum jemand in Korea, und erst recht nicht im Rest der Welt, die Geschichte dieser „vergessenen“ jungen Soldaten, und der Film hat sich zum Ziel gesetzt, das zu ändern und dieses unbekannte Kapitel des Koreakrieges zu erzählen. Dabei ist ein Kriegsfilm im klassischen Sinn entstanden, der in teils drastischen Schlachtszenen ein realistisches Bild zeichnet. Immer ein Balanceakt zwischen legitimer Heldenehrung und glorifizierender Heldenverehrung gelingt es, vor allem dank der beeindruckenden jugendlichen Darsteller, das gelegentlich aufkommende Pathos in Grenzen zu halten. Nur eine Nebenrolle spielen die amerikanischen Verbündeten, die unter General Stevens zur Rettung der letzten Verbliebenen Jungen Jangsari erreichen, sowie die amerikanische Kriegsreporterin Higgins, die sich im Hintergrund für die jugendlichen Soldaten einsetzt.

Freunde des Genres bekommen eine gut gemachtes Spektakel mit allem, was einen Kriegsfilm auszeichnet, Schlacht- und Kampfszenen mit Blut, Schweiß und Tränen, Kameradschaft und Opferbereitschaft. Aber auch Kriegsgegner werden sich wieder einmal bestätigt sehen, dass aller Einsatz und alles Sterben sinnlos bleiben, wenn am Ende jeder all das verloren hat, was einmal einen Wert hatte. Besonders perfide wird es, das macht der Film auch in einer berührenden Sequenz deutlich, wenn sich in einem Krieg wie diesem Angehörige desselben Volkes gegenüber stehen und sich Mitglieder derselben Familie gegenseitig abschlachten, Marionetten in einem grausamen Spiel zur Durchsetzung unterschiedlicher Ideologien. When will they ever learn… 


Regie: Kyung-taek Kwak
Drehbuch: Brian Chung, Cory Gustke, Man-Hee Lee
Schnitt: Changju Kim, Wo-Hyon Kim
Musik: Komeil S. Hosseini

Darsteller:
Kim Myung-Min, Choi Min-Ho, George Eads, Megan Fox, Kim Suong-Cheol, Kim In-Kwon, Kwak Si-Yang 

Pandastorm
FSK 16
VÖ DVD, Blu-ray und digital: 26. Juni 2020




Details DVD:
Laufzeit: ca. 100 min.
Bildformat: 2,39:1 Widescreen
Audio: DD 5.1
Sprache: Deutsch, Koreanisch
Untertitel: Deutsch
Bonus: Making Of, Charakter-Trailer, Original-Trailer
EAN: 4260428052715
 

Details Blu-ray:
Laufzeit: ca. 104 min.
Bildformat: 2,39:1 Widescreen
Audio: DTS-HD Master Audio 5.1
Sprache: Deutsch, Koreanisch
Untertitel: Deutsch
Bonus: Making Of, Charakter-Trailer, Original-Trailer
EAN: 4260428052722

Deutscher Trailer: 
 https://youtu.be/uaNpK9Epppo