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Mittwoch, 22. Juli 2020

Heimkino: Freies Land

Im Jahr 1992 befindet sich Deutschland im zweiten Jahr seiner Wiedervereinigung, ein insbesondere für den Ostteil schmerzhafter Prozess. Die anfängliche Euphorie hat sich in manchen Regionen in eine bleierne Lethargie verwandelt, und genau in solch eine Region wird Kommissar Stein (Trystan Pütter) aus Hamburg (straf)versetzt. Er findet sich in einer Kleinstadt an der Neiße wieder, wo er mit dem ostdeutschen Kollegen Bach (Felix Kramer) das Verschwinden zweier Schwestern untersuchen soll. Im Laufe der Ermittlungen stoßen beide auf weitere verschwundene junge Frauen, die alle eins gemeinsam hatten: sie wollten unter allen Umständen weg aus diesem gottverlassenen Kaff. Dann werden die verstümmelten Leichen der Schwestern gefunden, es besteht der Verdacht, dass auch die anderen verschwundenen Mädchen ermordet wurden, und für die beiden Ermittler beginnt eine schwierige Mördersuche.

In blass-dunklen Bildern bewegt sich der Film in einem beklemmenden Umfeld, untermalt von einem düsteren, unheilschwangeren Soundtrack. Die Enge des Nachwende-Lebens scheint im Gegensatz zu den schnurgeraden Straßen zu stehen, die immer wieder gerne von oben, über den Dingen schwebend, gezeigt werden, sie enden jedoch meistens im Nichts, führen zu verlassenen Gehöften, einer einsamen Fischfarm, einem rostigen Schiffsfriedhof oder einem menschenleeren Klärwerk. Die vorherrschenden Farben sind braun und grau, ebenso ist die Stimmung bei den verschlossenen, gleichmütigen oder abweisenden Menschen. Die verschwunden Mädchen sind in ihrer Vorstellung aufgebrochen in eine hellere, freundlichere Zukunft, dass diese Sehnsucht sie geradewegs in die Arme von perversen Schändern und Mördern getrieben hat, scheint niemanden wirklich zu interessieren.

Die unterschiedlichen Charaktere der Ermittler – hier der wenig geschätzte Besser-Wessi, auf den zu Hause in Hamburg seine hochschwangere Frau wartet, dort der Kommissar mit Stasi-Vergangenheit, der noch immer einige seiner damaligen Verhörmethoden pflegt – lässt die beiden allmählich zusammenwachsen, widerstrebend, aber der gemeinsamen Sache verbunden, stellvertretend für das gesamte schwierige Zusammenwachsen eines zerrissenen Landes. Wenn auch die mit Spannung erwartete Auflösung am Ende ein wenig enttäuscht, hat Regisseur Alvart aus einem an sich schon düsteren Krimi – das gelungene Remake des spanischen Films „La isla mínima"/ „Mörderland“ – einen packenden Thriller mit politischen Elementen gemacht, der über die sonntäglichen Standard-TV-Krimikost weit hinausreicht.  

Regie: Christian Alvart

Drehbuch: Siegfried Kramml, Christian Alvart, b/a Drehbuch von Alberto Rodríguez und Rafael Cobos

Kamera: Christian Alvart

Schnitt: Marc Hofmeister

Musik: Christoph Schauer

 Darsteller:

Trystan Pütter, Felix Kramer, Nora von Waldstätten, Ludwig Simon, Leonard Kunz, Alexander Radszun, Uwe Dag Berlin

 Deutschland 2019

FSK 16

Erscheinungsdatum DVD/ Blu-ray/ digital: 23. Juli 2020

 

Details DVD:

Laufzeit: 127 Min.

Bildformat: 2,39:1 (16:9)

Ton: Deutsch Dolby Digital 5.1

Extras: Hörfilmfassung für Blinde und Sehbehinderte

EAN: 4009750201169

 Details Blu-ray:

Laufzeit: 129 Min.

Bildformat: HD 1080p

Ton: Deutsch DTS-HD Master Audio 5.1

Extras: Hörfilmfassung für Blinde und Sehbehinderte

EAN: 4009750302163

Trailer: https://youtu.be/4ktFKwNuPiQ

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