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Dienstag, 7. Juli 2020

Heimkino: Colony - Staffel 2


Was bisher geschah, hier noch einmal zum nachgelesen:

Die Sci-Fi-Serie beginnt ihre zweite Staffel mit einem Rückblick, wie die Protagonisten – die Bowman-Familie, der Rebell Broussard (Tory Kittles ) und der findig-windige Alan Snyder (Peter Jacobson) – die Ankunft der „Gastgeber“ erlebt haben, um dann den Erzählstrang dort wieder aufzunehmen, wo es Will Bowman (Josh Holloway) gelingt, in den Santa-Monica-Block zu gelangen, um seinen Sohn Charlie zu finden, während gleichzeitig sein anderer Sohn Bram (Alex Neustaedter) in einem Arbeitslager dem alten Widersacher Snyder, nach seiner Entlassung als Proxy mit neuen Aufgaben vertraut, auf Gedeih und Verderben ausgeliefert ist. Ansonsten verschärft sich die Lage für die Menschen im Los-Angeles-Block, die Besatzer brauchen sich weiterhin keine Mühe zu geben, außer durch ihre hin und wieder auftauchenden todbringenden Drohnen, in Erscheinung zu treten, ihr Marionettenregime aus Opportunisten und Kollaborateuren funktioniert bestens, während auf der anderen Seite immer neue Widerstandsgruppen entstehen, um mit allen Mitteln gegen die Besatzer zu kämpfen.

Die Handlungsfäden aus Staffel 1 werden gekonnt weiter gesponnen und lassen den bekannten Charaktere immer weniger Spielraum, sich aus ihren Verstrickungen zu befreien, wobei ein geschickt eingesetzter „MacGuffin“ in Gestalt eines erbeuteten Handschuhs der Besatzer eine wichtige Rolle spielt, ebenso wie ein mysteriöser Countdown, der im Hintergrund abläuft.

Für Will und Katie Bowman (Sarah Wayne Callies) bleibt der Schutz ihrer Familie, respektive ihrer Kinder, das Wichtigste, während andere Protagonisten weniger selbstlos nur ihren eigenen Vorteil fest im Blick behalten. Dabei ist derjenige am erfolgreichsten, der es versteht, wechselnde Allianzen zu erkennen und entsprechend zu nutzen, um am Ende nicht unterzugehen, und dabei gibt es keinen Besseren als Alan Snyder, dem bei seinen Intrigen zuzusehen immer wieder ein Vergnügen ist. Die Figuren entwickeln sich, Will wird weicher, Katie im Kampf um ihre Kinder immer kompromissloser. Gut herausgearbeitet wird dabei zum einen die Frage, ob und wie viel Gewalt berechtigt ist, um sich zur Wehr zu setzen, wann man es mit moralisch legitimierten Widerständlern und wann mit verbrecherischen Terroristen zu tun hat. Die andere Frage ist, warum sich stets genügend Willige ohne Gewissen und moralische Skrupel finden, die einem Regime, wie fragwürdig und diktatorisch es auch immer sein mag, zu dienen bereit sind. Auf beides muss der Zuschauer allerdings selbst eine Antwort finden.

 
Die Spannung wird über alle Episoden hinweg hoch gehalten und die letzte Folge ist wiederum als Cliffhanger angelegt, es darf – und muss - also weitergehen, denn auch diesmal erfährt man nicht allzu viel über die Besatzer und ihre eigentlichen Ziele… Staffel 3 ist für September 2020 angekündigt.




 
Regie: Juan José Campanella, Tim Southam, Thomas Carter, Jeremy Webb, Olatunde Osunsanmi, Charlotte Brändström, Peter Leto
Drehbuch: diverse, b/a den Entwicklern Ryan J. Condal und Carlton Cuse
Kamera: Christopher Faloona u.a.
Schnitt: Nona Khodai u.a.
Musik: Clinton Shorter

Darsteller:
Josh Holloway, Sarah Wayne Callies, Peter Jacobson, Tory Kittles, Isabella Crovetti, Alex Neustaedter, Amanda Righetti

Pandastorm
 Genre: Sci-Fi
FSK 16
VÖ: ab 03. Juli 2020
 
Details DVD:
Anzahl Discs: 4
Laufzeit: 550 min. (13 Episoden à 42 min.)
Bildformat: 1,78:1 / 16:9
Ton: Deutsch DD 5.1, Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Episodenguide

Details Blu-ray:
Anzahl Discs: 3
Laufzeit: 550 Min. (13 Folgen à 42 Min.)
Bildformat: 1,78:1 / 1080p24 / AVC
Ton: Deutsch DTS-HD Master Audio 5.1, Englisch DTS-HD Master Audio 5.1
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Episodenguide
 

Dienstag, 9. Juni 2020

Heimkino: Upload


Wir schreiben das Jahr 2033. Nathan Brown (Robbie Amell), Entwickler von Computerprogrammen, erleidet eines Tages in seinem selbstfahrenden Auto einen tödlichen Unfall. Bevor er widersprechen kann, lässt seine Freundin Ingrid (Allegra Edwards), Spross einer wohlhabenden Familie („unbegrenztes Datenvolumen in dritter Generation“) ihn bzw. sein Bewusstsein in das virtuelle luxuriöse Resort Lakeview uploaden. Dort erwartet ihn das ewige Leben, vorausgesetzt, jemand bezahlt die monatlichen Gebühren, und hier liegt auch das Problem: von nun an ist er Ingrid auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Stellt sie die Zahlungen ein, fällt er auf die bedauernswerte 2-GB-Stufe zurück und alle Annehmlichkeiten sind futsch, da so ein Datenvolumen schnell aufgebraucht ist, und dann verbringt man den Rest des Monats buchstäblich bei Wasser und Brot. Alle Uploads werden von ihrem jeweiligen „Engel“ genannten Programmierer betreut und zwischen Nathan und seinem Engel Nora (Andy Allo) entwickelt sich schon bald eine besondere Beziehung. Während Nathan sich langsam an sein neues „Leben“ gewöhnt, kommt der Verdacht auf, dass sein Unfall möglicherweise vorsätzlich herbeigeführt wurde, nur: von wem und warum?

Viele Details des virtuellen Daseins machen den Reiz der ersten Staffel aus, die nach zehn Episoden mit einem Cliffhanger endet. Da die Handlung erkennbar in nicht allzu ferner Zukunft angesiedelt ist, kommen viele Dinge bekannt vor, sind vielleicht nur einen kleinen Schritt weiter entwickelt, als man sie bereits kennt, so die bereits möglichen Virtual-Reality-Erlebnisse. Und auch die nervigen Begleiterscheinungen eines Computerspiels fehlen nicht, wie sich aufdrängende In-App-Käufe oder unerwünschte Werbung. Statt zu tindern nutzen die „Bios“ – die „echten“ Menschen – die Dating-App Nitely während der Sex zwischen Bios und Uploads kompliziert ist. Hier merkt man der Produktion auch eine gewisse familientaugliche Prüderie an, wenn auffällig unauffällig mit allen Mitteln versucht wird, nicht allzu viel nackte Haut zur Schau zu stellen.

Neben einigem Klamauk, bei dem nicht alle Gags zünden und manchem etwas flachen Charakter gibt es jedoch noch eine tiefere Ebene, die durchaus ernsthafte Denkanstöße dazu gibt, welche Möglichkeiten die Zukunft bieten könnten und welche ernsthaften Fragen sich hieraus ergeben: Was macht den Menschen, was macht seine Persönlichkeit aus? Wird es möglich sein, das Bewusstsein zu bewahren, wenn der Tod den Körper zerstört hat? Und ist ein ewiges Leben unter diesen Umständen tatsächlich wünschenswert? Und wenn dieser Vorgang des Uploadens wieder umkehrbar wäre, was wäre, wenn die Toten eines Tages zurückkehren…

Die Serie widmet sich diesen Fragen mit leichter Hand und leichtem Herzen, es liegt am Zuschauer, wie tief er in diese Materie eintauchen möchte, aber als Gedankenspiel ist diese Geschichte durchaus unterhaltsam erzählt und macht Lust auf mehr.

Regie: Kacie Anning, Greg Daniels u.a.
Drehbuch: Greg Daniels
Kamera: Simon Chapman
Schnitt: Rob Burnett
Musik: Joseph Stephens

Darsteller:
Robbie Amell, Andy Allo, Zainab Johnson, Kevin Bigley, Allegra Edwards, Jessica Tuck, Andrea Rosen 

Amazon Prime Video
10 Episoden ab 01. Mai 2020

Heimkino: Der Beischläfer

Charlie Menzinger (Markus Stoll) ist ein Bruder Leichtfuß und schlawinert sich mit seiner kleinen Autowerkstatt durchs Leben, während sein Freund Xaver „Xavier“ Holzapfel (Daniel Christensen) davon träumt, durch die Schöpfung eines selbstgebrannten Tequilas auf Bierhefebasis in die Elite der Schnapsbrenner aufzusteigen. Seit dem tragischen Unfalltod seiner Frau Marie gelingt es Charlie aber nicht mehr, wie gewohnt die Leichtigkeit des Seins auszukosten und seine gelegentliche Schwermut lähmt ihn zusehends. 

So verpasst er, weil er sein Post nicht öffnet, rechtzeitig seiner Auswahl als Schöffe zu widersprechen und sieht sich plötzlich zu einer fünfjährigen Berufung beim Amtsgericht München verpflichtet, wo er auf die energische Richterin Dr. Julia Kellermann (Lisa Bitter) trifft. Diese, erst kürzlich von Berlin nach München gewechselt und auf der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung, ist von ihrem neuen Beisitzer – in internen Kreisen auch schon einmal „Beischläfer“ genannt – überhaupt nicht begeistert, hat Charlie in ihren Augen zu  sehr seine eigene Vorstellung von Recht und Gerechtigkeit, die nicht immer mit ihrem juristischen Blickpunkt übereinstimmt. Beide brauchen etwas Zeit, um sich aneinander zu gewöhnen, während eine karrieregeile Gerichtspräsidentin beiden das Leben schwer macht.

Die (zunächst) auf sechs Folgen angelegte Miniserie bewegt sich tief im Fahrwasser wunderbarer Erzählungen um Träumer, Verlierer und Schlawiner wie den liebenswert-schludrigen Monaco Franze, und es ist schön, nach all den Berliner Tristessen einmal wieder Münchner Geschichten im Stile des unvergessenen Helmut Dietl serviert zu bekommen, Postkartenansichten der Stadt inklusive und untermalt von der launigen und schmissigen Musik einer Blasmusik-Combo mit dem Namen Der Glabberl Sepp & Seine Griffbrettfahrer (gibt es die wirklich?).

Markus Stoll hat als grantelnder Harry G Comedy-Bühnenerfahrung gesammelt und überzeugt als Charlie Menzinger, ebenso wie Lisa Bitter sich souverän und sympathisch als Richterin präsentiert. Daniel Christensen darf als spinnerter bester Freund alle Register ziehen, außerdem gibt es ein Wiedersehen mit alten Bekannten aus „Hubert & Staller“-Zeiten, Helmfried von Lüttichau, der sich hier von einer anderen Seite zeigen darf, und auch Michael Brandner und Paul Sedlmeir treten in Gastrollen an. Eine besonderer Part ist für Heino Ferch reserviert, aber darüber soll noch nichts verraten werden…

Das Drehbuch der Serie folgt zwar einer bewährten Linie, aber die Inszenierung ist so charmant und frisch, dass das Zuschauen einfach nur Spaß macht. Dabei werden juristische Patzer, die in ähnlichen Produktionen oft die Haare zu Berge stehen lassen, löblicherweise vermieden, auch deshalb ist „Der Beischläfer“ ein Glücksfall der leichten, aber gekonnten Unterhaltung. Nostalgische Zitate werden schamlos eingewoben („Ich scheiß dich sowas von zu mit meinem Geld…“), ebenso schamlos eingestreute – aber gelungene – Slapstickeinlagen und bestens besetzte Charaktere runden die in jeder Hinsicht stimmige Vorstellung ab, für die sich möglichst bald erneut der Vorhang zur Fortsetzung heben sollte.

 


Regie: Anna-Katharina Maier
Drehbuch: Murmel Clausen, Mike Viebrock
Kamera: Thomas Wittmann 
Schnitt: Petra Scherer
Musik: Der Glabberl Sepp & Seine Griffbrettfahrer 
Soundtrack: Dreiviertelblut (Gerd Baumann, Sebastian Horn

Darsteller:
Markus Stoll, Lisa Bitter, Daniel Christensen, Helmfried von Lüttichau, Heino Ferch, Lilly Forgách, Michael Brandner, Paul Sedlmeir, Florian Jahr, Mathilde Bundschuh

Amazon Prime Video, seit 29. Mai 2020

Donnerstag, 25. Juli 2019

TV-Rezensionen (Homerelease): F is for Family (F steht für Familie)


Die US-Serie führt auf eine Zeitreise zurück in die 1970ger: Familienvater Frank Murphy lebt mit Frau und drei Kindern in einer amerikanischen Vorstadt und führt das typische Leben dieser Jahre. Er ist Gepäckarbeiter bei der Fluggesellschaft Mohican Airways, als sein Chef bei einem tragischen Propellerunfall (ugh…) ums Leben kommt, erhält er dessen Stelle. Damit steht er plötzlich zwischen seinen alten Kollegen und der Geschäftsleitung, ein Spagat, der ihn nach einem drohenden Streik, den er zwar abwenden kann, seinen Job kostet.

Seine Frau Sue fühlt sich als Hausfrau unterfordert und startet eine Karriere als
Verkäuferin von Plast-a-Ware-Produkten, den berüchtigten Haushaltshelfern aus Plastik. Der älteste Sohn Kevin pubertiert heftig und hasst alles, was sein Vater macht, der mittlere Billy ist ein Weichei und die kleine Maureen spielt am liebsten mit den Schmuddelkindern der Nachbarschaft.
 
Das ist Franks Leben, das, wie es der Vorspann jeder einzelnen Folge treffend und ohne Worte zeigt, einst so hoffnungsvoll begann: Nach dem Schulabschluss Start zum Höhenflug in eine verheißungsvolle Zukunft, dann Militärdienst in Korea, das erste Kind, Hochzeit, die Taille wird weiter, die Haare weniger, die Flügel sind gestutzt, und danach kommt nicht mehr viel. Dabei hilft es nicht, einen Nachbarn wie Vic zu haben, dessen Singleleben mit Partys und jungen Mädchen Neidgefühle heraufbeschwört, daneben bevölkern noch ein paar weitere mehr oder weniger bizarre Nebenfiguren den nachbarschaftlichen Kosmos, wie es halt so ist im Leben…

Die Serie erinnert in (Zeichen)Stil und Botschaft an Dave Bergs Reihe „The Lighter Side of…“ in dem Satiremagazin MAD und beleuchtet die Geschicke der Familie Murphy mit bösem Witz und teilweise anarchischen Gags, am Ende weiß niemand so genau, ob er lachen oder doch eher weinen soll.


  Episoden Staffel 1:
 1.Die roten Tränen von Göteborg (The Bleedin’in Sweden)
2. Samstagshorror (Saturday Bloody Saturday)
3. Fehlschläge (The Trough)
4. Ein schrecklicher Tag (F’ ist for Halloween)
5. Bill Murphys freier Tag (Bill Murphy’s Day Off)
6. Ach du heilige Nacht (O Holy Moly Night)



Regie: Benjamin Marsaud, Laurent Nicolas
Drehbuch: wechselnd
Darsteller/ Sprecher:
Deutsch: Michael Pan, Maud Ackermann, Julien Haggége, Peter Lontzek
Original: Bill Burr, Laura Dern, Justin Long, Sam Rockwell

Gaumont International Television/ Wild West Television
USA 2015
Animation, Comedy
FSK: 16
Erscheinungsdatum:
26. Juli 2019 (digital)
02. August 2018 (DVD + Blu-ray)

Details DVD:
 Laufzeit: 180 min. (6x30 min.)
Bildformat: 16:9
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Trailershow

Details Blu-ray:
Laufzeit: 180 min (6x 30 min.)
Bildformat: 1080p24/ AVC
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Trailershow

Mittwoch, 13. Juli 2016

TV-Rezensionen: The Night Manager (2016) (Deutsch)


The Night Manager


„The Night Manager“ ist die Geschichte des Nachtportiers Jonathan Pine (Tom Hiddleston), der an seinem Arbeitsplatz – einem Luxushotel in Kairo – Zeuge eines schrecklichen Verbrechens wird. Er findet heraus, dass ein gewisser Richard Roper (Hugh Laurie) in die Geschichte verwickelt ist, ein Mann, der das Image eines humanitären Geschäftsmannes pflegt, hinter dessen edler Fassade sich jedoch die finstere Fratze eines skrupellosen Waffenhändlers verbirgt.

 Es ist klar, dass Jonathan allein nichts gegen Roper ausrichten kann. Erst ein paar Jahre später kommt er in Kontakt mit einer Unterabteilung des britischen Secret Service, in Gestalt der schwangeren, pragmatischen und in Bezug auf Roper besessenen Angela Burr (Olivia Colman). Jonathan und Angela verbindet derselbe Hass auf Roper, beide haben sich unabhängig voneinander der Mission verschrieben, diesen zur Strecke zu bringen, beide sehen die Chance, nunmehr gemeinsam dieses Ziel zu erreichen.

 Allerdings bedarf es eines raffinierten Plans, Jonathan in die Nähe von Roper zu bringen. Denn dieser durchlebt die Paranoia des einsamen Wolfs, der wohl oder übel auf eine Entourage angewiesen ist, sich aber bewusst ist, dass man niemandem trauen kann, am wenigsten den eigenen Verbündeten. Wer darauf trainiert ist, Verrat zu wittern, weiß, dass dieser meistens aus dem engsten Umfeld zu erwarten ist, denn nur wer so nahe ist, kennt auch die Achillesferse am besten.

 Jonathan ist der junge Siegfried, der sich aufmacht, den Drachen zu töten, seine eigene Achillesferse sind dabei die Frauen, die ihn zu großen Taten, aber auch zu einigen Dummheiten anspornen.

 Es gelingt, Jonathan in die Höhle dieses Drachens zu schleusen, die sich standesgemäß als stattliches burgähnliches Anwesen auf einer mallorcinischen Landzunge erweist, wo Roper seine finsteren Pläne schmiedet, die ihn reich und mächtig machen. Wir erfahren wenig über ihn, aber das Wenige reicht, um ihn als amoralisches Scheusal zu zeichnen. Weder sein kleiner Sohn noch seine schöne und geheimnisvolle Geliebte Jed (Elizabeth Debicki) geben ihm ein menschliches Antlitz. Der Sohn stellt den notwendigen Thronfolger dar und die Geliebte schmückt seine Eitelkeit, aber wahre Gefühle sucht man bei ihm vergebens.

 Neben den üblichen Männern fürs Grobe dienen Roper noch sein „Consigliere“ Sandy Langbourne (Alistair Petrie) und sein „Mädchen“ für alles, Lance „Corky“ Corcoran (Tom Hollander). Ersterer kümmert sich um geschäftliche und juristische Belange, während Letzterer ein Auge auf alles hat, was Roper gefährlich werden könnte, insofern wird er im Laufe der Zeit immer bedrohlicher für Jonathan.

 Die (zunächst) auf acht Folgen begrenzte Serie lebt von der Spannung, Jonathan und Angela beim Spinnen ihres für Roper tödlichen Netzes zu beobachten, wobei es weniger die Frage ist, ob, sondern wie und wann er sich darin verfangen wird. Jonathans Motive, sich auf diese selbstmörderische Unternehmung einzulassen, sind zum einen persönliche Rache – der Tod einer schönen Frau muss geahndet werden, auch wenn Roper nur mittelbar dafür verantwortlich ist. Zum anderen muss einem Scheusal wie Roper das Handwerk gelegt werden, und Jonathan entscheidet sich bewusst für diese Mission. Er ist nicht der Held wider Willen, seine Persönlichkeit wird ansatzweise als durchaus zwiespältig angedeutet, ohne dass tatsächlich ein klares Bild entsteht. Tom Hiddleston gelingt es nicht immer, die notwendige Tiefe seines Charakters zu zeigen, vielleicht bietet sich hierfür aber Gelegenheit in einer möglichen Fortsetzung der Serie. Auch die Rolle von Ropers Geliebter Jed bleibt am Ende vage, ihr angedeutetes Geheimnis wird nicht völlig gelüftet.

 Überhaupt ist das Ende eine Spur zu glatt und wohlfeil, Roper scheint zu bekommen, was er verdient hat, und alle sind glücklich und zufrieden. Hier fehlte am Schluss ein wenig der Biss, um die Neugier auf eine weitere Staffel anzustacheln.

 Die Serie wurde als TV-Miniserie durchaus aufwändig produziert und von der preisgekrönten dänischen Regisseurin Susanne Bier in Szene gesetzt. Sie wird wohl keinen so großen Kultstatus erlangen, wie andere zur Zeit gefeiert Serie, bietet aber solide und durchaus spannende Unterhaltung.

 

Besetzung:  

Tom Hiddleston                 Jonathan Pine

Hugh Laurie                       Richard Roper

Tom Hollander                   Lance Corcoran

Elizabeth Debicki               Jed Marshall

Olivia Colman                    Angela Burr

David Harewood                 Joel Steadman

Alistair Petrie                     Sandy Langbourne  


Regie:                                Susanne Bier



Drehbuch:                         David Farr, John le Carré (nach seinem gleichnamigen Roman)

Dienstag, 12. Juli 2016

TV-Rezensionen (Älter): Breaking Bad

Breaking Bad

Eine Serie mit Kultstatus:  "Breaking Bad", die Geschichte von dem Chemielehrer Walter White (Bryan Cranston), der mit 50 nicht nur in eine normale Midlife Crisis rutscht, sondern auch noch erfährt, dass er Krebs hat.



Um seine (schwangere) Frau Skyler (Anna Gunn) und seinen behinderten Sohn Walter (RJ Mitte) finanziell abzusichern, setzt er seine Chemie-Kenntnisse endlich einmal für etwas Nützliches ein - der Job an der Schule ist notorisch unterbezahlt - und fängt mit einem ehemaligen Schüler Jesse Pinkman (Aaron Paul) an, Crystal Meth zu kochen, und zwar in so hervorragender Qualität, dass sich die User sämtliche Finger danach lecken. Walter White wird "Heisenberg", der Meth-König von New Mexico, und entwickelt sich vom harmlosen Lehrer zum schwerkriminellen Verbrecher, und man muss sich als Zuschauer fragen, an welcher Stelle das anfängliche Mitleid, die Sympathie, die man für die Figur hat, kippt... Die eigenen Ansprüche an Moral und Gewissen werden auf den Prüfstand gestellt, während Walter White sich langsam aber unaufhaltsam in einer tödlichen Spirale abwärts bewegt, in Regionen, aus denen es keinen Weg zurück geben kann!

TV-Rezensionen (Älter): Girls

Girls



Auch empfehlenswert: Die US-Serie "Girls" - von, mit, durch und über Lena Dunham, was der ganzen Besetzung seit 2012 diverse Auszeichnungen (Emmy, Golden Globe) eingebracht hat.



Erzählt wird die - teils autobiographische - Geschichte von Hanna Horvath (Lena Dunham) und ihren Freundinnen, dabei handelt es sich ein wenig um den Gegenentwurf von "Sex and the City". Die Geschichten spielen zwar auch in "the city" - sprich: New York - aber weder Hannah noch eine der anderen Figuren umgibt der Glamour von Carrie & Co, wohl aber die Lust auf Leben und... Sex! Der Zuschauer nimmt Anteil an diesem Leben mit Anfang 20 in der Großstadt, den verschiedenen (sexuellen) Beziehungen, der Freundschaft der Protagonistinnen untereinander, deren Hoffnungen und Träumen und den wiederholten Enttäuschungen, die Jobs und Partner bereithalten, es ist erfrischend und (im Moment noch) unkonventionell, macht Lust auf mehr!



TV-Rezensionen (Älter): Mad Men

Mad Men

 Die Serie "Mad Men" wurde bisher auf  ZDFneo ausgestrahlt. 

"Mad" sind die Männer (und Frauen), um die es hier geht zwar auch manchmal, aber der Titel bezieht sich eher auf die Straße der Werbeagenturen im New York der 60ger Jahre, die Madison Avenue. Hier hat Don Draper, der zweifelhafte und immer etwas geheimnisvolle Held der Geschichte, seinen Arbeitsplatz.
Wir werden mitgenommen auf eine Zeitreise in dieses Jahrzehnt des Auf- und Umbruchs. Die direkten Nachkriegsjahre und der Koreakrieg liegen schon einige Zeit zurück, die USA sind das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, aber auch nach wie vor der massiven Rassendiskriminierung, was interessanterweise auch die Diskriminierung von Frauen, vor allem in der Arbeitswelt, mit einschließt. Wir erleben die Wahl und die Ermordung John F. Kennedys, die Kubakrise, Nixon scheitert zunächst als Präsidentschaftskandidat, Martin Luther King führt die Bürgerrechtsbewegung im Kampf der Schwarzen um gleiche Rechte an, während sich eine junge Frau namens Peggy Olson in der Agentur SterlingCooper von der einfachen Schreibkraft zur Werbetexterin hocharbeitet und damit erstmalig den Lebensentwurf der Frauen jener Zeit in Frage stellt, die sich nur auf das Haifischbecken der Arbeitswelt einlassen, um möglichst schnell einen Mann zum Heiraten und Kinderkriegen zu finden.
Das Leben ist schnell geworden, es wird gequalmt und gesoffen, und dank der „Pille“ ist es auch den Frauen möglich, an dem allgemeinen ausschweifenden Leben ohne Angst vor unerwünschter Schwangerschaft teilzuhaben. Don Draper nutzt dies, trotz Ehefrau und zwei Kindern, waidlich aus, während die Gattin langsam aber sicher in der Vorstadt vor Langeweile eingeht, bis auch sie sich versucht, zu emanzipieren.
Die Vorboten der Globalisierung strecken ihre gierigen Finger bereits aus, immer bereit, sich Firmen einzuverleiben, um sie später mit Profit wieder abzustoßen und so wird auch SterlingCooper ein frühes Opfer. Wir erleben Aufstieg und Fall der Agentur, Verlust und Wiedererlangen ihrer Selbständigkeit, die Schlachten um Kunden und Werbeetats, immer mittendrin Don Draper, der mit Nonchalance und Gleichmütigkeit, aber auch Arroganz und Kreativität versucht, im täglichen Kampf zu bestehen, immer begleitet von einem düsteren Geheimnis, das seine ganze Existenz in Frage stellt.
Der Vorteil dieser „neuen“ Serien ist die breit angelegte Handlungstiefe, Erzählstränge können detailliert zu Ende gesponnen werden, Charaktere in einer fast in Realzeit ablaufenden Zeitspanne entwickelt werden. Und keine Frage, wenn man einmal mitten drinsteckt in so einer Geschichte machen sie süchtig!