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Mittwoch, 13. Juli 2016

TV-Rezensionen: The Night Manager (2016) (Deutsch)


The Night Manager


„The Night Manager“ ist die Geschichte des Nachtportiers Jonathan Pine (Tom Hiddleston), der an seinem Arbeitsplatz – einem Luxushotel in Kairo – Zeuge eines schrecklichen Verbrechens wird. Er findet heraus, dass ein gewisser Richard Roper (Hugh Laurie) in die Geschichte verwickelt ist, ein Mann, der das Image eines humanitären Geschäftsmannes pflegt, hinter dessen edler Fassade sich jedoch die finstere Fratze eines skrupellosen Waffenhändlers verbirgt.

 Es ist klar, dass Jonathan allein nichts gegen Roper ausrichten kann. Erst ein paar Jahre später kommt er in Kontakt mit einer Unterabteilung des britischen Secret Service, in Gestalt der schwangeren, pragmatischen und in Bezug auf Roper besessenen Angela Burr (Olivia Colman). Jonathan und Angela verbindet derselbe Hass auf Roper, beide haben sich unabhängig voneinander der Mission verschrieben, diesen zur Strecke zu bringen, beide sehen die Chance, nunmehr gemeinsam dieses Ziel zu erreichen.

 Allerdings bedarf es eines raffinierten Plans, Jonathan in die Nähe von Roper zu bringen. Denn dieser durchlebt die Paranoia des einsamen Wolfs, der wohl oder übel auf eine Entourage angewiesen ist, sich aber bewusst ist, dass man niemandem trauen kann, am wenigsten den eigenen Verbündeten. Wer darauf trainiert ist, Verrat zu wittern, weiß, dass dieser meistens aus dem engsten Umfeld zu erwarten ist, denn nur wer so nahe ist, kennt auch die Achillesferse am besten.

 Jonathan ist der junge Siegfried, der sich aufmacht, den Drachen zu töten, seine eigene Achillesferse sind dabei die Frauen, die ihn zu großen Taten, aber auch zu einigen Dummheiten anspornen.

 Es gelingt, Jonathan in die Höhle dieses Drachens zu schleusen, die sich standesgemäß als stattliches burgähnliches Anwesen auf einer mallorcinischen Landzunge erweist, wo Roper seine finsteren Pläne schmiedet, die ihn reich und mächtig machen. Wir erfahren wenig über ihn, aber das Wenige reicht, um ihn als amoralisches Scheusal zu zeichnen. Weder sein kleiner Sohn noch seine schöne und geheimnisvolle Geliebte Jed (Elizabeth Debicki) geben ihm ein menschliches Antlitz. Der Sohn stellt den notwendigen Thronfolger dar und die Geliebte schmückt seine Eitelkeit, aber wahre Gefühle sucht man bei ihm vergebens.

 Neben den üblichen Männern fürs Grobe dienen Roper noch sein „Consigliere“ Sandy Langbourne (Alistair Petrie) und sein „Mädchen“ für alles, Lance „Corky“ Corcoran (Tom Hollander). Ersterer kümmert sich um geschäftliche und juristische Belange, während Letzterer ein Auge auf alles hat, was Roper gefährlich werden könnte, insofern wird er im Laufe der Zeit immer bedrohlicher für Jonathan.

 Die (zunächst) auf acht Folgen begrenzte Serie lebt von der Spannung, Jonathan und Angela beim Spinnen ihres für Roper tödlichen Netzes zu beobachten, wobei es weniger die Frage ist, ob, sondern wie und wann er sich darin verfangen wird. Jonathans Motive, sich auf diese selbstmörderische Unternehmung einzulassen, sind zum einen persönliche Rache – der Tod einer schönen Frau muss geahndet werden, auch wenn Roper nur mittelbar dafür verantwortlich ist. Zum anderen muss einem Scheusal wie Roper das Handwerk gelegt werden, und Jonathan entscheidet sich bewusst für diese Mission. Er ist nicht der Held wider Willen, seine Persönlichkeit wird ansatzweise als durchaus zwiespältig angedeutet, ohne dass tatsächlich ein klares Bild entsteht. Tom Hiddleston gelingt es nicht immer, die notwendige Tiefe seines Charakters zu zeigen, vielleicht bietet sich hierfür aber Gelegenheit in einer möglichen Fortsetzung der Serie. Auch die Rolle von Ropers Geliebter Jed bleibt am Ende vage, ihr angedeutetes Geheimnis wird nicht völlig gelüftet.

 Überhaupt ist das Ende eine Spur zu glatt und wohlfeil, Roper scheint zu bekommen, was er verdient hat, und alle sind glücklich und zufrieden. Hier fehlte am Schluss ein wenig der Biss, um die Neugier auf eine weitere Staffel anzustacheln.

 Die Serie wurde als TV-Miniserie durchaus aufwändig produziert und von der preisgekrönten dänischen Regisseurin Susanne Bier in Szene gesetzt. Sie wird wohl keinen so großen Kultstatus erlangen, wie andere zur Zeit gefeiert Serie, bietet aber solide und durchaus spannende Unterhaltung.

 

Besetzung:  

Tom Hiddleston                 Jonathan Pine

Hugh Laurie                       Richard Roper

Tom Hollander                   Lance Corcoran

Elizabeth Debicki               Jed Marshall

Olivia Colman                    Angela Burr

David Harewood                 Joel Steadman

Alistair Petrie                     Sandy Langbourne  


Regie:                                Susanne Bier



Drehbuch:                         David Farr, John le Carré (nach seinem gleichnamigen Roman)

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