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Dienstag, 21. März 2023

Im Kino: John Wick: Kapitel 4 (John Wick: Chapter 4)

John Wick (Keanu Reves) hat es bei seinem bisherigen Rachefeldzug etwas übertrieben, nun hat die Hohe Kammer den Marquis de Gramont (Bill Skarsgård) beauftragt, Wick zu beseitigen. Damit wird der Jäger einmal mehr selbst zum Gejagten, der zunächst herausfinden muss, auf welchen seiner Weggefährten er sich noch verlassen kann, denn Winston (Ian McShane), Shimazu (Hiroyuki Sanada) oder der blinde Kämpfer Caine (Donnie Yen) geraten selbst in Schwierigkeiten, woraufhin letzterer die Seiten gewechselt zu haben scheint. Außerdem lockt die Erhöhung des auf Wick ausgesetzten Kopfgelds ein Heer von Kopfgeldjägern auf den Plan, die Wick durch die Welt hetzen…

Auch im vierten Teil geht es in gewohnter Weise heftig und brutal zur Sache, es wird geballert und getötet, mit allem, was die Waffenarsenale hergeben. Dabei bleibt sich die Reihe treu: Kampf- und Verfolgungsszenen sind grandios choreographiert, auch wenn man das schon hundertmal gesehen zu haben glaubt, so perfekt abgestimmt und getimt hat es schon eine besondere Qualität, und die Bildgestaltung ist einfach eine Klasse für sich. Ob das Setting des Hotels in Osaka, die dampfende Atmosphäre in einem Berliner Club oder der Sonnenaufgang vor der Kirche Sacré-Cœur, alles ist in glanzvolle und erlesene Farben getaucht, eine optische Augenweide.

Ansonsten macht der Film das, was er am besten kann, er jagt seinen Protagonisten von einem Kampf in den nächsten, so atemlos, dass man nun wirklich keine Zeit dafür hat, sich über etwaige Implausibilitäten Gedanken zu machen, wie es zum Beispiel möglich ist, dass Wick selbst Stürze aus großer Höhe übersteht, ohne sich auch nur einen einzigen Knochen zu brechen, oder wie ein blinder Kämpfer seine Gegner reihenweise im Nahkampf schlägt, oder ob man bei einer Verfolgungsjagd im Kreisverkehr rund um den Arc de Triomphe auch nur eine Minute gegen den Verkehrsstrom überleben würde – für solche Überlegungen bleibt einfach keine Zeit. Manchmal scheinen die Akteure allerdings in ihrem eigenen Universum, ohne Bezug zu ihrer Umgebung, zu agieren, die zahlreichen Clubgäste in Berlin zum Beispiel tanzen ungerührt weiter, während um sie herum ein Kampf mit jeder Menge Beteiligten tobt, und der Verkehr am Arc de Triomphe rollt einfach weiter, auch wenn sich links und rechts die Autos überschlagen.

Vielleicht ist bei Keanu Reeves allerdings bald der Zeitpunkt gekommen, sich in den wohlverdienten Ruhestand zu begeben, hatte er schon in den vorangegangenen Filmen eine eher sparsame Mimik und Ausstrahlung, so scheint er diese, auch wenn es kaum möglich erscheint, noch eine Stufe weiter heruntergefahren zu haben, hier hätte es gern ein bisschen mehr sein dürfen, während dem Film insgesamt eine grundlegende Straffung gut getan hätte. Es gibt auf jeden Fall hübsche Ideen und nette Twists, das Ganze macht meistens einfach nur Spaß, allerdings treten auch bei dem besten Spaß Ermüdungserscheinungen auf, wenn man ihn zu sehr in die Länge zieht, wen das nicht stört und wer auf diese Art geballter Action steht, der wird aber auf jeden Fall auf seine Kosten kommen.

 


 Regie: Chad Stahelski

Drehbuch: Shay Hatten, Michael Finch, b/a Charakteren von Derek Kolstad

Kamera: Dan Laustsen

Schnitt: Nathan Orloff

Musik: Tyler Bates, Joel J. Richard

 

Besetzung:

Keanu Reeves, Ian McShane, Donnie Yen, Bill Skarsgård, Clancy Brown, Shamier Anderson, Hiroyuki Sanada, Laurence Fishburne, Scott Adkins, Rina Sawayama, Lance Reddick

 

 

Lionsgate/ Leonine

2023

169 min.

FSK 18

Deutscher Kinostart: 23. März 2023

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=I04tlU7CRPA (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=yjRHZEUamCc (Englisch)

Donnerstag, 11. April 2019

Film-Rezensionen: Hellboy - Call of Darkness


Big Red is back – Der Halbdämon Hellboy kehrt in einem Reboot in die Kinos zurück! Für alle, die ihn noch nicht kennen: Hellboy wird einst während des Zweiten Weltkriegs mittels eines schaurigen Rituals aus der Hölle heraufbeschworen, um das Ende der Welt zu beschleunigen und ein neues Zeitalter einzuläuten. Glücklicherweise wächst er bei den Guten auf, sein Ziehvater ist Professor Broom, der aus seinem „Sohn“ einen Spezial-Agenten im Einsatz der B.U.A.P. (Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen) macht. Soweit deckt sich die Geschichte mit der Verfilmung „Hellboy“ von 2004 und deren Fortsetzung „Hellboy – The Golden Army“ von 2008.

In der aktuellen Version gibt nicht mehr Ron Pearlman sondern David Harbour das Höllenwesen, die Rolle seines Ziehvaters hat Ian McShane übernommen, und Hellboy hat es mit fürchterlichen Gegner zu tun, allen voran der mächtigen Hexe Nimue (Milla Jovovich) und deren eilfertigem Diener Gruagach, einem schweinemäßig fiesen Monster. Nimue wurde vor langer Zeit von König Arturs Mannen besiegt, zerstückelt und in diversen Kisten über ganz England verteilt, um sie für immer zu verbannen. Nun aber steht sie, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen vor ihrer Wiederauferstehung und Hellboy hat alle Hände voll zu tun, ihren Zug der Verwüstung, den sie umgehend in Gang setzt, aufzuhalten. Dabei wird er von zwei Mitstreitern unterstütz, Alice (Sasha Lane) und Ben (Daniel Dae Kim), und bei ihrem gemeinsamen Kampf gegen alle Dämonen der Hölle muss sich letztlich auch Hellboy fragen, auf welcher Seite er wirklich steht.

Offensichtlich ermutigt von einer Reihe erfolgreicher Comicverfilmungen mit einer höheren Altersfreigabe als 12, haben die Macher dieses Films einen entfesselten Reigen von Blut- und Schlachtszenen auf die Leinwand gebracht. Dabei haben sie leider aus der zuvor von Ron Pearlman so liebevoll gestalteten Figur des wütenden, grantelnden, aber tief in seinem Inneren liebenswerten Hellboy einen uncharmanten, unkomischen Monsterjäger gemacht, der es inmitten all der fiesen Gestalten, mit denen er es zu tun bekommt, schwer hat, sich die Sympathien der Zuschauer zu erhalten. Aber das wäre das einzig Ansprechenden, was der Film noch zu bieten gehabt hätte, denn alles übrige wird von einer Blut- und Schleimspur übergossen, für die die Altersfreigabe von 16 an manchen Stellen noch zu niedrig erscheint.

Für wen dieses Reboot letztlich gemacht wurde, erschließt sich nicht, ob die Freunde der Comicreihe ihren Helden so mögen, ist fraglich, die Freunde der ersten Hellboyfilme werden jedenfalls enttäuscht sein, und die Zuschauer, die weder die Comicvorlage noch die anderen beiden Filme kennen, werden sich, abgestoßen von vielen widerlichen Szenen, verstört abwenden.




Regie: Neil Marshall
Drehbuch: Andrew Cosby & Mike Mignola,
b/a der Comic-Reihe (Dark Horse)
Kamera: Lorenzo Senatore
Schnitt: Martin Bernfeld
Musik: Benjamin Wallfisch

Darsteller:
David Harbour, Milla Jovovich, Ian McShane, Daniel Dae Kim, Sasha Lane, Brian Gleeson

Universum Film
FSK 16
120 min.
Deutscher Kinostart: 11. April 2019