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Mittwoch, 27. März 2019

Film-Rezensionen: Ein Gauner & Gentleman (The Old Man & the Gun)


Nach Clint Eastwood (in „The Mule“) und Michael Caine (in dem noch anlaufenden „Ein letzter Job“) ein weiterer Film aus der Reihe „Alte weiße Männer begehen Straftaten“. Nun also Robert Redford, der als Forrest Tucker in einer (fast) wahren Geschichte einen Bankräuber und König der Ausbrecher darstellt, der auch auf seine alten Tage noch Spaß am Job hat.

Der Film spielt zu Beginn der 80ger Jahre,
Tucker und zwei Komplizen (Danny Glover und Tom Waits) haben sich darauf spezialisiert, in Banken hineinzuspazieren und nach dem diskreten Zeigen einer Waffe mit dem von ihnen gewünschten Geldbetrag wieder hinauszuspazieren, eine Masche, mit der sich in kurzer Zeit viel verdienen lässt, wenn man bereit ist, zu reisen und seinen Aktionsradius dabei immer weiter zieht. Da die Polizei eine Weile braucht, um den Zusammenhang herzustellen, ist es erst der Ermittler John Hunt (Casey Affleck), der ihnen auf die Spur kommt, eine Rundumvideoüberwachung gibt es noch nicht, so behilft man sich mit angefertigten Phantombildern.

Auf der Flucht vor der Polizei lernt Tucker die ebenfalls in die Jahre gekommene Jewel (Sissy Spacek) kennen, die allein auf einem Pferdehof lebt. Die beiden kommen sich näher, Jewel erfährt aber nichts von Tuckers Tun und so gibt es kein Senioren-Bonnie & Clyde-Gespann, dafür entwickelt sich eine anrührende Liebesgeschichte.
Der Film macht sich nicht die Mühe, die Motivation seines Protagonisten zu hinterfragen, Tucker ist, was er ist und offensichtlich ist er glücklich dabei. Sein ganzes Berufsleben hat er auf diese Weise verbracht und auch Gefängnisaufenthalte konnten ihn nicht davon abhalten, 17 Ausbrüche stehen auf seinem Konto, zuletzt im gesetzten Alter ein besonders origineller aus St. Quentin.

Erzählt wird die Geschichte in einem ruhigen, unaufgeregten Ton, an manchen Stellen plätschert sie etwas blutleer dahin, aber Robert Redford besitzt immer noch seinen umwerfenden Charme, der auch manche Länge des Films erträglich macht, und es ist schön, dem gealterten Paar zuzuschauen und die wunderbare Sissy Spacek noch einmal auf der großen Leinwand zu erleben. Warum sich Redford letztlich für diesen Film, der nach eigener Aussage sein letzter sein soll, entschieden hat, weiß man nicht, vielleicht ist es die augenzwinkernde Reminiszenz an lange zurückliegende Klassiker wie „Butch Cassidy and the Sundance Kid“ oder „The Sting“ („Der Clou“), vielleicht ist es eine Anspielung darauf, dass es auch einen Schauspieler, genau wie ein altes Zirkuspferd, immer wieder zurück in die Manege zieht, so wie Forrest Tucker in die nächste Bank. Bleibt also abzuwarten, ob es nicht doch noch einen nächsten Film mit Robert Redford geben wird. Und danach vielleicht noch einen…




Regie: David Lowery
Drehbuch: David Lowery, David Grann
Kamera: Joe Anderson
Schnitt: Lisa Zeno Churgin
Musik: Daniel Hart

Darsteller:
Robert Redford, Sissy Spacek, Casey Affleck, Danny Glover, Tom Waits

dcm
93 min.
Deutscher Kinostart: 28. März 2019




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