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Mittwoch, 15. Februar 2023

Im Kino: Ant-Man And The Wasp: Quantumania

Die Superhelden Scott Lang (Paul Rudd) und Hope Van Dyne (Evangeline Lilly) finden sich bei ihrem neuen Abenteuer zusammen mit Hopes Eltern Janet Van Dyne (Michelle Pfeiffer) und Hank Pym (Michael Douglas) sowie Scotts Tochter Cassie Lang (Kathryn Newton) im Quantenreich wieder, das von den schrägsten Kreaturen bevölkert ist und von dem in Gestalt des zwielichtigen Kang (Jonathan Majors) eine gewaltige Bedrohung für die Welt ausgeht…  

Es gibt viel zu sehen durch die liebe- und phantasievoll geschaffenen Gestalten im Quantenreich, das sich dann aber nicht so sehr von anderen Welten unterscheidet, zumindest was die Psychologie der Figuren betrifft, egal ob Mensch oder andere Kreatur, oder deren Handlungen, die irgendwie immer in Kämpfen Gut gegen Böse münden, bei denen am Ende in der Regel die Guten gewinnen, ein bisschen Liebe, ein bisschen Vater-Tochter-Beziehung und am Ende wird wieder einmal die Welt gerettet. Die Schauspielerrige agiert solide, mit BillMurray in einer launigen Nebenrolle und einem gut aufgelegten Bösewicht Johnathan Majors, und wie schön, Michael Douglas noch immer in Aktion sehen zu können!

Alles in allem die bewährte – deswegen aber nicht schlechte – Mischung von menschlichen Konflikten, Liebe, Hass, Action und Kampfszenen, wie immer dankenswerterweise gewürzt mit einer Prise Humor, um das Ganze verdaulich zu machen, ein Film, der niemandem wehtut und dabei solide unterhält, nicht mehr aber auch nicht weniger. Und natürlich, auch wie gehabt: Nicht zu früh das Kino verlassen…

 


 Regie: Peyton Reed

Drehbuch: Jack Kirby, Jeff Loveness

Kamera: Bill Pope

Schnitt: Adam Gerstel, Laura Jennings

Musik: Christophe Beck

 

Besetzung:

Paul Rudd, Evangeline Lilly, Jonathan Majors, Kathryn Newton, Michelle Pfeiffer, Michael Douglas, Bill Murray, Randall Park, Corey Stoll, David Dastmalchian

 

Walt Disney Studio Germany/ Marvel Studios

USA 2023

125 min.

FSK

Deutscher Kinostart: 15. Februar 2023

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=mVv62x6CwBE (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=5WfTEZJnv_8 (Englisch)

Donnerstag, 21. Oktober 2021

Im Kino: The French Dispatch

Der Verleger der amerikanischen Zeitung „Liberty Kansas Evening Star“, Arthur Howitzer Jr. (Bill Murray), leitete auch dessen französischen Ableger „The French Dispatch“ in dem (fiktiven) Städtchen Ennui-sur-Blasé (Was für ein hübsches Wortspiel!). Als er stirbt, erinnern sich seine Angestellten voller Wehmut an ihn und die große Zeit, für die er stand, und in vier ausgewählten Geschichten lassen sie diese noch einmal Revue passieren.

Wir begegnen dem im Gefängnis sitzende Maler Moses Rosenthaler (Benicio del Toro) und Simone (Lea Seydoux), gleichzeitig Wärterin und Modell für seine außergewöhnlichen Werke, die bald auf dem Kunstmarkt für Furore sorgen. Die Reporterin Lucinda Krementz (Frances McDormand) berichtet über Studentenunruhen und begegnet dem rebellischen jungen Zeffirelli (Timothée Chalamet), bei dem sie ihre Informationen aus erster Hand recherchiert. Wir folgen dem Reporter Herbsaint Sazerac (Owen Wilson) auf seinem Fahrrad, der seine Berichte über unerhörte Begebenheiten in der Stadt aus dem Sattel heraus recherchiert, und erfahren von Roebuck Wright (Jeffrey Wright), welche Rolle der Polizeikoch Nescaffier (Steve Park) bei einer Entführung des Sohns des Kommissars (Mathieu Amalric) spielte…

Wer die Filme von Wes Anderson kennt und liebt, wird auch an diesem seine Freude haben und wer Sinn hat für skurrilen Witz, originelle bis abstruse Ideen und eine liebevoll-verrückte Inszenierung zu schätzen weiß, der kommt hier wieder einmal auf seine Kosten. Nebenbei ist dieser Episodenfilm eine Liebeserklärung an die gute alte Zeit(ung) und den Magazinjournalismus, wobei Ähnlichkeiten mit dem berühmten „New Yorker“ sicher beabsichtigt und nicht zufällig sind.

Filmisch wechseln Stilmittel, Farb- und Schwarzweißbilder, Trick- und Realsequenzen, kurz, ein bunter Bilderbogen – wie eben in einem bunten Magazin –  wird vor unseren staunenden Augen aufgeblättert. Die Episoden orientieren sich am Aufbau und den Rubriken eines solchen Magazins, vom Kunst- und Kulturteil, über die Politik und Vermischtes bis zur Kochseite, das Ganze übersprühend vor Ideen und gespickt mit einer Riege von Schauspielern, von denen einige bereits seit längerem Teil des Anderson-Universums sind, wie Bill Murray und Owen Wilson, daneben jeder Menge anderer, die auch einmal dabei sein wollten.

Abseits vom gewohnten Einerlei ist „The French Dispatch“ eine erfrischende Abwechslung, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen, auch wenn Anderson selbst irgendwann Gefahr läuft, sich zu wiederholen und in seinen Manierismen zu verlieren. Aber noch kann man seinen Spaß haben an diesem nostalgisch anmutenden Episodenfilm. Erwartet das Ungewöhnliche! Und wer die meisten Schauspieler erkennt, gewinnt ein Essen bei Nescaffier…

 

 

Regie: Wes Anderson

Drehbuch: Wes Anderson, Jason Schwartzman, Roman Coppola, Hugo Guiness

Kamera: Robert D. Yeoman

Schnitt: Andrew Weisblum

Musik: Alexandre Desplat

 

Besetzung:

Bill Murray, Benicio Del Toro, Tilda Swinton, Léa Seydoux, Adrien Brody, Frances McDormand, Timothée Chalamet, Owen Wilson, Jeffrey Wright, Bob Balaban, Henry Winkler, Cristoph Waltz, Rupert Friend, Alex Lawther, Liev Schreiber, Willem Dafoe, Edward Norton, Saoirse Ronan, Elisabeth Moss, Griffin Dunne, Anjelica Huston

 

Searchlight Pictures

USA 2021

108 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 21. Oktober 2021

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=NCqxlUXblJ8 (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=TcPk2p0Zaw4 (Englisch)

 

 

Mittwoch, 12. Juni 2019

Film-Rezensionen: The Dead Don’t Die

Die Erdachse hat sich verschoben und plötzlich gibt es merkwürdige Phänomene zu beobachten. So öffnen sich in der amerikanischen Kleinstadt Centerville die Gräber und Zombies überfluten die Straßen. Die Sheriffs Chief Cliff Robertson (Bill Murray) und Officer Ronnie Peterson (Adam Driver) beobachten die Lage mit Sorge, während die örtliche Bestatterin (Tilda Swinton), nachdem sie einige der Untoten elegant enthauptet hat, mit einem plötzlich auftauchenden Raumschiff entschwindet. Was wie absurdes Theater klingt, ist es auch.

Die Werke von Jim Jarmusch leben oft von absonderlichen, ungewöhnlichen Situationen und schrägen oder lakonischen Charakteren –wer könnte zum Beispiel einen lakonisch agierenden Sheriff besser verkörpern als Bill Murray? Dass an diesem auch im übrigen hochkarätig besetzten Film am Ende nichts zu stimmen scheint, mag ein Stilmittel sein, ebenso wie immer wieder eingestreute Wechsel auf die Metaebene, die jedoch ein wenig plump daherkommen. Ansonsten fehlt der Geschichte, bei der ganze Handlungsstränge ins absolute Nichts führen, leider das Gerüst, das sie zusammenhält, und – was noch schlimmer ist – der Humor, der Jarmuschs Filme sonst auszeichnet, zündet diesmal überhaupt nicht. Alles in allem bleibt der Zuschauer ratlos zurück und fragt sich, was er gerade gesehen hat. Für einen Horrorfilm ist es nicht gruselig genug (obwohl an etlichen Bürgern von Centerville herumgeknabbert wird), für eine Komödie nicht witzig und für eine Gesellschaftskritik nicht bissig genug (trotz der erwähnten angeknabberten Bürger). Man kann sich Gedanken darüber machen, ob hier die ultimative Endzeit zu sehen ist, in der alle Menschen wie Zombies auf der Suche nach einem Netz mit ihren Handys über die Straßen wanken, welche von Untoten bevölkert werden, die aussehen wie Iggy Pop (oder umgekehrt). Man kann es aber auch lassen.


  
Regie: Jim Jarmusch 
Drehbuch: Jim Jarmusch
Kamera: Frederick Elmes
Schnitt: Affonso Gonçalves
  
Darsteller:
Bill Murray, Adam Driver, Steve Buscemi, Tilda Swinton, Chloe Sevigny, Selena Gomez, Danny Glover, Tom Waits, Caleb Landry Jones, Eszter Balint, Iggy Pop


Universal Pictures
105 min.
Deutscher Kinostart: 13. Juni 2019




Mittwoch, 2. Mai 2018

Film-Rezensionen: Isle of Dogs - Ataris Reise



In der (fiktiven) japanischen Stadt Megasaki hat die Hundepopulation explosionsartig zugenommen. Hinzu kommt, dass die unter Hunden grassierende Hundegrippe und das Schnauzenfieber auf Menschen überzugreifen drohen, Grund genug für Bürgermeister Kobayashi, Maßnahmen zu ergreifen. Ab sofort werden alle Hunde zu unerwünschten Kreaturen erklärt und, egal ob Heimtier oder Streuner, auf eine Insel weit außerhalb verfrachtet: Trash Island wird zur Exilkolonie für den einstmals besten Freund des Menschen.

Trash Island ist das, was der Name impliziert, eine Mülldeponie, und hier müssen alle Hunde sehen, wie sie zurecht kommen, während Katzen ihre Stellung flächendeckend bei den Menschen einnehmen, gefördert durch den Kobayashi-Clan.


Eines Tages legt eine Miniatur-Junior-Turboprop auf Trash Island eine Bruchlandung hin, an Bord der zwölfjährige Atari auf der Suche nach seinem Hund Spots. Er trifft auf eine Gruppe von Hunden, die sich mehr schlecht als recht auf der Insel durchschlagen. Hin und wieder träumen Rex, Boss, King und Duke noch von ihrem alten Leben, und versuchen, sich ein Stück ihrer Würde zu bewahren, während Chief, ein ehemaliger Streuner, auch früher keine Annehmlichkeiten kannte, und daher den richtigen „Biss“ hat, um auf der Insel zu überleben. Alle fünf kennen Ataris Hund Spots zwar nicht, Hunde und Mensch sprechen auch nicht dieselbe Sprache, dennoch verstehen sie, weshalb Atari auf ihre Insel gekommen ist und sind sofort bereit, ihm bei seiner Mission zu helfen.


Atari ist der elternlose Ziehsohn von Bürgermeister Kobayashi und Spots war sein Bodyguard-Hund, aber auch diese Stellung konnte ihn nicht davor schützen, nach Trash Island deportiert zu werden. Auf ihrer Suche erleben Atari und seine Hundekumpel eine Reihe von aufregenden Abenteuern, es gibt Begegnungen mit weiteren Hunden, wie der Show-Hündin Nutmeg, dem weisen Jupiter und seinem Berater namens Oracle, und nach und nach kommt man dem Verbleib von Spots auf die Spur. Währenddessen sorgt eine Austauschschülerin namens Tracy in Megasaki und im ganzen Land für zivilen Ungehorsam. Sie setzt sich für die verbannten Hunde ein und zusammen mit einer Schar aufgewiegelter Mitstreiter deckt sie ein unerhörtes Komplott auf, mit Bürgermeister Kobayashi an dessen Spitze, und es wird der wahre Grund für den plötzlich ausgerufenen Hundehass enthüllt.

Wes Anderson hat einen zauberhaften Film geschaffen, seine durch die Stop-Motion-Technik animierten Figuren leben und jeder einzelne Hund wird zu einer unverwechselbaren Persönlichkeit. Die auftretenden Menschen haben eine eher holzschnittartige Textur, dennoch sind auch sie aufwändig und liebevoll in Szene gesetzt, so hat Tracy zum Beispiel 320 Sommersprossen, von denen jede zu wandern beginnt, wenn sie lächelt.

Schauplatz der Story ist ein von Anderson eigenwillig interpretiertes Japan, hierbei hat er sich nach eigener Aussage sowohl von der japanischen Comic- und Popkultur als auch von den Großmeistern des japanischen Kinos, allen voran Akira Kurosawa inspirieren lassen. Er hat sich dafür entschieden, seine Geschichte bilingual zu erzählen, d.h. alle japanischen Charaktere sprechen Japanisch, die englischsprachige Tracy sorgt vielfach für eine Übersetzung, während das Gebell der Hunde in der Originalfassung automatisch auf Englisch erfolgt – angesichts der imposanten Riege von Synchronsprechern eigentlich ein Muss, sich den Film in eben dieser Originalfassung anzuschauen. Wie im echten Leben sprechen Atari und die Hunde also keineswegs dieselbe Sprache, verstehen sich aber über die universale Verbindung, die es seit Urzeiten zwischen Mensch und Hund gibt.

Die Geschichte kann man als Allegorie sehen, ein Gleichnis über die Ausgrenzung von Mitbewohnern, mit denen man zuvor in Eintracht und Harmonie gelebt hat, das Aussondern, Abschieben und Einsperren einer in Ungnade gefallenen Gruppe – muss man aber nicht. Vielleicht ist es auch nur eine Geschichte über einen kleinen Jungen und die Liebe zu seinem Hund, die durch nichts zu erschüttern ist.

„Isle of Dogs“ war der vielbeachtete Eröffnungsfilm der diesjährigen Berlinale und wird bei seinem Kinostart viele Hundefreunde - aber hoffentlich nicht nur die - begeistern.




Regie: Wes Anderson 
Drehbuch: Wes Anderson b/a story von Wes Anderson, Roman Coppola, Jason Schwartzman, Kunichi Nomura
Leiter Animation: Mark Waring
Leiter Puppenabteilung: Tim Ledbury
Musik: Alexandre Desplat
Stimmen im Original von: Bryan Cranston, Koyu Rankin, Edward Norton, Scarlett Johansson, Bob Balaban, Bill Murray, Jeff Goldblum, Harvey Keitel, F. Murray Abraham, Tilda Swinton, Yoko Ono, Kunichi Nomura, Greta Gerwig, Frances McDormand, Akira Ito, Liev Schreiber, Ken Watanabe

Fox Searchlight/Indian Paitbrush
100 min.
Kinostart: 10. Mai 2018