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Mittwoch, 9. April 2025

Im Kino: The Amateur

CIA-Agent Charles Heller (Rami Malek) ist eher IT-Nerd als Spezialist für den Feldeinsatz, aber als seine Frau bei einem Terroranschlag ums Leben kommt und die Agency nichts unternimmt, um die Täter zur Verantwortung zu ziehen, verlässt Heller seinen Schreibtisch und begibt sich selbst auf einen Rachefeldzug. Einen Schnellkurs in Kampftechnik erpresst er von seinen Vorgesetzten, weil er ein paar Dinge über CIA-Aktionen weiß, die besser nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollten…

Wo ein Jason Statham auf Rachefeldzug draufhauen würde, man kennt das, wächst so schnell kein Gras mehr. Die Hauptfigur hier ist von anderem Kaliber, beim Schießtraining stellt sich schnell heraus, dass er erst ab etwa einem Meter Abstand etwas treffen würde, seine Waffen sind nicht Fäuste, sondern Intelligenz und Informationstechnik, und beides setzt er, zusammen mit einem gewissen Talent für das Basteln von Sprengsätzen, ein, um an sein Ziel zu kommen.

Seine Jagd nach den Mördern seiner Frau führt ihn, ganz wie bei einem richtigen Agenten, quer durch die Welt, und man wird Zeuge, wie er an seiner Aufgabe wächst. Dabei wird der moralische Aspekt, ab wann man ein skrupelloser Mörder ist, quasi durch die Hintertür auf den Prüfstand gestellt. Denn auch wenn man nicht Auge in Auge mit der Waffe auf jemanden zielt, der Tod eines anderen macht, das wissen wir aus eigener leidvoller Geschichte, den Schreibtischtäter zum Täter. Zwar hat Charles Heller ein nachvollziehbares Motiv, zu tun, was er tut, aber Rache ist, hätte man es strafrechtlich zu beurteilen, ein niederer Beweggrund.

Aber natürlich hat der von Rami Malek großartig verkörperte Heller die Sympathien auf seiner Seite, ein von Schmerz tief verletzter Mensch, der letztlich zur Selbstjustiz gezwungen ist, da die offiziellen Stellen ihrer Aufgabe nicht nachkommen, für die eigentlich vorgesehene Verfolgung der Täter zu sorgen. Dass er dabei auch noch weitere unlautere Machenschaften seiner Behörde bei einigen ihrer weltweiten Einsätze aufdeckt, macht ihn dann endgültig zum Helden in dem – wir wissen es ja – schmutzige Spiel der Geheimdienste.

Ein solider Thriller mit einem guten Cast und zumindest einem spektakulären Moment, wer den Film sieht, wird wissen, was gemeint ist…

 

 

Regie: James Hawes

Drehbuch: Ken Nolan, Gary Spinelli, b/a Roman von Robert Littell

Kamera: Martin Ruhe

Schnitt: Jonathan Amos

Musik: Volker Bertelmann

 

Besetzung:

Rami Malek, Rachel Brosnahan, Jon Bernthal, Caitríona Balfe, Laurence Fishburn, Evan Milton, Tiffany Gray, Holt McCallany, Michael Stuhlbarg,

 

20th Century / Searchlight

2025

145 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 10. April2025

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=AiCr5JXKsM4 (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=DCWcK4c-F8Q (Englisch)

 

Mittwoch, 29. September 2021

Im Kino: Keine Zeit Zu Sterben (No Time To Die)

James Bond im Ruhestand auf Jamaica mit Madeleine Swann (Léa Seydouy), der Dame seines Herzens – kann dies das Ende seines Dienstes für sein Land und Ihre Majestät sein? Wohl kaum, und so gibt es natürlich einen wichtigen Grund, wieder aktiv zu werden. Sein alter Weggefährte Felix Leiter (Jeffrey Wright) benötigt Hilfe bei der Suche nach einem entführten Wissenschaftler, aber für Bond ist der Weg zurück nicht ganz so einfach. Zum einen wird sein Vertrauen in Madeleine erschüttert, zum anderen wird er an seiner alten Wirkungsstelle plötzlich nur noch mit einem „Besucher"-Schild am Revers von M (Ralph Fiennes) empfangen, dort gibt es eine neue Doppel-Null Agentin namens Nomi (Lashana Lynch), die anscheinend bereits seinen Platz eingenommen hat. Aber der Schurke Lyutsifer Safin (Rami Malek), der die Menschheit mit einer supermodernen Waffe in Gestalt von Nanobots bedroht, die es möglich machen nur bestimmte Menschen über deren DNA auszuschalten, erfordert die geballte Bond-Kraft, angewachsen in nunmehr fast 60 Jahren, um einmal mehr die Welt zu retten. Der Preis dafür ist allerdings für fast alle Beteiligten so hoch wie selten…

Bei dem mehrfach verschobenen, sehnsüchtig erwarteten Film, der nun endlich in die Kinos – und zunächst auch tatsächlich nur in die Kinos! - kommt, wurde diese Sehnsucht in immer höhere Erwartungssphären geschraubt, was die Dinge immer schwierig macht, denn nun muss er sich an diesem Anspruch messen lassen.

 „No Time to Die“ ist die erklärte letzte Vorstellung von Daniel Craig, dem nicht unumstrittenen sechsten Darsteller des ewigen Agenten mit der Lizenz zum Töten. Er hat neue Züge erkennen lassen, Selbstzweifel, Gefühle, Bindungen zu Frauen, wo es zuvor meistens lose Affären gab, nur zwei Dinge sind immer gleich geblieben: Die erfolgreiche Weltrettungsmission und die Martinis - shaken, not stirred. In seiner Ägide schienen Craig und damit sein Alter Ego immer kurz vor dem Abschied zu stehen, und nun wird es wohl tatsächlich keinen weiteren Auftritt von ihm – also Craig – geben. Alles übrige bleibt Spekulation und am Ende steht auf jeden Fall das Versprechen, dass es weitergeht. Nur wie – und mit wem?

Die Frage, ob diese Reihe unbedingt weitergeführt werden muss, mag jede oder jeder für sich selbst entscheiden, aktuell wird zwar noch einmal aus dem Vollen geschöpft, mit Action vom Feinsten, die allerdings inzwischen auch viele andere Franchise-Reihen bieten. Es gibt nostalgische Anklänge und für Kenner Zitate aus früheren Bond-Filmen, eine rührende Hommage an die verstorbene M (Judi Dench), und es gibt einen weiteren (Haupt-)Bösewicht, der von Rami Malek sehr zurück genommen aber gleichwohl intensiv dargestellt wird. Sein Lyutsifer Safin verfolgt perfide Ziele wie alle Bösewichter vor ihm, und wie viele dieser Figuren versucht er, sich mit Bond zu vergleichen. Beider Anspruch, die Welt ein wenig besser zu machen, rechtfertigt in seinen Augen ihre jeweiligen Methoden, aber dafür wird er von seinem vermeintlichen Bruder im Geiste als „angry little man“ abgekanzelt und ohne mit der Wimper zu zucken zu gegebener Zeit aus eben jener Welt entfernt.

Letztlich sind einige der immer wiederkehrenden Elemente aber doch ein wenig in die Jahre gekommen und hier steht sicher Reformbedarf an. Ansetzen könnte man, indem der augenzwinkernde, feine Humor wiederkehrt, wie er bereits in diesem Film anklingt. Ein diesbezüglicher Höhepunkt ist die leider recht kurze Episode mit der wunderbaren Ana de Armas, sexy und witzig zugleich, so viel frischer Wind war lange nicht! Und wenn darüber nachgedacht wird, aus der Bondfigur vielleicht eine Frauenrolle zu machen…

Ob der Film in diesen schwierigen Kino-Zeiten den erhofften Erfolg bringt, wird sich bald zeigen, aber verdient hätte er es allemal, denn schlecht ist er beileibe nicht, vielleicht kann er nur nicht alle in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen.

 


 Regie: Cary Joji Fukunaga

Drehbuch: Neil Purvis, Robert Wade, Cary Joji Fukunaga, Phoebe Waller-Bridge, b/s der Vorlage und den Charakteren von Ian Fleming

Kamera: Linus Sandgren

Schnitt: Tom Cross, Elliot Graham

Musik: Hans Zimmer

 

Besetzung:

Daniel Craig, Rami Malek, Léa Seydoux, Lashana Lynch, Ralph Fiennes, Christoph Waltz, Ben Wishaw, Naomi Harris, Jeffrey Wright, Ana de Armas, Rory Kinnear

 

MGM/ Universal Pictures

2021

FSK 12

163 min.

 

Deutscher Kinostart: 30. September 2021

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=TXp-oF5TCo0 (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=A9bAepYiDRI (Englisch)

 

 

Dienstag, 24. Juli 2018

Film-Rezensionen: Papillon


Henri Charrière (Charlie Hunnam), genannt Papillon (Schmetterling), wegen einer entsprechenden Tätowierung auf der Brust, ist ein erfolgreicher Safeknacker im Paris der 20ger Jahre. Eines Tages verscherzt er es sich mit einem Unterweltboss und dieser sorgt dafür, dass Papillon wegen eines Mordes, den er nicht begangen hat, vor Gericht kommt.

Er wird 1931 zu lebenslanger Haft verurteilt und, wie zur damaligen Zeit üblich, nach Französisch Guyana deportiert, einer Gefängniskolonie Frankreichs in Südamerika. Bereits auf der Überfahrt dorthin lernt er einen schwächlichen und zarten Mithäftling, den Urkunden- und Geldfälscher Louis Dega (Rami Malek) kennen. Die beiden schließen sich zusammen: Papillon wird Dega beschützen, dafür wird dieser ihm mit seinem eingeschmuggelten Geld zur Flucht verhelfen.

In der Gefängniskolonie herrschen unmenschliche Zustände, Hitze, Krankheiten, physische Gewalt fordern ihren Tribut und jeder Fluchtversuch wird drakonisch bestraft. Dennoch ist Papillon fest entschlossen, sein Leben irgendwann in Freiheit zu beenden, und weder jahrelange Isolationshaft noch die Deportation auf die berüchtigte Teufelsinsel können ihn davon abhalten, immer wieder zu versuchen zu entkommen. Aber es dauert lange Jahre, die ihn gezeichnet haben, bis ihm die Flucht tatsächlich gelingt und er nach Frankreich zurückkehren kann.

Der Film ist das Remake des gleichnamigen Vorgängers aus dem Jahr 1973 mit Steve McQueen und Dustin Hoffman, der wiederum auf der autobiographischen Vorlage der Bestseller „Papillon“ und „Banco“ von Henri Charrière beruht und eine Abrechnung mit dem unmenschlichen Strafsystem Frankreichs in Französisch Guyana darstellt, ein weiteres Werk in der Reihe von auf wahren Ereignissen beruhenden Filmdramen, die sich mit dem Thema Zuchthaus/ Strafkolonie und Flucht auseinandersetzen.

Der epische Charakter, der dieser Geschichte innewohnt, wird noch einmal für ein modernes Publikum aufbereitet, um die Schrecken dieser Strafkolonie im südamerikanischen Urwald vor Augen zu führen und dabei zu zeigen, was Willens- und Widerstandskraft eines Einzelnen bewirken können, der nicht bereit ist, sich unterzuordnen oder gar unterzugehen. Bereits der Name der dem Festland vorgelagerten Teufelsinsel (Île du Diable), auf die bereits Ende des 19. Jahrhunderts der zu Unrecht verurteilte General Dreyfus verbannt wurde, lässt erahnen, unter welchen Umständen hier fast 100 Jahre lang Gefangene bis weit ins 20. Jahrhundert hinein gehalten wurden.

Es gibt wenig Spielraum für diesen Film, von den Vorlagen – Buch und Film – abzuweichen, das Drehbuch orientiert sich auch in weiten Teilen an dem damaligen von Dalton Trumbo, und so wird die bekannte Geschichte ausgebreitet, erweitert um Papillons Vorgeschichte in Paris, die jedoch nicht wirklich Neues hinzufügen kann, allerdings werden dafür einige Details der Fluchtversuche verkürzt, und gerade beim finalen Versuch fehlt ein entscheidender Aspekt, der diese Flucht schließlich erst möglich macht.

Bei aller sonstigen Werktreue hätten allein die aktuellen Hauptdarsteller die Möglichkeit, neue Akzente zu setzten. Charlie Hunnam gelingt dies nur bedingt, sein Papillon ist auch nach jahrelanger Isolationshaft zu gut beieinander, als dass es glaubhaft wäre, die psychischen und physischen Qualen merkt man ihm kaum an, während Rami Malek auf leise Art fast zur Hauptfigur wird. Sein Dega ist auch am Ende noch körperlich schwach, aber Malik verleiht ihm eine eindrucksvolle innere Stärke. 

Für Zuschauer, die den alten Film nicht kennen, bietet die Neuverfilmung eine Gelegenheit, die spannende und dramatische Geschichte auf der großen Leinwand zu erleben. Für die anderen bleibt es der Versuch einer Hommage, der keine neuen Aspekte zu bieten hat, denn für eine Auseinandersetzung mit unmenschlichen Haftbedingung, wie sie auch heute noch anzutreffen sind, ist die Geschichte zu speziell, zu sehr auf diese nicht mehr existierende Strafkolonie ausgerichtet, als dass sie über das Bekannte hinaus beeindrucken könnte.




Regie: Michael Noer
Drehbuch: Aaron Guzikowski b/a dem Drehbuch von Dalton Trumbo,
b/a den autobiographischen Romanen „Papillon“ und „Banco“ von Henri Charrière
Kamera: Hagen Bogdanski
Musik: David Buckley

Darsteller:
Charlie Hunnam, Rami Malek, Yorick Van Wageningen, Roland Møller, Tommy Flanagan, Eve
Hewson

Im Verleih der Constantin Film
133 min.
Kinostart: 26. Juli 2018