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Donnerstag, 30. Juli 2026

Im Kino: Bitteres Fest (Amarga Navidad)

Filmemacher Raúl (Leonardo Sbaraglia) steckt in einer Schaffenskrise und verarbeitet schließlich eine Episode aus dem Leben seiner Freundin Elsa (Bárbara Lennie), die, als sie es herausfindet, darüber nicht begeistert ist, woraufhin es zu einer heftigen Auseinandersetzung kommt…

Dass ein Künstler sich ungeniert am Leben seines Umfelds bedient, dürfte nicht neu sein, aber wie weit darf man dabei gehen, wenn man auch vor sehr persönlichen Details nicht Halt macht? Sollte sich Regisseur Almodóvar diese Frage selbst immer wieder gestellt haben, hier setzt er sich quasi im Dialog mit sich selbst damit auseinander, denn beide Hauptfiguren, sowohl Raúl als auch Elsa, tragen erkennbar seine Züge.

Der Film ist eine verschachtelte Nabelschau, in der immer wieder Fiktion und Realität miteinander verschmelzen, gleichzeitig ist man als Zuschauer sozusagen hautnah bei dem Schaffensprozess und den schwierigen Geburtswehen eines neuen Werkes dabei, das sich ein Künstler immer wieder abringt, bis am Ende das Ergebnis vorliegt, das wir dann auf der Leinwand oder auch in einem Buch erleben.

Ist es anfangs schwierig, den jeweiligen Erzählebenen zu folgen, zumal immer wieder Personen auf- und wieder abtreten, die die eigentliche Story nicht weiterbringen, so fügt sich das kunstvoll gewobene Konstrukt schließlich zu einem harmonischen Ganzen, von Almodóvar wie stets in den für ihn typischen Farben gestylt, so dass am Ende nicht so sehr die eitle Selbstreflexion im Vordergrund steht, sondern der mit dem Alter immer schwierigere Schaffensprozess fühlbar wird, mit dem ein Künstler bei jedem neuen Werk zu kämpfen hat.

Wer bei der meisterhaft konstruierten Geschichte den Überblick behält, erlebt am Ende kein bitteres, sondern ein durchaus sehenswertes Fest des Autorenkinos.

 

  Regie: Pedro Almodóvar

Drehbuch: Pedro Almodóvar

Kamera: Paul Esteve Birba

Schnitt: Teresa Font

Musik: Alberto Iglesias

 Besetzung:

Bárbara Lennie, Leonardo Sbaraglia, Aitana Sánchez-Gijón, Victoria Luengo, Patrick Criado, Milena Smit, Quim Gutiérrez

 StudioCanal Film

2026

111 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 30. Juli 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=B1hY8AUSD0E (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=0S9DKxvJUgE (Spanisch)

Mittwoch, 2. Juli 2025

Im Kino: Hot Milk

Die Studentin Sofia (Emma Mackey) reist mit ihrer im Rollstuhl sitzenden Mutter Rose (Fiona Shaw) nach Südspanien, um eine weitere Therapie für Roses Probleme zu versuchen, denn es fehlt bisher an einer eindeutigen Diagnose, warum sie nicht laufen kann. Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter ist angespannt, und die fremde Umgebung trägt zu weiteren Irritationen bei, die noch verstärkt werden, als Sofia am Strand die Aussteigerin Ingrid (Vicky Krieps) kennenlernt und sich zwischen den beiden Frauen eine Affäre anbahnt...

Der Film wartet mit einer Vielzahl von ungelösten Problemen auf, schafft es aber nicht, auch nur eines davon zu Ende zu behandeln, geschweige denn zu lösen. Immer wieder wird in einzelnen Szenen etwas Bedeutungsschwangeres angedeutet, und dann bleibt es im Ungefähren stecken. Dies gilt für Sofias Beziehung zu ihrem Vater, die ganze Episode über einen Besuch bei ihm Griechenland endet irgendwo im Nirwana, aber auch einige andere Handlungen Sofias führen nirgendwohin. Warum stiehlt sie auf dem Markt einen Fisch, um dann mit dem Tranchiermesser den Nachbarn zu bedrohen, dessen angeleinter Hund den halben Film hindurch im Hintergrund bellt? Symbolik? Aber für was? 

Wer Lust hat, mag diese und andere Rätsel lösen, zumindest ganz zum Schluss gibt es ein paar aufschlussreiche Details zu Vorkommnisse in der Vergangenheit von Ingrid, und vor allem auch von Rose, aber bevor man diese genau einordnen und weiter analysieren kann, ist der Film zu Ende... Ach, und vielleicht hat noch jemand eine Idee, wie sich der Titel des Films erklärt?

  


 

Regie: Rebecca Lenkiewicz

Drehbuch: Rebecca Lenkiewicz, b/a Roman von Deborah Levy

Kamera: Si Bell, Christopher Blauvelt

Schnitt: Mark Towns

Musik: Matthew Herbert

 

Besetzung:

Emma Mackey, Fiona Shaw, Electra Sarri, Vicky Krieps, Yann Gael

 

 

Film4/ MUBI

2025

93 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 03. Juli2025

 

 

Trailer:  https://www.youtube.com/watch?v=mV8T8eJ_F0M (Deutsch)

 https://www.youtube.com/watch?v=4w-fBOq9wzo (Englisch)

 

Mittwoch, 9. März 2022

Im Kino: Parallele Mütter (Madres Paralelas)

Janis (Penelope Cruz), eine gestandene Fotografin im besten Alter, lernt bei einer Arbeit, die sie weit zurück in die spanische aber auch die eigene Vergangenheit führt, einen Mann kennen, mit dem sie eine kurze Affäre hat und von dem sie ungeplant schwanger wird. Die junge Ana (Milena Smit) hat wenig Halt in ihrem Leben und eine nicht sehr fürsorgliche Mutter (Aitana Sánchez-Gijón), als sie ebenfalls schwanger wird. Die beiden Frauen lernen sich vor der Entbindung im Krankenhaus kennen, danach trennen sich ihre Wege wieder, aber ein Ereignis verknüpft ihre Schicksale auf unerwartete Weise miteinander…

Wieder einmal widmet sich der spanische Regisseur Pedro Almodóvar seinem Lieblingsthema: Frauen und Mütter. Wenn es zunächst danach aussieht, als gehe es um die Probleme, die eine ungeplante Schwangerschaft für Single-Frauen, gleich welchen Alters, mit sich bringt, so nimmt die Geschichte unvermittelt eine ganz andere Wendung. Dabei begleitet Almodóvar seine Protagonistinnen gewohnt einfühlsam, sowohl seine langjährige Lieblingsdarstellerin Penelope Cruz, als auch die Newcomerin Milena Smit, die ihre Rolle wunderbar auszufüllen weiß. Auch Anas eigene Mutter, die so gar nicht der immer so gerne glorifizierten Mutterfigur entspricht, die sich eben nicht für ihre Tochter aufopfert, sondern ihren eigenen Weg verfolgt, darf dies, ausbrechen aus einem Klischee und Dilemma, in dem die Frauen dieser Welt immer noch gefangen sind.

In einer Nebenhandlung wird dann, fast wie nebenbei, noch ein Teil spanischer Geschichte aufgearbeitet. Dabei geht es um Massengräber in denen im spanischen Bürgerkrieg die von Faschisten Ermordeten verscharrt wurden, und ein solches gibt es auch in Janis’ Heimatort, in dem die Frauen des Dorfes nie die Möglichkeit, hatten, sich angemessen von ihren Ehemännern, Vätern oder Söhnen verabschieden und um sie trauern zu können. Da die Regierung die Finanzierung solcher Projekte von Ausgrabung und Umbettung nicht unterstützt, sind es private Initiativen, an denen sich auch Janis beteiligt, die für eine späte Wiedergutmachung sorgen. Dieses Drama bildet in bedrückenden Bildern den Abschluss des Films, durchaus wuchtig, aber irgendwie auch ein wenig neben der eigentlichen Handlung des Films herlaufend, das Verbindende sind jedoch auch hier wieder einmal die Frauen, die letztlich nur über ihren Zusammenhalt eine Chance haben, ihre Rechte zu verteidigen, und Zusammenhalt ist schließlich auch das, was Janis und Ana eint.

Am Ende ist es Almodóvar wieder einmal gelungen, trotz aller dramatischen Verwicklungen, ein fesselndes aber gleichwohl auch versöhnliches und durchaus auch unterhaltsames Werk zu schaffen, bei dem die beiden Darstellerin durch ihre starke Präsenz brillieren dürfen.

 

 

Regie: Pedro Alomodóvar

Drehbuch: Pedro Almodóvar

Kamera: José Luis Alcaine

Schnitt: Teresa Font

Musik: Alberto Iglesias

 

Besetzung:

Penelope Cruz, Milena Smit, Israel Elejalde, Aitana Sánchez-Gijón, Rossy de Palma

 

StudioCanal Germany

Esp 2021

123 min.

FSK 0

Deutscher Kinostart: 10. März 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=DpXQB5tp2yo