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Mittwoch, 10. Juni 2026

Im Kino: Disclosure Day

Die nicht der Regierung der USA unterstellte Organisation WARDEX sammelt unter Leitung von Noah Scanlon (Colin Firth) seit Jahren Daten und Informationen über mögliche außerirdische Kontakte und UFOs und versucht, diese vor der Öffentlichkeit geheim zu halten. Der Cyperexperte Dr. Daniel Keller (Josh O‘Connor) ist in den Besitz dieses Materials gekommen und will es unbedingt veröffentlichen, wovon man ihn mit allen Mitteln abzuhalten versucht. Gleichzeitig entwickelt die Fernsehmoderatorin Margaret Fairchild (Emily Blunt) merkwürdige Verhaltensweisen und scheint plötzlich zu wissen, was jeder um sie herum denkt und fühlt. Als sie mit Keller in Kontakt kommt, steuern beide, ohne es zu wissen, unaufhaltsam auf den Tag der Wahrheit für die Menschheit zu…

Mit diesem Film kehrt Steven Spielberg noch einmal zu dem Thema zurück das ihn, wie er selbst immer wieder betont, am meisten beschäftigt: Wir sind nicht allein in den Weiten des Universums. Warum hätte sich ein Schöpfer die Mühe machen sollen, das Weltall und alles, was darin herumtreibt, nur für uns ganz allein zu erschaffen? Dieser Logik folgend steht es außer Frage, dass es neben uns Erdenbewohnern irgendwo noch anderes Leben geben muss, und genau hier setzt Spielbergs aktuelles Werk an, das sich damit auseinandersetzt, ob es diesbezügliche Kontaktaufnahmen gab und wer darüber Bescheid weiß.

In einer Welt, in der, wie man mehr am Rande erfährt, die Weltmächte kurz vor einer bewaffneten, möglicherweise atomaren, Auseinandersetzung stehen, arbeitet im Geheimen eine Organisation, die sich mit allen jemals registrierten Phänomenen von Ufo-Sichtungen oder Begegnungen mit Außerirdischen beschäftigt, dies ist sozusagen die Klammer, die den Film zusammenhält, und nach allem, was man weiß, gibt es solche Stellen in den USA sogar auf Regierungsebene. Darin eingebettet wird man langsam hineingeführt in eine zunächst etwas undurchschaubar wirkende Handlung, die wie eine Spionagegeschichten beginnt, mit spannenden Flucht- und Verfolgungssequenzen, bis sich langsam der eigentliche Kern des Ganzen herausschält.

Dies geschieht in der Spielberg eigenen unnachahmlichen Weise, die uns immer tiefer in eine Zwischenwelt hineinzieht, wobei es manches gibt, was an der nach oben offenen Kitschskala kratzt (ich sage nur, die Tiere des Waldes…), aber dahinter steckt ein tief empfundener Humanismus. Es geht um die Liebe zu unserer Erde, zu den Menschen, die endlich aufhören sollten, sich gegenseitig zu bekriegen und sich auf die Suche nach neuen Erkenntnissen und dem Wesen des Universums begeben und auf die Frage nach außerirdischem Leben endlich die richtigen Antworten finden sollten. Damit hätte die Menschheit auch die Chance sich zu einen, denn wenn es darum ginge, uns gegen mögliche Invasoren von außen zu verteidigen, solange nicht feststeht, dass die Außerirdischen tatsächlich in Frieden kommen, wären alle irdischen Konflikte mit einem Schlag obsolet.

Hier wird in gewisser Weise ein Bogen geschlagen, vom frühen Werk „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ über „ET“ bis zu diesem finalen Tag der Entscheidung für die Menschheit, wer diesen Weg mit Spielberg gehen möchte, sollte sich auf ein furioses Abenteuer mit vielen verschiedenen Elementen und Ebenen einstellen, die vielleicht nicht alle gelungen sind, aber am Ende doch ein bewegendes Gesamterlebnis auf die Kinoleinwand zaubern.

 

  Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: David Koepp, b/a Story von Steven Spielberg

Kamera: Patrick Capone, Janusz Kaminski

Schnitt: Sarah Broshar

Musik: John Williams

 Besetzung:

Emily Blunt, Josh O’Connor, Colin Firth, Colman Domingo, Wyatt Russell, Eve Hewson

 

Universal Pictures

2026

145 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 10. Juni 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=Wy6hQnNqXBk (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=icDuEHSxE-w (Englisch)

Montag, 6. März 2023

Im Kino: Die Fabelmans (The Fabelmans)

Aufgewachsen in einer Familie, in der die Wissenschaft mit der Kunst konkurriert, wie die musikbegeisterte Mutter Mitzi (Michelle Williams) einmal feststellt, entdeckt der junge Sam Fabelman (Gabriel LaBelle) schon früh seine Liebe zum Kino und hat von da an nur den einen Wunsch: Selber Filme zu machen! Vater Burt (Paul Dano), ein erfolgreicher Ingenieur, sähe für seinen Sohn lieber eine andere Karriere, aber Sam lässt sich nicht beirren und folgt seinem Weg…

Steven Spielbergs nostalgischer Blick zurück in seine Kindheit und Jugend ist eine wunderschöne Liebeserklärung an das Kino. Er veranschaulicht die unwiderstehliche Faszination, die Magie, die entsteht und uns Kinoliebhaber packt, und von der man ein Leben lang nicht mehr loskommt, wenn man wie der kleine Sammy das erste Mal in einem Theater sitzt, das Licht ausgeht und die Leinwand zum Leben erwacht. Nicht jeder wird danach ein berühmter Regisseur, schon gar nicht ein so erfolgreicher und einflussreicher wie Mr. Spielberg, aber mit diesem verklärten Blick zurück lässt er uns teilhaben an seinem Werdegang, zumindest bis zu seinem ersten Job in einem der großen Filmstudios – vielleicht gibt es ja irgendwann eine Fortsetzung, in dem man dann erfährt, wie es ihm gelungen ist, seinerseits die Magie des Kinos immer wieder heraufzubeschwören.

In der Darstellung seiner Familie scheint ein selbsttherapeutischer Ansatz zu liegen, wie authentisch die Darstellung des familiären Kosmos jedoch ist, lässt sich nicht beurteilen, immerhin schafft Spielberg durch deren Namensänderung eine gewisse Distanz. Ähnlich sieht es bei seinem jüdischen Hintergrund aus, mit dem er als Jugendlicher im kalifornischen Sonnenscheinstaat antisemitischen Angriffen ausgesetzt ist. Aber wie er all das ver- und aufarbeitet, zeigt die magische Kraft des Kinos einmal von der anderen Seite, und lässt uns darüber staunen, wie man sich bereits schon als Jungregisseur seine eigene Welt (er)schaffen kann…

Wer das Kino liebt, kann sich bei diesem Film nur wohlfühlen, und bei wem das vielleicht bisher nicht so ausgeprägt war: hier ist die Chance, diese Liebe zum Kino (neu) zu entdecken!

 


 Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Steven Spielberg, Tony Kushner

Kamera: Janusz Kaminski

Schnitt: Sarah Broshar, Michael Kahn

Musik: John Williams

 

Besetzung:

Michelle Williams, Paul Dano, Seth Rogen, Gabriel LaBelle, Judd Hirsch

 

Universal Pictures

2022

151 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 09. März 2023

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=mHjrgGZZTuo (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=9wAKUa487aw (Englisch)

 

Dienstag, 7. Dezember 2021

Im Kino: West Side Story

Tony (Ansel Elgort) verliebt sich in Maria (Rachel Zegler), aber beide dürfen nicht zueinander kommen, da sie zu rivalisierenden Gangs im New York der 1950ger Jahre gehören, den Sharks auf der einen und den Jets auf der anderen Seite.

Ist es bei dem bekanntesten Liebespaar der Literaturgeschichte Romeo und Julia noch die Zugehörigkeit zu verfeindeten Familien, die ihre Verbindung unmöglich macht, so trennen Tony und Maria ihre ethnische Herkunft und die damit verbundene Mitgliedschaft in ihrer jeweiligen Bande von Jugendlichen, die bis aufs Messer miteinander verfeindet sind. Bekanntermaßen nimmt keine dieser Geschichten ein gutes Ende.

Das erfolgreiche Bühnenmusical, das diesem Film zugrunde liegt, wurde bereits 1961 ebenso erfolgreich auf die Leinwand gebracht, und diese Erfolge beruhen zum großen Teil auf der zeitlos-schönen Musik von Leonard Bernstein mit den Song-Texten des leider kürzlich verstorbenen Stephen Sondheim. Ob eine Neuverfilmung unbedingt notwendig war, sei dahingestellt, der Funke springt jedenfalls auch dieses Mal über. Unter der Regie von Altmeister Spielberg, der sich erstmals in seiner langen Karriere an ein Musical wagt, überzeugen die Darsteller mit ihren Gesangs- und Tanzeinlagen, allen voran die junge Rachel Zegler in ihrer ersten Rolle, und Rita Moreno, in der Verfilmung von 1961 die Darstellerin der Anita, ist in einer Nebenrolle zu sehen.

Beeindrucken kann auch die stimmige Kulisse, die nicht aussieht wie eine Kulisse, sondern tatsächlich wie die Upper West Side, als dort Ende der 1950ger Jahre alte Gebäude abgerissen wurden, um dem neuentstehenden schicken Lincoln-Center Platz zu machen, etwas was in der Folge unter dem Stichwort "Gentrifizierung" in allen Städten der Welt immer wieder zu finden ist. Dadurch wird die soziale Spannung zwischen den beiden Gruppen etwas schärfer beleuchtet, bei der die Gang der Jets aus unterprivilegierten weißen Jungen besteht, während die Sharks aufgrund ihrer puertoricanischen Herkunft diskriminiert werden, im Gegensatz zu den Jets aber Jobs haben und Geld verdienen, woraus ein Konflikt resultiert, der leider, ebenso wie die Musik, zeitlos zu sein scheint.

Wer Musicals mag, kommt an diesem nicht vorbei, und wer den alten „West Side Story"-Film mochte, kann sich hier noch einmal an einer leicht modernisierten, wenngleich im Kern unverändert gebliebenen Neufassung erfreuen, die Songs und die Musik sind es allemal wert.


 Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Tony Kushner, b/a Bühnenstück/ Buch von Arthur Laurents

Kamera: Janusz Kaminski

Schnitt: Sarah Broshar, Michael Kahn

Musik: Leonard Bernstein

 

Besetzung:

Ansel Elgort, Rachel Zegler, Ariana DeBose, David Alvarez, Maik Faist, Rita Moreno, Corey Stoll, Brian d’Arcy James, Iris Menas

 


 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

USA 2021

157 min.

FSK 12

 

Deutscher Kinostart: 09. Dezember 2021

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=k_pF-1M8sQs (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=ZnM6ag2cics (Englisch)