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Mittwoch, 8. April 2026

Im Kino: Das Drama - Noch einmal auf Anfang (The Drama)

Emma (Zendaya) und Charlie (Robert Pattinson) stecken mitten in den Hochzeitsvorbereitungen, als ein unbedacht geäußertes Geheimnis aus der Vergangenheit alles zu erschüttern droht…

Wann kennt man seinen Partner wirklich und gäbe es möglicherweise etwas, das, wenn man es denn wüsste, die Liebe zueinander in Frage stellen könnte? Das junge Paar hier steht noch ganz am Anfang seiner Beziehung und noch gäbe es die Chance, alles noch einmal zu überdenken, bevor man sich mit der Hochzeit aneinanderbindet und mit dieser Option spielt der Film mit geradezu diebischem Vergnügen.

Um was für ein Geheimnis es sich handelt, soll natürlich nicht verraten werden, auch wenn dieses schon relativ früh ins Spiel kommt und die Geschichte sich ab da nur noch um die Auswirkungen auf die Gefühlswelt der Beteiligten dreht, zu denen neben den Verlobten auch deren Trauzeugen gehören, die, ohne es zu wollen, das Chaos heraufbeschworen haben, und an dieser Stelle sei ein für alle Mal vor irgendwelchen dummen Spielen gewarnt, bei denen man nur so aus Spaß in die Verlegenheit kommt, ein möglichst peinliches Geheimnis zu offenbaren!

Der Film lebt von seinen Darstellern und Zendaya und Robert Pattinson liefern eine gute Vorstellung ab, wobei sie so wunderbar in sich ruht, während er von einem hysterischen Anfall in den nächsten gerät, ohne dass sie es überhaupt so richtig mitbekommt, was zu einiger grotesker Situationskomik führt. Ansonsten ist es solide Unterhaltung mit einer interessanten Prämisse, die vielleicht den oder die ein oder anderen Zuschauer oder Zuschauerin zum Nachdenken anregen könnte, und ein anschauliches Beispiel für die zerstörerische Kraft eines bösen Gedankens, sobald dieser sich einmal im Hirn eingenistet hat.

Was es aber wieder einmal nicht ist: die vielleicht von vielen – vor allem aufgrund des Filmplakats – erhoffte RomCom mit zwei zur Zeit sehr angesagten Darstellern, soviel sei verraten…

 


 Regie: Kristoffer Borgli

Drehbuch: Kristoffer Borgli

Kamera: Arseni Khachaturan

Schnitt: Kristoffer Borgli, Joshua Raymond Lee

Musik: Daniel Pemberton

 Besetzung:

Zendaya, Robert Pattinson, Alana Haim, Mamoudou Athie, Hailey Gates, Sydney Lemmon, Anna Baryshnikov

 A24/ Leonine

2026

105 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 02. April 2026

 Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=9vywWpuI61E (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=6zmKcUa4Xxk (Englisch)

 

Mittwoch, 18. Oktober 2023

Im Kino: Ein Fest fürs Leben

Dieter Salzmann (Christoph Maria Herbst) organisiert mit seinem Team Veranstaltungen und verspricht, jede Hochzeitsfeier zu einem einmaligen Erlebnis und zum schönsten Tag im Leben eines Brautpaares werden zu lassen. Leider klaffen zwischen Theorie und dem realen Leben oft Welten, und so steht das Fest für die zukünftigen Eheleute Lasse (Ulrich Brandhoff)) und Leonie (Mira Benser) trotz der tollen Location auf einem Schloss unter keinem guten Stern. Insgeheim hat Dieter bereits beschlossen, sich nach diesem Event aus dem Business zurückzuziehen, allerdings steht ihm bis dahin noch ein gewaltiges Stück Arbeit bevor, aber diese Feier wird auf jeden Fall eins: unvergesslich…

Wer von deutschen Komödien normalerweise eher nicht so begeistert ist, sollte hier einmal die Vorurteile beiseiteschieben, denn es darf gelacht werden, die meisten Gags zünden, Timing und Darbietung stimmen, alles ist wunderbar aufeinander abgestimmt, die Running-Gags sind hervorragend platziert und alle Akteure liefern in diesem ausgewiesenen Ensemblefilm allesamt eine wunderbare Arbeit ab. Allen voran bietet Christoph Maria Herbst eine gleichermaßen zurückhaltende, berührende aber auch die Handlung vorantreibende Darstellung, weit weg von seinem auf Dauer doch ermüdenden Stromberg-Charakter. Ihm ist es zu verdanken, dass das Ensemble funktioniert, er hält die Fäden in der Hand und bietet gleichzeitig Raum für Nebenfiguren wie den sich durchs Buffet fressenden Fotografen (Jörg Schüttauf) und den leicht durchgeknallten Band-Chef (Marc Hosemann), der sich nicht immer an alle Vorgaben hält.

Ein Grund, dass die Komödie funktioniert, liegt sicher daran, dass es bereits eine gute Vorlage gab, nämlich den französischen Film „Das Leben ist ein Fest“ (2017) von den Machern von „Ziemlich beste Freunde“, Olivier Nakache und Eric Toledano, an dem man sich hier sehr stark orientiert. Wer jenen Film gesehen hat, wird Vieles wiedererkennen, aber dennoch entwickelt die deutsche Fassung ihren eigenen Stil, der dem Original in nichts nachsteht, an manchen Stellen sogar etwas darüber hinausgeht.

Eine von einer klugen Regiehand geleitetet humorige Komödie, die die sonst häufig anzutreffende Überspanntheit vermeidet, die mit Witz das zeigt, was hinter den Kulissen eines scheinbar gutgeölten Ablaufs alles schief gehen kann, ohne die üblichen Schenkelklopfwitze und peinlichen Entgleisungen, getragen von einer Riege von Darstellern mit Gefühl für Situationskomik: so sollte Komödie sein.

 


 Regie: Richard Huber

Drehbuch: Richard Huber

Kamera: Jörg Widmer

Schnitt: Knut Hake

Musik: Regina Reis

 

Besetzung:

Christoph Maria Herbst, Marc Hosemann, Cynthia Micas, Jasmin Shakeri, Anne Schäfer, Jörg Schüttauf, Pit Bukowski, Johannes Allmayer, Ben Münchow, Sahin Eryilmaz, Ulrich Bradhoff, Mira Benser, Piet Fuchs, Rainer Bock, Ernst Stötzner, sowie Wotan Wilke Möhring und  Bettina Lamprecht

 

Warner Bros. Germany

2023

105 min.

FSK 0

Deutscher Kinostart: 19. Oktober 2023

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=ng60bzRF2NU

 

 

Mittwoch, 16. November 2022

Im Kino: Einfach mal was Schönes

Radiomoderatorin Karla (Karoline Herfurth) hört mit Ende 30 die biologische Uhr immer lauter ticken und möchte bevor es zu spät ist unbedingt noch ein Kind, aber, es fehlt der passende Vater. Dennoch lässt sie nichts unversucht, ein Baby zu bekommen, wofür weder ihre Schwestern Jule und Johanna (Nora Tschirner und Milena Tscharntke), noch ihre (geschiedenen) Eltern (Ulrike Kriener und Herbert Knaup) Verständnis zeigen. Ihre einzige Unterstützung ist Freundin Senay (Jasmin Shakeri), die aber auch nicht verhindern kann, dass sich die Dinge verkomplizieren, als der zehn Jahre jüngere Ole (Aaron Altaras) in Karlas Leben tritt, dessen Lebensplanung noch überhaupt nicht auf Nachwuchs programmiert ist…

Dass viele deutsche Komödien nicht gelingen, liegt oft daran, dass die Pointen schlecht getimt und die Gags albern sind, oder das Geschehen sich platt von Klischee zu Klischee schleppt, manchmal, in ganz schlimmen Fällen, kommt alles zusammen. Dieser Film von Karoline Herfurth bewegt sich zumindest am Anfangt einige Male haarscharf am Klischee-Abgrund entlang, wenn die Protagonistin sich durch die in Beziehungskomödien üblichen Datingpannen manövriert, aber dann wird er besser und besser.

Die Charaktere werden von zweidimensionalen Scherenschnitten zu Figuren aus Fleisch und Blut, mit denen man bangt, lacht und weint und die Komödie bekommt immer dann echte Tiefe, wenn das Beziehungsgeflecht innerhalb der Familie aufgedröselt und dabei der Finger in Wunden gelegt wird, die das Leben jedem Einzelnen zugefügt hat. So ist die von Ulrike Kriener großartig dargestellte trinkende Mutter nicht nur das von ihrem Ehemann für eine Jüngere verlassene bedauernswerte Opfer, als das sie sich gerne selbst inszeniert, und bei ihren drei Töchtern hat diese häusliche Tragik sichtbar ihre Spuren hinterlassen. Schön auch, wie unaufgeregt das Thema Behinderung einfach mal am Rand mit eingebunden wird, indem es eben nicht weiter thematisiert wird, es ist einfach so, dass Freundin Senay einen behinderten Sohn hat.

Trotz dieser einzelnen persönlichen Dramen bleibt aber der leichte Komödienton immer erhalten, dafür sorgen einige wirklich gelungene witzige Szenen, beispielweise mit einem trocken berlinernden Pierre Sanoussi-Bliss im Treppenhaus, oder die völlig aus dem Ruder laufende große Hochzeitsfeier zum Schluss, bei der das Kunststück gelingt, eigentlich platten Slapstick so würdevoll zu gestalten, dass es am Ende unwiderstehlich komisch ist. Alles in allem löst Karoline Herfurth genau das ein, was sie in ihrem Filmtitel verspricht: Einfach mal was Schönes!

 


Regie: Karoline Herfurth

Drehbuch: Monika Fäßler, Tim Hebborn, Karoline Herfurth

Kamera: Daniel Gottschalk

Schnitt: Linda Bosch

Musik: Annette Focks

 

Besetzung:

Karoline Herfurth, Nora Tschirner, Milena Tscharntke, Jasmin Shakeri, Ulrike Kriener, Herbert Knaup, Aaron Altaras, Pierre Sanoussi-Bliss

 

Warner Bros. Germany

D 2022

116 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 17. November 2022

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=PMbZs8aIV4Y