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Mittwoch, 4. September 2019

Film-Rezensionen: Es Kapitel 2 (It Chapter 2)

27 Jahre nachdem der Klub der Verlierer den Clown Pennywise (Bill Skarsgård) scheinbar besiegt hat, geschehen plötzlich wieder schlimme Dinge in der kleinen Stadt Derry, und so sieht sich  Mike (Isaiah Mustafa), der im Gegensatz zu den anderen Mitgliedern des Clubs seinen Heimatort nie verlassen hat, gezwungen, seine alten Freunde zu kontaktieren, schließlich hatten sich alle als Kinder geschworen, zurückzukehren, sollte es notwendig sein. 

Es ist wie ein Klassentreffen, als sich Bill (James McAvoy), Beverly (Jessica Chastain), Richie (Bill Hader), Ben (Jay Ryan) und Eddie (James Ransone) wieder mit Mike zusammenfinden. Alle sind erwachsen geworden, aber bei näherem Hinsehen erkennen sie aneinander vertraute Züge und Marotten wieder. Auch wenn aus dem dicken Ben äußerlich ein sportlicher, smarter Typ geworden ist, tief in ihrem Inneren tragen alle noch die Narben ihrer Kindheit mit sich, und das, was sie damals zusammengebracht und zum Club der Loser gemacht hat, ist gleichzeitig ihre Schwäche, aber eben auch ihre Stärke, mit der sie das Böse schon einmal besiegt haben. Wird es auch diesmal, und dann für immer, gelingen?

Der Film knüpft an den sehr erfolgreichen ersten Teil aus dem Jahr 2017 an und ist, wie seine Protagonisten, erwachsen geworden. Die Handlung orientiert sich eng an der Romanvorlage von Stephen King – der einen launigen Cameo-Auftritt hat – und wagt sich sogar einigermaßen erfolgreich an das ziemlich abgedrehte Finale des Buches, allerdings mit einem modifizierten und stark abgeschwächten Ritual von Chüd. Durch die gesamte Handlung zieht sich der Schrecken, den das eigentlich namenlose Böse verbreitet, dessen Verkörperung als Horrorclown Pennywise nur eine Maske für etwas ist, was man nicht beschreiben kann, aber was die meisten mit sich herum tragen. Jeder von uns hat seine eigenen persönlichen Dämonen und wer oder was an diese Ängste rührt, erlangt dadurch seine Macht über uns, dies setzt der Film in teilweise verstörenden Bildern genial um.

Dazwischen wird die Spannung immer wieder durch kleine, humorige Szenen aufgelockert, es gibt jede Menge Anspielungen auf andere (Horror)Filme, weitere Cameo-Auftritte (unter anderem einer Regielegende), in diesen Szenen nimmt sich der Film selbst nicht mehr so ganz ernst, ebenso wie bei manchen Horrorelementen, die wie importiert aus einer mit absurden Gestalten bevölkerten Geisterbahn wirken. 

Aber schnell bleibt das Lachen dann doch wieder im Halse stecken, und Pennywise ist am unbarmherzigsten und grausamsten, wenn er sich an die Kleinsten oder Schwächsten heranmacht, hier hat auch der Film seine stärksten Schockmomente. Dass sich ihm ausgerechnet diese Klientel, der Club der Verlierer (würde man heute nicht sagen: Abgehängten?), zweimal entgegenstellt, ist ein starkes Zeichen, denn es signalisiert, dass sich jeder gemeinsam mit anderen wehren kann, es möglich ist, seine Kräfte mit anderen zu bündeln und den aufgeblasenen Popanz, der vielfach hinter einer Bedrohung steckt, unter Überwindung der eigenen jeweiligen Ängste und durch entschiedene gemeinsame Gegenwehr  anzugehen, bis irgendwann vielleicht nichts mehr von ihm übrig bleibt. – Eine ermutigende Botschaft!

Frage zum Schluss: Um wen handelt es sich bei der Regielegende und auf welchen Film spielt die Szene im Neibolt-Haus an? Anyone? Anyone? Gotta be f…… kiddin’!



Regie: Andy Muschietti
Drehbuch: Gary Dauberman, b/a Roman von Stephen King 
Kamera: Checco Varese
Schnitt: Jason Ballantine
Musik: Benjamin Wallfisch

Darsteller:
James McAvoy, Jessica Chastain, Bill Hader, Isaiah Mustafa, Jay Ryan, James Ransone, Andy Bean, Bill Skarsgård

Warner Bros.
USA 2019
169 min. 
Deutscher Kinostart: 05. September 2019

Montag, 12. November 2018

Film-Rezensionen: Assassination Nation

Lily ist Schülerin und lebt mit ihrer Clique von Freundinnen in Salem, USA. Ihr Leben besteht, wie das aller Teenager auf der ganzen Welt, aus Handynachrichten, Postings und Selfies, jeder lagert sein privatestes Leben auf diese kleinen Geräte aus und gewährt seinen engsten „Freunden“ Einblicke darin. 

Unangenehm wird es, als diese Geheimnisse durch einen anonymen Hacker publik gemacht werden und jeder plötzlich entblößt für alle dasteht. Auf der Suche nach dem Schuldigen geraten Lily und ihre Freundinnen unter Verdacht und auf einmal bricht die für bürgerlich gehaltene Fassade auf. Unter den so entstandenen Rissen kommt all das Hässliche, Gemeine und Brutale zum Vorschein, das offenbar überall im Verborgenen schlummert und es ist wieder Hexenjagt in Salem…

Sam Levinson ist ein kompromissloser Film über die Abgründe in den scheinbar so bürgerlichen Gesellschaften gelungen, wobei die USA nur exemplarisch für alle anderen auf der Welt stehen. Überall scheint es zu brodeln und der kleinste Funke genügt, um in einer furchtbaren Detonation alles hinwegzufegen, was an zivilisatorischem Verhalten scheinbar so selbstverständlich Bestand hatte. Diese Idee ist nicht neu, aber gerade zur Zeit gibt es überall auf der Welt Anzeichen für unheimliche Kräfte, die an der Fassade kratzen, bis die Masken abgerissen werden und die darunter liegende Fratze von Gewalt, Rassismus, Faschismus auch bei den biedersten Nachbarn zum Vorschein kommt, der Schoß ist nach wie vor fruchtbar... Die Opfer sind mal Frauen, mal Schwarze, mal Ausländer, je nachdem welche Gruppe gerade in den Fokus rückt, und die Wutbürger übernehmen das Regiment.


Der Film verwendet drastische Bilder für seine Parabel, die sicher nicht jedem gefallen werden und das Ende ist mit ein wenig Gespür vielleicht vorhersehbar, die Spannung bleibt jedoch bis zum bitteren Ende hoch. Es ist eine Abrechnung mit gesellschaftlichen Tendenzen, wie dem maßlosen Gebrauch von Handy und Social Media, aber auch mit der Politik der USA, die die Gesellschaft spaltet und aufwiegelt und hinterlässt keinerlei Trost auf Erlösung, jedenfalls nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Fraglich ist, ob die Schlussszene endgültiger Abgesang oder doch eher Aufbruch zu mehr ist, der Titel des Films ist jedenfalls Programm.





Regie: Sam Levinson
Drehbuch: Sam Levinson
Kamera: Marcell Rév
Musik: Ian Hultquist
 
Darsteller:
 Odessa Young, Hari Nef, Suki Waterhouse, Bella Thorne, Abra, Bill Skarsgård, Colman Domingo
Universum Film
108 min.
FSK 16
Deutscher Kinostart: 15. November 2018