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Donnerstag, 25. August 2016

Jean Dujardin war ein schlechter Schüler...


Jean Dujardin war ein schlechter Schüler…

… und liebt es, bei der Arbeit ins Schwitzen zu kommen.

Jean Dujardin ist in Frankreich ein großer Star. Hierzulande kennt man ihn vor allem durch seinen Oscar-Gewinn als bester Hauptdarsteller in dem Film „The Artist“ aus dem Jahr 2011.

Bei seinem aktuellen Projekt „Mein ziemlich kleiner Freund“ (Un homme à la hauteur) handelt es sich um das Remake eines argentinischen Films – „Corazón de Leon“ – das der Regisseur Laurent Tirard an ihn herangetragen hatte. Erzählt wird die Geschichte einer Liebesbeziehung zwischen der erfolgreichen Anwältin Diane – dargestellt von Virginie Efira – und einem charmanten Architekten (Jean Dujardin), der allerdings nur 1,36 m misst. Dieser Größenunterschied stellt die Beziehung der beiden auf eine große (!) Probe, und nicht einmal Jean Dujardin vermag zu sagen, ob es für die beiden gut ausgeht.

Zum Filmstart stand er nun in Paris den Journalisten Rede und Antwort. Er sprach über den Film, seine Rolle, aber auch über sein Verhältnis zu Hollywood. Bei dieser Gelegenheit verneinte er am Rande (aber nachdrücklich) seine Beteiligung an dem nächsten „Transformers“ Film, gestand, dass er ein schlechter Schüler war und dass er es genießt, in Frankreich zu arbeiten, aber auch mit seiner Familie dort zu leben. Er vermittelt den Eindruck eines Menschen, der durchaus um seine Popularität weiß, dabei eher vorsichtig zurückhaltend mit allzu persönlichen Bekenntnissen bleibt, aber insgesamt ein bodenständigen Mensch zu sein scheint (Dujardin, der aus dem Garten…), was sich auch daran zeigt, dass das Interview ganz unspektakulär in einem Bistro in Paris stattfand...

Hier nun Auszüge aus dem Gespräch mit ihm, das von dem Dolmetscher Jörg Taszman begleitet wurde.

Frage: Hat die Liebe zwischen Diane und Alexandre eine Zukunft, glauben Sie, dass sie stärker ist, als alle Vorurteile?
JD: Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung. Was Sie gesehen haben ist ein Happy End in einem Film, ein modernes Märchen. Meine Figur nicht naiv, er kennt ja sein Problem, und ich habe wirklich keine Ahnung, wie diese Geschichte im realen Leben weitergeht. Für mich ist es eher ein offenes Ende.

Frage: Wie fühlt man sich, wenn man sich in einen nur 1,36 kleinen Mann versetzt?
JD: Genau das habe ich eben nicht getan, weil ich es nun mal einfach nicht bin. Insofern wäre es unehrlich gewesen, das zu versuchen. Ich habe ganz normal agiert, habe einen Mann dargestellt, dem es eigentlich gut geht, der immer nur lächelt, und ich habe immer nur versucht, ihn so sympathisch wie möglich darzustellen. Aber mir war immer klar, ich bin nur deshalb 1,36 m durch die Special Effects.

Frage: Wie sehr kennen Sich sich mit Hänseleien aus. Waren Sie in der Schule jemand, der gehänselt wurde, oder der vielleicht auch einmal gehänselt hat?
JD: Ich kenne ein bisschen von beidem. Das passiert aber allen irgendwann in der Schule, es ist Teil des Erwachsenwerdens von Jungen, bis man sich irgendwann gefunden hat. Bis dahin ist man manchmal der Gehänselte und manchmal hänselt man selber. Da habe durchaus konkrete Erinnerungen daran.

Frage: Weshalb wurden Sie denn gehänselt, das kann man sich ja heute gar nicht vorstellen.
JD: Weil ich einfach kein guter Schüler war, und Kinder können durchaus grausam sein. Wenn man an die Tafel geht und einfach nicht gut ist, kommt man sich wie ein Idiot vor, und dann gibt es andere Kinder, die das unglaublich spaßig finden.

Frage: Welcher Aspekt hat Sie am meisten an diesem Märchen gereizt, war es das komödiantische, dieses „Trickverkleiden“, war es die Liebesgeschichte unter schwierigen Voraussetzungen oder eben auch die Botschaft, es wäre schön, alle Menschen könnten sich ohne Vorurteile begegnen?
JD: Ich fand das ganze Projekt sehr interessant, ein sehr gutes Drehbuch, sehr gute Dialoge. Mir gefiel die Herangehensweise des Regisseurs, seine Eleganz, die Zusammenarbeit mit den Leuten, vor allem auch mit Virginie, also letztlich das Gesamtpaket. Es war aber vor allem die Gelegenheit, die besonderen Emotionen rüberzubringen, die ich beim Lesen des Drehbuchs hatte.

Frage: Was für Angebote bekommen Sie im Allgemeinen? Gibt es so etwas wie einen roten Faden?
JD: Nein, eigentlich nicht, ich mag es, immer wieder mein Image zu brechen. Manchmal allerdings merkt man, wenn man nur wegen seines Namens engagiert wird, das ist dann nicht sehr ehrlich, wenn man merkt, dass man mit der darzustellenden Person eigentlich nichts zu tun hat. Manchmal bekomme ich Angebote für etwas düstere Rolle, da sage ich auch nicht nein, wenn es eine gut geschriebene Geschichte ist. Manchmal gebe ich auch selbst den Anstoß, ich schreibe ja auch. Wichtig ist für mich, dass sich die Filme nicht gleichen, das ist mir seit zehn Jahren, glaube ich, ganz gut gelungen.

Frage: Bevorzugen sie Dramen oder Komödien?
JD: Ich mag beides. Ich mag selber nicht immer nur lachen, ich möchte mich aber auch nicht langweilen, wichtig ist, Emotionen zu zeigen.

Frage: Mit welchem Hund war es witziger zu drehen, mit Uggie in „The Artist“ oder mit dem Hund in diesem Film?
JD (lacht): Ich hatte befürchtet, es wäre schwierig, aber das ist es nicht. Das sind immer sehr talentierte und gut ausgebildete Hunde. Man versucht, sich vor dem Drehen ein bisschen aneinander zu gewöhnen, und es war sehr nett mit beiden. Allgemein liebe ich es, nicht eingeengt sondern herausgefordert zu werden, man muss auch mal ins Schwitzen kommen. Wenn das nicht passiert, ist das für mich kein gutes Zeichen, man muss sich den Erfolg auch verdienen, wenn das am Ende der Fall ist, bin ich zufrieden, denn dann hat man auch gut gearbeitet.

Frage: Bei Ihrem Talent, bei Ihrem Aussehen müssten sich Ihnen in Hollywood sämtliche Türen öffnen. Sie haben auch schon mit George Clooney gedreht, wie sieht es mit einer Karriere in Hollywood aus, sind sie daran nicht interessiert?
JD: Ich denke der immense Erfolg von „The Artist“ bei den Oscars und auch sonst, war so etwas wie ein „Unfall“, ein glücklicher Unfall für mich, dieser Stummfilm in schwarzweiß, wo ich nicht spreche und diesen Schnurbart trage und man mich kaum erkennt. Ich habe einerseits Schwierigkeiten, wie man etwas wie den besten Schauspieler oder den besten Film auszeichnen kann, im Sport geht das, aber in der Kunst? Ich weiß aber auch, dass es für einen französischen Schauspieler nicht wirklich einfach ist in Hollywood, man bekommt immer die typischen Rollen angeboten, der Franzose, der Typ mit der Baskenmütze, der Schurke. Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass sie dort auf mich warten. Es hat auch tatsächlich nicht viele Angebote gegeben. Ich hatte drei Drehtage mit Scorsese und hatte Spaß am Set mit Clooney, aber um dort Karriere zu machen, hätte ich dorthin ziehen müssen, Lobbyarbeit leisten und Klinken putzen müssen, alles Dinge, die mich nicht unbedingt reizen
Ich fühle mich hier in Frankreich wohl, ich bekomme gute Rollen hier, kann in meiner Sprache drehen. Schließlich ist der Beruf nicht mein ganzes Leben. Ich mag meinen Beruf, ich übe ihn ab und zu aus, aber in erster Linie will ich leben, mit meiner Familie, hier in Frankreich. Natürlich schreiben sie gute Drehbücher in Hollywood, haben ein viel größeres Budget, aber es ist nicht der heilige Gral. Das, was ich in Frankreich mache reicht mir eigentlich, und ich möchte die Sachen machen, auf die ich Lust habe und ich habe, auch wenn das für Sie von außen erstaunlich wirken mag, überhaupt keine Lust auf Hollywood.

Hier bekommt man für einen Moment den Eindruck, einen wunden Punkt berührt zu haben. Es wird nicht klar, ob ihm tatsächlich nichts an einer Karriere in Hollywood liegt, wobei er sicher mit seinen Vorbehalten Recht hat, dort nur auf bestimmte Klischee-Rollen festgelegt zu werden, während er in Frankreich ohne die Sprachbarriere, die es nur ausnahmsweise in „The Artist“ nicht gab, ein viel breiteres Spektrum abdecken kann, was für einen Schauspieler immer die reizvollere Perspektive sein sollte.

Frage: Es ist ja ein romantisches Märchen, sind Sie selber realistisch? Sie wirken ja eher ein bisschen realistisch, oder sind Sie doch der romantische Typ, der an die ganz große Liebe glaubt, die alle Grenzen sprengt?
JD: Ja, ja, ja, ich mag es durchaus zu träumen, aber – mein Name ist Dujardin (klopft mit dem Fuß auf den Boden) das heißt, ich bin schon  fest mit dem Boden und der Erde verwurzelt. Wir Schauspieler lieben es, auch einmal ein anderer zu sein, die Figuren, die wir spielen sind oft viel interessanter als wir selbst, deswegen machen wir ja den Job so gerne. Und ob ich ein Romantiker bin… Doch, doch, ich bin durchaus romantisch, aber auch sehr zurückhaltend. Und ich liebe die Vorstellung von der absoluten Liebe, das rettet uns schließlich.

Frage: Sie sagten, sie fühlten sich in Frankreich ganz wohl. Wie empfinden Sie die momentane Stimmung in Bezug auf diese Terroraktionen und inwieweit sind in einer solch unsicheren Zeit Komödien wichtig, um die Menschen zu beglücken?
JD: Ich kann sehr wenig dazu sagen, das ist eine Situation ohne Präzedenzfall, so etwas hat es ja noch nicht gegeben. Man kann niemandem übel nehmen, jetzt erst mal eine Weile zu Hause zu bleiben. Dennoch hoffe ich, dass die Leute weiter ins Theater, ins Kino gehen, und das tun sie ja Gott sei Dank auch. Ich finde, es ist der Job der Politiker, etwas zu tun. Der Rechtsstaat ist wichtig, wir leben wirklich in extremen Zeiten, die Politik muss einfach die richtigen Mittel finden. Ich kenne diese Sätze, man dürfe keine Angst haben, das sind aber nur Phrasen. Ich habe sehr wohl Angst, habe auch Angst um meine Familie, aber gehe trotzdem hinaus, die Angst lähmt mich nicht, macht mich allerdings wachsam. Man muss die Leute dazu bringen, dass sie weiterleben, dass sie weiter ins Kino gehen, weiter ihr Leben leben, ihrem Beruf weiter nachgehen, so wie ich es auch tue, und – gerade jetzt – mein Land eben nicht verlasse, das wäre für mich wie desertieren. Es gibt ja Leute, die gehen aus steuerlichen Gründen, aber jetzt fände ich es feige, zu gehen. Ich mache weiter, mit meinen bescheidenen Mitteln als Künstler. 


"Mein ziemlich kleiner Freund"  - 

Ab 01.09.2016 im Kino

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