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Mittwoch, 12. Juni 2019

Film-Rezensionen: Britt-Marie war hier (Britt-Marie var här)

Das Leben von Britt-Marie (Pernilla August) ist streng durchgetaktet. Abweichungen von ihrer Tagesroutine erlaubt sie sich nicht, sie versorgt Mann und Haushalt vorbildlich, allerdings ohne jegliche erkennbare Emotion. Ob sie glücklich ist, weiß man nicht, ihr Mann ist es offensichtlich nicht, denn nach 40 Jahren Ehe entdeckt Britt-Marie, dass er sie betrügt. Plötzlich fällt die Fassade ihrer Existent in sich zusammen, aber ebenso konsequent, wie sie ihr Leben bisher geführt hat, bricht sie nun daraus aus. Sie sucht sich Arbeit und landet als Kinderbetreuerin in einem Nest namens Borg, wo sie trotz ihrer stoischen und sperrigen Art zur Überraschung aller, einschließlich ihrer selbst, für frischen Wind sorgt, indem sie sich zunächst mit dem, was sie beherrscht – strukturieren, putzen, kümmern – an die Arbeit macht. Am Ende sind Borg und Britt-Marie nicht mehr dieselben und sie kann sich an den nächsten Schritt ihrer Emanzipation wagen, bevor sie – vielleicht – eines Tages zu ihrem Mann zurückkehrt.

Die spröde Britt-Marie, von Pernilla August intensiv und anrührend dargestellt, ist die weibliche Weiterentwicklung des griesgrämigen Ove in Fredrik Backmans Roman und gleichnamiger schwedischen Verfilmung „Ein Mann namens Ove". Das plakative Thema: „Es ist nie zu spät für ein neues Leben", das jeder Zuschauer sofort erkennt, sollte dieser nicht leichtfertig als trivial abtun, denn die Wenigsten schaffen es tatsächlich, aus eingefahrenen Bahnen auszubrechen. Dass ausgerechnet einer Frau wie Britt-Marie, mit der man zunächst nur Mitleid empfindet, das gelingt, wovon viele vielleicht träumen, wegzugehen, um anzukommen, zeigt dieser Film, ein wenig sperrig vielleicht, aber dennoch liebenswert und mit leisem Humor.



Regie: Tuva Novotny
Drehbuch: Tuva Novotny, Anders August, Øystein Karlsen, b/a Roman von Fredrik Backman
Kamera: Jonas Alarik
Schnitt: Morten Egholm, Frederik Strunk, Håkan Karlsson
Musik: Ginge Anvik

Darsteller:
Pernilla August, Peter Haber, Anders Mossling, Malin Levanon, Stella Oyoko Bengtsson,
Lance Ncube, Olle Sarri, Vera Vitali, Mahmut Suvakci

Schweden 2019
Prokino
97 min.
Deutscher Kinostart: 13. Juni 2019

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