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Dienstag, 12. Juni 2018

Film-Rezensionen: Hereditary - Das Vermächtnis


Die Grahams – Mutter Annie, Vater Steve, Sohn Peter und Tochter Charlie – leben in einem großen Haus am Waldrand, eine scheinbar normale amerikanische Familie wie viele. Annie (Toni Collette) ist Künstlerin und gestaltet Puppenhaus-Miniaturen, während Steve (Gabriel Byrne) als Psychotherapeut praktiziert. Peter (Alex Wolff) lebt sein Teenagerleben zwischen Highschool und Abhängen mit Freunden, einzig seine jüngere Schwester Charlie (Milly Shapiro) scheint ein Sonderling zu sein, die mit einige Phobien zu kämpfen hat.
Eines Tages stirbt Annies Mutter Ellen Leigh. Zwischen Annie und ihrer dominanten Mutter gab es zeitlebens Spannungen, während Enkelin Charlie ein enges Verhältnis zu ihrer Großmutter hatte, so dass sie der Verlust hart trifft und ihr manchmal sonderbares Verhalten sich noch verstärkt.
Als Peter eines Tages mit seiner Schwester von einer Party bei Freunden zurückkehrt, nimmt das Schicksal eine verhängnisvolle und grausame Wendung, dabei spielt die hilfsbereite freundliche Joan (Ann Dowd), eine Bekannte aus Annies Selbsthilfegruppe für trauernde Angehörige, eine immer größer werdende Rolle.

Das unterschwellig ungute Gefühl, das der Film durch kleine Begebenheiten von Anfang an erzeugt, entwickelt sich bald zu einem Alptraum, in dem die Familie Graham in ihrem einsamen Haus immer tiefer versinkt, allein mit einer schicksalhaften Familiengeschichte und daraus resultierenden Vorbestimmungen. Alle Personen geraten in einen immer schneller rotierenden Strudel, bis zum furiosen Ende, das nichts für schwache Nerven ist und aus einem Mystery-Thriller einen veritablen Horrorfilm macht, der Anlehnungen an Klassiker wie „Rosemary's Baby" zeigt, aber am Ende weit darüber hinausgeht.
Regisseur und Drehbuchautor Ari Aster hat sich bereits in einigen beachteten Kurzfilmen mit Familienritualen und Familientraumata beschäftigt, bevor er nun mit seinem ersten Spielfilm noch tiefer und vehementer in diese Thematik eintaucht. Nach seinen Angaben haben ihn dramatische Ereignisse in seiner eigenen Familie inspiriert, die innerhalb kurzer Zeit einige schwere Schicksalsschläge verarbeiten musste. Den nun von ihm präzise und kunstvoll inszenierten Alptraum, den sein Film genüsslich ausbreitet, treibt er auf die Spitze, bis zum bitteren und noch verstörenderen Ende, als man es sich zu Beginn vorstellen mag. Bereits in der ersten Einstellung lässt er eine von seiner Hauptfigur entworfene Puppenhausszene mit einer realen Szene verschmelzen und schafft so die Grundlage für die Mitglieder seiner Filmfamilie, die, getrieben von einem fatalen Fluch und von starken äußeren Kräften, wie Puppen bewegt, am Ende ihrem Schicksal nicht entkommen können.

Es ist – wie gesagt – ein Horrorfilm und wenn man dieses Genre mag, kann man sich der Intensität der Handlung nicht entziehen. Es bleibt allerdings fraglich, ob jeder Zuschauer den letzten Schritt bei dem verstörenden und furiosen Ende mitgeht, und die Grundidee des am Ende doch sehr konstruierten Horrors von Abstammung und Blutlinie und des daraus resultierenden vorherbestimmten Schicksals der Familie Graham lässt sich auf keinen Fall auf den generellen Ballast, den wahrscheinlich jede Familie mit sich herumträgt, übertragen, was den aufgewühlten Zuschauer dann doch wieder beruhigen mag.
 

Regie und Drehbuch: Ari Aster 
Kamera: Pawel Pogorzelski 
Schnitt: Jennifer Lame 
Musik: Colin Stetson

Darsteller:

Annie Graham – Toni Collette
Steve Graham – Gabriel Byrne
Peter Graham – Alex Wolff
Charlie Graham – Milly Shapiro
Joan – Anne Dowd

Splendid Film
USA 123 min.
Kinostart: 14. Juni 2018



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