Blog-Archiv

Mittwoch, 24. Dezember 2025

Im Kino: Therapie für Wikinger

Nach einem Bankraub kann einer der Räuber namens Anker (Nikolaj Lie Kaas) vor seiner Verhaftung das erbeutete Geld in einem Schließfach deponieren und vertraut den Schlüssel seinem geistig etwas verwirrten Bruder Manfred (Mads Mikkelsen) an. Dieser soll die Tasche mit der Beute beim Haus ihrer Mutter mitten im Wald vergraben, aber als Anker nach vierzehn Jahren aus dem Gefängnis kommt, kann Manfred, der inzwischen nur noch auf den Namen John (Lennon) hört, sich nicht mehr so recht erinnern, wo das Geld geblieben ist, woraufhin es in dem Haus im Wald aus verschiedenen Gründen bald ziemlich turbulent zugeht…

In dieser Geschichte geht es einerseits um eine weit zurückreichende Familientragödie, Manfred war immer ein Kind, das in seiner eigenen Welt lebte und der Einzige, der ihm zur Seite stand, war sein Bruder Anker, der dann leider später auf die schiefe Bahn geriet. Die Brüder sowie eine kleine Schwester litten zusammen unter einem brutalen Vater, der die Familie terrorisierte, hier geht es offensichtlich um bewältigte oder auch unbewältigte Traumata.

 

Eine zweite Ebene des Films bewegt sich in der Welt von Menschen mit dissoziativer Persönlichkeitsstörung, und es gelingt, diese in ihrem Wahn so würdevoll darzustellen, dass man mit ihnen lachen kann, ohne sich über sie lustig zu machen, hieraus schöpft Regisseur Jensen ein Füllhorn von bizarren Ideen und einen ebensolchen Humor.

 

Damit nicht genug entwickelt sich, als ein ehemaliger Kumpel von Anker auftaucht, der seinen Anteil aus der damaligen Beute einfordert, eine Gangstergeschichte, die in teilweises heftige Gewaltszenen mündet, bei denen das Lachen im Halse stecken bleibt.

 

Dass das alles dennoch zu einem in sich stimmigen Ganzen verschmilzt, ist der gelungen Inszenierung, aber vor allem den hervorragenden Darstellern, allen voran dem großartigen Mads Mikkelsen zu verdanken, der als völlig verhuschter Manfred einmal mehr seine erstaunliche Vielseitig beweist.

 

Wer Spaß an absurder Komik und nicht allzu zart besaitet ist – es gibt tatsächlich ein paar sehr heftige Szenen – wird sich bestens amüsieren und darf sich nach einer turbulenten Tour de Force auf ein versöhnliches Ende freuen.

 

 

 

Regie: Anders Thomas Jensen

Drehbuch: Anders Thomas Jensen

Kamera: Sebastian Blenkov

Schnitt: Anders Albjerg Kristiansen

Musik: Jeppe Kaas

 

Besetzung:

Mads Mikkelsen, Nikolaj Lie Kaas, Nicolas Bro, Sofie Gråbøl, Lars Ranthe, Kardo Razzazi, Lars Brygmann, Søren Malling, Bodil Jørgensen

 

maxdome/ splendid film/ Neue Visionen

2025

116 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 25. Dezember 2025

 

 

Trailer:  https://www.youtube.com/watch?v=5cNIVlXNlaM (Deutsch)

Dienstag, 23. Dezember 2025

Im Kino: Anaconda

Doug (Jack Black), ein desillusionierter Hochzeitsvideofilmer, und sein in die Jahre gekommenes Freundestrio (Paul Rudd, Thandiwe Newton, Steve Zahn) beschließen, den gemeinsamen Lieblingsstreifen „Anaconda“ noch einmal zu verfilmen und reisen, der Authentizität wegen, nach Brasilien an den Amazonas. Dort engagieren sie den Reptilienfreund Santiago und seine Anaconda Heitor, aber dann gerät ihr Projekt nach vielversprechendem Beginn in eine Schieflage, der Urwald und plötzlich auftauchende Kriminelle sowie eine außerhalb des Drehbuchs agierende Riesenschlange lassen das Projekt mehr und mehr im Chaos versinken…

Beim Blick auf die Besetzungsliste lässt sich erkennen, dass hier kein ernsthafter Tierhorrorfilm zu erwarten ist, mit derben Witzen und haarsträubenden Aktionen nimmt man das Genre aufs Korn. Zwischendurch gibt es ein paar blutig-ernste Szenen, bei denen der Film seinen eigenen Ansatz beinahe verliert, aber dann geht es doch im gewohnten Stil weiter, so dass die Brüche am Ende ohne Folgen bleiben.

 

Insofern zündet die Nebenhandlung um die kriminellen Schurken nicht so ganz, aber die bestens aufgelegte Chaos-Truppe um Jack Black gibt alles und die eingestreuten Meta-Elemente um den "Anaconda"-Film von 1997 machen zusätzlich Spaß. Wer eine Antenne für diese Art Humor hat, der immer mal wieder über das Ziel hinausschießt, erlebt einen durchaus unterhaltsamen Kinoabend.



 

Regie: Tom Gormican

Drehbuch: Tom Gormican, Kevin Etten, b/a Script von

Hans Bauer, Jim Cash, Jack Epps Jr.

Kamera: Nigel Bluck, Richard Bluck, Matt Toll

Schnitt: Craig Alpert, Gregory Plotkin

Musik: David Fleming

 

Besetzung:

Jack Black, Paul Rudd, Thandiwe Newton, Steve Zahn, Daniela Melchior, Selton Mello, Ice Cube

  

Sony Pictures Germany

2025

99 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 25. Dezember 2025

 

 

Trailer:  https://www.youtube.com/watch?v=pxq2AyIKmmw (Deutsch)

 https://www.youtube.com/watch?v=az8M5Mai0X4 (Englisch)

 

Im Kino: Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße

Michael Hartung (Charly Hübner) führt 30 Jahre nach der Wiedervereinigung mehr schlecht als recht eine Kiez-Videothek in Berlin. Eines Tages konfrontiert ihn ein rühriger Reporter (Leon Ullrich) mit seiner Vergangenheit: Hartung soll als Bahnmitarbeiter im Jahr 1984 planvoll einen ganzen Zug über eine verstellte Weiche am Bahnhof Friedrichstraße in den Westen umgeleitet haben und so zum Urheber der größten Massenflucht der DDR-Geschichte geworden sein. Obwohl das Ganze ein bisschen anders war, spielt der gutmütige und in Geldnot befindliche Michael mit, nicht ahnend, welche Wellen die Geschichte gerade pünktlich zum dreißigsten Jahrestag des Mauerfalls schlagen wird…

Regisseur Wolfgang Becker, der mit seiner Wende-Komödie „Good Bye, Lenin“ große Erfolge feiern konnte, knüpft mit diesem seinem letzten Film – er verstarb leider kurz nach Beendigung der Dreharbeiten – satirisch an die Befindlichkeiten dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung an. Was von offizieller Seite mit entsprechenden Feierlichkeiten begangen wird, die notorische Ostalgie mit den üblichen Reden von ehemaligen Dissidenten und die teilweise verklärten Erinnerungen, durch das alles fegt plötzlich mit der bisher unbekannten Geschichte des vermeintlichen stillen Helden Michael Hartung ein frischer Wind.

 

Dass Hartung damals gar nicht die Absicht hatte, 127 Zuginsassen zur Flucht in den Westen zu verhelfen, sondern dass es sich um ein bloßes Versehen handelte, möchte niemand wissen. Er wird zum Spielball verschiedenster Interessen, angeführt von dem überambitionierten Journalisten auf den Spuren eines Claas Relotius, in Diensten eines Magazins, das in seiner Aufmachung sehr an den SPIEGEL gemahnt. Profilierungssüchtige Politiker, die Filmbranche, immer auf der Suche nach dankbaren Sujets, alle wollen ihren Anteil am verlockenden Kuchen, der Aufmerksamkeit und Profit verspricht, ebenso werden alte DDR-Seilschaften aus der Versenkung gelockt, sie alle stürzen sich auf Hartung, bis dieser den Druck nicht mehr aushält und er die Wahrheit nur noch hinausschreien möchte. Aber da hat die ihn belagernde Meute bereits ein neues, noch vielversprechenderes „Opfer“ gefunden und Hartung ist so schnell raus, wie er gekommen ist.

 

Dies alles hat Becker zu einer amüsanten Komödie verwoben und dabei eine Schar von erstklassigen Akteuren versammelt, die teilweise in Kurzauftritten glänzen dürfen, während ein liebenswürdig-verschmitzter Charly Hübner den Film wunderbar zu tragen weiß. Vom Verlierer zum Helden und zurück ins normale Leben, er meistert seine Rolle absolut souverän. Ebenso gelingt es seinem Regisseur, alle tückischen Klippen zu umschiffen, die aus einer solchen Geschichte eine allzu seichte Klamotte hätte werden lassen. Dafür sorgen liebevoll arrangierte Szenen, für Nostalgiker angereichert mit netten Anspielungen, wie die Talkshow-Episode, in der Hübners Michael Hartung von der Ost-Ikone Katharina Witte im Stile Romy Schneiders angeflirtet wird („Sie gefallen mir…Sie gefallen mir sehr!).

 

Zum Abschluss des Jahres auf jeden Fall eine Empfehlung für alle, die eine wirklich gelungene deutsche Komödie erleben möchten und ein wehmütiger Abschied von einem zu früh verstorbenen Wolfgang Becker.

 

 

 

Regie: Wolfgang Becker

Drehbuch: Constantin Lieb, Wolfgang Becker,

b/a auf dem Roman von Maxim Leo

Kamera: Bernd Fischer

Schnitt: Martin Bomke

Musik: Lorenz Dangel

 

Besetzung:

Charly Hübner, Leon Ullrich, Christiane Paul, Leonie Benesch, Thorsten Merten, Arnd Klawitter, Dirk Martens

sowie: Katarina Witt, Peter Kurth, Daniel Brühl, Wolfgang Becker, Dagmar Berghoff, Dani Levy, Eva Löbau, Leslie Malton, Bernhard Schütz, Jürgen Vogel u.v.m. (Cameos)

 

 

Columbia Pictures/ CBS/ X-Verleih

2025

112 min.

FSK 6

Deutscher Kinostart: 11. Dezember 2025

 

 Trailer:   https://www.youtube.com/watch?v=NrLfshGBOCA 

 

Mittwoch, 17. Dezember 2025

Im Kino: Avatar: 3: Fire And Ash

Nach dem Tod von Neteyam leben die Sullys zwar immer noch bei den Metkayina, aber für Spider (Jack Champion) wird die Luft dort, im wahrsten Sinne des Wortes, immer dünner. Auf dem Weg zu einem sichereren Ort für ihn, gibt es Attacken von dem Asche-Volk der Mangkwan, und auch die Resources Development Administration (RDA) der Menschen verfolgt die Na’vi weiterhin mit unerbittlicher Härte…

Die Geschichte geht mit einer Spielzeit von über drei Stunden in die dritte Runde und knüpft unmittelbar an Teil 2 „The Way of Water“ an. Wieder gibt es genügend Schauwerte, wer möchte in 3D, um über die nach wie vor dünne Story hinwegzutrösten. Es gibt spektakuläre Kämpfe an Land zu Wasser und vor allem in der Luft, die feindlichen Gruppierungen erhalten genügend Gelegenheiten, aufeinander loszugehen, mit allem, was ihnen zur Verfügung steht, daneben werden einige zarte Bande geknüpft und ein paar innere Konflikte ausgetragen.

Insgesamt werden Fans wohl wieder auf ihre Kosten kommen, ob es allerdings für die noch geplanten Fortsetzungen weiter genug Interesse gibt, bleibt abzuwarten, denn wirklich Neues hat dieser Teil der Reihe nicht zu bieten und könnte gut als Abschluss der so überaus erfolgreichen Filmreihe stehen, schließlich soll man ja immer Schluss machen, wenn es am schönsten ist…

 


Regie: James Cameron

Drehbuch: James Cameron, Josh Friedman, Rick Jaffa, Shane Salerno

Kamera: Russell Carpenter

Schnitt: David Brenner, James Cameron, Nicolas De Toth, Jason Gaudio, John Refoua, Stephen E. Rivkin

Musik: Simon Franglen

 

Besetzung:

Sam Worthington, Zoe Saldana, Kate Winslet, Stephen Lang, Edie Falco, Giovanni Ribisi, Jack Champion, Oona Chaplin, David Thewlis, Sigourney Weaver

 

20th Century Studios, TSG Entertainment/ Walt Disney Studios

2025

195 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 17. Dezember 2025

 

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=gFsfbv6J5Yo (Deutsch)

 https://www.youtube.com/watch?v=RWEXCbol5D4 (Englisch)

Dienstag, 16. Dezember 2025

Im Kino: Sorry, Baby

Agnes (Eva Victor) hat es nach ihrem Literaturstudium an einer kleinen Universität in Neuengland zu einer Anstellung als Jungprofessorin gebracht und lebt zurückgezogen mit ihrer Katze in einem kleinen Häuschen am Wald. Bei einem Besuch ihrer schwangeren Studienfreundin Lydie (Naomie Ackie) kommen Erinnerungen an die gemeinsame Zeit an der Hochschule zurück, die jedoch nicht alle positiv sind, vielmehr wird klar, wie sehr eine Vergewaltigung durch Agnes‘ ehemaligen Professor ihr Leben bis heute überschattet. 

Regisseurin Eva Victor, die auch das Drehbuch verfasst und die Hauptrolle übernommen hat, entwickelt in ruhigen Bildern das Porträt einer traumatisierten jungen Frau, deren Leben nach außen erfolgreich und in Ordnung zu sein scheint, aber unterschwellig wird deutlich, wie sehr die Folgen der Vergewaltigung ihr Leben bestimmen. Wie bei Rissen auf einer glatten Eisfläche, die sich immer weiter ausbreiten, scheint das, was darunter in der Tiefe schlummert, sich mehr und mehr einen Weg an die Oberfläche zu bahnen.

Erzählt wird, wie es zurzeit so angesagt ist, nicht linear, sondern in ebenfalls vor- und zurückspringenden Rückblenden, manchmal gibt es Bilder, die einen latenten Horror andeuten, ausgehend von dem einsam am Wald gelegenen Haus und einer drohend wirkenden Haustür, aber dieser Ansatz bleibt im Vagen, der Schrecken manifestiert sich letztlich ausschließlich im Innenleben im der jungen Frau, deren Lebensfreude auf tragische Weise ausgebremst wurde, ohne dass es jemand von außen überhaupt richtig mitbekommen hat.

 

Man muss allerdings seine Sensoren sehr genau auf die Figuren und vor allem die Hauptperson eingestellt haben, um trotz des wichtigen und leider immer noch aktuellen Themas von dem Ganzen wirklich berührt zu werden. Viele Szenen kommen eher dröge und von redundanten Gesprächen geprägt daher, auch der von manchen Rezensenten hervorgehobene Humor ist mir zum größten Teil entgangen, hier hätte ich mir etwas mehr vom Stil und dem Witz einer Phoebe Waller Bridge und ihrer genialen Miniserie „Fleabag“ gewünscht.

 

  

 

Regie: Eva Victor

Drehbuch: Eva Victor

Kamera: Mia Cioffi Henry

Schnitt: Randi Atkins, Alex O‘Flinn

Musik: Lia Ouyang Rusli

 

Besetzung:

Eva Victor, Naomi Ackie, Louis Cancelmi, Kelly McCormack, Lucas Hedges, John Carroll Lynch, E.R. Fightmaster

 

 

A24/ DCM Film Distribution

2025

103 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 18. Dezember 2025

 

 

Trailer:  https://www.youtube.com/watch?v=j1kZXjKJMnA (Deutsch)

 https://www.youtube.com/watch?v=Rc0jgWoZo9w (Englisch)

Mittwoch, 26. November 2025

Im Kino: Anemone

Jem Stoker (Sean Bean) bricht eines Tages in die Wälder Nordenglands auf, um seinen Bruder Ray (Daniel Day-Lewis) zu (be)suchen, der dort irgendwo seit zwanzig Jahren sein Leben fristet, nachdem er Frau Nessa (Samantha Morton) und Sohn Brian (Samuel Bottomley) sich selbst überlassen hatte. Anfangs eher wortkarg, erklärt sich Ray und Stück für Stück erfährt man die tragische Geschichte, die ihn in seine selbst gewählte Einsiedelei geführt hat.

Nachdem der dreifach oscarprämierte Daniel Day-Lewis 2017 (einmal mehr) seinen Abschied vom Filmgeschäft erklärt hatte, ist er seinem Sohn zuliebe rückfällig geworden und hat eine der beiden Hauptrollen bei dessen Regiedebüt übernommen, für das Vater und Sohn auch das Drehbuch verfasst haben. Herausgekommen ist ein düsteres Kammerspiel, bei dem, wie zu erwarten, Day-Lewis glänzen darf, allerdings bleibt die Story hinter den Erwartungen zurück.

 

Die Motive für Rays Rückzug aus der Welt werden erklärt, überzeugen aber nicht wirklich, gleiches gilt für Jems Kontaktaufnahme zum jetzigen Zeitpunkt. Vieles bleibt unklar, wovon Ray all die Jahre gelebt und wer ihn versorgt hat (immerhin besitzt er, wie man zum Ende hin sehen kann, noch einen schicken roten Pullover), oder weshalb Nessa keine ernsthaften Anstrengungen unternommen zu haben scheint, ihn zu finden und zur Rückkehr zu bewegen, sondern lieber seinen jetzt fast erwachsenen Sohn mit Jems Hilfe alleine großgezogen hat.

 

Anderes steht ziemlich unverbunden im Raum, wie ein Missbrauch und dessen späte Rache, die von Ray fast schon genüsslich ausgebreitet wird und bei dem Day-Lewis natürlich seinem Affen Zucker geben darf, aber auch die gelegentlichen Ausflüge der Brüder in die Natur und ein gewaltiger und durchaus beeindruckender Hagelsturm tragen nichts zur eigentlichen Geschichte bei.

 

So bleibt man am Ende des auch noch viel zu lang geratenen Werks etwas ratlos zurück, daran können auch die unbestreitbar beeindruckenden Leistungen der Schauspieler (und das schließt ausdrücklich Sean Bean mit ein) und ein durchaus vielversprechendes Regiedebut nichts ändern, vielleicht hätte ein besseres Drehbuch hier helfen können.

 

 

Regie: Ronan Day-Lewis

Drehbuch: Ronan Day-Lewis, Daniel Day-Lewis

Kamera: Ben Fordesman

Schnitt: Nathan Nugent

Musik: Bobby Krlic

 

Besetzung:

Daniel Day-Lewis, Sean Bean, Samuel Bottomley, Samantha Morton

 

 

Universal Pictures International

2025

125 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 27. November 2025

 

 

Trailer:   https://www.youtube.com/watch?v=Xl83hp4eWE0 (Deutsch)

 https://www.youtube.com/watch?v=uS7DHGFXkNY (Englisch)

Mittwoch, 19. November 2025

Im Kino: Sisu: Road to Revenge

Nach Ende des zweiten Weltkriegs haben sich die Russen den vormals finnischen Landesteil Karelien einverleibt, wo noch das Haus von Aatami Korpi (Jorma Tommila), steht. dessen Familie von dem sadistischen russischen Kommandeur Draganov (Stephen Lang) dahingemetzelt wurde. Aatai fährt über die Grenze und lädt sein Haus Balken für Balken auf einen LKW, um es in Finnland wieder aufzubauen, aber Draganov versucht alles, um ihn daran zu hindern und es beginnt eine tödliche Verfolgungsjagd, bei der der Mythos des „Mannes, der nicht sterben will“ ins Unermessliche steigt…

Nach dem ersten „Sisu“-Film aus dem Jahr 2022 weiß man, was einen erwartet und diese Erwartung enttäuscht der zweite Film nicht, im Hinblick auf originelle Ideen und einige Slapstick-Momente setzt er sogar noch einen drauf. Das Ganze ist absolut nichts für schwache Nerven, aber durch die völlige Übersteigerung der Handlung und eben die brachialhumorigen Momente erweist es sich als äußerst unterhaltsam, auch wenn diese Umschreibung für Zartbesaitete auf den ersten Blick unpassend erscheinen mag.

 

Hier wird keine Realität vorgegaukelt, die bei vielen Filmen oft einem zweiten Blick gar nicht standhält, sondern aufgeteilt in kurze Kapitelchen in einem überdrehten Roadmovie die Geschichte eines Mannes erzählt, der sich durch nichts und niemanden aufhalten lässt, und wer das nicht glaubt, kennt Aatami Korpi nicht!

 

Man muss Spaß an überdrehter Action, wilden Stunts und einem äußerst eigenwilligen Humor mitbringen, dann wird man sich prächtig amüsieren, sonst bleibt man besser zu Hause.

 

Und hier geht's zum ersten Teil:  

https://wandasnewworld.blogspot.com/2023/05/im-kino-sisu.html 

 

 

  

Regie: Jalmari Helander

Drehbuch: Jamari Helander

Kamera: Mika Orasmaa

Schnitt: Juho Virolainen

Musik: Juri Seppä, Tuomas Wäinölä

 

Besetzung:

Jorma Tommila, Stephen Lang, Tommi Korpela

 

Sony Pictures

2025

88 min.

FSK 18

Deutscher Kinostart: 20. November 2025

 

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=Un0gmLsSUdQ&list=PLV8SYu5H_eOKeEykl3wSZIqTAcOh96w0E&index=1   (Deutsch)

 https://www.youtube.com/watch?v=VmStqCXIgio    (Englisch)

Donnerstag, 6. November 2025

Heimkino: Was uns verbindet (L' Attachement)

Die alleinlebende Sandra (Valeria Bruni Tedeschi), eine Frau in ihren Fünfzigern, wird von ihren Nachbarn Alex und Cécile gebeten, solange auf deren kleinen Sohn Elliot (César Botti) aufzupassen, während die Eltern wegen der Geburt seines Schwesterchens im Krankenhaus sind. Dann allerdings stirbt Cécile, Alex kehrt mit dem Baby allein zurück und auf Sandra kommen plötzlich Aufgaben zu, denen sie sich nicht entziehen kann, aber mit denen sie sich zunächst völlig überfordert fühlt...

Der tragische Auftakt scheint auf eine tränen- und rührselige Geschichte hinauszulaufen, aber wenn die Protagonisten beginnen, sich ihrem Schicksal zu stellen, wird es zwar nicht unbedingt leichter, aber man schöpft mit ihnen den Mut, den es braucht, um zu erkennen, dass es irgendwie weitergehen muss. Dabei durchlaufen die einzelnen Charaktere jeder seine eigene Entwicklung, die stimmig herüberkommt. Gerade Sandra, die unabhängige Frau, die eigentlich auf niemanden Rücksicht zu nehmen braucht, lernt ein paar Dinge über sich und wächst an ihrer neuen Aufgabe, ohne sich jedoch von Grund auf zu verbiegen, was einen großen Verdienst des Films darstellt.

Der Umgang von Sandra, Alex und Elliot miteinander wird insgesamt über zwei Jahre, bis zum 2. Geburtstag der kleinen Schwester begleitet, es treten noch ein paar weitere Menschen hinzu, die sich vorübergehend oder auf Dauer in das Geflecht von Beziehung einreihen oder wieder hinausbewegen, einen endgültigen Stillstand wird es sicher auch am Ende des Films nicht geben, aber so ist eben das Leben…

 

Wer eine zu Herzen gehende Geschichte schätzt, die zu keinem Zeitpunkt ins allzu Rührselige abdriftet, mit guten Darstellern, allen voran die großartige Valeria Bruno Tedeschi, ist hier genau richtig!

 

 

 

Regie: Carine Tardieu

Drehbuch: Carine Tardieu, Raphaël Moussafir, Agnès Feuvre, b/a auf dem Roman „L’intimité“ von Alice Ferney

Kamera: Elin Kirschfink, Yann Maritaud

Schnitt: Christel Dewynter

Musik: Eric Slabiak

 

 

StudioCanal/ Alamode Film

Besetzung:

Valeria Bruni Tedeschi, Pio Marmai, Vimale Pons, Raphaël Quenard, Marie-Christine Barrault

 

2024

105 min.

FSK 6

 

Ab 06. November 2025 digital und auf DVD erhältlich

 

Trailer: (Deutsch)

(Französisch)

 

Details DVD:

 

Sprachen: Deutsch, Französisch

Untertitel: Deutsch

Extras: Trailer, Wendecover

 

Im Kino: Predator: Badlands

Der junge Dek (Dimitrius Schuster-Kolomatangi) gehört zur Spezies der Yautia, einer außerirdischen Jäger-Clique mit für unsere Augen furchterregendem Äußeren. Sein Vater sieht in ihm einen Versager und Schwächling, daher begibt sich Dek nach einem tödlichen Familienzwist auf eine Mission zum fernen Planeten Genna, um dort den schrecklichen Kalisk zu besiegen und dessen Kopf als Trophäe heimzubringen. Doch auf Genna lauern viele unbekannte Gefahren und Dek, der Einzelkämpfer, braucht Hilfe, die er in der Androidin Thia (Elle Fanning) findet, der nach einer unerfreulichen Begegnung mit besagtem Kalisk der Unterkörper fehlt, sowie einem glupschäugigen Wesen mit einem gewissen Niedlichkeitsfaktor…

Wer in der „Predator“-Fanchise-Reihe zu Hause ist, bekommt hier den namengebenden Jäger einmal als Protagonisten zu sehen, der zeitweise selbst zum Gejagten wird. Dabei wird das Ganze sehr stimmig als Action-Abenteuer serviert, mit vielen schönen Effekten und Ideen, insbesondere, was den Planeten Genna und seine überraschende und sehr fantasievoll-tödliche Vegetation betrifft, sowie einem grandiosen Soundtrack.

 

Auch das Zusammenspiel zwischen Dek und Thia macht auf der immer wieder beliebten Buddy-Ebene Spaß, die beiden so unterschiedlichen Figuren geben ein tolles Paar ab, das sich trotz seiner Gegensätzlichkeit – hier der wortkarge, etwas eindimensionale Jäger, dort die ewig plappernde Androidin – zusammenrauft und sogar hin und wieder durchaus glaubhaft so etwas wie Gefühle füreinander entwickelt.

 

Die Action-Sequenzen sind routiniert in Szene gesetzt und bieten wenig Überraschendes, alles in allem wird man aber gut unterhalten, wenn man sich nicht von dem gruseligen Äußeren der Hauptfigur abschrecken lässt, der, das wird schon gleich zu Anfang klar, eine durchaus verletzliche Seele besitzt, und natürlich muss man ein gewisse Vorliebe für dieses Film-Genre mitbringen.

 

 


 Regie: Dan Trachtenberg

Drehbuch: Patrick Aison, b/a den Charakteren von Jim & John Thomas

Kamera: Jeff Cutter

Schnitt: Stefan Grube, David Trachtenberg

Musik: Sarah Schachner, Benjamin Wallfisch

 

Besetzung:

Dimitrius Schuster-Kolomatangi, Elle Fanning, Reuben de Jong, Michael Homick, Rohinal Nayaran

 

 

Walt Disney Studios Motion Pictures

2025

107 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 06. November 2025

 

 

Trailer:   https://www.youtube.com/watch?v=9Ifg0IMKsec (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=cDL3Zjdz514    (Englisch)

 

Mittwoch, 29. Oktober 2025

Im Kino: Bugonia

Michelle Fuller (Emma Stone) ist als CEO einer Medizinfirma erfolgsverwöhnt, da wird sie eines Tages von zwei Männern (Jesse Plemons, Aidan Delbis) entführt, die fest dran glauben, dass sie ein Alien ist, das es darauf abgesehen hat, die Menschheit zu vernichten, schließlich gibt es überall Zeichen ihres zerstörerischen Wirkens, wenn man nur die Augen offenhält und die Zeichen zu deuten weiß…

Was wie eine abgedrehte Story klingt, ist genau das, eine von Verschwörungsmythen überbordende Verrücktheit, wie sie zurzeit scheinbar nur Yorgos Lanthimos auf die Leinwand bringt, tatsächlich aber gibt es die südkoreanische Vorlage „Save the Green Planet“ aus dem Jahr 2003, an der sich Lanthimos auch recht eng orientiert, deren ungeschliffene Rohheit er aber zu einem brillanten Schmuckstück aufpoliert hat.

Zur Seite steht ihm dabei einmal mehr die unerschrockene Emma Stone als taffes Entführungsopfer und auch Jesse Plemons ist wieder mit von der Partie, als scheinbar armes Würstchen, das durch nichts und wieder nichts von seinen Vorstellungen darüber abzubringen ist, was die Welt im Innersten zusammenhält, beziehungsweise zerstört. Dabei wird sehr schön herausgearbeitet, wie hoffnungslos es ist, jemanden in die Realität zurückzuholen, der so fest in seinen Wahn abgetaucht ist, dass er bei Widerspruch alle Gegenargumente abschmettern kann, und sich natürlich dann, wenn man auf ihn eingeht, einfach nur bestätigt fühlt. Und am Ende besteht ja auch noch die Möglichkeit, dass vielleicht er Recht hat und alle anderen sich irren…

Wer Spaß an solch teilweise überdrehtem Irrwitz hat wird sich jedenfalls köstlich amüsieren, aber auch wenn das alles zu viel zu werden droht, kann man sich auf jeden Fall an einem Kammerspiel mit einem großartigen Ensemble delektieren, das alles aus sich herausholt, allerdings bei einem Spiel auf Leben und Tod, das nichts für allzu Zartbesaitete sein dürfte.

 


  Regie: Yorgos Lanthimos

Drehbuch: Will Tracy, b/a Originaldrehbuch von Jang Joon-hwan

Kamera: Robbie Ryan

Schnitt: Yorgos Mavropsaridis

Musik: Jerskin Fendrix

 

Besetzung:

Emma Stone, Jesse Plemons, Aidan Delbis

 

Universal Pictures

2025

118 min.

FSK16

Deutscher Kinostart: 30. Oktober 2025

 

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=n5r3JYud6pY (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=7VBigr-JHB0 (Englisch)

 

 

Im Kino: Stiller

Ein Amerikaner namens James Larkin White (Albrecht Schuch) wird in der Schweiz verhaftet, er soll der seit Jahren verschwundene und bei einer Kriminalermittlung gesuchte Bildhauer Anatol Stiller sein, was er jedoch vehement bestreitet. Selbst die zur Feststellung seiner Identität hinzugezogene Gattin Julika (Paula Beer) ist hin und hergerissen, ob es sich bei diesem Mann wirklich um den ihren handelt…

Wer kennt ihn nicht, den Roman „Stiller“ des Schweizer Schriftstellers Max Frisch, beliebt als Schullektüre, aber wegen seines Umfangs nicht bei allen Schülern geschätzt. Insofern macht es sich diese Verfilmung etwas einfach, indem sie den ganzen zweiten Teil der literarischen Vorlage einfach weglässt und sich ganz auf die Konfrontation des Verhafteten mit seinem behaupteten Ich konzentriert. So wird aus einem vielleicht ein wenig sperrigen Werk ein interessantes Katz-und-Maus-Spiel, bei dem inmitten eines hochkarätigen Casts vor allem Albrecht Schuch wieder einmal überzeugt.

Das Spiel mit der Identität, wer bin ich, bin ich der, den andere in mir sehen oder will ich noch der sein, der ich einmal war, ist die eine Seite, dagegen stehen durch die geschickt eingestreuten Rückblenden auch immer wieder aufkommenden Zweifel, ob das Ganze nicht doch einfach nur eine Verwechslung ist, und der Amerikaner White kennt genug Geschichten aus seiner vorgeblichen Heimat, die zumindest seinen Gefängniswärter überzeugen.

 

So schafft der Film ein interessantes Vexierbild, sät zwischenzeitlich sogar bei denen Zweifel, die das Buch eigentlich kennen, und da das Ganze wie ein Kriminalfall aufgebaut ist, gibt es am Ende auch einen hübschen kriminalistischen Twist, der dann endgültig die Antwort auf die Frage liefert, nach der alle gesucht haben, wenn auch vielleicht immer noch nicht für die Hauptperson...

 

 

 

Regie: Stefan Haupt

Drehbuch: Alex Buresch, Stefan Haupt, b/a Roman von Max Frisch

Kamera: Michael Hammon

Schnitt: Franziska Koeppe

Musik: David Hohl, Richard Ruzicka

 

Besetzung:

Albrecht Schuch, Paula Beer, Stefan Kurt, Marie Leuenberger, Maximilian Simonischek, Sven Schelker, Ingo Ospelt, Martin Vischer

 

 

StudioCanal

2025

99 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 30. Oktober 2025

 

 

Trailer:   https://www.youtube.com/watch?v=s1bwIfkUYnc

Im Kino: Dracula - Die Auferstehung (Dracula: A Love Tale)

Graf Vlad von Dracul (Caleb Landry Jones) zieht im 15. Jahrhundert nach dem Verlust seiner geliebten Frau Elisabeta (Zoë Bleu) und einer daraufhin folgenden Gotteslästerung einen schrecklichen Fluch auf sich: er wird unsterblich und ist dazu verdammt, für alle Zeiten als untoter Blutsauger sein Dasein zu fristen. Als er im Paris des 19. Jahrhunderts in einer jungen Frau seine verlorene Elisabeta wiederzuerkennen glaubt, macht er sich auf den Weg dorthin, um endlich Erlösung zu erlangen…

Luc Besson orientiert sich in dieser neuesten Auflage der Vampir-Saga erkennbar mehr an seinem Vorgänger Coppola und dessen Film aus dem Jahr 1992 als an der Original-Vorlage von Bram Stoker, denn er macht, wie Coppola, aus dem schrecklichen Grafen einen verzweifelten Liebenden und aus der Vampirgeschichte eine die Jahrhunderte überdauernde Romanze.

Hierfür liefert Besson, ebenso wie Coppola, schöne Bilder, unterlegt mit einem imposanten Soundtrack, aber ansonsten hat er leider nichts wirklich Neues zu sagen, Es bleibt dabei: Vampire trinken keinen Wein und wollen nur das Eine, die ursprünglich reine Horror-Story mit unterschwelligen sexuellen Motiven wird ein bisschen zur Liebesschnulze verklärt, allerdings auch untermalt mit wuchtigen und blutigen Szenen aus des Grafen Vergangenheit.

 

Der Cast wird angeführt und dominiert von Caleb Landry Jones, der zweifellos ein beeindruckender Darsteller ist, aber irgendwie fehlt ihm für diese so von seiner Leidenschaft geprägte Figur das gewisse Charisma, während Christoph Waltz eine solide Vorstellung abliefert.

 

Wer mit diesem Film zum ersten Mal eine Dracula-Verfilmung erlebt, bekommt eine opulente Inszenierung geboten und dürfte sich durchaus gut unterhalten fühlen, wer bereits viele der anderen Verfilmungen kennt, muss selbst entscheiden, welcher er am Ende den Vorzug gibt.

 

   

Regie: Luc Besson

Drehbuch: Luc Besson, b/a Roman von Bram Stoker

Kamera: Colin Wandersman

Schnitt: Lucas Fabiani

Musik: Danny Elfman

 

Besetzung:

Caleb Landry Jones, Zoë Bleu, Christoph Waltz, Guillaume de Tonquédec, Matilda De Angelis. Ewens Abid

 

 

Leonine/ Canal+/TF1

2025

129 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 30. Oktober 2025

 

 

Trailer:  https://www.youtube.com/watch?v=5l4pPHsVDv8 (Deutsch)

  https://www.youtube.com/watch?v=sEGIBj8p27g (Englisch)

Mittwoch, 22. Oktober 2025

Im Kino: Springsteen - Deliver Me From Nowhere

Im Jahr 1982 hat der Musiker Bruce Springsteen (Jeremy Allen White) bereits einige erfolgreiche Alben veröffentlicht und man erwartet nun von ihm, dass er nachlegt. Aber eine tiefgreifende Depression droht Springsteen aus der Bahn zu werfen und so zieht er sich in einer Art Selbsttherapie zurück, spielt in seinem Schlafzimmer, nur mit seiner Gitarre und einem Aufnahmegerät bewaffnet, ein paar Stücke „unplugged“ ein, die er dann auf einem Album „Nebraska“ veröffentlicht, gegen den Widerstand seines Managers (Jeremy Strong) und der Plattenfirma, handelt es sich doch um ausnehmend düstere Titel…

In dem Film geht es weniger um eine Gesamtschau auf den weltberühmten und unermüdlichen Rocker Springsteen, sondern um eine besondere Episode aus dessen Leben, in der er sich den Dämonen seiner Vergangenheit entgegenstellt. Angetrieben von diesen dunklen Seiten in seinem Leben, mit einem gefühllosen und unterschwellig gewalttätigen Vater, der ihm nie die Liebe und Anerkennung geben konnte, die sich sein Sohn gewünscht hätte, aber auch angezogen von dunklen Geschichten anderer, wie die des Serienkillers Starkweather, auf die er eines Abends in Terence Malicks Film „Badlands“ stößt, wird er, indem er in seinen Texten nach und nach von der dritten in die erste Person wechselt, immer persönlicher, bis seine Seele offen vor ihm liegt.

Das Ergebnis dieser Nabelschau lässt er dann ohne jegliche technische Bearbeitung veröffentlichen, weil es genau das ist, was er schon immer einmal loswerden wollte. Bei seiner Plattenfirma stößt dieses Album mit seinen durchgehend eher monoton vorgetragenen Songs allerdings auf wenig Gegenliebe, das ist nicht der rockende Star, mit dem sich weiter viel Geld verdienen lässt, aber, wie man im Nachspann erfährt, ganz so erfolglos wie befürchtet wird das Album dann doch nicht.

 

Bleibt den Machern des Films zu wünschen, dass sich bei ihrem Werk ein ähnlicher Effekt einstellt, denn ehrlich gesagt lassen sich Parallelen zu den Schmerzensliedern erkennen. Trotz der guten Besetzung reißt der Film nicht wirklich mit, und die depressive Stimmung legt sich bisweilen wie Mehltau über die Handlung, da kann sich Jeremy Allen White noch so sehr die Seele aus dem Leib spielen.

 

 


 Regie: Scott Cooper

Drehbuch: Scott Cooper, b/a dem Buch von Warren Zanes

Kamera: Massanobu Takayanagi

Schnitt: Pamela Martin

Musik: Jeremiah Fraites

 

Besetzung:

Jeremy Allen White, Jermy Strong, Paul Walter Hauser, Stephen Graham, Odessa Young, Gaby Hoffmann, Grace Gummer

 

Bluegrass Films/ 20th Century Studios/ Walt Disney Studios Germany

2025

120 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 23. Oktober 2025

 

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=egqxtAEr8LY (Deutsch)

 https://www.youtube.com/watch?v=OuRX3n2LTlc (Englisch)

 

Im Kino: Franz K.

Der junge Franz Kafka (Idan Weiss) lebt Anfang des 20. Jahrhunderts in Prag ein zerrissenes Leben zwischen der wenig spannenden Arbeit in einem Versicherungsbüro und seiner heimlichen Sehnsucht nach künstlerischer Entfaltung. Drangsaliert von einem autoritären Vater (Peter Kurth) versucht er sich, ermutigt von seinem Freund Max Brod (Sebastian Schwarz), regelmäßig an Schreibübungen, die bei seinem Umfeld durchaus ankommen, dabei lässt er sich ebenso regelmäßig von jungen Damen den Kopf verdrehen, aber auch im Hinblick auf eine feste Bindung steht er sich immer wieder selbst im Weg…

Der bereits 1924 mit Anfang 40 verstorbene Franz Kafka hat, verglichen mit der Bedeutung seines Schaffens, ein schmales Œvre hinterlassen. Die Sekundärliteratur, die sich mit seinem Werk beschäftigt, übersteigt dieses um ein Vielfaches, während die Bedeutung des Schriftstellers Kafka bis in die Gegenwart unbestritten ist, auch wer vielleicht nichts von ihm gelesen hat, dürfte den Begriff „kafkaesk“ zumindest gehört, vielleicht auch schon selbst verwendet haben. Neben der Beschreibung einer manchmal undurchschaubaren Welt zeichnen sich seine Texte aber auch durch unterschwelligen Humor und zaghafte Poesie aus.

Bei dem Versuch, uns diesen Autor näher zu bringen, bewegt sich der Film auf verschlungenen Pfaden episodenhaft hin und her, streut sogar Einschübe aus der Jetztzeit ein, was zunächst überrascht, sich dann aber durchaus gelungen in die anderen Versatzstücke einfügt, so dass am Ende, auch dank der ausgezeichneten Darstellerriege, aus vielen Puzzle-Teilen ein Bild entsteht, bei dem zwar immer noch ein paar Teile fehlen, man aber durchaus einen Eindruck eines immer noch rätselhaften, widersprüchlichen und sperrigen Menschen bekommt, der sich in einer Zeit und einem Umfeld bewegte, das nicht nur in der Rückschau ebenso zerrissen erscheint, wie er selbst, mit der Vielsprachigkeit und den multikulturellen Einflüssen im damaligen Prag, wobei es allerdings den Nazi-Bezugs im Epilog tatsächlich nicht gebraucht hätte. 

 


 Regie: Agniezska Holland

Drehbuch: Marek Epstein, Marek Epstein

Kamera: Tomasz Naumiuk

Schnitt: Pavel Hrdlicka

Musik: Mary Komasa, Antoni Lazarkiewicz

 

Besetzung:

Idan Weiss, Peter Kurth, Katharina Stark, Carol Schuler, Sebastian Schwarz, Sandra Korzeniak

 

 

Marlene Film Produktion/ X-Filme Creative Pool und Metro-Films

2025

127 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 23. Oktober 2025

 

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=f_uLgdGKL6M