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Mittwoch, 12. September 2018

Film-Rezensionen: Kin


Der junge Eli Solinski (Myles Truitt) treibt sich, statt regelmäßig die Schule zu besuchen, in einem zur Ruine verkommenen verlassenen Werksgelände herum, Sinnbild des Niedergangs einer Stadt wie Detroit. Eines Tages findet er einen seltsamen Kasten und nimmt ihn mit nach Hause. Dort versucht sein Adoptivvater Hal (Dennis Quaid), ihn zu einem anständigen Menschen zu erziehen, wenn er schon bei Elis Bruder Jimmy (Jack Reynor) versagt hat, der bereits einen Großteil seines Lebens im Gefängnis verbracht hat.
Als Jimmy bald darauf entlassen wird und zu Hause auftaucht, gerät er sofort wieder in Schwierigkeiten mit einer brutalen Gang unter Führung des gewalttätigen Taylor Balik (James Franco) und dessen Bruder Dutch, die nach einem missglückten gemeinsamen Überfall hinter dem Geld her sind, das Jimmy für sich behalten hat.
Gemeinsam mit Eli flüchtet Jimmy, unterwegs schließt sich ihnen die Tänzerin Milly (Zoë Kravitz) an, und zu dritt versuchen sie, Baliks Bande und der Polizei zu entkommen. Der seltsame Kasten, den Eli gefunden hat, entpuppt sich als Hightechwaffe, die nur Elis Händen gehorcht, und ihr Gebrauch zieht die Aufmerksamkeit weiterer Verfolger auf sich, denen die Waffe gehört, eine mysteriöse Einsatztruppe, die nicht von dieser Welt zu sein scheint und dem überraschten Eli am Ende ein phantastisches Geheimnis anvertraut, das sein Leben für immer verändern wird…


Der Film startet ambitioniert und bietet in einigen Szenen ein gelungenes visuelles Design und stylische Bilder. Er schafft es auch zu Beginn durchaus, Spannung aufzubauen, verliert sich dann aber schnell in den unterschiedlichen Genres, die er streift, vermischt Familien- mit Sozialdrama, Gangstergeschichte mit Science-Fiction-Elementen, bis zu seinem überraschenden Ende. Nach einer langen Ouvertüre wird in den letzten fünf Minuten der eigentliche Kern der Geschichte berührt, im Eiltempo wird aus dem Genremix tatsächlich ein Science-Fiction-Film, allerdings reicht es dann nur noch dafür, kurz die losen Enden der Story zu erklären, was Eli, aber auch den Zuschauer einigermaßen überrascht zurücklässt.

Der Titel „Kin“, der Bedeutungen wie „Verwandtschaft" oder "Abstammung“ hat, wird zwar am Ende verständlich und spielt auch eine Rolle im Verhältnis der beiden Brüderpaare untereinander, aber es kommt nie zu einer Verbindung zwischen Zuschauer und Filmfiguren, und daran können auch die Darsteller nichts ändern: Machen Dennis Quaid, Myles Truitt und auch Zoë Kravitz ihre Sache noch gut, schafft es Jack Reynor zu keinem Zeitpunkt, der Figur des Jimmy auch nur den Ansatz einer positiven Seite zu geben, was es dem Zuschauer leichter machen würde, sich für sein Schicksal zu interessieren. Er ist ein nervender Verlierer und bleibt es den ganzen Film über, während James Franco den psychopathischen Gangster Taylor ohne jegliches Charisma bis zur Karikatur überzeichnet.

Produziert wurde der Film von Shawn Levy mit seiner Firma 21 Laps Entertainment, die zu ihren Erfolgen Science-Fiction Hits wie „Arrival“ und „Stranger Things“ zählt, an diese hier jedoch nicht anknüpfen kann.


Regie: Jonathan Baker & Josh Baker
Drehbuch: Jonathan Baker & Josh Baker, b/a dem Kurzfilm "Bag Man", Daniel Casey,
Kamera: Larkin Seiple
Musik: Mogwai

Darsteller:
James Franco, Zoë Kravitz, Jack Reynor, Myles Truitt, Dennis Quaid, Carrie Coon

Concorde Filmverleih
102 min.
Deutscher Kinostart: 13. September 2018


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