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Mittwoch, 22. Oktober 2025

Im Kino: Das Verschwinden des Josef Mengele

Josef Mengele, der berüchtigte KZ-Arzt, lebt Mitte der 1950ger Jahre unerkannt in Südamerika, getragen von einem Netzwerk alter Kameraden und der finanziellen Unterstützung seiner Günzburger Unternehmerfamilie. Aus Angst vor Entdeckung und möglicher Strafverfolgung wechselt er seinen Aufenthaltsort immer wieder, von Argentinien über Paraguay bis Brasilien, wo ihn eines Tages sein inzwischen erwachsener Sohn besucht. Auf dessen Frage, was er damals in Auschwitz getan hat, bleibt der von Alter, Isolation und Paranoia gezeichneten Mengele die Antwort schuldig…

Diese Frage beantwortet der Film trotz einiger Rückblenden in die KZ-Zeit allerdings auch nicht, er zeigt Mengele dort lediglich bei der entspannten Freizeitgestaltung. Um den Horror, der mit seinem Namen auf immer verbunden sein wird, zu ermessen braucht es auf jeden Fall entsprechende Vorkenntnisse darüber, was er als Arzt im Lager und bei der Selektion an der Rampe getan hat, insofern wird eine Nachrecherche unbedingt empfohlen. Sein Wirken in Auschwitz ist aber auch nicht Thema das Films, wie sich bereits am Titel ablesen lässt, es geht tatsächlich um das Leben danach, wie es möglich war, dass Mengele sich, wie so viele andere, der Verantwortung für ihr Tun entziehen konnte und weder mit seinen Taten konfrontiert noch dafür von einem Gericht verurteilt wurde.

 

Der Film zeichnet Mengeles Weg ins und durchs Exil nach, ein Getriebener auf der Flucht, der nirgendwo Ruhe findet, aber, und das wird erschreckend deutlich, kein von seinem Gewissen Geplagter, sondern jemand, der sich bis zum Schluss unschuldig verfolgt sieht, hat er doch, wie alle anderen, nur seine Pflicht getan. Ebenso schrecklich anzusehen sind die Szenen mit all den alten Nazis, in Südamerika, aber auch in Deutschland, die sich gegenseitig schulterklopfend versichern, dass sie nach wie vor die einzig richtigen Deutschen sind und waren, die nur darauf warten, das Land wieder nach ihren Vorstellungen gestalten zu können.

 

Insofern bietet der Film in eindrucksvollen szenischen Collagen Stoff, um sich mit der Figur Josef Mengele zu beschäftigen, ohne sich explizit mit dessen Taten auseinanderzusetzen, wer dies erwartet, ist hier falsch. Wer sich aber für das Psychogramm eines verbohrten, unbelehrbaren Verbrechers interessiert, bekommt genau dies, von einem überragenden August Diehl grandios verkörper.

 

 

  

Regie: Kirill Serebrennikov

Drehbuch: Kirill Serebrennikov, b/a auf dem Roman von Olivier Guez

Kamera: Vladislav Opelyants

Schnitt: Hansjörg Weißbrich

Musik: Paul Livingston

 

Besetzung:

August Diehl, Max Bretschneider, Dana Herfurth, Friederike Becht, Burghart Klaußner, Sven Schelker,

 

 

DCM Film

2025

135 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 23. Oktober 2025

 

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=Ndx0S5hYjlw  (Deutsch)

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