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Mittwoch, 29. Oktober 2025

Im Kino: Stiller

Ein Amerikaner namens James Larkin White (Albrecht Schuch) wird in der Schweiz verhaftet, er soll der seit Jahren verschwundene und bei einer Kriminalermittlung gesuchte Bildhauer Anatol Stiller sein, was er jedoch vehement bestreitet. Selbst die zur Feststellung seiner Identität hinzugezogene Gattin Julika (Paula Beer) ist hin und hergerissen, ob es sich bei diesem Mann wirklich um den ihren handelt…

Wer kennt ihn nicht, den Roman „Stiller“ des Schweizer Schriftstellers Max Frisch, beliebt als Schullektüre, aber wegen seines Umfangs nicht bei allen Schülern geschätzt. Insofern macht es sich diese Verfilmung etwas einfach, indem sie den ganzen zweiten Teil der literarischen Vorlage einfach weglässt und sich ganz auf die Konfrontation des Verhafteten mit seinem behaupteten Ich konzentriert. So wird aus einem vielleicht ein wenig sperrigen Werk ein interessantes Katz-und-Maus-Spiel, bei dem inmitten eines hochkarätigen Casts vor allem Albrecht Schuch wieder einmal überzeugt.

Das Spiel mit der Identität, wer bin ich, bin ich der, den andere in mir sehen oder will ich noch der sein, der ich einmal war, ist die eine Seite, dagegen stehen durch die geschickt eingestreuten Rückblenden auch immer wieder aufkommenden Zweifel, ob das Ganze nicht doch einfach nur eine Verwechslung ist, und der Amerikaner White kennt genug Geschichten aus seiner vorgeblichen Heimat, die zumindest seinen Gefängniswärter überzeugen.

 

So schafft der Film ein interessantes Vexierbild, sät zwischenzeitlich sogar bei denen Zweifel, die das Buch eigentlich kennen, und da das Ganze wie ein Kriminalfall aufgebaut ist, gibt es am Ende auch einen hübschen kriminalistischen Twist, der dann endgültig die Antwort auf die Frage liefert, nach der alle gesucht haben, wenn auch vielleicht immer noch nicht für die Hauptperson...

 

 

 

Regie: Stefan Haupt

Drehbuch: Alex Buresch, Stefan Haupt, b/a Roman von Max Frisch

Kamera: Michael Hammon

Schnitt: Franziska Koeppe

Musik: David Hohl, Richard Ruzicka

 

Besetzung:

Albrecht Schuch, Paula Beer, Stefan Kurt, Marie Leuenberger, Maximilian Simonischek, Sven Schelker, Ingo Ospelt, Martin Vischer

 

 

StudioCanal

2025

99 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 30. Oktober 2025

 

 

Trailer:   https://www.youtube.com/watch?v=s1bwIfkUYnc

Mittwoch, 22. Oktober 2025

Im Kino: Das Verschwinden des Josef Mengele

Josef Mengele, der berüchtigte KZ-Arzt, lebt Mitte der 1950ger Jahre unerkannt in Südamerika, getragen von einem Netzwerk alter Kameraden und der finanziellen Unterstützung seiner Günzburger Unternehmerfamilie. Aus Angst vor Entdeckung und möglicher Strafverfolgung wechselt er seinen Aufenthaltsort immer wieder, von Argentinien über Paraguay bis Brasilien, wo ihn eines Tages sein inzwischen erwachsener Sohn besucht. Auf dessen Frage, was er damals in Auschwitz getan hat, bleibt der von Alter, Isolation und Paranoia gezeichneten Mengele die Antwort schuldig…

Diese Frage beantwortet der Film trotz einiger Rückblenden in die KZ-Zeit allerdings auch nicht, er zeigt Mengele dort lediglich bei der entspannten Freizeitgestaltung. Um den Horror, der mit seinem Namen auf immer verbunden sein wird, zu ermessen braucht es auf jeden Fall entsprechende Vorkenntnisse darüber, was er als Arzt im Lager und bei der Selektion an der Rampe getan hat, insofern wird eine Nachrecherche unbedingt empfohlen. Sein Wirken in Auschwitz ist aber auch nicht Thema das Films, wie sich bereits am Titel ablesen lässt, es geht tatsächlich um das Leben danach, wie es möglich war, dass Mengele sich, wie so viele andere, der Verantwortung für ihr Tun entziehen konnte und weder mit seinen Taten konfrontiert noch dafür von einem Gericht verurteilt wurde.

 

Der Film zeichnet Mengeles Weg ins und durchs Exil nach, ein Getriebener auf der Flucht, der nirgendwo Ruhe findet, aber, und das wird erschreckend deutlich, kein von seinem Gewissen Geplagter, sondern jemand, der sich bis zum Schluss unschuldig verfolgt sieht, hat er doch, wie alle anderen, nur seine Pflicht getan. Ebenso schrecklich anzusehen sind die Szenen mit all den alten Nazis, in Südamerika, aber auch in Deutschland, die sich gegenseitig schulterklopfend versichern, dass sie nach wie vor die einzig richtigen Deutschen sind und waren, die nur darauf warten, das Land wieder nach ihren Vorstellungen gestalten zu können.

 

Insofern bietet der Film in eindrucksvollen szenischen Collagen Stoff, um sich mit der Figur Josef Mengele zu beschäftigen, ohne sich explizit mit dessen Taten auseinanderzusetzen, wer dies erwartet, ist hier falsch. Wer sich aber für das Psychogramm eines verbohrten, unbelehrbaren Verbrechers interessiert, bekommt genau dies, von einem überragenden August Diehl grandios verkörper.

 

 

  

Regie: Kirill Serebrennikov

Drehbuch: Kirill Serebrennikov, b/a auf dem Roman von Olivier Guez

Kamera: Vladislav Opelyants

Schnitt: Hansjörg Weißbrich

Musik: Paul Livingston

 

Besetzung:

August Diehl, Max Bretschneider, Dana Herfurth, Friederike Becht, Burghart Klaußner, Sven Schelker,

 

 

DCM Film

2025

135 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 23. Oktober 2025

 

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=Ndx0S5hYjlw  (Deutsch)