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Mittwoch, 2. April 2025

Im Kino: Stormskärs Maja – Von Liebe getragen, von Stürmen geprägt (Myrskyluodon Maija)

Maja (Amanda Jansson), eine junge Frau im finnischen Åland des 19. Jahrhunderts, träumt wie viele Mädchen von der großen Liebe. Sie hat auch schon ihren Traumprinzen ausgeguckt, aber von ihren Eltern wird sie mit dem schüchternen Janne (Linus Troedsson) verheiratet. Mit ihm zieht sie auf die kleine abgelegene Insel Stormskär, wo Janne als Fischer ein Leben für sich und seine Familie aufbauen möchte und Maja hat keine andere Möglichkeit, als sich in ihr Schicksal zu fügen, was sich als herausfordernd, aber letztlich auch erfüllend erweist…

Der Film basiert auf der erfolgreichen Romanreihe der åländischen Autorin Anni Blomqvist, weswegen es trotz der Länge von etwas mehr als 160 Minuten zu zeitraffenden Sequenzen kommt, was aber dem Ganzen nichts von seiner Wucht nimmt.

In beeindruckenden Bildern von Naturgewalten, harter Arbeit und einem Leben immer am Existenzminimum, schafft es die Regisseurin, ihre Zuschauer in das Leben ihrer Protagonistin hineinzuziehen, die sich von ihrer anfänglichen Misere, mit einem ungeliebten Mann auf einer unwirtlichen gefangen zu sein, dort Kinder zu gebären, was unter den damaligen Umständen eines der gefährlichsten Unterfangen überhaupt für eine Frau bedeutete, mehr und mehr emanzipiert. Man wird Zeuge, wie sich ihre Ablehnung des ungeliebten Mannes schon bald in Gefühle wie Respekt, Vertrauen und am Ende in eine von beiden tief empfundene Liebe wandelt, schöner kann Kino eigentlich kaum sein!

Der Film ist ein wunderbares Beispiel dafür, was Kino eben kann, nämlich auf intensivste Weise in eine völlig fremde Welt einzutauchen, und diesmal einmal nicht in die Welt von Superhelden und sonstigen Fantasiewesen, sondern in das Leben einer mit einer harten Realität konfrontierten Frau, von dem man kaum eine Vorstellung hat, ein visuelles und emotionales Erlebnis, nachdem man das Filmtheater mit einem Gefühl verlässt, etwas durch und durch Erfüllendes und Befriedigendes erfahren zu haben.  

In diesem Fall also nicht von der Länge des Films abschrecken lassen, es entsteht zu keinem Zeitpunkt Langeweile, wenn man sich, wie die Protagonistin Maja, auf das einlässt, was einem geboten wird.

 


 Regie: Tiina Lymi

Drehbuch: Tiina Lymi, b/a Romanreihe von Anni Blomqvist

Kamera: Rauno Ronkainen

Schnitt: Joona Louhivuori

Musik: Lauri Porra

 

Besetzung:

Amanda Jansson, Linus Troedsson, Joanna Järnefelt,

 

Mindjaszz Pictures

2024

164 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 03. April 2025

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=umMIUFOcdaQ

Im Kino: Eden

In den 1920ger Jahren entfliehen einige sehr unterschiedliche Menschen der Zivilisation und versuchen, sich auf der vormals unbewohnten Galápagos-Insel Floreana, ein neues Leben aufzubauen. Der deutsche Arzt Dr. Friedrich Ritter (Jude Law) und seine an MS erkrankte Lebensgefährtin Dore Strauch (Vanessa Kirby) sind die Ersten. Ritters Berichte und philosophische Traktate von der Insel locken weitere Auswanderer und Abenteurer an, so die deutsche Familie Wittmer (Daniel Brühl, Sydney Sweeney) und die schillernde Baroness Eloise Wehrborn de Wagner-Bosquet (Ana de Armas), die mit ihren zwei Liebhabern im Gefolge Pläne für ein Luxushotel hegt. Alle versuchen, ihre Utopie zu verwirklichen, aber schon bald gerät das Ganze aus den Fugen…

Die Hölle, das sind bekanntermaßen die anderen, und dafür liefert dieser Film einen eindrücklichen Beweis. Statt sich in der überhaupt nicht paradiesischen, sondern wilden und eher lebensfeindlichen Umwelt gegenseitig zu helfen und zusammenzustehen, entwickelt sich ein ständiges Gegeneinander im niederträchtigen und egoistischen Kampf um Wasser und Nahrung und den besten Platz auf der ansonsten menschenleeren Insel.

Friedrich Ritter erweist sich als inkompetenter Theoretiker, der in seiner Zeit auf der Insel nicht einmal halb soviel geschafft hat, wie die Familie Wittmer, die schon bald ein kleines, festes Haus besitzt und erfolgreich bei der Gewinnung von Nahrung und Wasser ist. Gerade als sich zwischen den Parteien trotzdem eine Art Gleichgewicht einzustellen beginnt, gerät dieses durch die Ankunft der dritten Partei in Gestalt der vorgeblichen Baroness schon nach kurzer Zeit völlig aus den Fugen. Sie ist der Prototyp des egoistischen und manipulativen Menschen, der einfach nicht in Frieden mit anderen zusammenleben kann, ohne diesen zum eigenen Nutzen das Wasser abzugraben, was hier durchaus wörtlich zu verstehen ist.

Solche Eigenschaften sind offensichtlich Teil der menschlichen Natur, eine pessimistische Sicht auf die Welt, auch unter dem Gesichtspunkt, dass diese Geschichte keine fiktionale ist, sondern sich tatsächlich so oder ähnlich vor fast hundert Jahren zugetragen hat, wovon die Originalaufnahmen zeugen, die dem Film im Abspann beigefügt sind, wobei sich nie genau feststellen ließ, was sich wirklich zugetragen hat, außer, dass es am Ende zwei Tote und zweit Vermisste gab.

Der Film ist ob der Niederträchtigkeit seiner Akteure manchmal nur schwer zu ertragen, vor allem wenn man sich umschaut und dieselben Mechanismen zurzeit so prägnant in der aktuellen Weltpolitik mit den zahlreichen autokratischen Egomanen beobachten kann, also nichts für einen beschaulichen Kinoabend…

 

 

Regie: Ron Howard

Drehbuch: Noah Pink, Ron Howard

Kamera: Mathias Herndl

Schnitt: Matt Villa

Musik: Hans Zimmer

 

Besetzung:

Jude Law, Vanessa Kirby, Ana de Armas, Daniel Brühl, Sydney Sweeney, Felix Kammerer, Jonathan Tittel, Toby Wallace, Richard Roxburgh, Paul Gleeson

 

Leonine Studios

2024

129 min.

FSK 16

Deutscher Kinostart: 03. April 2025

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=uyxvhk2uqrM (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=bDmlT7P9SR8 (Englisch)

 

Donnerstag, 27. März 2025

Im Kino: A Working Man

Levon Cade (Jason Statham) hat seine Vergangenheit als Ex-Elite-Soldat hinter sich gelassen und arbeitet auf einer Baustelle in Chicago. Als die Tochter seines Chefs entführt wird, geht er auf die Jagd nach den Kidnappern. Da er selbst Vater eines kleinen Mädchens ist, macht er hierbei keine Kompromisse, aber er ahnt nicht, in welches Wespennest er dabei stößt…

Wo Statham draufsteht ist auch Statham drin, und wenn dann noch ein gewisser Sylvester Stallone das Drehbuch (mit)verfasst hat, dann ahnt man schon, dass es sich eher nicht um einen Arthouse-Film handelt, auch wenn zwischendurch die Klänge von Beethovens Mondscheinsonate etwas anderes vorzutäuschen scheinen.

Auch die Szenen mit Levons Töchterchen helfen diesbezüglich nicht weiter, sie sollen wohl seine softe Seite zeigen und sind ganz nett angelegt, bleiben aber ein bisschen flach, denn so ganz nimmt man Levon den fürsorglichen Vater nicht ab.

Am Ende geht es erwartungsgemäß doch nur um das Eine, und wer auf Action steht, kommt dabei auf seine Kosten, die Bösen sind eklig und fies, um die braucht es einem eher nicht leid zu tun, und etlichen von ihnen geht es so richtig an den Kragen, während „der Gute“ sich ohne mit der Wimper zu zucken durch sie hindurchmetzelt.

Und die Weichen für eine Fortsetzung sind auch schon gestellt, es sind noch nicht alle Probleme gelöst, Jason Statham könnte sich also schon bald erneut an die Arbeit machen, um die Sache zu Ende zu bringen.

 

 Regie: David Ayer

Drehbuch: Sylvester Stallone, David Ayer, b/a Buch „Levon’s Trade“ von Chuck Dixon

Kamera: Shawn White

Schnitt: Fred Raskin

Musik: Jared Michael Fry

 Besetzung:

Jason Statham, Jason Flemyng, Merab Ninidze, Maximilian Osinski, Cokey Falkow, Michael Peña, Noemi Gonzalez, Isla Gie, Eve Mauro

  

Warner Bros. Germany/ Amazon MGM/ Black Bear

2025

117 min.

FSK 18

Deutscher Kinostart: 26. März 2025

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=t4jnZY3QW7I (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=mQF--VNAM8g (Englisch)

 

 

Donnerstag, 20. März 2025

Im Kino: The Alto Knights

Vito Genovese und Frank Costello (beides Robert De Niro) sind im Jahr 1957 auf dem Höhepunkt ihres internen Machtkampfes um die Vorherrschaft über das organisierte Verbrechen in New York City. Vorausgegangen ist eine jahrzehntelange Rivalität der einstigen Freunde, die als junge Männer aus Italien gekommen waren, um in Amerika etwas aus ihrem Leben zu machen. Als Vito schließlich einen Killer schickt, um Frank zu töten, will dieser sich aus dem Mafia-Geschäft zurückziehen, schmiedet allerdings zuvor noch einen wahrhaft teuflischen Plan, der sich am Ende gegen das gesamte Business richtet…

Die Mafia bietet bis heute für das Kino beliebte Filmstoffe, die noch immer nichts von ihrer Faszination eingebüßt haben, obwohl das alles mit der Realität nie etwas zu tun hatte. Das organisierte Verbrechen und vor allem die Mafia zeigen seit Generationen ihr hässliches Gesicht in Gestalt einer brutalen Staat-im-Staat-Gesellschaft, in der der Stärkere die Regeln bestimmt und Mitgefühl und Menschlichkeit als Zeichen von Schwäche verachtet werden. Also irgendwie so, wie sich zurzeit viele Staaten der Welt unter ihren autokratischen Herrschern präsentieren.

Dass es sich hier wie da um reine Männerbünde handelt, versteht sich von selbst, Frauen spielen nur im Hintergrund eine Rolle, allenfalls einma als Grund für Hahnenkämpfe, und aufgrund der insgesamt archaischen Strukturen haben vor allem alte Männer das Sagen. Hier haben wir es demgemäß mit den betagten Haudegen Vito und Frank zu tun, die als rivalisierende Bosse lange Zeit die Geschicke ihrer Familien bestimmt haben, wobei Frank sich nach außen hin stets als Geschäftsmann gerierte, dem man seine illegalen Geschäfte nie so recht nachweisen konnte.

Robert De Niro darf beide Figuren spielen und es gelingt ihm überzeugend, zwei höchst unterschiedliche Charaktere zu verkörpern, wobei man sich allerdings die Frage stellt, weshalb man dann nicht gleich zwei Schauspieler für die Rollen verpflichtet hat. Die Handlung, die auf wahren Begebenheiten beruht, wird aus der Rückschau entwickelt, hier muss De Niro in Gestalt von Frank viel aus dem Off erzählen, was ein wenig ermüdend wirkt, ebenso wie manche Dialoge, die, vielleicht dem etwas eingeschränkten Horizont ihrer Charaktere geschuldet, manches Mal bis an die Schmerzgrenze redundant sind.

Daher braucht die Handlung ein wenig lange, bis sie einigermaßen in Fahrt kommt, abgesehen von einigen obligatorischen Mafia-Morden, die kurz, schnörkellos und blutig vollzogen werden. Erst spät gibt es eine originelle und fast schon humorig zu bezeichnende Wendung, die dem Ganzen so etwas wie ein Happy End beschert, wenn man bei einem solchen Sujet davon sprechen darf.

Alles in allem ein Mafia-Film der alten Schule, ein wenig nostalgisch-verbrämt, aber dennoch sehenswert, mit einem gut aufgelegten Robert De Niro, der einmal mehr in dem Genre glänzen darf, das er so gut beherrscht.

 

 

Regie: Barry Levinson

Drehbuch: Nicholas Pileggi

Kamera: Dante Spinotti

Schnitt: Douglas Crise

Musik: David Fleming

 

Besetzung:

Robert De Niro, Debra Messing, Kathrine Narducci, Cosmo Jarvis, Michael Rispoli,

 

Warner Bros. Germany

2025

120 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 20. März 2025

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=JzELTyZ9R8Y (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=1aayuOp0AnE (Englisch)

Im Kino: Schneewittchen (Snow White)

Das schöne Schneewittchen ist seiner eitlen und bösen Stiefmutter, die sich zur Königin aufgeschwungen hat, ein Dorn im Auge, und als ein Zauberspiegel permanent verkündet, dass nicht sie die Schönste im Lande ist, sondern eben jenes Mädchen, versucht die Königin erzürnt, Schneewittchen töten zu lassen. Sie legt sogar mit Hilfe eines vergifteten Apfels selber Hand an, als diese sich im Exil bei den sieben Zwergen befindet, aber zum Glück geht ihr Plan am Ende gründlich schief…

Wer kennt es nicht, das Märchen der Gebrüder Grimm, das bereits erfolgreich in Disneymanier zu einem entzückenden Zeichentrickfilm (wie man es früher noch nannte) verarbeitet wurde. Allerdings nimmt man nach derselben Manier Vorlagen nicht allzu ernst, sondern mischt, wie in einem Zaubertrank, einfach alles mit hinein, was man sonst noch so findet. Hier ist es vor allem das Ende, das einfach nicht stimmt, denn Schneewittchen wird nicht von einem schnieken Prinzen wachgeküsst, (und schon gar nicht vom Chef einer Räuberbande!), denn dies war Dornröschen vorbehalten, sondern ihr gläserner Sarg, (den es hier gar nicht gibt), wird fallen gelassen, so dass das vergiftete Apfelstück wie nach dem Heimlich-Handgriff herausgeschleudert wird!

Außerdem stellt sich die Frage, warum es sein muss, dass man nach und nach einstige Erfolge entweder mit neuer und zugegebenermaßen beeindruckender Tricktechnik – „Der König der Löwen“ – oder als Live-Action-Film mit echten Schauspielern und animierten Figuren – unter anderem „Dumbo“ „Arielle“ und nun „Schneewittchen“ – neu auflegt, denn trotz der Technik auf der Höhe der Zeit kommen am Ende mehr oder weniger seelenlose Klone dabei heraus, die voller Wehmut an die immer ein wenig zuckrigen, aber dennoch überaus charmanten alten Trickfilme zurückdenken lassen.

Auch im aktuellen Werk gibt es nicht viel, was die Neuauflage rechtfertigen würde. Das Schneewittchen sieht zwar genau so aus, wie seine gezeichnete Vorlage, aber die böse Stiefmutter reiht sich ein in eine Vielzahl böser Figuren, die man bereits zur Genüge kennt, trotzdem der oder die Böse oft die interessanteren Figuren sind, bleibt sie hier leider nichtssagend und blass. Und das sind bereits die positiven Aspekte.

Über die Zwerge deckt man besser den Mantel des Schweigens (da gibt es doch bestimmt ein entsprechendes magisches Kleidungsstück), die Räuberbande wurde offensichtlich aus dem Sherwood Forrest entliehen, denn im Original-Märchen gibt es sie nicht, und selbst die niedlichen Tiere des Waldes wirken so überzuckert süß und falsch, als seien sie geradewegs dem Friedhof der Kuscheltiere entkommen.

Leider können auch die gesungenen Passagen nicht überzeugen, der Sound und Stil von Benji Pasek und Justin Paul, die für das hierzulande nicht so bekannt gewordene Erfolgsmusical „Dear Evan Hansen“, aber vor allem für die eingängigen und schmissigen Songs für „The Greatest Showman“ verantwortlich zeichneten, bleibt hier nichtssagend und fad, kein einziges der Lieder dürfte nach dem Film als Ohrwurm im Gedächtnis bleiben.

Alles in allem eine eher überflüssige Neuauflage eines erfolgreichen alten Werks, das mit eigenmächtigen neuen Handlungselementen auch und gerade die Puristen unter den Märchenliebhabern nicht überzeugen dürfte.

 


 Regie: Marc Webb

Drehbuch: Erin Cressida Wilson, b/a dem Märchen von Jacob und Wilhelm Grimm

Kamera: Mandy Walker

Schnitt: Mark Sanger

Musik: Jeff Morrow, Benj Pasek, Justin Paul

 

Besetzung:

Rachel Zegler, Gal Gadot, Emilia Faucher, Andrew Burnap, Ansu Kabia

 

Walt Disney Germay

109 min.

FSK 0

Deutscher Kinostart: 20. März 2025

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=VnDE2KOZXBY (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=iV46TJKL8cU (Englisch)

 

Mittwoch, 19. März 2025

Im Kino: Das Licht

Die Familie Engels aus Berlin lebt mehr oder weniger aneinander vorbei. Vater Tim (Lars Eidinger) und Mutter Milena (Nicolette Krebitz) sind freiberuflich tätig, er verkauft Werbebotschaften, sie versucht in Afrika ein Theater-Projekt auf die Beine zu stellen, die Zwillinge Frieda (Elke Biesendorfer) und Jon (Julius Gause) machen, was Jugendliche so machen, und der kleine Dio (Elyas Edridge), das Ergebnis eines Seitensprungs von Milena, wird zwischen der Familie und seinem kenianischen Vater, hin- und hergeschoben. Da tritt die aus Syrien geflohene Farrah (Tala Al-Deen) in ihr Leben, die nicht nur als Haushälterin Ordnung ins Chaos bringt, sondern gleichzeitig ihr eigenes Trauma aufarbeitet…

Bekanntermaßen gleichen alle glücklichen Familien einander, während jede unglückliche Familie auf ihre eigene Weise unglücklich ist. Wäre Familie Engels so glücklich, wie sie auf den ersten Blick scheint und wie sie es in ihrer eigenen Wahrnehmung wahrscheinlich von sich selbst annimmt, hätte Tom Tykwer keinen Stoff für seinen Film. Ein kurzer Blick hinter die Fassade reicht jedoch schon, um zu erkennen, dass jedes einzelne Familienmitglied schon längst verlernt hat, sein Glück im Verbund mit den anderen zu suchen, stattdessen schwärmen alle aus, um jeder auf seine Weise die Welt da draußen zu verbessern, und alle müssen erst daran scheitern, um wieder zueinander zu finden.

Es hätte damit ein konventionelles Rührstück über den Umgang mit Konflikten und einem Happy End nach bekannten Mustern werden können, aber dem entzieht sich Tom Tykwer konsequent. Seine eigenwillige Erzählweise, unterlegt mit überraschenden Musik- und Comicelementen und dem Einsatz eines geheimnisvollen Lichts, mag nicht jedem zusagen, aber damit hebt er sich wohltuend von den üblichen Befindlichkeitsdramen gerade des deutschen Kinos ab. Viele Details ziehen sich durch den gesamten Film, kleine Mosaiksteinchen, die scheinbar ungeordnet herumliegen, fügen sich auf fast magische Weise zu einem Gesamtbild zusammen, das am Ende ganz anders aussieht, als es zunächst den Anschein hat.

Wer Lust am Unkonventionellen hat und bei der Länge des Werks auch die nötige Zeit und Geduld aufbringt (seufz), wird mit einem durchaus sehenswerten Filmerlebnis belohnt, das eigenwillig und teilweise sperrig daherkommt, aber glatt und gefällig ist auf Dauer auch langweilig!

 


 Regie: Tom Tykwer

Drehbuch: Tom Tykwer

Kamera: Christian Almesberger

Schnitt: Alexander Berner

Musik: Johnny Klimek, Tom Tykwer

 

Besetzung:

Lars Eidinger, Nicolette Krebitz, Tala Al-Deen, Julius Gause, Elke Biesendorfer, Tala Al-Deen.

 

X Filme Creative Pool

2025

162 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 20. März 2025

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=g3ruwO46siA

 

Im Kino: The Last Showgirl

Nach 30 Jahren soll für die Tänzerin Shelly (Pamela Anderson) der letzte Vorhang fallen, die „Razzle Dazzle“-Show wird endgültig abgesetzt, in Las Vegas ist kein Platz mehr für alte Nummern und gealterte Tänzerinnen. Shelly hatte für diese Karriere einst ihr Kind geopfert, um das sie sich nie kümmern konnte oder wollte, nun versucht sie, sich ihrer mittlerweile erwachsenen Tochter wieder anzunähern, während sie gleichzeitig zusammen mit ihren Kolleginnen um ihre Zukunft kämpft…

Nirgendwo scheint der Altershammer so hart zuzuschlagen wie im Showbusiness, und vor allem Frauen werden mitleidlos ausgemustert, sobald sie nicht mehr jung, frisch und knackig daherkommen. Die Show und die Tänzerinnen, um die es hier geht, durften sich vergleichsweise lange im Scheinwerferlicht sonnen, aber als nun auch ihre Stunde gekommen ist, wird man Zeuge ihres tragischen Endes. Es geht eigentlich nur noch darum, in Würde abzutreten, mehr bleibt den gealterten Damen nicht, während auf den ebenso lange tätigen Clubmanager (Dave Bautista) eine neue Aufgabe wartet.

Diese Art der Diskriminierung, denen Frauen nach wie vor ausgesetzt sind, wird mitleidlos praktiziert und es scheint kein Mittel dagegen zu geben, das ist die traurige und deprimierende Botschaft des Films. Die weitere Tragik liegt in dem Zwiespalt, der es der Tänzerin Shelly, wie so vielen Frauen, nicht erlaubt hat, eine Familie zu haben und gleichzeitig ihre Karriere zu verfolgen, und da ist es egal, ob die Karriere nur aus einer billigen Las-Vegas-Show bestand, entscheidend ist, dass nur das eine oder das andere möglich schien.

Pamela Anderson, das einstige Sex-Symbol, verkörpert diese Shelly mit Inbrunst und Verve, aber die Show stiehlt wieder einmal Jamie Lee Curtis als Kollegin und beste Freundin, die ihren Absturz bereits hinter sich hat und ihre letzten Illusionen schon vor langer Zeit an der Garderobe abgegeben hat.

Ein Film mit Herz und viel Schmerz, der ans Gemüt geht, dem vielleicht ein paar schmissigere Showszenen gutgetan hätten, aber die Tristesse des Showbiz, wie es auch sein kann, trifft er gut…

 

 

Regie: Gia Coppola

Drehbuch: Kate Gersten

Kamera: Autumn Durald Arkapaw

Schnitt: Blair McClendon, Cam McLauchlin

Musik: Andrew Wyatt

 

Besetzung:

Pamela Anderson, Brenda Song, Dave Bautista, Kiernan Shipka, Jamie Lee Curtis, Billie Lourd, Linda Montana,

 

Constantin Film

2024

88 min.12

FSK

Deutscher Kinostart: 20 März 2025

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=3qNaD2aL1hw (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=hZDs_lLGrTU (Englisch)