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Dienstag, 28. Januar 2020

Film-Rezensionen: Die Heinzels – Rückkehr der Heinzelmännchen


 „Wie war zu Köln es doch vordem
mit Heinzelmännchen so bequem!“


So beginnt August Kopisch seine gereimte Geschichte über die kleinen Helferlein, die den Kölnern einst das Leben so viel einfache gemacht haben, bis die Frau des Schneiders dies durch ihre Neugier verdarb. Seither muss man in Köln wieder alles selbst erledigen, was, wie leidlich bekannt, nicht immer von Erfolg gekrönt ist… Diese ihre Geschichte bekommen auch die heutigen Heinzelmännchen erzählt – denn ja, es gibt sie noch, tief unter der Stadt! – und bringt das Heinzelmädchen Helvi auf die Idee, sich bei einem Menschen zu verdingen, um ein Handwerk zu erlernen, mit dem sie in ihrer Gemeinschaft glänzen kann. Sie sucht sich den grantelnden Konditor Theo aus, der gerade in ziemlich fiesen finanziellen Schwierigkeiten steckt und kurz davor steht, seine Konditorei an seinen geldgierigen Bruder zu verlieren. Helvi und ihre nicht ganz freiwilligen Begleiter aus der Heinzelwelt, Kipp und Butz, besinnen sich auf ihre ureigene Aufgabe, den Menschen zu helfen und machen sich ans Werk, um eine Win-win-Situation zu schaffen… Wir heinzeln das!

Der Animationsfilm mit viel Lokalkolorit richtet sich in erster Linie an ein sehr junges Publikum. Die Heinzel sind niedlich anzusehen und das Heinzelmädchen Helvi – großartig gesprochen von Jella Haase – ist vorwitzig ohne allzu aufdringlich zu sein. Die Botschaft kommt kindgerecht rüber: das Ergebnis einer mit Liebe verrichteten Arbeit ist besser, als seelenlos produzierte Produkte, und im Fall der hergestellten Kuchen und Törtchen besonders schmackhaft. Obwohl die Heinzeltruppe demonstriert, dass auch sie sich der Fließbandproduktion nicht ganz verschließen kann, um den Bedarf aller Kunden decken zu können, steckt ausreichend Liebe und Kreativität dahinter, um die Fabrikprodukte geschmacklich um Längen zu schlagen. Ob das junge Publikum in der Lage ist, diesen Gedanken auf das tägliche Leben zu übertragen, sei dahingestellt, die weitere Botschaft ist genauso wertvoll: Miteinander ist besser als allein, und einander helfen besser, als sich zu bekämpfen.

Wertvoll ist außerdem, dass der Film sich nicht scheut, die Geschichte, trotz einer möglichen internationalen Vermarktung, dort spielen zu lassen, wo sie hingehört, und die bei vielen fast vergessene Sage der Kölner Heinzelmännchen in neuem Gewand aus dem verstaubten Keller der Vergessenheit hervorholt. Trotz einer eher schlichten und insgesamt zu brav geratenen Story und den im Vergleich zu großen, ausgereiften Hollywoodproduktionen technischen Unausgereiftheiten, ist ein netter, familientauglicher Film entstanden, der dem Zielpublikum Spaß bringen soll – ganz im Sinne der oben beschriebenen Botschaft.


Regie: Ute von Münchow-Pohl
Drehbuch: Jan Strathmann
Art Direction: Heiko Hentschel
Schnitt: Erik Stappenbeck, Ute von Münchow-Pohl
Musik: Alex Komlew

Mit den Stimmen von:
Jella Haase (Helvi), Louis Hofmann (Kipp), Leon Seidel (Butz), Detlef Bierstedt (Theo), Elke Heidenreich (Vendla), Rolf Berg (Bruno), Bill Mockridge (Brimur), Marie-Luise Marjan (Rosa), Ranja Bonlana (Harriet)

Akkord Film Produktion/ TOBIS Film
FSK 0
76 min.
Deutscher Kinostart: 30. Januar 2020
 

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