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Mittwoch, 19. April 2023

Im Kino: Empire of Light

Hilary (Olivia Colman) ist eine nicht mehr ganze junge, alleinstehende Frau, die in einer kleinen englischen Stadt am Meer in einem altehrwürdigen Kino, dem „Empire“, arbeitet. Ihre Kollegen und Kolleginnen bilden trotz ihrer Verschiedenheit eine verschworene Gemeinschaft, fast schon so etwas wie eine Familie. Als Hilary in psychischen Problemen zu versinken droht und von ihrem Chef (Colin Firth) sexuell ausgebeutet wird, findet sie in dem jungen Stephen (Micheal Ward), einem Mitarbeiter mit dunkler Hautfarbe, der sich im England der 1980ger Jahre rassistischer Angriffen ausgesetzt sieht, nicht nur einen Verbündeten, sondern über ihren Altersunterschied hinweg, eine verwandte Seele. Zwischen beiden Außenseitern entwickelt sich eine Liebesbeziehung, der allerdings keine Zukunft beschieden ist…

Star des Films ist neben der wie immer großartigen Olivia Colman eindeutig der wunderschöne Kinopalast, der in pompöser Erhabenheit über dem Seestädtchen thront, mit beeindruckender Lobby und weit geschwungenen Treppenaufgängen, opulent und plüschig, bis hin zu einem nicht mehr genutzten Saaltrakt unter dem Dach, trauriges Überbleibsel alter Größe. Hier steckt auf jeden Fall eine wehmütige Liebeserklärung an das Kino früherer Tage, die Regisseur Mendes genüsslich erzählt.

Die andere Liebesgeschichte zwischen den Protagonisten kommt etwas holpriger daher, und obwohl durchaus von einer anrührenden Zartheit geprägt, wird sie leider von weiteren Themen des Films überschattet. Da ist zum einen die psychische Krankheit Hilarys – offensichtlich einer bipolaren Störung –, die Regisseur Mendes eigenen Angaben zufolge ein wichtiges, weil persönliches Anliegen war. Daneben gibt es die sexuelle Ausbeutung durch den Arbeitgeber, der die seelische Situation seiner Angestellten schamlos ausnutzt und last but not least den ebenfalls thematisierten Rassismus. Alle diese Elemente stehen sich immer wieder gegenseitig im Weg und verhindern so leider am Ende eine runde und homogen Erzählung, hier wäre weniger wohl mehr gewesen.

Wenn man über diese den zu vielen Themenansätzen geschuldeten Holprigkeiten hinwegsieht, ist es dennoch ein durchaus schöner und anrührender Film geworden, der sich am Ende vor allem auf die Ausdrucksstärke seiner beiden Stars Olivia Colman und dem wunderbaren „Empire“ verlassen kann, beide eine Hommage an das Kino, sowohl der vergangenen als auch der aktuellen Zeiten.

 


 Regie: Sam Mendes

Drehbuch: Sam Mendes

Kamera: Roger Deakins

Schnitt: Lee Smith

Musik: Trent Reznor, Atticus Ross

 

Besetzung:

Olivia Colman, Micheal Ward, Colin Firth, Toby Jones, Tom Brooke, Tanya Moodie

 

 

Searchlight Pictures/The Walt Disney Company Germany

2022

115 min.

FSK 12

Deutscher Kinostart: 20. April 2023

 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=XuS-iYX_jS4 (Deutsch)

https://www.youtube.com/watch?v=HdMPTgYi-0w (Englisch)

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